|
Angelerlebnisse 2009
Teil 2
Ein sonniges Pfingstwochenende in Dahme/Ostsee 29.05. - 02.06.2009
Wer an der Ostseeküste wohnt hat es gut. Er kann jederzeit die Fische fangen, die dort gerade anwesend sind. Wir „Landratten“ müssen
diese Termine immer schon lange Zeit vorher einplanen. Doch was soll’s! Wenn der Tag gekommen ist, freuen wir uns um so mehr.
Es heißt bei den Anglern, dass die Hornhechte kommen wenn der Raps blüht. In diesem Jahr blühte er schon sehr früh – trotz des
unendlich langen und kalten Winters. Als endlich der langersehnte Frühling kam übertrieb er mächtig. Statt milder Temperaturen brachte er gleich sommerliche mit. Die Natur explodierte sozusagen über Nacht.
Unsere Fahrt nach Dahme mussten wir so spät legen, da wir 3 Wochen vor Ostern nach Lanzarote geflogen sind und Achim über Himmelfahrt mit seinen Freunden seine traditionelle Fahrradtour unternahm. In diesem Jahr
fuhren sie von Bautzen bis Berlin, 425 km entlang des Spreeradweges.
Während Achim radelte nahm ich mir ebenfalls ein paar Tage Urlaub. Am Samstag brachte ich Achim zum Zug, dann fuhr ich zu Heike
und half ihr bei ihrem Umzug. In der darauffolgenden Woche fuhr ich nachmittags für 3 bis 4 Stunden zum Kreativ-Treff (Kunstschule &
Werkstatt) in Bielefeld. Ich hatte im Februar damit angefangen Bilder in Acryl zu malen und mir von Achim zum Geburtstag einen
Gutschein gewünscht. Als er am Sonntag wieder Zuhause war, zeigte ich ihm stolz meine 4 neuen Bilder.
Das Wetter war in dieser Zeit einfach herrlich: sehr warm, sonnig und etwas windig. Am Dienstag (26. Mai) wurde es richtig schwül. In
der Nacht zum Mittwoch gab es in Teilen von Deutschland (außer in Ostwestfalen) heftige Gewitter mit Hagelstürmen. Am anderen
Morgen hatte es sich um über 10° C abgekühlt, d.h. es wurden nur noch Temperaturen um die 15 bis 18° C gemessen.
Für das Pfingstwochenende an der Küste wurde heftiger Wind, kühle Temperaturen und sogar Regnen vorausgesagt. Als ich das hörte,
sagte ich zu Achim: „Natürlich muss es ausgerechnet dann wieder regnen, wenn wir mit dem Boot auf der Ostsee fahren“, sagte ich zu Achim, „Und nicht nur das. Es wird auch noch kalt sein.“
Achim erwiderte gelassen: „Du weißt doch, erstens stimmt die Vorhersage niemals so genau und zweitens beißen die Fische bei kühlerem
Wetter besser. Wenn wir nicht angeln können, dann vertreiben wir uns so die Zeit. Über Pfingsten ist übrigens in Dahme ein Open Air Konzert. Am Strand spielen mehrere Bands Oldies der 60er, 70er und 80er Jahre.“
Obwohl ich mir nicht sicher war, ob ich mit der Wathose ins Wasser gehen würde, hatte ich sie vorsichtshalber mitgenommen. Am
meisten freute ich mich auf die Bootsfahrt am Sonntag. Ich hoffte inständig, dass ich dieses Mal wenigstens ein paar Dorsche fangen
würde. Und natürlich, dass wir einigermaßen warmes und trockenes Wetter haben würden. Wir fuhren am Freitagmorgen um 5.30 Uhr los und waren schon gegen 8.45 Uhr in Dahme. Der Badeort begrüßte uns mit strahlend
blauem Himmel. Nachdem wir ein paar Worte mit Hardy, Achims Kollege dem die Ferienwohnungen gehören, gesprochen hatten
brachten wir unser Gepäck in die Wohnung. Danach fuhren wir zum Einkaufen nach Grube. Vorher gingen wir in Dahme in ein
Fischgeschäft, wo wir 4 grüne Heringe und einen Becher Sylter Heringstopf kauften. Die frischen Heringe brauchten wir zum Angeln.
