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Räuber aus dem Åsnen 02.09. – 16.09.2006
Teil III
Als ich Montagmorgen (11.09.) nach draußen schaute war es absolut windstill und nichts als Nebel zu sehen. Der Wetterbericht im NDR hatte tags zuvor Wind aus Südost gemeldet. Davon war
jedoch nichts zu merken. Außerdem war erst für Donnerstag Regen angesagt. So lange sollte es trocken und sonnig bleiben. Doch so wie es draußen aussah konnte man das Angeln vorerst einmal knicken. Nicht einmal der
leiseste Windhauch war zu spüren. Es lag so eine so hohe Feuchtigkeit in der Luft, dass draußen alles pitschenass war. Da wir nun schon einmal früh aufgestanden waren nahmen wir unsere Angelsachen und brachten
sie zum Boot. Am Bootsanleger sah es nicht viel besser aus. Im Gegenteil. Es herrschte eine Sichtweite von gerade mal 10 Metern. Wir fuhren langsam los und als wir aus unserer Bucht kamen konnten wir nicht einmal
die Einfahrt zum Fluss erkennen.
Auf den See hinauszufahren war uns einfach zu riskant bei den vielen Steinen. Also drehten wir wieder um und hielten uns fast
eineinhalb Stunden in der Nähe des Bootanlegers auf, wo ich vor lauter lange Weile nach Rotfedern und Lauben stippte. Es gelang
mir mit einer Made am Haken 2 kleine Barsche und 2 Rotfern zu fangen. Überall zwischen den Pflanzen hingen an den Spinnweben wie Perlen lauter kleine Tautropfen.
Als wir uns wieder auf den See wagten herrschte immer noch „dicke Luft“. Deshalb beschlossen wir erst einmal in den Fluss zu fahren. Wegen des dicken Nebels war die Einfahrt mehr zu erahnen als zu erkennen.
Als wir im Fluss waren war von Nebel kaum noch etwas zu sehen. Auch hier war es total windstill. Wir beobachteten wie der
Nebel vom See ins Landesinnere zog. Im Fluss schleppten wir ohne einen Biss bis zur ersten Brücke. Ich bat Achim einige
Minuten anzuhalten, da ich noch ein paar Lauben stippen wollte, die wir am „Zanderloch“ als Köder nehmen wollten. Nachdem
ich 3 Stück gefangen hatte fuhren wir wieder zum See. Inzwischen hatte sich der Neben fast ganz verzogen. Aber was war das?
Vor uns lag eine spiegelglatte Wasserfläche! So etwas hatte ich auf dem Åsnen noch nie erlebt!
Statt wie sonst nach links fuhren wir dieses Mal, als wir aus der Bucht kamen, nach rechts. Als der Nebel nach und nach
verschwand brannte die Sonne erbarmungslos vom Himmel. Die Temperatur stieg schnell auf 26° C. Während der Fahrt konnten wir auf der Wasseroberfläche immer wieder Kreise und ab und zu auch Fische springen sehen.
Gegen 13 Uhr waren wir am „Zanderloch“ bei Torne. Die Sonne brannte uns auf den Pelz.
Wir befestigten einen Köderfisch am Haken, ließen ihn auf den Grund absinken und das Boot treiben. Fast 2 Stunden saßen wir in
der Hitze. Da sich nichts tat beschlossen wir den Rückweg anzutreten. Von unserer Angelstelle bis zum Bootsanleger waren es
immerhin 6 km, die wir zurücklegen mussten. Gegen 16 Uhr kam etwas Wind auf, was wir sehr begrüßten.
Achim tauschte die Rolle an seiner Rute aus. Er wechselte sie aus gegen eine, auf der eine Berkley Vanish Fluorocarbon Schnur
war. Diese sollte unter Wasser für die Fische unsichtbar sein. Vielleicht war das bei diesem Sonnenschein der Geheimtipp. Den
restlichen Weg schleppen wir noch einmal. Statt eines Blinkers hatte ich wieder einen Hi-Lo-Wobbler am Stahlvorfach. Es dauerte
fast eine Stunde, bis ich endlich einen Biss bemerkte. Schnell nahm ich die Rute aus dem Rutenhalter und schlug an. Ich konnte
den Hecht bis zum Boot drillen, doch dann schüttelte er sich heftig – und verabschiedete sich!
