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Im November auf die Insel des ewigen Frühlings (Lanzarote)
Teil 7
Sonntag (9. November) Eigentlich wollte ich, dass wir spätestens um 8.30 Uhr nach Teguise fahren würden, aber Achim hatte bis spät in die Nacht ferngesehen
und stand daher etwas später als geplant auf. Wir hatten uns schon im Frühjahr Teguise angesehen, doch dieses Mal wollten wir uns die Touristenattraktion, nämlich den Markt, der
dort jeden Sonntagvormittag stattfindet, anschauen. Gegen 11 Uhr kamen wir in Teguise an. Viele Straßen waren gesperrt und die Schotterplätze rechts und links der Durchgangsstraße
waren zu Parkplätzen umfunktioniert. Für 1,50 € konnte man den Wagen dort abstellen. Wir parkten noch vor der Tankstelle und reihten uns in die Besucherströme ein.
Es gab viel Kitsch, einiges afrikanisches Kunsthandwerk, jedoch keine typische kanarische Ware zu sehen und zu kaufen. Trotzdem liefen viele Besucher mit vollgestopften Plastiktüten durch die Gegend.
An einigen Stellen sah man nur farbige Verkäufer. An einer anderen Stelle waren viele Imbißbuden mit Bänken und Tischen zu sehen. Wir
gingen an eine und bestellten uns eine Currywurst und ein Franziskaner Hefebier. Dann setzten wir uns auf eine Bank, aßen unsere Wurst und beobachteten dabei die Besucher.
Inzwischen war es sehr heiß geworden, die Sonne brannte gnadenlos vom Himmel. Wir schlenderten noch eine Weile über den Markt und
kamen an eine Stelle, wo, wie ich erst dachte, eine Skulptur stand. Bei näherem Hinsehen stellte sich jedoch heraus, dass es Menschen
waren, die sich schwarz-braun angemalt hatten. Sie verhielten sich völlig still. Lediglich ihre Augenbewegungen verrieten uns, dass sie lebendig waren.
Wir schauten ihnen eine Weile zu und gingen schlenderten dann weiter über den Markt. „Wohin wollen wir jetzt fahren?“ fragte Achim nachdem wir den Markt verlassen hatten.
„Lass uns zuerst zum Jardin de Cactus fahren. Da war ich noch nicht. Danach können wir überlegen, ob wir uns irgendwo am Strand
etwas hinlegen wollen oder aber wir fahren noch einmal zu den Cuevas de Los Verdes“, antwortete ich. „Die ganze Höhle hast du doch noch nicht gesehen.“
Wir setzten uns ins Auto und fuhren durch Guatiza. Früher war in dieser Gegend ein wirtschaftlich wichtiges Zentrum, denn hier wurden
auf den Feigenkakteen die Conchenille-Schildläuse gezüchtet, die den roten Farbstoff Karmin lieferten, ohne die der Campari und die Lippenstifte farblos oder unbekömmlich wären.
Bis Mitte der 80er Jahre des 20. Jh.s lebten mehr als 50 Prozent der lanzarotenischen Bauern von der Conchenillezucht. Als der Farbstoff
synthetisch hergestellt wurde, sank der Preis derart, dass die Landwirte sich einer anderen Erwerbsmöglichkeit zuwendeten. Dennoch
sieht man weiterhin in der Gegend um Mala und Guatiza weite Opuntienfelder und ab und zu sogar jemanden, der darauf arbeitet. Von
den kanarischen Inseln ist Lanzarote die einzige Insel, auf der der Anbau des Feigenkaktus wirtschaftlich noch eine Rolle spielt. Durch das
gestiegene Umweltbewusstsein der Menschen hofft man, dass auch das allgemeine Bewusstsein für ungiftige Farbstoffe wieder wächst.
Am Eingang zum Kakteengarten stand eine 8 m hohe Skulptur von César Manrique, die einen riesigen Kaktus darstellte. Um die über
1400 verschiedenen Kakteenarten zu besichtigen musste man erst einmal 5 € Eintrittsgeld hinlegen, was ich als eine reine Abzocke ansah.
Der Kakteengarten lag in einer Mulde, die durch das Abtragen von Vulkanasche entstanden war. Er war von Manrique unter dem Eindruck mehrere Japanreisen und der Beschäftigung mit der Zen-Philosophie geschaffen worden.
Neben den Kakteen wuchsen dort noch an die 10.000 andere Pflanzen. Am Rand der Mulde stand eine „molino“ aus dem 18. Jahrhundert. Sie gehört zu den wenigen noch gut erhaltenen Mühlen auf Lanzarote.
In dem kesselartigen Garten gab es kaum ein schattiges Plätzchen und da mir die Hitze sehr zuschaffen machte, wollte ich auch alsbald von
dort weg. Während Achim noch ein paar Fotos schoss wartete ich am Ausgang auf ihn.
Wir fuhren weiter Richtung Norden und kamen an einer Stelle vorbei, an der früher einmal Steine abgeschlagen wurden. Lediglich die sehr harten Reste standen wie übrig gebliebene Säulen in der Gegend herum.
