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Angelerlebnisse 2008
Teil 1
Angeln, Hochseeangeln und U-Bootfahrt auf Lanzarote
Als Ende Januar fest stand, dass wir vom 2. bis 16. März nach Lanzarote fliegen würden, waren wir uns einig, dass wir auch Angelsachen
mitnehmen würden. Schließlich sind die kanarischen Inseln als gutes Angelgebiet bekannt. Und auch in einigen Angelzeitschriften wurde schon darüber berichtet.
Im Reisebüro sagte man uns, dass wir die Angelruten, die ja schließlich nicht in den Koffer passten, als Sportgepäck anmelden müssten.
Nur stellte sich uns die Frage, worin wir sie transportieren sollten. Eine Rutentasche war viel zu weich, da hätten die Geräte leicht beschädigt werden können.
Anfang Februar besuchten wir die „Jagd & Hund“-Messe in Dortmund . Dort schauten wir uns nach einem Rutentransportrohr um. Und
tatsächlich wurden wir fündig. Das Rutentransportrohr, dass es bei einem Händler gab, gefiel uns sofort. Darin konnten bis zu 6 Ruten
untergebracht werden, und – was besonders schön war – es ließ sich bis auf 2,50 m ausziehen. So konnten wir darin außer den Ruten auch noch Rollen und diverse kleinere Teile wie Bleie unterbringen.
Gefreut hat es mich auch, dass wir auf der Messe Lutz Hüßle trafen. Ich ging hin und sprach ihn an. Zuerst fragte ich ihn nach der CD
übers Feederfischen, die er im letzten Jahr herausbringen wollte. Er erzählte mir, dass er sich von der Firma Balzer getrennt und jetzt einen
eigenen Angelladen aufgemacht hätte. Die CD sei noch nicht herausgekommen, aber er wäre dabei den Film fertig zu stellen. Dann fragte
ich ihn, ob er mir einen Tipp geben könnte, wie ich auf Lanzarote angeln sollte. Er meinte, für das Fischen auf Meeräschen sollte ich eine
Sbirolinorute bzw. 3,90 m Matchrute mitnehmen. Als Köder würde er Schwimmbrot empfehlen. Um die großen Fische anzulocken,
sollten wir ca. 50 cm von der Stelle, wo der Sbriolino im bzw. auf dem Wasser liegt, ein halbes Baguettebrot ins Wasser werfen, das die Futterfische und somit die Räuber anlocken würde.
Spontan kaufte ich mir eine 3,90 m lange Tele-Matchrute von Aquarius. Dann ging es ans Überlegen, welche Ruten ich noch mitnehmen sollte. Ich entschied mich für meine 3,90 m lange Magna Matrix
Feederrute von Balzer und eine 2,40 m lange Balzer-Spinnrute. Meine Rhino Big Fish Rute passte leider nicht mehr ins Transportrohr.
Als ich daran dachte, was neben den Ruten und Angelrollen sonst noch alles an Angelsachen mitgenommen werden musste, geriet ich
leicht in Panik. Für jeden von uns waren 20 kg Freigepäck erlaubt, aber ich war mir sicher, dass wir damit nicht hinkommen würden, trotz
der wenigen Kleidungsstücke, die wir mitnehmen wollten. Allein die Angelsachen würden sicher schon 20 kg wiegen, dachte ich.
Meine Urlaubsliste wurde von Tag zu Tag länger. Es mussten an Angelsachen mit: Feederrutenständer, Kescher, Schere, Messer, Zange,
Zentimetermaß, Gaff, Wobbler, Gummifische, Blinker, Blutlöffel, Bleie, Haken, Wirbel und auch Meeresvorfächer. Außerdem noch 2
Gläser mit Power Bait, Schwimmbrot, Stoppergummi und Gummiperlen. Oh Gott! Wo sollte ich das alles unterbringen? Mit dem Auto
war es kein Problem die Sachen zu transportieren, aber im Flugzeug ging so etwas natürlich nicht. Schon jetzt war mir klar, dass wir Übergepäck haben würden.
Gott sei Dank brauchten wir für das Hochseeangeln, welches wir dort unbedingt einmal machen wollten, keine Ruten mitzunehmen. Die
wurden auf den Booten kostenlos zur Verfügung gestellt, las ich im Internet und in den Zeitschriften.
Am Samstag, den 23.2. gingen wir ins Reisebüro um unsere Tickets abzuholen. Die Bestätigung für die Anmeldung unseres Sportgepäcks
war immer noch nicht da, obwohl es schon vor 4 Wochen bzw. bei unserer Buchung angemeldet war. Wir sollten gerade unsere Tickets
ausgehändigt bekommen, als im Reisebüro ein Fax einging, worin stand, dass sich der Weiterflug von Gran Canaria nach Lanzarote um 2
Stunden verschoben hätte. Außerdem wurden neue Tickets übersandt. Am Montagnachmittag rief das Reisebüro an und teilte uns mit,
dass die Bestätigung für das Sportgepäck endlich eingegangen sei. Nur die aktuellen Tickets waren immer noch nicht da. Am Mittwoch, den 27.2. waren wir erneut im Reisebüro um nach unseren Tickets zu fragen.
Die Bestätigung für das Sportgepäck war endlich da, aber es stand eine falsche Abflugzeit von Gran Canaria auf dem Zettel. „Sie müssen
leider am Freitag noch einmal kommen. Bis dahin habe ich die richtige Bescheinigung, so hoffe ich“ wurde uns erklärt.
Also fuhren wir am Freitag nach Feierabend noch einmal zum Reisebüro. Tatsächlich bekamen wir endlich die richtige Bescheinigung ausgehändigt. Der Urlaub konnte beginnen!
Einen Tag vor unserem Abflug, also am Samstagabend, fuhren wir nach Bielefeld, wo es einen Vorabend-Check-in-Schalter gab. Als wir
unser Reisegepäck aufgaben bekam ich Herzklopfen. „Hoffentlich“, so betete ich für mich, „klappt das mit dem Gepäck.“ Achim hatte das
Sportgepäck mit einer Länge von 2 m angegeben. Tatsächlich waren es dann aber 2,10 m. In dem Transportrohr waren nämlich nicht nur
unsere 6 Ruten, sondern auch Rollen, Bleie, Stativ u.a. untergebracht. Und es wog etwas über 20 kg. Auch unsere beiden Koffer wogen
etwas mehr als 40 kg. Aber es gab überhaupt keine Probleme. Zufrieden fuhren wir nach Hause.