Um 18.40 kamen wir total geschafft von der Hitze und den vielen Stunden auf dem Wasser am Bootsanleger an. In Windeseile
packten wir unsere Sachen vom Boot. Als wir in unserer Hütte waren zapften wir uns zuerst einmal ein Hefebier mit dem wir uns auf die Terrasse setzten.
„Hoffentlich ist es morgen früh nicht wieder so nebelig. Es muss ja nicht gerade stürmisch sein, aber überhaupt kein Wind geht ist noch schlimmer, finde ich“, sagte ich zu Achim.
Am anderen Morgen (Di., 12.09.) sah es jedoch genau so aus. Es war nichts als Nebel um uns herum und kein Lüftchen wehte.
Da sich das Rausfahren bei diesem Nebel sowieso nicht lohnte setzten wir uns ins Auto und fuhren nach Vaxjö. Wir bummelten ein
wenig durch die Einkaufsstraße, aßen eine Kleinigkeit und kauften noch ein paar Dinge in einem Supermarkt ein. Dann machten
wir uns auf den Rückweg. Unterwegs hielten wir einmal an um nach Pilzen Ausschau zu halten. Außer Fliegenpilzen, einem Steinpilz und einigen Maronen fanden wir jedoch nichts.
Als wir wieder in der Hütte waren hatte sich der Nebel gelegt und die Sonne schien vom blauen Himmel. Gegen 14.30 Uhr waren
wir wieder auf dem Boot und fuhren raus. Dieses Mal schleppten wir um die Insel Harö. Inzwischen war ein leichter Wind aus
Südost aufgekommen. Gegen 17 Uhr bat ich Achim den Motor zu stoppen, da ich einen Hänger vermutete. Ich nahm die Rute
hoch und kurbelte die Schnur ein. Irgendetwas kam mir das jedoch komisch vor. Ich sagte: „Schatz, ich habe keinen Hänger! Aber irgendwie kommt es mir komisch vor.“
„Vielleicht hast du einen Fisch dran“, meinte Achim. „Keine Ahnung“ antwortete ich. „Wie ein Fisch fühlt es sich nicht an, aber ein Hänger ist es auch nicht.“
Kurz vor dem Boot erkannte ich einen Hecht im Wasser. Als er im Kescher lag sah ich, dass er nicht im Maul sondern im Rücken
gehakt hatte. Vorsichtig entfernte Achim den Haken und setzte dann den 60er-Räuber wieder in sein nasses Element.
Eine Stunde nach meinem Fang bemerkte Achim ebenfalls einen Biss. Sein 61er Hecht hatte genau wie meiner auf einen kupfernen Doppelblinker gebissen.
Wie immer fuhr Achim mit gedrosseltem Motor in unsere Bucht. Plötzlich stieg ein Fischreiher auf. Er muss wohl auf einen der
dicken Steine im Schilf gesessen haben. Kurz bevor das Boot anlegte sah ich einen kleinen Hecht (er mag vielleicht um die 40 cm groß gewesen sein) im Wasser schwimmen.
„Das gibt’s doch nicht. Hier schwimmt ein Hecht!“ sagte ich zu Achim. „Warum sollen hier keine Hechte sein? Die sind schließlich überall. Und Futterfische gibt es hier ja auch genug“, antwortete er.
Als wir wieder in unserer Hütte waren kam Ulli vorbei. Er erzählte uns, dass die anderen Gäste (6 Personen in 3 Booten) 20 Hechte gefangen hätten. Darunter einer von 114 und einer von 118 cm!