Wir fuhren weiter durch Arrieta und an Punta de Mujeres vorbei zu den Höhlen. Am Kassenhäuschen zahlten wir pro Person 8 €
Eintrittsgeld und warteten dann im Schatten des Einganges auf die nächste Führung, die jede volle Stunde stattfand. Da wir noch etwas
Zeit hatten gingen wir zum Rauchen zum Parkplatz. Plötzlich sah ich zwischen den Steinen eine Eidechse hervorschauen.
Obwohl es viele deutsche Touristen gibt wurde die Führung wie schon die Jahre zuvor in spanischer und englischer Sprache durchgeführt.
In dem Höhlensystem kamen wir an interessante Plätze die vielsagende Namen wie „La Sala de los estetates“ (Saal der Ästhetiker), „El
soplo de Dios“ (Gotteshauch) „La garganta de la muerte“ (Der Rachen des Todes) und „La puerta mora“ (Das maurische Tor)“ trugen.
Am Auditorium angekommen drehten wir um und gingen einen anderen Weg zurück zum Ausgang. Kurz vorher hielten wir an einer Stelle, wo man den Eindruck hatte in eine sehr tiefe Grotte zu schauen.
Als wir nach einer guten Stunde wieder am Ausgang waren schlug uns die Hitze des Tages entgegen. In der Höhe selbst war es bei 18 bis 20 ° C angenehm kühl gewesen.
Zuerst wollten wir in Arrieta anhalten, uns auf eine Terrasse mit Blick aufs Meer setzen und etwas Kühles trinken, doch da es schon nach
16 Uhr war entschlossen wir uns direkt nach El Golfo weiterzufahren und dort beim Essen den Sonnenuntergang anzuschauen.
Unsere Fahrt auf der LZ 30 führte uns direkt am Weinmuseum El Grifo vorbei, wo wir kurz anhielten und 2 weitere Flaschen Malvasia
kauften. Die Sorte(n) gibt es auch in Deutschland bei Karstadt zu kaufen, aber direkt am Urlaubsort schmeckt der Wein sehr viel besser. Zuhause fehlt eben das Flair.
Gegen 16 Uhr parkten wir am Beginn der „Hauptstraße“ von El Golfo. Hier reihte sich ein Fisch-Restaurant an das andere. Fast am Ende
der Straße lag das bekannteste des Ortes: das „Placido“. Genau in dieses wollten wir. Wir hatten Glück und bekamen einen freien Tisch direkt am Meeresufer.
Als wir den Ober nach der Speisekarte fragten bekamen wir zur Antwort: „Keine Karte. Fisch essen?“ „Ja“, sagte Achim. „Ich möchte gerne Seezunge essen.“
Der Ober antwortete: „Einen Moment. Ich frage in der Küche nach.“ Er ging über die Straße in die Küche des Restaurants. Als er wieder bei uns war sagte er: „Keine Seezunge.“
Achim war enttäuscht, denn er hatte gehört, dass die Seezungen in diesem Restaurant so groß seien, dass sie über den Tellerrand hinaus ragten. Achim fragte den Ober was er uns denn empfehlen könnte.
„Fisch. Fischfilet“, war die wenig aussagekräftige Antwort. Klar gab es in einem Fischrestaurant Fisch zu essen. Nur welchen sollten wir bestellen? Wir hatten keine Ahnung und da es noch früh war
(ca. 16.30 Uhr) gaben wir zur Antwort, dass wir mit dem Essen noch etwas warten wollten.
Wir bestellten uns ein weiteres Bier und schauten eine Weile den Leuten zu, die zwischen den Steinen am Ufer nach Muscheln suchten.
Dann nahm der Hunger überhand und wir winkten den Ober an unseren Tisch. Da wir immer noch nicht wussten welchen Fisch wir
bestellen sollten (wir kannten die spanischen Ausdrücke dafür nicht), deutete er uns an, dass wir mit ihm in die Küche gehen und uns dort einen aussuchen sollten.
Zuerst zierte ich mich etwas. Doch dann gingen wir mit dem Ober mit. Neben dem Eingang des Restaurants, das mehr einer Hütte glich, hing ein Vogelbauer in dem ein Papagei saß und den kreischenden Möwen nachahmte.
Der Koch winkte uns in sein Heiligtum und öffnete die Kühltruhe. Darin lagen viele frisch gefangene Fische, die wir jedoch alle nicht
kannten. Wir sagten dem Koch, dass wir gerne ein Fischfilet essen wollten. Er zeigte uns ein Rückenstück von einem großen Fisch dessen
Namen ich nicht verstand. Es sah lecker aus und so sagte ich zu Achim: „Egal um was es sich handelt. Ich möchte das essen. Die Fische kenne ich ja sowieso nicht.“
Auch Achim entschied sich letztendlich für das Filet. Als Vorspeise bekamen wir ein warmes Brötchen und einen großen Salatteller serviert. Kurz darauf wurde uns das Essen serviert.
Der Fisch schmeckte einfach köstlich und die Portion war mehr als ausreichend!