Am anderen Morgen flogen wir von Paderborn nach Las Palmas auf Gran Canaria, wo wir 4 Stunden Aufenthalt hatten, bevor wir nach
Arrecife weiterflogen. Als wir ausstiegen begrüßte uns herrlicher Sonnenschein. Nach der aufregenden Zeit und dem schlechten Wetter zuhause tat es einfach gut sich von der Sonne bescheinen zu lassen.
Schon lange vor unserem Urlaub hatte ich zu Achim gesagt, dass ich nicht vorhätte jeden Tag am Strand zu stehen um zu Angeln. Nein, ich
wollte hauptsächlich meine Seele baumeln lassen. Natürlich wollte ich auch angeln, wozu sonst hatte ich meine Ruten mitgenommen, aber
es sollte nicht an erster Stelle stehen. Und so kam es auch, dass wir nicht jeden Tag am Wasser standen und den Fischen nachjagten.
Nachdem wir in Playa Blanca, unserem Urlaubsort, angekommen waren und unsere Koffer ausgepackt hatten gingen wir erst einmal zur
Strandpromenade, die nur einige Meter weiter anfing. Am Strand sahen wir 3 Männer die am Angeln waren.
„Das gibt’s doch nicht. Hier wird tatsächlich geangelt“ rief ich erfreut. „Dass ist mir früher nie aufgefallen.“
Achim grinste mich an und meinte: „Warum soll denn hier nicht geangelt werden? Es ist ein Gewässer wie jedes andere auch. Schau mal
dorthin. Siehst du den Mann? Der hat nicht mal eine Rute, der angelt mit einem langen Stock. Da sind wir mit unseren Feederruten aber
viel besser ausgerüstet! Aber um diese Zeit fangen die bestimmt nichts Großes. Erst ab 22 Uhr kommen die richtig großen Fische ans Ufer.“
Erschrocken fragte ich:„Willst du etwa im Dunkeln auf diesen Steinen rumlaufen? Das ist nichts für mich. Nee, das traue ich mir nicht zu.“
„Du kannst dich ja vor den Fernseher setzen, während ich angeln gehe“ erwiderte Achim.
„Du weißt ganz genau, dass ich das nicht tun werde. Natürlich werde ich zum Angeln mitgehen. Aber ob ich selber auch angeln werde weiß ich noch nicht.“
Am nächsten Morgen setzten wir uns in unseren Mietwagen und fuhren zuerst einmal zum Yachthafen in Playa Blanca. Doch vorher
packten wir erst einmal das Transportrohr aus. Als Achim es in die Hand nahm, fiel ihm auf, dass es am Ende, wo meine große
Meerwasserrolle untergebracht war, eine Delle hatte. Beim Einladen ins Auto war uns das gar nicht aufgefallen. Schnell schaute Achim
nach, aber es war soweit alles in Ordnung. Lediglich ein Ring an meiner Feederrute war leicht gebogen. Doch das konnte auch zuhause beim Einpacken passiert sein, als wir die 6 Ruten ins Transportrohr steckten.
Wir montierten erst einmal die Rollen an die Ruten. Dann befüllte ich die Wasserkugeln und die Sbirolinos. Am liebsten wäre ich sogleich
zum Angeln losgezogen, so sehr kribbelte es mir in den Fingern. Doch Achim meinte, wir sollten erst einmal unsere Ruten liegen lassen.
„Wir müssen erst noch einkaufen. Du hast doch gesagt, dass Spülmittel fehlt.“ „Ja schon, aber vielleicht möchte ich ja am Hafen schon einmal ausprobieren, wie das Angeln hier ist“, meinte ich.
„Na gut, dann musst du eben deine Teleskoprute mitnehmen“, antwortete Achim. Und weiter: „Schade, dass man die Rückbank nicht
getrennt umklappen kann. Aber die Teleskoprute müssten wir transportieren können.“ Gesagt, getan. Wenige Minuten später lagen die Ruten im Kofferraum und ich war zufrieden.
Zuerst fuhren wir zum Hafen von Playa Blanca. Als ich vor knapp 30 Jahren das erste Mal in Playa Blanca war, war es ein kleiner
idyllischer Fischerort. Heute blenden zahlreiche weiß gestrichene Feriensiedlungen, die rundherum gebaut wurden, das Auge. Aus dem
einstigen Fischerörtchen ist ein richtig großer Ferienort geworden. Überall waren üppige Gärten angelegt worden, in denen Tausende von
leuchtend roten Bougainvilleen und viele Palmen gepflanzt wurden. Gott sei Dank blieb der Dorfcharakter einigermaßen erhalten. Lediglich
die vielen Restaurants und Bars, die sich auf der Uferpromenade aneinander reihen, störten mich ein wenig. Andererseits konnte man dort
fast überall im Freien sitzen und seinen Blick wunderbar über das Meer schweifen lassen.
Vom Hafen aus legt mehrmals täglich die Autofähre nach Corralejo ab, die Lanzarote mit Fuerteventura über die knapp 15 km breite,
nicht immer ruhige Meerenge von La Bocanina verbindet. Wenn man Glück hat, so erzählten Touristen, kann man blau schimmernde fliegende Fische sehen, die die Schiffe begleiten.
Wir parkten das Auto und direkt am Hafen. Bis 1960 wurden hier Schiffe mit dem Salz aus den nahe gelegenen Salinen von Janubio
beladen. Als die Produktion eingestellt wurde geriet das kleine Fischernest fast in Vergessenheit. Doch dann mauserte es sich zum Touristenort.
Als wir die Hafenmauer entlang gingen blieb mir, als ich die vielen großen Fische (waren es Meeräschen?) sah, die sich im Hafenbecken tummelten, fast die Luft weg.
Erst recht, als plötzlich sogar ein ca. 1 m langer Fisch durchs Wasser schwamm. Noch bevor ich überlegen konnte, um was für einen Fisch
es sich wohl handeln würde, rief Achim aufgeregt: „Uschi, schau mal. Da ist ein Baracuda!“ Ohne die anderen Fische auch nur eines Blickes zu würdigen schwamm er durch die Meute.
„Oh Gott, das halte ich nicht aus! Hier würde ich gerne einmal angeln, aber das ist bestimmt nicht erlaubt, sonst wären hier nicht so viele und vor allen Dingen große Fische.“
„Stimmt“ antwortete Achim. „Angeln ist hier verboten.” „Wo wollen wir jetzt hin?“ fragte Achim. „Ich möchte noch gerne zum Yachthafen Marina Pubićon. Der ist neu, den gab es damals noch nicht.“
Wir setzten uns wieder ins Auto und waren nach wenigen Metern angekommen. Es lagen so viele schöne Segelboote vor Anker, dass man richtig neidisch werden konnte!