Als wir wieder in Dahme waren fuhren wir nicht direkt zur Wohnung sondern zum Strand. Wir hielten am Taucherparkplatz an und
schauten aufs Meer. Der Wind wehte aus nordwestlicher Richtung und trieb das abgestorbene Kraut direkt auf den Strand zu.
Das Wasser war eine einzige braune Brühe! „Bei dem vielen Kraut brauchen wir es hier erst gar nicht zu versuchen. Im Moment ist auch
noch Flut“ sagte ich zu Achim. „Ich werde selber nicht reingehen sondern dir zuschauen.“
Er antwortete: „Ja. Das sieht nicht gut aus. Vielleicht geht es ein Stückchen weiter links an der Buhne. Da habe ich damals, wie du deine Meerforelle gefangen hast, auch Angler im Wasser stehen sehen.“
Wir fuhren zurück in die Ferienwohnung und setzten uns bei herrlichem Sonnenschein auf die Terrasse. Am Nachmittag montierte Achim
seine Spinnrute und zog sich zum Angeln an. „Willst du nicht doch mit ins Wasser“ fragte er mich. „Dann musst du nämlich deine Spinnrute fertig machen.“
„Ach nein. Hier und heute nicht. Die Wellen sind mir zu hoch. Ich bleibe am Strand sitzen und schaue dir zu.“
Wir stellten unseren Wagen bei der Slipanlage ab und gingen zum Strand hinunter. Ich setzte mich auf einem Stein während Achim seine
Wathose anzog. Dann ging er vorsichtig ins Wasser. Doch weit kam er nicht hinaus, denn die Wellen waren immer noch recht hoch und der Wind drückte das Wasser an die Küste.
Als er nach dem ersten Wurf die Schnur einholte waren die Wasserkugel und der Haken voller Kraut. Er befreite beides davon und
probierte es noch einmal. Aber es war einfach unmöglich. Kaum lag die Wasserkugel auf dem Wasser hing auch schon wieder Kraut dran.
Achim ging ein Stückchen weiter nach links und probierte es dort. Aber auch da war zu viel Kraut. Er kam zurück zu mir und sagte: „Hier
kann du es vergessen. Morgen fahren wir nach Fehmarnsund. Vielleicht sieht es da besser aus. Komm lass uns gehen.“
Wir fuhren zurück in die Wohnung. Ich war ein wenig enttäuscht, dass Achim keinen Hornhecht gefangen hatte, aber ich tröstete mich mit
dem Gedanken, dass wir ja gerade erst in Dahme angekommen waren. Sicher hatten wir die nächsten Tage mehr Glück. Nachdem Achim sich umgezogen hatte gingen wir auf die Strandpromenade. In der „Milchbar“ setzten wir uns draußen hin und genossen die letzten Sonnenstrahlen.
Als die Bedienung kam bestellten wir uns ein Hefebier und ließen uns die Karte geben. Wir entschieden uns für einen Flammkuchen. Als
Achim für jeden von uns einen bestellte, klärte uns die Bedienung dahingehend auf, dass die Flammkuchen sehr groß seien: „Besser Sie
bestellen erst einmal nur einen. Die sind nämlich sehr groß. Wenn Sie den aufgegessen und immer noch Hunger haben, können Sie noch
immer einen zweiten bestellen.“ Tatsächlich war der Flammkuchen so groß, dass er für uns beide reichte. Wir hatten gerade aufgegessen,
als wir Hardy auf der Promenade sahen. Er wollte ebenfalls in die „Milchbar“ um ein Bier zu trinken. Als er uns sah, setzte er sich zu uns an den Tisch.
Wir blieben noch eine gute halbe Stunde sitzen, dann ging langsam die Sonne unter und es wurde draußen zu kalt. Ich sagte zu Achim: „Lass uns zurück gehen. Ich friere inzwischen.“
Wir bezahlten und gingen zusammen mit Hardy zurück. Am anderen Morgen wachte ich mit starken Bauchschmerzen auf. Was sollte das bedeuten? Zuerst dachte ich es wäre mein Gallenstein,
der mir mal wieder einen Streich spielen wollte. Aber das konnte nicht sein, denn die Schmerzen waren im Unterbauch. Ich wurde
ärgerlich. Warum musste ich immer im Urlaub Schmerzen bzw. irgendwelche Beschwerden bekommen?