Als Ulli wieder gegangen fragten wir uns warum die anderen so viel und wir nur so wenig, wenn überhaupt, fingen. Machten wir
vielleicht etwas falsch? Oder waren wir einfach zu dumm zum Angeln? Vor 3 Jahren hatten wir uns schon einmal diese Fragen
gestellt. Damals erzählte uns Ulli auch immer wieder wie gut die anderen fingen – und wir standen fast ohne Fische da!
Beim Schleppen hatten wir einige Boote in unserer Nähe gesehen, aber uns war nicht aufgefallen, dass auch nur einer der Leute
gedrillt hatte. „Wann und wo wollen die denn die vielen Fische gefangen haben?“ fragte ich Achim. „Das verstehe ich auch nicht. Von Fängen ist mir nichts aufgefallen“, antwortete er.
Wir erinnerten uns, dass wir zwei Tage vorher bei unserer Rückfahrt kurz vorm Bootsanleger zwei Angler gefragt hatten, ob sie
etwas gefangen hätten. Sie hatten geantwortet: „Ja. Einen.“ Das Fangergebnis der anderen hatte Achim wohl die ganze Nacht
beschäftigt und ihn am anderen Morgen (Di., 12.09.) früh aus dem Bett getrieben. Es war gerade mal 6 Uhr, als er aufstand. Für
Achim eine total unübliche Zeit. “Aber vielleicht waren wir immer zu spät auf dem Wasser und die Hechte beissen in den Morgenstunden am besten” dachte sich Achim.
Wir werden es sehen. Ein Blick aus dem Fenster zeigte uns, dass es nicht mehr ganz so nebelig war wie die beiden Tage zuvor.
„Ich trinke noch eine Tasse Kaffee, dann ziehe ich mich an. Wir sollten sehen, dass wir früh rausfahren“, sagte Achim.
Als wir um 7 Uhr am Bootsanleger waren schien schon die Sonne. Wir schleppten vor der Insel Ursö bis 11.30 Uhr ohne einen
Biss zu bekommen. Zuerst versuchten wir es mit dem Hi-Lo-Wobbler, dann mit dem Tormentor und später mit kupfer-kupfernen und silber-kupfernen Blinkern. Alle Kunstköder brachten uns keinen Fisch an den Haken.
Schließlich sagte Achim: „Wir fahren jetzt zur Insel Harö und schleppen dort in der Bucht beim 5-Meter-Loch.“
Als wir dort ankamen, meinte er: „Ich mache jetzt den silber-goldenen dran. Wenn das auch nichts bringt fahren wir zurück.“
Kaum landete der 45 Gramm Blinker im Wasser bekam Achim einen Biss. Ein Hecht von 65 cm Länge konnte dem Köder nicht widerstehen. Nachdem der Fisch zurückgesetzt war, warf Achim erneut aus und bekam sofort den nächsten Biss. Dieser Räuber
war schon etwas größer, nämlich ca. 80 cm groß. Da der Fisch tief geschluckt hatte nahmen wir ihn mit.
Wir drehten um und schleppten noch einmal auf der Strecke. Einige Minuten später hatte Achim den dritten Hecht am Haken. Er war ebenfalls 80 cm groß.
Erstaunt fragte ich Achim: „Warum bekommst du so viele Bisse? Bei mir tut sich absolut nichts? Ich möchte auch einen Fisch fangen!“
Er antwortete: „Vielleicht liegt es an deiner Schnur. Ich habe eine schwarze Geflochtene drauf. Das solltest du auch mal probieren.“
„Ich habe aber keine andere Rolle mitgenommen. In der Hütte liegt noch eine mit einer Geflochtenen“, antwortete ich etwas enttäuscht.
Da es inzwischen windig geworden war und eine starke Strömung herrschte, bekamen wir ständig Hänger, weil die Blinker immer
wieder abtrieben. Gegen 12.30 Uhr beschlossen wir deshalb das Schleppen einzustellen und zurückzufahren.