Auch hier im Hafenbecken tummelten sich viele große Fische. Und auch hier war das Angeln natürlich nicht gestattet.
“So ein Mist! Auch hier darf man nicht angeln. Aber wenn hier schon so große Fische sind, dann werden wir weiter draußen sicher auch welche fangen können.”
Wir schlenderten am Kai entlang. Plötzlich fiel mir ein Boot mit einem Schild auf, auf dem stand: „Private Fishing Trips“.
„Achim, guck mal,“ rief ich aufgeregt. „Da liegt ein Boot mit dem man zum Fischen rausfahren kann. Komm lass uns mal nachfragen, was das kostet.“
Wir gingen ins Büro der Tauchschule und erklärten unser Anliegen. Eine halbtägige Bootstour sollte 450, eine ganztägige sogar 900 €
kosten! Das lohnte sich nur, wenn wenigstens 10 Personen zusammen kämen, wurde uns gesagt. Leider waren wir aber nur zu zweit! Etwas enttäuscht verließen wir das Gebäude.
Wir bummelten ein bisschen durch die Gegend und fuhren dann weiter nach Puerto Calero. In der Nähe der Hafenpromenade parkten wir
den Wagen. Im exklusiven Sporthafen dümpelten noble Yachten, eine schöner als die andere.
Zuhause hatte ich mir einige Adressen aus dem Internet rausgesucht, die Hochseeangeltouren anboten. Ich holte meinen Zettel aus der
Tasche und schaute nach. Dort stand, dass „Catlanza“ in Puerto Calero ebenfalls Hochseeangeln anbot. Wir suchten nach dem Gebäude,
das gleich neben einem Cafe war. Bevor wir hineingingen setzten wir uns in das Cafe und tranken einen Espresso. Dann gingen wir in das
angrenzende Büro und fragten nach der Hochseetour. Die Dame sprach leider kein Deutsch und ich nur einige Brocken Spanisch. Im
gebrochenen Englisch versuchten wir unser Anliegen vorzutragen. Im Prospekt, das wir erhielten, las ich den Namen MIZU. Im Internet
hatte ich von Touren der MIZU I und der MIZU II gelesen. In der Annahme, dass wir mit dem Schiff fahren würden buchten wir die
Hochseeangeltour für Donnerstag. Überglücklich verließen wir das Bürogebäude und schlenderten noch etwas im Hafen herum. „Schau mal, da liegt ein Angelboot“ rief ich aufgeregt. „Könnte das die MIZU sein?“
„Das könnte das Boot sein, mit dem wir am Donnerstag raus fahren“, meinte Achim. „Siehst du den Kampfstuhl da vorne? Da wirst du drin sitzen und den großen Fisch drillen.“
„Oh je, da wird mir schon jetzt Bange. Und überhaupt kann ich mit einer Mulitrolle gar nicht umgehen!“ „Ach, das ist kein Problem. Die musst du genau so kurbeln wie eine Stationärrolle.“
Wir schlenderten bei herrlichem Sonnenschein zurück zu unserem Wagen und fuhren zurück nach Playa Blanca.
Am nächsten Tag staunte ich nicht schlecht, als ich sah, dass es geregnet hatte. Regen auf Lanzarote hatte ich noch nie erlebt. Am Himmel
hingen noch ein paar Wolken, aber eine halbe Stunde später waren sie verzogen und die Sonne strahlte vom Himmel.
Während ich unter der Dusche stand montierte Achim unsere Ruten, denn er wollte unbedingt zum Angeln an den Strand. Viel Zeit blieb
uns ja nicht, denn um 13.30 Uhr wurden wir am Hotel Timanfaya zu der gebuchten U-Boot-Fahrt abgeholt. Wir packten unsere
Angelsachen und gingen zu dem nahe gelegenen Strand. Auf dem Weg dorthin trafen wir einen älteren Herrn, der ebenfalls eine Angelrute
in der Hand hielt. Achim fragte ihn, ob er hier schon etwas gefangen hätte. Er antwortete, dass er hier schon öfter geangelt hätte und dass
die Fische zurzeit wieder ganz gut beißen würden. Voller Vorfreude gingen wir zur Promenade. Wir betraten die Steintreppe und
balancierten über dicke Steine bis wir einen guten Platz gefunden hatten. Es war gerade Flut und die Wellen peitschten unaufhörlich gegen
die Felsbrocken. Außer uns waren noch zwei weitere Angler dort. Obwohl ich ganz heiß aufs Angeln war traute ich mich nicht so richtig.
Als setzte ich mich erst einmal auf einen Stein und schaute Achim beim Montieren seiner Rute zu. In einer kleinen Pfütze weichte er ein
Stück des Schwimmbrotes ein. In den Wirbel der Hauptschnur kam eine Wasserkugel, dann holte er ein Vorfach mit 12er Drilling aus
unserer Angelkiste. Kaum hatte er den Köder ausgeworfen, schnappten ein paar Fische danach. Als immer wieder der Haken leer
gefressen war, wechselte Achim den Drilling gegen ein Fliegenvorfach aus. Aber auch dieser Haken schien etwas zu groß zu sein, so dass
Achim nach einigen Würfen einen 12er Einzelhaken wählte. Ich selber wollte noch nicht angeln. Erst wenn Achim einen schönen großen Fisch gefangen hätte, wollte ich ebenfalls meine Rute auswerfen.
Nach einiger Zeit bemerkte Achim den ersten Biss. Ein kleiner Meerpfau aus der Gattung der Lippfische hatte sich das Schwimmbrot
geschnappt. Solche bunten Fische kannte ich bisher nur aus dem Aquarium. Achim beköderte den Haken neu, warf aus und wenig später darauf ging ihm ein weiterer Meerpfau an den Haken.
Die Flut stieg langsam an, so dass wir gegen 12 Uhr wieder unsere Sachen packten und uns auf den Weg zu unserem Bungalow machten.
Wir zogen uns für die U-Boot-Fahrt um und gingen zum Treffpunkt am Hotel Timanfaya. Auf dem Weg dorthin verspürte ich ein Kratzen im Hals. Das war kein gutes Zeichen. Sicher war eine Erkältung im Anmarsch.
Beim Timanfaya Palace stiegen wir in einen Bus, der uns nach Puerto Calero brachte, wo wir ins Submarine Safaris gingen. Bevor es auf
das U-Boot ging wurden wir erst einmal in die Sicherheitsvorkehrungen eingewiesen. Dann gingen wir am Kai entlang bis wir das leuchtend gelbe U-Boot sahen. Von weitem glich es eher einem Schlauchboot.