Als die Sonne unterging machte Achim einige Fotos, während ich mich im Stuhl zurücklehnte und mir das Schauspiel in aller Ruhe ansah.
Natürlich hatte ich schon viele Sonnenuntergänge gesehen, aber bisher war es mir nicht geglückt es in El Golfo zu bestaunen. Es ist wirklich lohnenswert!
Montag (10. November)
Als ich gegen 7 Uhr aufstand war der Himmel total zugezogen. Erst gut 3 Stunden später schien die Sonne. Der Wetterbericht meldete für
den Tag einige Wolken bei viel Sonnenschein und Temperaturen um die 21 bis 23 °C mit leichtem Wind aus östlicher Richtung.
Ich wäre sehr gerne wieder angeln gegangen, aber um 10 Uhr war der höchste Wasserstand, also Flut, angesagt.
„Lass es uns doch im Hafen auf der Mauer probieren“ meinte ich zu Achim. „Am Strand werden wir kaum einen Platz finden, an dem wir nicht nass gespritzt werden.“
Doch Achim hatte keine Lust am Hafen zu angeln. Also setzten wir uns ins Auto und fuhren zum Yachthafen von Playa Blanca. Wir
parkten auf einer großen Fläche hinter einem Hotel und gingen zur Uferpromenade. Auch hier gab es einen kleinen Strand, wie wir überrascht feststellten.
In einer Cafeteria suchten wir uns einen Tisch direkt am Wasser und bestellten einen Eisbecher. Wir beobachteten die Fische, die sich im Hafenbecken tummelten und darauf warteten, dass Touristen ihnen Brot zuwarfen.
Nach einer guten Stunde fuhren wir zurück zu unserem Bungalow. Am Himmel waren immer noch so viele Wolken, so dass die Sonne
kaum durchscheinen konnte. Wir legten uns ein gutes Stündchen aufs Ohr und gingen anschließend mit unseren Angelsachen ans Wasser.
Es wehte ein heftiger Wind aus Osten, der das Angeln sehr schwierig machte. Kaum tanzte die Wasserkugel auf den Wellen, war sie auch
schon wieder am Ufer. So machte das Angeln keinen Spaß. Eine Bißerkennung war bei der Brandung einfach nicht möglich. Trotzdem
spürte ich in der Schnur, die ich zwischen Daumen und Zeigefinger hielt, wie sich ein Fisch den Köder schnappte. Ich wartete nicht lange
und schlug an. Ein Lippfisch hatte sich den Fischfetzen geschnappt. Ich befreite ihn vom Haken und setzte ihn dann ins Wasser zurück. Als
die Sonne untergegangen war wurde es zunehmend kühler. Wir packten unsere Sachen zusammen, zogen uns um und gingen dann die
Uferpromenade Richtung Leuchtturm runter. In einem Restaurant bestellten wir uns ein Entrecout und einen Salatteller. Während wir unser
Steak aßen schauten wir aufs Meer, wo ein hell erleuchtetes Kreuzfahrtschiff auf Fuerteventura zusteuerte. Gegen 20 Uhr machten wir uns auf den Rückweg zu unserem Bungalow.
Dienstag (11. November)
Nur langsam bahnte sich die Sonne ihren Weg durch die vielen Wolken die am Himmel waren. Der Wetterbericht hatte Temperaturen zwischen 24 und 26 ° C angesagt, aber danach sah es am Morgen gar nicht aus.
Trotzdem packten wir unsere Badesachen ein und fuhren zu den Papagayostränden. Es war gerade Flut und das Wasser hatte fast schon
seinen höchsten Stand erreicht, so dass wir dort nicht liegen konnten, wo wir ansonsten immer hingingen. Mit unseren wasserfesten
Sandalen stampften wir durchs Wasser bis wir einen einigermaßen sicheren und trockenen Platz gefunden hatten.
Nach einiger Zeit hatten sich die Wolken verzogen und die Sonne hatte das Regiment übernommen. Es herrschten Windgeschwindigkeiten
von ca. 30 km/h. Achim warf sich gleich nachdem wir am Strand angekommen waren in die Wellen. Es machte ihm Spaß hin und her
geschaukelt zu werden. Ich las indessen meinen Krimi weiter. Als er das nächste Mal schwimmen wollte überredet er mich mitzukommen.
Bei den hohen Wellen traute ich mich aber nicht ganz ins Wasser, sondern blieb in der Nähe des Ufers. Als mich trotz meiner Vorsicht
eine hohe Welle voll von hinten traf und ich pitschnass wurde verließ ich das Wasser.
Gegen 14 Uhr war die Flut schon etwas zurück gegangen und ich beobachtete die Strandläufer, die sich inzwischen am Ufer versammelt hatten.
Als wieder Wolken aufzogen wurde es merklich kühler. Gegen 15.15 Uhr packten wir unsere Sachen und fuhren zurück zum Bungalow.
Da wir keine Lust hatten uns erneut umzuziehen bereiteten wir uns selbst etwas zu essen zu und setzten uns auf die Terrasse unseres Bungalows.
Oerlinghausen, den 21.01.2009
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