In der Hütte schaute ich mir meine Rollen und Ersatzspulen an, die ich mitgebracht hatte. Auf einer Rolle habe ich zwar eine
Geflochtene, aber die war schon mehr weiß als grau. Auf allen anderen Rollen und Spulen war eine monofile Schnur. Achim hatte
auf seine Ersatzrolle von der Balzer Matrix Blue Feeder Runner, eine schwarze 17er Fireline. Die durfte ich mir ausleihen und auf
meine Rolle stecken. Außerdem wechselte ich das braune Stahlvorfach gegen ein grünes aus. Gegen 16 Uhr fuhren wir erneut auf
den See hinaus. Wieder schleppten wir im 5.Meter-Loch, wo Achims zuvor seine Hechte gefangen hatte. Statt eines kupfernen
wählte ich dieses Mal auch einen silber-goldenen Doppel-Blinker. Wir hatten keine 5 Minuten geschleppt, als sich meine Rutenspitze bog. „Achim! Halt an! Ich habe einen dran“ rief ich ihm aufgeregt zu.
Tatsächlich hatte sich ein Hecht von 70 cm meinen verführerischen Blinker geschnappt.Überglücklich sagte ich: „Schatz, du hast
Recht gehabt. Es lag wohl an der Schnur und vielleicht auch am Vorfach, dass ich heute Morgen keine gefangen habe. Jetzt klappte es sofort.“
Es dauerte keine 10 Minuten, da hatte auch Achim einen Hecht am Haken. Dieser machte wie seine Vorgänger ebenfalls einen
riesigen Spektakel, als er in die Nähe des Bootes kam. Beim Filmen spritze er mir sogar die Linse der Kamera nass. Immer wieder sprang er aus dem Wasser und schaffte es tatsächlich sich vom Haken zu lösen.
Wir starteten wieder den Motor, drehten um und schleppten in die andere Richtung. Nachdem wir zwei Mal die Strecke rauf und
runter gefahren waren und sich nichts tat, wurde ich etwas ungeduldig. Ich schaute auf die Uhr und sagte zu Achim: „Es ist gleich Viertel nach Sechs. Lass uns aufhören. Hier tut sich doch nichts mehr.“
Kaum hatte ich meinen Satz zu Ende gesprochen, ging ein Ruck durch meine Rute. Die Spitze bog sich bis zur Wasseroberfläche und es gingen einige Meter Schnur von der Rolle. „Achim. Stopp! Ich habe einen dran.“
Dass es ein größeres Exemplar war merkte ich schon beim Drillen. Einige Meter vor dem Boot versuchte der Räuber wieder zu
fliehen. Ich ließ ihn ziehen. Als er keine Schnur mehr nahm drillte ich ihn erneut zum Boot. Kurz davor nahm er nochmals Reißaus.
Wie ein Wiesel entfernte er sich im Wasser. Es dauerte ein paar Minuten bis ich ihn wieder am Boot hatte und er endlich im
Kescher lag. Ich freute mich riesig, als ich sah, dass es der größte Hecht war, den ich in diesem Urlaub gefangen hatte: 80 cm lang und ziemlich schwer.
Durch diesen Drill war ich nun richtig in Stimmung gekommen. So konnte es meinetwegen noch stundenlang weitergehen!
Eigentlich wollte ich noch nicht aufhören, aber Achim meinte, es wäre Zeit zum Anleger zurück zu fahren. Schade, immer wenn es so richtig schön rund ging, musste man aufhören.
Als wir gegen 19 Uhr in der Hütte ankamen war ich von der Hitze und vom Drillen total geschafft. Am liebsten hätte ich mich
sofort aufs Sofa gelegt, doch ich musste mich erst um das Abendessen kümmern. Die Stunden auf dem Wasser und die viele frische Luft machten mich immer ganz schön hungrig.
Nach dem zweiten Hefebier machte ich es mir auf dem Sofa bequem. Es dauerte keine zwei Minuten, dann war ich eingeschlafen.
Obwohl der Wetterbericht des NDR für Donnerstag (14.09.) im Norden Regen angesagt hatte, schien hier morgens die Sonne
und es war kaum eine Wolke am Himmel. Es wehte ein leichter Wind mit Stärke 3 – 4 aus Süd-Südost.