Wir stiegen eine steile Treppe hinab direkt in dem Bauch des U-Bootes und waren sofort unter Wasser. Durch das 80 cm große Bullauge
konnte ich viele Fische um das Boot herum schwimmen sehen. Auf einem kleinen TV-Monitor, der an jedem Fensterplatz war, konnten
wir verfolgen, wie das U-Boot aus dem Hafen fuhr und nach einiger Zeit abtauchte. Während Achim fotografierte, versuchte ich mit
unserer Filmkamera die vielen schönen Fische, die um uns herum schwammen, festzuhalten. Aber es war sehr schwierig, denn sie waren
sehr schnell. Außerdem konnte ich mich nicht so richtig konzentrieren, denn das Kratzen im Hals wurde immer stärker.
In 33 m Tiefe hielt das U-Boot an. Die Fische kannten die Tauchgänge wohl schon, denn sie kamen bis ans Fenster geschwommen. Man
hätte sie – wäre die Scheibe nicht dazwischen gewesen – anfassen können. Ich war beeindruckt von den riesigen Seesternen, die sich an
den vulkanischen Steinen festgemacht hatten. Bevor es zurück in den Hafen ging kamen wir an einem alten Wrack vorbei, das ein ideales
Versteck für die Fische bildete. Andere Fische, so konnte ich beobachten, versteckten sich, indem sie sich im Sand einbuddelten.
Als wir wieder im Hafen waren erhielt jeder Teilnehmer ein Zertifikat. Außerdem kauften wir ein Foto, auf welchem wir beim Einsteigen in das U-Boot zu sehen waren.
Der nächste Tag war „angelfrei“. Wir fuhren in den Nationalpark Timanfaya und besichtigten die Vulkane. Dann ging es weiter nach Salinas de Janubio, Los Hervideros und El Golfo.
Abends gingen wir noch einmal an den Strand. Achim versuchte mit seiner Feederrute zu angeln, aber der Meeresgrund sah wohl fast genauso aus wie der Strand: Steine, Steine, Steine.
Am darauffolgenden Tag hatte ich Geburtstag und unsere Hochseeangeltour stand bevor.
Pünktlich um 6.30 Uhr klingelten Achims Wecker und mein Handy. Sofort stand ich auf, machte die Kaffeemaschine an und ging ins Bad.
Als ich mit der Morgentoilette fertig war gratulierte mir Achim zu meinem Geburtstag: „Herzlichen Glückwunsch, mein Schatz. Hoffentlich fängst du heute einen großen Fisch an deinem Ehrentag.“
„Ach, wenn nicht, ist es auch nicht schlimm. Ich möchte nur nicht seekrank werden, das ist meine größte Sorge.“
Die Nacht über hatte es sehr gestürmt und ich befürchtete, dass unsere Bootsfahrt ausfallen würde. Aber gegen Morgen legte sich der
Wind. Um 8.50 Uhr sollten wir im Hafen von Puerto Calero sein. Früher als geplant, gegen 8.15 Uhr, kamen wir dort an. Das Dörfchen
schlief noch. Auch die Cafes hatten noch geschlossen. Wir gingen zu dem Boot, von dem wir vermuteten, dass es unser Schiff sei. Aber
weit und breit war kein Mensch zu sehen. Ein Stückchen weiter lag ein anderes Boot mit Ruten an Bord. „Es ist gleich 8.45 Uhr. Entweder
hat man uns vergessen oder es ist nicht das richtige Boot. Dort drüben kommen Angler. Lass uns mal fragen, ob sie auch bei Catlanza gebucht haben.“
Der Bootsmann verneinte unsere Frage. Während Achim beim Boot stehen blieb ging ich ins Büro von Catlanza, das inzwischen geöffnet
hatte, und fragte, wann uns denn jemand abholen würde bzw. von wo wir losfahren würden. Die Dame griff zum Telefon und meinte daraufhin, dass wir in 10 Minuten abgeholt würden.
Und tatsächlich kam nach dieser Zeit ein Mann, der uns zu einem Bulli brachte, in dem 3 weitere Personen saßen. Wir fuhren zusammen
nach Puerto del Carmen und stiegen auf das Boot. Insgesamt waren wir 11 Personen. Es waren ausnahmslos Engländer. Bevor es zum
Schleppfischen aufs Meer hinaus ging fuhr das Boot zuerst nach Puerto Calero um aufzutanken. Dann endlich ging es aufs offene Meer.
Der Bootsjunge machte 11 Schleppruten mit Tintenfischimitationen fertig und ließ sie am Boot hinunter. Anschließend mussten wir eine
Nummer ziehen. Jede Rute hatte eine Nummer. Achim zog die Nr. 4, ich die Nr. 8. Gespannt beobachtete ich „meine“ Rute.
Während der ganzen Fahrt tat sich jedoch nichts. Wir fuhren bis hinter Playa Blanca. Vom Boot aus waren die Papagayo-Strände zu sehen. „Schau mal dort. Da ist unser Strand“ rief mir Achim zu.
„Und weiter links kannst du sogar unsere Bungalow-Anlage erkennen. Dann meldete der Kapitän, dass wir bald anhalten würden. Für jeden von uns wurde nun eine Grundrute mit Tintenfischfetzen bestückt.
Als das Boot ankerte, sagte der Schiffsjunge, dass 6 Personen aufs Vorderdeck sollten. Die anderen 5 konnten hinten bleiben. Als erstes
ging ein junges Pärchen nach vorne. Da das Schiff doch sehr schaukelte, zierten sich die anderen, d.h. keiner wollte nach vorne. Ich wäre
auch gerne hinten geblieben, aber da keiner der anderen Teilnehmer sich rührte, sagte ich zu Achim, dass wir auch aufs Vorderdeck gehen
würden. Als wir auf dem schmalen Steg an der Kapitänskajüte vorbei gingen war mir etwas mulmig zumute. Auf dem vorderen Deck
schaukelte das Schiff noch mehr, so dass ich mich kniend an der Reeling fest hielt. Das Wasser war an der Stelle ca. 40 m tief. Wir ließen
die Köder runter und schauten gespannt zu, ob und wann der erste Fisch anbeißen würde.
Der Schiffsjunge kam erneut zu uns aufs Vorderdeck und kippte einen großen Sack voller Brot über Bord, um die Fische anzulocken.