Ich verließ das Bett und kochte mir erst einmal einen Kaffee. Während ich darauf wartete dass er durchlief ging ich auf die Terrasse und
schaute den Himmel an. Das Wetter sah ganz gut aus. Es waren nur einige wenige Wolken am Himmel und zeitweise kam sogar die
Sonne durch. Zwei Stunden später, so gegen 8.30 Uhr, sah der Himmel jedoch ganz anders aus. Die vielen dunklen Wolken verhießen
nichts Gutes. Wenige Minuten später fing es auch leicht zu regnen an. Ich war irritiert, denn der Wetterbericht hatte für die Gegend
schönes Wetter vorher gesagt. Aber auf den Wetterbericht konnte man sich einfach nicht verlassen.
Gegen 11 Uhr die Sonne kam durch und der Regen hörte auf. Der Wind wehte weiterhin aus Nordost. Wir setzten uns ins Auto und
fuhren zur Fehmarnsundbrücke. Als wir sahen, dass unterhalb der Brücke 3 andere Wagen geparkt hatten parkten auch wir dort. Als ich ausstieg blies ein kräftiger Wind. Er kam direkt um die Ecke der Brücke.
Achim zog seine Wathose an und ging dann zum Wasser, wo er sich auf die Steine zum Auswerfen stellte. Durch den kräftigen Wind
konnte er die Wasserkugel nicht weit genug auswerfen. Er probierte es ein paar Mal, dann wechselte er die Stelle. Aber auch dort war es sinnlos. Der Wind blies einfach aus der falschen Richtung!
Während ich auf meinem Stühlchen saß schaute ich zwei anderen Angeln zu, die mit Wathosen im Wasser standen und ebenfalls
Hornhechte fangen wollten zu. Plötzlich hörte ich neben mir ein Krachen. Ich schaute zu Achim. Ich bemerkte nur dass etwas nicht
stimmte, irgendwie sah er komisch aus, so wie er da stand. Dann fiel mir auf, dass seine Rute kürzer als sonst war.
Während ich zu ihm ging fragte ich: „Was ist passiert? Was ist mit deiner Rute?“ Achim kurbelte ein und da sah ich das Malheur: Die Rute war im unteren Teil durchgebrochen!
„Das gibt’s doch nicht!“ rief ich erstaunt aus. „Die ist gleich als ich sie bekam und ausprobierte kaputt gegangen. Ich habe sie umgetauscht bekommen. Aber du siehst ja, auch die taugt nichts.“
„Und jetzt? Hast du noch eine andere mit?“ fragte ich zurück. „Ruten ja, aber keine Spinnrute“ antwortete Achim.
Wir gingen zum Auto und machten den Kofferraum auf. Dann schauten wir die Ruten durch. „Du kannst meine 40er Spinnrute nehmen, wenn du möchtest.“
Achim wechselte die Rollen aus, denn ich hatte eine stärkere Schnur aufgespult. Dann montierte er die Wasserkugel auf die Schnur. Als er
damit fertig war fragte er: „Wollen wir es an einer anderen Stelle versuchten?“ „Können wir machen. An welche hast du denn gedacht?“ „Dort wo wir letztes Mal waren.“
Wir gingen einige hundert Meter am Strand entlang bis wir an die Stelle kamen, wo Achim letztes Jahr, als wir das erste Mal hier waren,
viele Hornhechte gefangen hatte. Er ging ins Wasser, konnte aber dieses Mal nicht bis zur zweiten Sandbank gehen, da der Wasserstand
einfach zu hoch war. Inzwischen hatte auch noch der Wind zugenommen. Achim angelte eine halbe Stunde lang vergeblich. Von
Hornhechten war weit und breit nichts zu sehen. Enttäuscht ging er zurück. Als er wieder bei mir am Ufer angekommen war entschlossen wir uns das Angeln aufzugeben und zurück zum Wagen zu gehen.