Nachdem wir unseren Kaffee getrunken hatten fuhren wir gegen 9.30 Uhr mit dem Boot raus. Unser Ziel war wieder das 5-Meter
-Loch. Zeitweise war es absolut windstill, was wohl das Beissverhalten der Fische beeinträchtigte, denn wir bekamen keine Bisse.
Die Fische, die am Tag zuvor noch wie wild hinter unseren Ködern her waren, waren entweder nicht mehr dort oder hatten keinen Appetit.
Wir drehten um und schleppten längs des Loches. Als sich die Rutenspitze an Achims Rute bog, dachte er, er hätte einen Hänger. Doch beim Reinholen der Schnur spürte er, dass ein kleiner Fisch, der
sich dann als Barsch entpuppte, den 45er Blinker geschnappt hatte. Eine Viertelstunde später bemerkte ich, dass ich schon wieder einen Hänger hatte. Wir fuhren an die Stelle zurück, wo der Blinker auf dem
Grund lag. Trotz größter Mühe bekam ich den Blinker nicht frei. Es gelang mir auch dieses Mal Schnur zu packen und den Blinker mit Muskelkraft hochzuziehen. Er hing wieder einmal in einem Fischernetz
fest! Gott sei Dank bekam ich ihn kurz darauf aus dem verfranzten Netz los. Seit Wochen tat mein rechter Ellenbogen weh. Und genau an dieser Stelle hatte mich wohl in der Nacht auch noch ein Insekt gestochen.
Nun war der Ellenbogen heiß und dick geschwollen. Immer wieder zog ein stechender Schmerz durch meinen Arm, so dass ich mich kaum aufs Angeln konzentrieren konnte. Verdammte Mistviecher!
Auf der Rückfahrt kamen wir wieder an dem verholzten knorrigen Baum vorbei. Dieses Mal hielten wir an und fotografierten ihn. Der Baum sah aus wie ein überdimensionaler Bonsai.
Als wir gegen 14 Uhr in unserer Hütte waren, holte ich mir erst einmal einen Eisbeutel und legte ihn auf den geschwollenen Ellenbogen. Das half
jedoch nur ein wenig. Und auch die Salbe gegen Insektenstiche brachte nicht viel. Aber besser als nichts, dachte ich. Gegen 16 Uhr stiegen wir erneut ins Boot. Als wir die Bucht verließen
trafen wir 2 Angler. Wir fragten sie, wie es liefe und bekamen als Antwort: „Wir haben 14 Stück gefangen!“ Auf meine Gegenfrage „Wo?“ bekamen wir als Antwort: „Im 6-Meter-Loch.“
Natürlich entstand zwischen Achim und mir wieder mal eine Diskussion. Hatten die beiden alleine 14 Stück gefangen oder meinten sie ihre Truppe? Egal, wir waren nicht zum Wettangeln an den Åsnen gekommen. Wir
angelten für uns, tröstete ich mich. Außerdem sollte das Angeln Spaß machen und nicht in Stress ausarten. Schließlich waren wir auch zur Erholung nach Schweden gefahren.
Wir probierten es ebenfalls im 6-Meter-Loch, bekamen aber keine Bisse. Darum entschlossen wir uns wieder an „unsere“ Stelle
zu fahren. Das erwies sich als gute Idee. Denn kurz darauf fing Achim einen Hecht von gut 60 cm Länge und gegen 17.45 Uhr einen weiteren Barsch.
Wir schleppten noch eine weitere Stunde, bekamen aber keine Bisse mehr. Also machten wir uns auf den Rückweg. Langsam
ging auch schon die Sonne unter. Der Himmel war mehr und mehr in ein wunderschönes Rot getaucht. Es sah so herrlich aus, dass
wir uns am Sonnenuntergang kaum satt sehen konnten. Deshalb dauerte die Rückfahrt dieses Mal auch recht lange.