Doch die Strömung war zu stark. Es wurde sofort alles wieder weggetrieben. Eine ältere Dame wurde bei dem Geschaukel seekrank und fütterte ebenfalls die Fische mit ihrem Frühstück.
Einmal, so meinte ich, hatte ich einen Biss verspürt. Als ich die Rute wieder reinholte war ein Stückchen Fischfetzen ab, das andere
baumelte noch am Haken. Ein paar Minuten später fing mein Nebenmann einen Fisch. Wir wissen nicht genau um was es sich dabei
handelte. Er sah jedenfalls etwas zum Fürchten aus mit seinen Zähnen und Stacheln. Ich hatte meine Rute gerade wieder runter gelassen, als Achim rief: „Ich habe einen dran. Und zwar einen großen.“
Schnell kurbelte ich meine Rute rein. Ich hatte den Köder noch nicht wieder an Bord, als Achim enttäuscht bekannt gab, dass der Fisch
abgegangen sei. „Oh nein! Ich hatte mich schon so sehr auf ein schönes Foto von dir mit einem dicken Fisch gefreut.“
Achim beköderte seine Haken mit neuen Fischfetzen und versuchte es erneut. Ein paar Minuten später, es war inzwischen noch
stürmischer geworden, meldete der Kapitän, dass wir die Ruten reinholen sollten, da er umdrehen würde.
Das junge Pärchen verließ das Vorderdeck, während Achim und ich noch sitzen blieben. Nach einiger Zeit waren wir jedoch von der Gischt so nass geworden, dass wir ebenfalls nach hinten flüchteten.
Als wir umdrehten sagte der Kapitän, wir würden zum Grundangeln an einer anderen Stelle halten, doch dann wurde der Seegang immer
heftiger, so dass es nicht mehr möglich war. Erneut wurden die Schleppruten raus gebracht. Wieder beobachtete ich gespannt „meine“
Rute. Auf unserer Tour kamen wir an einer Stelle vorbei, wo mir ein komisches Gebilde im Wasser auffiel. Zuerst konnte ich damit nichts
anfangen, dann erklärte uns der Schiffsjunge, dass es eine Anlage zur Fischaufzucht sei. Früher hätte man dort versucht Thunfische zu
züchten, aber da es nichts brachte, wurde es vor 4 Jahren aufgegeben. Nun versucht man Doraden zu züchten.
Bis zu unserer Ankunft im Hafen von Puerto del Carmen tat sich absolut nichts. Zum Mittagessen gab es Makkaroni mit Tomatensoße und ein Dose Bier für jeden.
Bevor wir das Boot verließen fragte Achim den Schiffsjungen, ob wir ein paar Tintenfischfetzen bekommen könnten. Nachdem der
Kapitän zugestimmt hatte füllte der Schiffsjunge uns den Rest der klein geschnittenen Köder in eine Plastiktüte. Es war ein schöner Tag auf See gewesen – leider ohne Fisch!
Am anderen Morgen machten wir unsere Ruten fertig und gingen an den hiesigen Strand bzw. zum Ufer. Wie schon dem Abend zuvor war
gerade wieder mal Flut angesagt. Wir gingen die Steintreppe hinunter und kletterten über dicke Steine bis wir auf einen Felsvorsprung
kamen. Dort montierten wir jeder eine Wasserkugel an unsere Ruten. Auf den 16er Matchhaken steckten wir ein Stückchen Schwimmbrot
. Es dauerte nur wenige Minuten bis Achim den ersten Fisch landen konnte. Wieder war es einer dieser blau gezeichneten Lippfische. Kurz danach ging auch mir so ein Fischchen an den Haken.
Wenn später hatte Achim erneut Erfolg. Dieses Mal war es eine kleine Meeräsche. Sie hatte den Haken nicht im Maul sondern in der Seite.
„Wo kleine sind, da sind auch große. Ich probiere es mal mit einem größeren Haken.“
Achim entschied sich für einen 12er. Kaum hatte er den Haken neu beködert und die Rute ausgeworfen, als die Wasserkugel auch schon
abtauchte. „Ich hab einen großen dran. Das ist sicher eine Meeräsche“, rief er mir zu. Er drillte den Fisch ein paar Meter – dann war er ab.
Als er die Montage anschaute stellte er fest, dass der Haken abgerissen war. „Das muss ein etwas größerer gewesen sein. Haben wir denn keine größeren Haken mit?“ fragte er mich. „Wenn sie nicht in der
Angelkiste sind, dann liegen sie in unserer Ferienwohnung“, antwortete ich. Knurrend kam seine Reaktion bei mir an: „Da liegen sie gut!“
Achim entschied sich für einen kleinen Drillingshaken. Zuerst bestückte er ihn mit Schwimmbrot, später wechselte er das Brot gegen ein
Stückchen Tintenfischfetzen aus. Kaum war der Köder im Wasser stürzte sich ein Fisch auf ihn. Aber er hakte nicht. Immer wieder
beköderte Achim den Haken neu, warf aus und sofort tauchte die Wasserkugel ab. Es schien, als wenn die Fische nur auf diesen Köder gewartet hätten.
Inzwischen war die Flut so nahe gekommen, dass ich das Angeln einstellte. Achim wollte jedoch unbedingt einen großen Fisch fangen und
versuchte es weiter. Die Wellen knallten mit einer Wucht an die Felsen und das Wasser schwappte drüber, so dass Achim zeitweise nasse
Füße bekam. Doch das störte ihn nicht. Er war ganz heiß darauf einen dieser gierigen Fische an den Haken zu bekommen.
Ängstlich schaute ich mich um, denn den Weg, den wir gekommen waren, konnten wir nicht mehr zurückgehen. Die Steine waren durch das Wasser sehr glitschig geworden.
„Schatz, hör mit dem Angeln auf. Wir kommen hier gleich nicht mehr weg. Oder wir müssen hier bleiben und warten bis Ebbe ist.“
Noch bevor Achim antwortete wusste ich was er sagen würde. Und so kam es auch: „Ja, machen wir gleich. Ich will nur noch einmal auswerfen.“
Aus einmal wurde zweimal, aus zweimal wurde dreimal. „Ich gehe jetzt. Jedenfalls versuche ich hier weg zu kommen. Meine Kühltasche ist schon pitschenass.“
Endlich machte auch Achim Schluss. Als er bei mir war schaute er sich um. Erstaunt fragte er mich: „Wo können wir jetzt trockenen Fußes zurück?“ „Keine Ahnung. Es wird wohl nur über die dicken Steine gehen.“
Aber das war ein Irrtum. Da ging es nicht weiter. Wir standen sozusagen auf einer Felseninsel umgeben vom Meer. Doch dann entdeckte
Achim einen Ausweg. Wir mussten zwar durchs Wasser gehen, aber es war möglich. Als wir endlich wieder auf der Uferpromenade
angelangt waren, war ich froh. „Was sind wir Angler doch für verrückte Typen!“ konnte ich mir nicht verkneifen zu äußern. „Ja, mein
Schatz. Aber wer Fische fangen will, muss auch mal Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen. Aber es hat doch Spaß gemacht. Und morgen früh werde ich es erneut versuchen.“
Nachmittags fuhren wir Richtung Papagayostrände. Insgesamt sind es sieben wunderschöne Strände mit herrlich weißem Sand.