Wegen dem starken Wind war der Rückweg sehr anstrengend. Unterwegs sprach Achim mit den beiden Anglern, die inzwischen wieder aus dem Wasser gekommen waren. Sie hatten mit drei Personen
den Tag vorher nur 5 und an diesem Tag nur 7 Hornhechte gefangen, erzählten sie. Die Windverhältnisse waren einfach zu ungünstig.
Wir packten unsere Sachen ein, setzten uns ins Auto und fuhren zurück nach Dahme.
Als wir in unserer Ferienwohnung waren setzte Achim sich auf die Terrasse in die Sonne. Ich legte mich mit einer Decke aufs Sofa, denn
mir war furchtbar kalt. Hätte ich doch bloß eine Wärmflasche mit eingepackt, ärgerte ich mich. Nicht nur weil ich fror, auch weil die Bauchschmerzen immer stärker wurden.
Ich nahm ein Zäpfchen gegen meine Bauchkrämpfe und legte mich dann wieder aufs Sofa, darauf wartend, dass die Schmerzen endlich
nachließen. Dabei schlief ich ein. Nach über einer Stunde wachte ich auf. Die Bauchschmerzen hatten etwas nachgelassen, aber ganz verschwunden waren sie immer noch nicht.
Ich ging ins Bad und duschte heiß. Danach fühlte ich mich etwas besser. Nachdem ich mich angezogen hatte ging ich zu Achim, der immer
noch auf der Terrasse saß und sagte: „Schatz, lass uns ein wenig spazieren gehen. Vielleicht geht es mir dann besser. Ich habe auch etwas Hunger. Wir könnten ja im Goldenen Anker etwas essen.“
„Können wir machen“, antwortete er. „Aber in den Goldenen Anker möchte ich nicht. An der Seebrücke soll es ein neues Restaurant mit
asiatischen Spezialitäten geben, hat mir Hardy erzählt. Lass uns dort einmal reinschauen.“
Nachdem er sich umgezogen hatte gingen wir auf die Strandpromenade. Schon aus der Ferne hörten wir wie die hohen Wellen ans Ufer
prallten. Der Wind hatte noch zugelegt und nun eine Windstärke zwischen 5 und 6. An manchen Stellen hatte der hohe und kräftige Wellengang die Bojen losgerissen und an den Strand geworfen.
Wir gingen bis zur Seebrücke, und dann zum Asia-Restaurant. Leider waren alle Tische besetzt. Lediglich auf der offenen Terrasse gab es
noch ein paar freie Tische. Doch es war uns zu windig und auch zu kalt um dort zu sitzen.
Wir gingen den gekommenen Weg zurück und kehrten dann ins Restaurant „Milchbar“ ein. Meine Bauchschmerzen hatten den ganzen
Tag nicht nachgelassen. Ich hatte keinen großen Appetit und bestellte mir deshalb eine halbe Portion Dorschfilet mit Bratkartoffeln.
Als wir wieder in unserer Ferienwohnung waren schauten wir uns im Fernsehen das DFB-Pokal Spiel Leverkusen gegen Bremen an. Ich
bin schon länger ein Fan von Bremen und freute mich, als sie den Pokal gewannen. Gleich nach dem Spiel legte ich mich schlafen.
Am anderen Morgen klingelte um 5 Uhr der Wecker. Mein erster Blick galt wie immer dem Wetter. Der Wind hatte in der Nacht
nachgelassen und der Himmel war fast wolkenlos. Um 6.15 Uhr fuhren wir los und eine halbe Stunde später waren wir am Hafen in Neustadt.
Wir packten unsere Angelsachen aus und legten sie an den Pier. Während ich wartete ging Achim in den Angelladen und holte die
bestellten Watwürmer und die Schwimmwesten. Außer uns fuhr nur noch ein einziges Boot hinaus, was sehr ungewöhnlich war.
Normalerweise sind alle Boote schon am frühen Morgen vergeben. Aber an diesem Morgen sah es nicht danach aus. Auch der Kutter lag einsam und verlassen da.
Ich wollte gerne mit einem der neueren Boote fahren, doch Achim entschied sich für eine altes. „Warum nehmen wir nicht das neue?“ fragte ich ihn. „Da sind hinten noch keine Rutenhalter dran“ antwortete er.