Freitag (15.09.) war unser letzter Angeltag und es herrschte wieder total anderes Wetter als die Tage zuvor. Der Wind kam dieses
Mal aus Osten und blies mit einer Stärke von 5 – 6. Zeitweise war der Himmel bedeckt. Trotz des stürmischen Wetters
entschieden wir uns noch ein letztes Mal zum 6-Meter-Loch zu fahren. Bis zum Mittag hatten wir Zeit zum Angeln, dann mussten
wir das Boot säubern und ans Packen denken. Bei der ersten Drift am 6-Meter-Loch fing Achim gleich einen 86er Hecht.
Dann ging es Schlag auf Schlag. Achim hatte schon zwei weitere Hechte gefangen, als ich mich entschloss den kupfernen Blinker
ebenfalls gegen einen silber-goldenen auszutauschen. Wie richtig meine Entscheidung gewesen war merkte ich kurz danach. Denn
es wenige Minuten später hing ein 80er Hecht am Drilling. Die Hechte lieferten uns spannende Drills und sprangen teilweise vor dem Boot einen Meter aus dem Wasser.
Jetzt packte mich die Angellust. Nun wollte ich größere Hechte fangen! Ich wechselte den silber-goldenen Blinker von 45 auf 60 Gramm aus.
Es dauerte auch nicht lange und ich hatte einen Biss. Aber es war kein Meterhecht, der am Haken hing. Nein, ich hatte einen Zander gefangen.
Er war zwar recht klein, aber wo kleine sind, müssten doch auch größere sein, dachte ich und warf erneut aus. Nun ging es Schlag
auf Schlag. Erst fing Achim einen Hecht von 75 cm, dann hatte ich einen Hecht von 60 cm am Haken. Als bei mir der zweite
Zander am Haken hing, hatte Achim im selben Moment beim Reinholen den zweiten Barsch erwischt. Als Achim seinen dritten Barsch drillte schnappte an meinem Köder beim Reinholen der Schnur ebenfalls ein Barsch zu.
Wie gerne hätte ich nun weitergeangelt. Bestimmt wären uns noch viele Räuber an den Haken gegangen, doch wir mussten Schluss
machen und zurückfahren. So geht es einem wohl immer. Wenn’s am Schönsten ist, muss man Adieu sagen.
In diesen 4 Stunden fingen wir insgesamt 9 Hechte, 2 Zander und 4 Barsche. Bis auf 2 Hechte, die ziemlich tief geschluckt hatten,
setzten wir alle Fische wieder zurück. Aber ein schönes Hechtfilet ist ja auch nicht zu verachten.
Um 13.30 Uhr lag das Boot wohl vertaut am Ufer. Zuerst brachten wir unsere Angelsachen zur Hütte, dann machten wir das Boot sauber und füllten noch einmal den Tank voll.
Anschließend zogen wir uns um und fuhren nach Väckelsång, wo wir unsere Bierfässchen im Container loswerden wollten. Das
wurde uns von einem Feuerwehrmann, der vor der Halle stand und auf unsere Fässer starrte, jedoch verwehrt. Als Achim ihm
sagte, dass das doch Blech sei und in den Container gehörte, meinte er „Nein“. Er deutete uns an, wir sollten 1 km weiter in das
nächste Dorf fahren und sie dort hinbringen. Sicher war er neidisch auf unsere leer getrunken Bierfässchen. Wir setzten uns wieder
in unser Auto und suchten das „nächste“ Dorf. Weil wir keins fanden, drehten wir nach 5 km um und fuhren zu einer Tankstelle,
wo in einem abgegrenzten Bezirk ein paar große Container standen. Die hatten aber gerade geschlossen. Bis zur Öffnungszeit um
17 Uhr hätten wir noch 45 Minuten warten müssen, was wir nicht taten. Wir ließen die Dosen im Auto und beschlossen sie zurück nach Deutschland zu nehmen.
Im Supermarkt kauften wir für die Rückreise ein paar Sachen ein. Dann aßen wir im angrenzenden Bistro jeder einen Hamburger
mit viel Pommes. Wieder in der Hütte ging es ans Packen. Als fast alle Sachen im Auto verstaut waren säuberten wir die Hütte. Dann machten wir es uns für den Rest des Abends gemütlich.