Schon vor 30 Jahren – damals war es noch ein „Geheimtipp“ war ich an einem dieser Strände gewesen. 1998 wurde das Gebiet um den
560 m hohen Hacha Grande im Los Ajaches Gebirge zum Naturschutzgebiet erklärt. Bis dahin konnte man ohne Probleme mit dem Auto
fast bis an den Strand fahren. Heute verlangt die Gemeinde Yaiza von den Autofahrern eine Eintrittsgebühr (3 €), was viele davon abhält
an die wunderschöne Strände zu fahren. Über eine holprige Piste ging es bis zu den Stränden. Zuerst kommt der 400 m breite Playa de
Mujeres. Hier sonnen sich viele Besucher. Außerdem steht dort ein Imbisswagen. Der nächste Strand ist der recht schmale und einsame
Playa de Caletón, gefolgt vom 300 m langen, gut besuchten Playa del Pozo, in dessen Nähe eine archäologische Ausgrabungsstätte (San
Marcial de Rubicón) ist. Dann folgt die ebenfalls 300 m lange Playa de la Cera, an die sich die malerische, windgeschützte, meistens aber
überfüllte Playa de Papagayo anschließt. An diesem Strand ist auch FKK möglich. Zuletzt folgen noch die flach abfallende Playa Caleta
del Congrio und die knapp 100 m lange, dem Wind ausgesetzte Playa de Puerto Muelas. An letzterer sind im Sommer zahlreiche Camper.
Ich überlegte nicht lange, sondern deutete Achim an, dass er an der Gabelung links rum fahren sollte, zum Playa Caleta del Congrio. Hier
herrschte zwar eine starke Brandung, aber der Strand war nicht so überfüllt. Außerdem war hier ebenfalls FKK möglich.
Wir stellten unseren Wagen auf einem Schotterplatz ab und gingen zum Strand. Dort bot sich uns ein Bild wie im Bilderbuch: Herrlich
blauer Himmel, azurblaues, glasklares Wasser und ein wunderschöner weißer Sandstrand. Hier blieben wir ein paar Stunden und ließen uns von der Sonne bescheinen.
Am nächsten Morgen fragte ich Achim: „Was machen wir heute? Ich meine, bis zum Abend?“ „Ich werde gleich noch einmal zum Angeln runter gehen. Willst du mit?“
Ich antwortete: „Ich glaube schon. Aber lass uns zusehen, dass wir dieses Mal noch vor der Flut zurück auf der Promenade sind.“
Natürlich war das Wasser wieder am steigen, als wir am Ufer ankamen. Ich schaute eine zeitlang Achim zu, wie er versuchte mit einem
Tintenfischfetzen die Fische zu überlisten. Nach einigen Würfen wechselte er das Vorfach gegen ein Stahlvorfach aus, denn immer wieder
war der Haken ab. „Das können nur die kleinen Lippfische mit ihren scharfen Zähnen sein. Ich merke ja, wie sie am Köder ziehen. Na wartet! Mit mir nicht! Jetzt könnt ihr euch die Zähne ausbeißen.“
Als mir das Zuschauen zu langweilig wurde nahm auch ich meine Rute. Ich montierte die Wasserkugel an die Hauptschnur und nahm einen
6er Haken, auf den ich ein Stück Fischfetzen steckte. Die Wellen wurden inzwischen höher, so dass es recht schwierig war einen Biss auszumachen. Immer wenn ich den Köder kontrollierte, war er abgefressen.
Nach einer guten Stunde vergeblichen Angelns packten wir unsere Sachen, auch, weil die Flut inzwischen höher geworden war und die Steinpackung schon überspült wurde.
Am Nachmittag fuhren wir nach Puerto del Carmen. Wir setzten uns in ein Restaurant am Hafen El Varadero und bestellten uns
Schwertfisch mit kanarischen Kartoffeln. Dann spazierten wir bei strahlendem Sonnenschein die lange Uferpromenade entlang. Nach ca. 3
Stunden setzten wir uns wieder in unseren Wagen und fuhren zu unserem Bungalow zurück. Abends fuhren wir mit einem Bus zu einem Konzert, welches in den Höhlen von Los Verdes stattfand.
Die nächsten beiden Tage hatten unsere Angelruten Pause, d.h. einen Tag lang verbrachten wir am FKK-Strand, am anderen Tag fuhren
wir durch das Weinanbaugebiet La Geria, besichtigten die Bodega El Grifo und fuhren dann weiter in die ehemalige Hauptstadt der Insel,
La Villa des Teguise. Anschließend machten wir noch ein Abstecher zum Mirador del Rio. Auf dem Heimweg entschlossen wir uns kurz in
Arrieta, einem kleinen Fischerdorf, zu halten, um dort in einem Fischrestaurant einzukehren. Wir gingen in das Restaurant “Los Pescaditos”
und setzten uns dort auf die Terrasse. Linker Hand sahen wir das zurzeit leerstehende “Blaue Haus” auf rotem Sockel über eine Lavazunge
thronen.wurde seinerzeit von einem Arzt in Auftrag gegeben, dessen Tochter an Tuberkulose erkrankt war und der sich von der Seeluft
Besserung versprach. Nachdem das Haus nicht mehr bewohnt wurde, diente es einmal als Restaurant, dann wieder mal als Afrikanisches Museum.
Wir bestellten uns eine Fischplatte mit Fritten und tranken dazu ein Glas Bier. Welche Fische wir serviert bekamen wissen wir nicht, aber
sie schmeckten einfach köstlich! Das Gericht war auch recht preiswert, denn ingesamt zahlten wir nur 21 €. Satt und zufrieden machten wir uns auf den Rückweg nach Playa Blanca.