Wir tuckerten aus dem Hafenbecken. Im Hafen selbst war es windstill gewesen, doch ein Stückchen weiter draußen wehte eine leichte
Brise. Ich fragte Achim, ob er im Laden gefragt hätte, was und wo gut gefangen würde. Er grinste mich an und gab keine Antwort. „Was ist? Wird etwa nichts gefangen?“ fragte ich ihn erstaunt.
„Doch, schon, aber es werden nur kleine Dorsche gefangen.“ „Na, das hört sich ja nicht gut an. Keine Hornhechte vom Strand und jetzt auch noch keine Dorsche? Hoffentlich wird es nicht wieder ein
Tag ganz ohne Fisch!“ „Wir werden sehen“ antwortete Achim. „Wir fahren jetzt erst mal an die Stelle, wo wir bisher immer gut gefangen haben. Vielleicht haben wir ja Glück.“
Wir fuhren eine ganze Weile bis wir zu der Stelle kamen, wo wir die letzten Male gut gefangen hatten. Nach kurzer Zeit fing Achim
tatsächlich einen Dorsch! Aber er hatte leider nicht das Mindestmaß und so setzte er ihn wieder zurück. Wir probierten es noch eine Zeitlang vergeblich. Keine Dorsche weit und breit!
„Komm, hol die Rute rein und lass uns weiterfahren“ sagte Achim. Wir hielten an einer anderen Stelle. „Wie tief ist es hier?“ fragte ich Achim. Er antwortete nach einem Blick aufs Echolot: 13 Meter.“
Ich ließ meine Montage mit zwei Watwürmern am Haken runter und wartete gespannt, ob sich etwas tun würde. Nach einigen Minuten
meinte ich einen Zupfer zu bemerken. Gespannt schaute ich weiter auf die Rutenspitze. Sie wurde lediglich von der Strömung bewegt. Ich dachte schon, ich hätte mich getäuscht, da neigte sie sich erneut nach vorne.
„Ich habe einen dran!“ sagte ich zu Achim. Mein Herz klopfte vor Freude als ich die Montage einholte. Tatsächlich hing ein Fisch am
Haken! Wenn es auch nur ein kleiner Plattfisch war, den ich wieder reinsetzte, so war ich doch glücklich darüber, dass sich etwas tat.
Ein paar Minuten später hatte auch Achim eine Meldung. Während er den Fisch drillte meinte er, dass es ein „ordentlicher“ sei. Tatsächlich hing ein schöner großer Plattfisch am Haken.
Sein Fang spornte mich an weiter meine Rutenspitze zu beobachten. Ich bemerkte auch ab und zu einen Biss, doch es wollte keiner mehr haken. Statt dessen waren die Würmer abgefressen.
Auf dem Echolot waren viele kleine Fische zu erkennen. Achim fragte sich, was das wohl für Fische ein könnten. „Probier es doch einmal mit einem Heringsvorfach. Vielleicht sind es ja Heringe“, meinte ich.
„Meinst du?“ fragte er zurück. „Ich weiß es doch auch nicht. Vielleicht sind es auch Sprotten.“
Achim nahm eine zweite Rute aus der Halterung und holte ein Heringsvorfach aus unserer Meereskiste. Gespannt ließ er die Montage auf
den Grund hinab. Doch es war vergebliche Mühe. Entweder waren es keine Heringe oder sie interessierten sich nicht dafür. Nach einer Weile holte er die Montage wieder rein.
„Was meinst du? Wollen wir es hier weiter probieren oder sollen wir an eine andere Stelle fahren?“
„Von mir aus können wir es woanders probieren. Hier tut sich ja doch nichts“, antwortete ich. Achim schmiss den Motor an und fuhr ein
Stück weiter. Inzwischen hatte der Wind zugelegt. Ich saß wie immer vorne im Boot und bekam jeden Wellenschlag zu spüren. Meine
Bauchschmerzen hatten zwar ein wenig nachgelassen, doch jedes Mal wenn das Boot vorne hoch ging und danach aufs Wasser platschte tat mir der Bauch weh. Nach einiger Zeit konnte ich es nicht mehr ertragen.