Samstagmorgen (16.09.) standen wir um 6.30 Uhr auf. Als Achim wenig später aus dem Fenster schaute, sah er, dass unsere
„Nachfolger“, Dirk und Andy schon angekommen waren. Sie waren von Aachen aus ebenfalls die ganze Nacht durchgefahren und wirkten sehr müde. Trotzdem konnte es Dirk nicht erwarten ans Wasser zu kommen.
Wir unterhielten uns eine Weile, dann nahm Dirk seine Spinnrute und ging zum Bootsanleger. Kurz darauf kam er an und meinte:
„Man sollte immer mit einem Biss rechnen. Ich habe einen Hecht dran, aber kein Werkzeug mitgenommen.“
„Was? Ein Hecht? Das kann doch nur der Kleine sein, den ich am Anleger schon mehrmals gesehen hatte“, sagte ich.
Um 9.30 Uhr kam Ulli um uns Aufwiedersehen zu sagen. Natürlich fragte er, ob wir einmal wiederkommen würden. Diese Frage
konnten wir ehrlich mit JA beantworten. Vielleicht werden es beim nächsten Mal sogar 3 Wochen. Und hoffentlich ist dann endlich der ersehnte Meterhecht dabei!
Um 9.45 Uhr stiegen wir in unser Auto und fuhren heim. Adieu schönes Schweden! Adieu schöner Åsnen! In Höör tankten wir für die restlichen Kronen. Gegen 12.30 Uhr fuhren wir über die Öresundbrücke.
Auf der Ostsee waren viele Segelschiffe und einige Angelboote zu sehen. Wie gerne wäre auch ich jetzt in einem Boot statt im Auto zu sitzen, seufzte ich.
Bis auf eine etwas längere Baustelle in Dänemark, wo man nur 60 km/h fahren durfte, kamen wir gut voran. Als wir Rødby
erreichten konnten wir sofort auf die Fähre fahren, die wenige Minuten danach ablegte. In der Cafeteria stärkten wir uns für die Weiterfahrt. Dann gingen wir noch aufs Außendeck um uns die Füße zu vertreten.
Als wir in Puttgarden angelegt hatten schrieb ich meiner Tochter und meiner Schwester, dass wir wieder deutschen Boden unter den Füßen hätten.
Wäre die Baustelle zwischen Hamburg-Barsbüttel und –Moorfleet nicht gewesen, wären wir sicher eine gute Stunde eher zu Hause angekommen. So wurde es 19.30 Uhr als wir unser Auto in die Garage fuhren.
Meine Schwester hatte uns schon unterwegs telefonisch mitgeteilt, dass sie für uns Abendessen zubereitet hatte. Nachdem unsere
Sachen ausgeladen waren und in der Wohnung lagen gingen wir zu ihr. Zuvor schauten wir uns jedoch im Schnelldurchlauf die
ersten Urlaubsfotos an. Nach 2 Stunden, in denen wir von dem wunderschönen Urlaub in Schweden erzählten, waren wir doch recht müde und legten uns bald schlafen.
Außer den Fotos hatten wir auch einen Videofilm von gut 90 Minuten gedreht, den wir uns am nächsten Tag anschauten.
Als wir mit Thomas sprachen fragte er, ob wir im nächsten Jahr nicht wieder hinfahren wollen. Er war vom Åsnen total begeistert.
Klar können wir das. Aber dann vielleicht sogar für 3 Wochen? Die erste Wochen nehmen wir dann zum „Üben“. Und in den anderen beiden Wochen fangen wir wie die Weltmeister!
Wir bedanken uns noch ganz herzlich bei unseren Gastgebern Mona und Ulli für diese fantastischen 2 Wochen. Es stimmte einfach alles! Unser Tipp:
Wer auch so erlebnisreiche Tage am Åsnen verbringen, oder einfach in herrlicher Natur die Seele baumeln lassen möchte, ist bei den Beiden bestens aufgehoben.
Oerlinghausen, den 28.09.2006
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