Auch den Tag darauf wurde es nichts mit Angeln, denn es herrschte ein sehr heftiger Wind und starke Brandung. Wir setzten uns erneut in
unseren Mietwagen. Dieses Mal fuhren wir nach Tahiche, besichtigten dort das ehemalige Wohnhaus von Cesar Manrique und fuhren dann
weiter nach James del Agua. Die Besonderheit der Jameos del Agua ist das Wasserbecken, das sich in dieser Höhle gebildet hat. Es liegt
unterhalb des Meeresspiegels und ist mit Salzwasser gefüllt, in dem eine blinde Albino-Krebsart lebt. Sie kommt normalerweise nur in
einer Meerestiefe von 3000 m vor und ernährt sich von Algen. Bis heute kann man nicht eindeutig erklären, wie sie in das Gewässer
gelangt sind. Man vermutet, dass sie durch ein Seebeben in die Höhe gelangt sind. Der Wasserspiegel des Sees steigt und sinkt nach Ebbe
und Flut. Das Ozeanwasser sickert durch die vulkanische Schicht und bildet so diese einzigartige Lagune in der Grotte.
Achim war von den weißen Krebsen mit dem stolzen wissenschaftlichen Namen Munidopsis polymorpha, die wie kleine Sterne im Wasser
leuchteten, fasziniert. Es dauerte sehr lange, bis er seiner Meinung nach ein schönes Foto von den Krebsen „im Kasten“ hatte.
Bevor es zurück nach Playa Blanca ging, fuhren wir noch nach Orzola. Im Reiseführer, den ich mitgenommen hatte, wurden vier gute
Fischrestaurants angeboten. Das beste Fischlokal des Ortes und eines der besten der Insel überhaupt, so hieß es, sei das Punta Fariones.
Als wir am Hafen von Orzola ankamen legte gerade die Fähre nach La Graciosa ab. Als sie aus dem Hafen heraus aufs offene Meer fuhr
schaukelte das Schiff sehr. Bei diesem Wellengang hätte mich kein Mensch auf das Schiff bekommen. Es sah einfach Furcht erregend aus
und ich glaubte schon, dass es kentern würde. „Komm lass uns schnell in das Restaurant gehen. Ich kann mir das nicht weiter ansehen“ rief
ich Achim zu, während ich schon auf der anderen Straßenseite war. Zwischen zwei weiteren Lokalen lag das Punta Fariones. Wir setzten
uns wegen des starken Windes nicht an einen der Tische auf dem Bürgersteig sondern ins Lokal. Als wir die Speisekarte lasen brauchten
wir nicht lange um uns ein Gericht auszusuchen. Wir entschieden uns beide für „Fisch des Tages“. Als das Essen kam, erklärte uns der Wirt um was für einen Fisch es sich handeln würde.
Natürlich war es ein spanischer Name für einen einheimischen Fisch. Bevor wir gingen zeigte uns der Wirt, der nach meinem Dafürhalten
ebenfalls ein Angler bzw. Fischer war, in einem Bildband, welchen Fisch wir gerade gegessen hatten. Es war eine Art Makrele, nur
wesentlich größer als bei uns. Das Buch gefiel mir so gut, dass ich es mir hier noch besorgen möchte. Darin waren in spanischer, deutscher
und englischer Sprache alle Meeresfische aus dem Atlantik abgebildet und beschrieben.
Wir plauderten noch ein wenig mit dem Wirt, priesen das köstliche Essen und setzten uns dann in unseren Wagen. Es dauerte eine gute Stunde bis wir in Playa Blanca waren.
Am nächsten Morgen wollte Achim sich gerne einmal Yaiza anschauen. Doch bevor wir dort hinfuhren holte ich mir in Playa Blanca aus
der Apotheke ein Medikament, um endlich meinen Husten und Schnupfen, den ich seit unserer Ankunft hatte, loszuwerden.
Wir fuhren mit dem Wagen erst einmal zum Hafen, wo wir ihn parkten. Auf dem Weg zur Apotheke sah ich einen Angler. „Achim, schau mal. Man darf hier doch angeln. Dort auf den Steinen steht ein Peitscher.“
Als ich aus der Apotheke zurück war und wir zum Auto gingen meinte ich zu Achim, dass ich lieber angeln würde als mir Yaiza anzuschauen.
„Schatz, was meinst du? Ich würde hier auch mal gerne angeln. In Yaiza gibt es nicht viel zu sehen, lediglich die Kirche, der Hauptplatz und ein paar schöne Häuser.“
„Wir können gerne angeln. Aber nicht hier am Hafen sondern bei uns. Du siehst doch, dass der Angler bis jetzt nichts gefangen hat. “
Ich gab klein bei. Wir hielten noch kurz am Supermarkt an und fuhren dann zurück zu unserer Wohnung um Köder zu holen. Dann gingen
wir zur Uferpromenade. Unsere Angelstelle war besetzt und so gingen wir erst nach links weiter am Strand entlang. Aber da gerade
wieder einmal Flut war waren überall die guten Stellen schon überspült. Wir gingen zurück bis Achim meinte: „Hier könnten wir es mal
probieren. Wenn das Wasser steigt, dann haben wir die Möglichkeit weiter ans Ufer zu gehen. Und wir werden auch nicht vom Wasser eingeschlossen.“ Wir angelten gute 2 Stunden, in denen Achim sogar 3 Fische fing.
Aber es war, wie schon die Tage vorher, ein schwieriges Angeln. Die kleinen Lippfische fraßen uns dauernd die Köder ab. Manchmal
hatten wir einen größeren Fisch am Haken, den wir aber nicht bis ans Ufer drillen konnten, weil er sich wieder losmachte.
Gegen 16 Uhr packten wir unsere Handtücher und gingen an den kleinen weißen Strand in der Nähe unserer Ferienwohnung. Abends
bereiteten wir uns ein leckeres Abendessen und ließen den Tag bei einem Glas Bier ausklingen.
Am anderen Morgen schien schon um 8 Uhr die Sonne und es war angenehm warm. Wir überlegten, wie wir den Tag gestalten sollten.
Gestern waren es nach der Wettervorhersage 28 ° C gewesen, aber so warm kam es mir nicht vor. Doch auf Lanzarote täuscht man sich manchmal, denn durch den ständig wehenden Passat kommt es einem nicht so heiß vor.
Da für diesen Tag noch höhere Temperaturen angesagt waren und unser Urlaub sich langsam dem Ende zu neigte beschlossen wir noch
einmal nach Puerto Mueva bei den Papagayo-Stränden zu fahren. Wir kamen dort bei Ebbe gegen 11 Uhr an und blieben bis ca. 17 Uhr.