„Schatz, halt gleich mal an. Mir tut der Bauch wieder weh“ rief ich Achim zu. Achim drosselte den Motor und stellte das Boot so, dass wir wieder abdrifteten. Wir ließen unsere Montage mit den Watwürmern am
Haken ins Wasser. Es dauerte auch nicht lange und die Spitze an Achims Rute bog sich Richtung Wasser. Er bemerkte es sofort: „Biss!“
rief er mir zu. Gespannt sah ich zu ihm hinüber. „Das scheint ein größerer zu sein“, meinte er beim Drillen. Doch es war kein größerer
Plattfisch sondern wieder nur ein untermaßiger Dorsch, der sich den Wurm geschnappt hatte. Er hatte ganz vorne in der Lippe gehakt.
Vorsichtig löste Achim den Haken und setzte den Dorsch wieder ins Wasser. Eine Möwe hat den Vorgang beobachtet und wollte sich
den kleinen Dorsch schnappen. Doch er war schneller und verschwand in der Tiefe des Meeres.
Während ich meine Rute festhielt schaute ich mir das Treiben auf dem Wasser an. Das schöne Wetter und der Wind hatten viele Segler
herausgelockt. Ich hatte das Gefühl, dass in der ganzen Bucht vielleicht 5 Angelboote und über 100 Segelboote fuhren. Ab und zu fuhren
große Segelschiffe so nahe an uns vorbei, dass uns etwas mulmig wurde. Doch alle passten auf. Mehrere Kapitäne fragten uns sogar nach unserem Fang und wünschten uns Petri Heil.
Wir wollten eigentlich unsere Ruten reinholen und weiterfahren, da biss bei Achim ein weiterer schöner großer Plattfisch an.
Ich konnte keinen Biss bemerken. Wenn ich die Montage zur Kontrolle reinholte mußte ich feststellen, dass die Würmer abgefressen
waren. Durch die starke Drift rollte das Blei relativ schnell über den Meeresgrund so dass ein Biss schwer zu erkennen war. Zweimal
hatte ich auch einen Hänger zu beklagen. Aber ich bekam die Montage immer wieder frei, so dass ich kein Materialverlust hatte. Als die Sonne hoch am Himmel stand wollten die Fische nicht mehr beißen.
Wir hatten bis dahin 6 kleine Dorsche und 7 Plattfische gefangen. „Was meinst du“, fragte mich Achim. „Sollen wir es hier weiter probieren oder wollen wir Richtung Küste fahren und es dort mal auf
Hornhecht probieren?“ „Können wir machen“ antwortete ich. „Hier tut sich die nächsten 2 bis 3 Stunden sowieso nichts mehr.“
In der Nähe der Küste probierte es Achim mit Wasserkugel und Fischfetzen auf Hornhecht. Aber entweder waren sie nicht in der Nähe,
wenn sie überhaupt da waren, oder aber sie hatten keinen Appetit. Nach einigen vergeblichen Würfen warf Achim den Motor an und schipperte zurück in den Hafen.
Gegen 15 Uhr legten wir an. Die Sonne hatte unsere Gesichter gerötet. Auf dem Wasser und bei dem Wind hatten wir die starke Sonneneinstrahlung gar nicht so richtig bemerkt. An Land waren es in Neustadt 22° C.
Als wir zurück in der Ferienwohnung waren tranken wir erst einmal ein kühles Hefebier. Achim vakuumierte die sechs Plattfische, die wir
mitgenommen hatten und fror sie anschließend ein. Ich legte ich mich aufs Sofa und schlief auch schon bald ein.
Achim hatte tags zuvor im Akropolis Restaurant für 19.30 Uhr einen Tisch reserviert. Als wir dort ankamen waren jedoch alle Tische
belegt. Wir warteten ca. 10 Minuten an der Theke bis im Raucherbereich ein Tisch frei war.
Wir bestellten uns als Vorspeise Zaziki. Die Portion war so groß, dass ich davon erst einmal nur die Hälfte aß. „Schmeckt es dir nicht?“ fragte Achim, als er sah, dass ich die Schale zur Seite stellte.