Manchmal waren ein paar Wolken am Himmel, aber meistens schien die Sonne gnadenlos auf uns herab, so dass uns ganz schön heiß
wurde. Zweimal wagte auch ich mich ins Wasser. Es war einfach herrlich in dem türkisblauen, glasklaren Wasser zu baden. Ich schätzte
die Wassertemperatur auf mindestens 20 ° C. Wenn ich nicht gerade schwamm oder faul in der Sonne lag, ging ich am Strand spazieren,
besah mir die Fische in den Pfützen oder sammelte ein paar Muscheln und Schnecken ein. Es war hier so schön, dass man meinen konnte im Paradies zu sein.
Von Fuerteventura war wegen des Dunstes kaum etwas zu erkennen. Auch die Schiffe am Horizont waren nur schwer auszumachen.
Als die Flut kam und das Wasser immer höher stieg bis vom weißen Sandstrand nicht mehr viel zu sehen war, packten wir unsere Sachen
und fuhren zurück. Nachdem wir geduscht und uns umgezogen hatten gingen wir in den Beach Club, in dem wir schon zweimal gewesen waren und wo es uns sehr gut gefiel, um dort zu Abend zu essen.
Am anderen Morgen war es etwas windiger. Da das Ende unseres Urlaubs bevor stand und wir uns noch nicht Arrecife angeschaut hatten,
beschlossen wir das endlich nachzuholen. Nach einer guten halben Stunde Autofahrt parkten wir den Wagen etwas außerhalb der
Hauptstadt. Wir schlenderten am Playa del Reducto, dem weißen Sandstrand von Arrecife vorbei und gingen weiter zum Castillo de San
Gabriel. Auf dem Weg dorthin sah ich an der Mauer einen Angler stehen, der gerade eine Meeräsche landete. Als ich ihn sah bedauerte
ich, dass wir unsere Angelruten nicht mitgenommen hatten: „Sieh mal dort, der Angler. Ich habe heute Morgen noch gesagt, lass uns unsere
Angelruten mitnehmen. Hier sind immer gute Fische zu fangen. Der Mann hat gerade eine Meeräsche gelandet.“ In Deutsch antwortete der Mann: „Stimmt. Hier kann man gut fangen.“
„Mit welchem Köder fangen Sie die? Mit Schwimmbrot?“ fragte ich ihn. „Ja. Darauf beißen aber auch Barsche. Es ist aber nicht ganz leicht die Fische an den Haken zu bekommen“, antwortete er. Wir schauten
ihm eine zeitlang zu und machten uns auf den Weg zum Castillo. Ich persönlich kannte ja Arrecife gut, denn ich war schon viele Male auf
Lanzarote gewesen. Aber Achim war noch nie dort und ich wollte ihm wenigstens die Sehenswürdigkeiten zeigen. Doch viel lieber hätte ich im Hafen geangelt.
Als ich am anderen Morgen aufwachte, hatte ich sofort wieder den Angler in Arrecife vor Augen.
Ich selber wäre am liebsten mit meiner Angelrute nach Arrecife gefahren um dort den Meeräschen nachzustellen. Aber ich sah auch ein, dass Achim keine Lust hatte schon wieder mit dem Auto über die Insel zu fahren.
Als Achim aufstand fragte ich ihn: „Was wollen wir heute noch machen?“ „Das kann ich dir im Moment noch nicht sagen“, gab Achim zur Antwort. „Ehrlich gesagt würde ich am liebsten heute noch einmal angeln.“
„Und wo wollst du hin? Nach Arrecife?“ frage Achim zurück. „Nein. Das ist mir viel zu weit. Hier im Hafen könnten wir es doch auch einmal probieren.“
Es dauerte eine Zeit bis wir uns endlich einig waren, was wir am letzten Tag machen sollten. Wir einigten uns, zuerst zum Hafen von Playa
Blanca zu fahren um das Parfum zu kaufen und auf die Mole zu gehen, um zu sehen, ob und wenn ja, wie man dort angeln konnte.
Als wir aus dem Auto stiegen fiel mir sofort ein Mann auf der im Hafenbecken auf Grund angelte. Wir gingen zu ihm und schauten ihm eine
Zeit lang zu. Als Köder hatte er einen kleinen Tintenfisch auf den Haken gesteckt. Wir schauten uns weiter um. Auf der anderen Seite der
Mole stand zwischen den Steinen ein weiterer Angler. Dieser fischte mit einer Wasserkugel. Solange wir ihnen zuschauten fingen sie jedoch
keine Fische. Während wir zurück zur Uferpromenade gingen sagte Achim: „Die fangen hier auch nicht mehr als wir an unserem Strand. Wenn wir angeln wollen, dann sollten wir nach Arrecife fahren.“
„Nein, dazu ist es heute schon viel zu heiß. Dann lass uns lieber die letzten paar Stunden die uns heute bleiben noch einmal zum Papagayostrand fahren..“
Wir brachten die Sachen in unsere Wohnung, packten Handtücher und Sonnencreme ein und fuhren zum letzten Mal zum Puerto Muelas.
Es wehte ein sehr kräftiger Wind, so dass wir uns einen etwas geschützten Platz unter den Felsen suchten. Dort war es nicht zu warm, aber
auch nicht zu kühl. Lediglich die Steinchen, die ab und zu von der Felswand rieselten, störten mich ein wenig. Während Achim sich in den
Fluten des Atlantiks herumtollte, beobachtete ich die Schiffe, die aus dem Hafen kamen. Sie hatten alle mit den hohen Wellen und dem starken Wind zu kämpfen.
Es war noch keine 14 Uhr, als wir den Strand verließen. Wir warfen noch einen Blick in eine andere Bucht, dann verabschiedeten wir uns von Papagayo.
Am anderen Morgen hieß es endgültig Abschied nehmen von Lanzarote. Aber nicht für immer. Entweder fliegen wir noch einmal im Herbst
dort hin – natürlich wieder mit unseren Angelsachen im Koffer – oder aber im nächsten Frühjahr! Dann, dass weiß ich schon heute, werde
ich nicht mehr so viele Angelsachen mitnehmen. Und, das ist auch klar, auf jeden Fall im Hafen von Arrecife fischen! Und auch eine erneute Hochseetour werden wir mitmachen. Dann aber hoffentlich einmal mit Fisch!!!
Einen ausführlichen Bericht von diesem Lanzarote Urlaub mit weiteren Fotos gibt es hier...
Oerlinghausen, den 22.05.2008
hier gehts weiter zum 2.Teil Angelerlebnisse 2008..........
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