„Doch. Aber wenn ich das jetzt aufesse, bekomme ich nichts mehr runter.“ Als Hauptgericht hatte ich mir Gyros mit Pommes bestellt. Doch als das Essen serviert wurde bekam ich nur wenige Bisse runter. Die
Pommes rührte ich überhaupt nicht an und von dem Fleisch aß ich nur ein paar Stückchen. Es schmeckte sehr gut, aber mein Magen
wollte nichts! Als der Kellner sah, dass ich kaum etwas aß, fragte er ob mir das Essen nicht schmecken würde. „Doch, es ist alles in Ordnung“ antwortete ich.
„Wenn der Koch sieht, dass Sie nichts gegessen haben, wird er davon nicht begeistert sein“, erwiderte der Kellner. „Meine Frau hat Magenschmerzen“, sagte Achim als Entschuldigung.
„Ach so. Soll ich Ihnen einen Ouzo bringen? Oder möchten Sie etwas anderes essen?“ fragte er besorgt.
„Nein, vielen Dank. Ich hatte schon einen Ouzo und ich möchte auch nichts anderes bestellen. Ich habe auch keine Magen- sondern Bauchschmerzen.“
Immer wieder schaute der Kellner auf meinen Teller, wenn er an unserem Tisch vorbei kam. Als der Kellner die Rechnung brachte sagte
er: „Sie brauchen das Essen nicht bezahlen. Das ist ein Geschenk der Küche, weil Sie krank sind. Wir wünschen Ihnen gute Besserung.“
Ich schaute auf die Rechnung und sah, dass mein Essen tatsächlich nicht darauf stand! So etwas hatte ich noch nie erlebt.
Als wir auf der Straße waren meinte Achim lachend: „Schatz, das machen wir jetzt immer so. Du isst nur ein paar Happen und dann sagen wir, dass du Bauchschmerzen hast. Dann brauchen wir nur eine Portion bezahlen.“
Am nächsten Morgen schlief ich etwas länger als üblich. Als ich aufstand schien die Sonne und die Vögel sangen ihr Lied.
Nachdem wir unseren Kaffee getrunken hatten fragte Achim: „Was hältst du davon, wenn wir an den Strand gehen? Es ist Ententeichwetter.“
„Können wir machen. Aber ich dachte du wolltest es noch einmal auf Hornhecht probieren“ antwortete ich. „Und woher weißt du, dass Ententeichwetter ist?“
„Das hat eben der Nachbar gesagt. Aber ich will selber nachschauen wie es aussieht. Der Wind kommt immer noch ungünstig.“
Wir gingen zum Taucherparkplatz und blickten zum Strand hinunter. Es war nicht viel los. Aber im Wasser standen zwei Leute. „Da
stehen welche im Wasser und angeln!“ sagte ich zu Achim. „Und jetzt geht noch eine Frau hinein.“
Wir setzten uns auf einen Stein und schauten den Dreien zu. Wenig später erkannte ich, dass es sich um einen Mann und zwei Frauen handelte.
Eine der Frauen hatte schon zwei Hornhechte gefangen. Als ich sah, dass auch der Mann einen fing, wurde ich kribbelig: „Achim, siehst
du was ich sehe? Der Mann hat einen Hornhecht gefangen. Willst du es nicht auch probieren?“ „Ja, schon. Komm wir gehen zurück zur Wohnung.“
Das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Flink wie ein Wiesel machten wir uns auf den Weg zur Ferienwohnung, wo Achim sich umzog und seine Angelsachen einpackte.
Wir fuhren mit dem Auto zum Taucherparkplatz. Achim zog seine Wathose an und ging ins Wasser.
Der Mann und die Frau standen nicht noch dort. Achim hatte gerade ausgeworfen, als die Frau zu ihm ging und ihn ansprach. Im selber
Moment hatte sich ein Hornhecht über den Köder hergemacht. Durch das Gespräch verpasste Achim den Anhieb und konnte den Hornhecht nicht haken. Ein paar Minuten später gelang es ihm jedoch einen schönen zu fangen.
Als sich danach eine ganze Zeit lang nichts tat und ein paar Taucher an der Stelle wo er angelte auftauchten, wechselte er den Platz. Er
probierte es noch eine ganze Stunde lang, aber er konnte keinen weiteren Fisch mehr fangen.
Als Achim wieder am Ufer war meinte er: „Ich glaube wir sind in diesem Jahr zu spät gekommen. Die Hornhechte waren dieses Mal früher da als sonst.“
„Ja, den Eindruck habe ich auch. Oder aber es gibt nicht mehr so viele. Mit den Dorschen ist es ja genau so. Wir haben vorher noch nie
solche kleinen gefangen. Die großen scheinen tatsächlich abgefischt worden zu sein. Es ist also kein Gerücht, dass der Bestand zurück geht!“
Gegen 16 Uhr waren wir wieder in der Ferienwohnung. „Wollen wir nachher noch auf die Uferpromenade und etwas essen?“ fragte Achim.
„Können wir machen. Aber ich habe jetzt Hunger. Ich mache mir erst einmal ein Butterbrot.“
Als wir später zum „Milchstübchen“ gingen setzten wir uns wieder draußen hin um die letzten Sonnenstrahlen zu genießen. Achim bestellte
sich auch dieses Mal einen Flammkuchen. Die Portion war sogar noch größer als vor einigen Tagen.
Ich ließ mich überreden und probierte ein Stückchen davon. Es schmeckte zwar sehr gut, aber ich war noch vom Butterbrot satt. Noch bevor die Sonne am Horizont verschwand gingen wir zurück.
Wir bummelten erst ein Stückchen auf der Promenade lang, dann gingen wir, weil wir dort noch Sonne abbekamen, den Strand hinunter
zum Ufer. Kurz bevor wir ihn wieder verließen passierten wir eine Stelle, wo sich sehr viele Möwen aufhielten. „Was machen die da?“
fragte ich. Achim antwortete: „Die suchen sich Muscheln zum Fressen.“ Tatsächlich konnte ich beobachten wie einige Möwen, die im
seichten Wasser standen, mit ihrem Schnabel nach Muscheln tauchten, sie dann aufbrachen und das Muschelfleisch verschlangen.
Um sie etwas intensiver beobachten zu können ging ich näher heran. Doch das gefiel den meisten gar nicht. Sie flogen ein Stückchen
weiter weg. Am Strand lagen sehr viele dieser Miesmuscheln. Ich bückte mich und hatte schon bald eine Handvoll gesammelt. „Was willst
du denn damit?“ fragte Achim. „Ich dachte, ich bringe sie Willi mit. Der mag doch Miesmuscheln.“ „Das lass mal lieber sein. Erstens isst
man Muscheln nur in Monaten mit einem „R“, also von September bis April“ und zweitens möchte ich nicht dass das Auto nach Fisch riecht.“ „Schade!“ antwortete ich und warf die Muscheln wieder in den Sand.
Am anderen Tag schliefen wir etwas länger und packten dann in aller Ruhe unsere Sachen. Die Sonne schien so schön, dass wir gerne noch geblieben wären. Aber es nutzte nichts. Der Kurzurlaub war zu Ende.
Gegen 10.30 Uhr machten wir uns auf den Heimweg. Zwischen Lübeck und Hamburg waren zwei Baustellen, wo es nur langsam voran ging. Aber ansonsten verlief die Heimfahrt reibungslos.
Zuhause kam es uns vor, als wenn wir nicht nur 4 Tage sondern mindestens 14 Tage weg gewesen wären. Das schöne Wetter und die
klare Meeresluft hatten uns eine gute Erholung beschert. Leider war das Angeln nicht so erfolgreich gewesen, wie wir es uns gewünscht hätten.
Einige Tage später fragte Achim mich, ob wir ihm nächsten Jahr wieder nach Lanzarote fliegen sollten. „Was für eine Frage! Natürlich möchte ich wieder nach Lanzarote“ antwortete ich. „Du etwa nicht?“
„Doch, schon. Aber ich muss sagen, dass es mir im Altmühltal oder am Regen und natürlich am Neckar auch sehr gut gefallen hat. Die
Unterkünfte waren alle topp in Ordnung und die Vermieter sehr nett. Ich würde dort auch gerne mal wieder Urlaub machen.“
Mir geht es nicht anders. Auch ich würde gerne wieder mal in einem Fluss angeln. Und auch die Gegenden haben mir sehr gut gefallen. Wenn nur nicht diese Ungewissheit bezüglich des Wetters bestände…
Oerlinghausen, den 12.06.2009
hier gehts weiter zum 3.Teil Angelerlebnisse 2009..........
|