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Achim Kluck

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Uschis Angelberichte und mehr...

Angelerlebnisse 2008

Teil 2

Wenn der Raps blüht, dann ist die Hornhechtzeit gekommen

Der Raps steht in voller Blüte

„Schatz, was hältst du davon wieder einmal übers Wochenende nach Dahme zu fahren?“ fragte ich Achim vor gut vier Wochen.
Achim war sofort dafür: „Können wir machen. Jetzt kommen ja auch die Hornhechte. Pfingsten würde sich anbieten. Aber dann hängen wir noch eine Woche dran.“
Vor Freude fiel ich ihm um den Hals: „Au ja! Nehmen wir dann auch unser Bananaboot mit? Ich würde damit gerne mal auf dem Meer fahren.“
„Schau’n wir mal. Kann ich im Moment noch nicht sagen“, antwortete Achim etwas ausweichend.
Als wir am selben Abend zum Vereinstreffen am Sennesee waren wurde gefragt, wer wann und was für die nächsten Wochen geplant hätte. Als Achim erzählte, dass wir über Pfingsten nach Dahme zum Hornhecht- und Dorschangeln fahren würden, meinten Pucky und Thorsten, dass sie im Mai auch wieder an die Ostsee wollten. Spontan meinte ich, wir könnten doch zusammen fahren. Auch die Unterbringung dürfte kein Problem sein, da Achims Kollege in Dahme mehrere Ferienwohnungen hat. Kurz darauf stand fest, dass auch Thomas über Pfingsten mitfahren würde. Gemeinsam wollten wir am späten Freitagnachmittag, dem 9. Mai nach Dahme fahren.
Ein paar Tage später hatte Achim zwei Ferienwohnungen bei seinem Kollegen gebucht und mit Michael aus Eutin Kontakt aufgenommen. Michael buchte für uns 5 in Neustadt den Kutter, den es dort seit einiger Zeit zu mieten gab. Und Michael stellte sich für uns auch als Kapitän zur Verfügung.
Während Achim vom 26. April bis 4. Mai auf mit 8 Freunden auf Fahrradtour war (es ging vom Bodensee bis zum Königssee), überlegte ich schon einmal, was wir alles mit nach Dahme nehmen mussten. Ich wollte mir übers Internet gerne noch eine salzwasserfeste Freilaufrolle von Cormoran kaufen, aber als ich sie mir 2 Wochen vorher bestellen wollte, war sie wieder einmal nicht auf Lager. Darüber ärgerte ich mich sehr, denn Cormoran macht so viel Werbung mit seinen Produkten, aber bekommen tut man die Teile fast nirgendwo. Also mussten die „alten“ Rollen von Balzer herhalten. Sie hatten ja schon den Salzwassertest bestanden.
Am Dienstag (6. Mai) fand unser monatliches Treffen in der Vereinshütte am Sennesee statt. Thomas sagte, dass die drei schon Freitagmorgen nach Dahme fahren würden. Als ich dass hörte, bat ich Achim Freitag etwas früher Feierabend zu machen, damit wir, wenn wir gegen 15 Uhr losfahren würden, am Abend noch gemeinsam in den Goldenen Anker zum Essen gehen könnten. Schließlich mussten wir am Samstagmorgen schon gegen 7 Uhr in Neustadt sein.
Donnerstag hieß es wieder einmal Taschen packen. So gerne ich Urlaub mache, so sehr hasse ich das Koffer- bzw. Taschepacken. Schon Tage vorher hatte ich mir einen Spickzettel geschrieben, damit ich ja nichts mitzunehmen vergaß. In sozusagen letzter Minute fiel mir noch ein, dass ich auch Badesachen einpacken sollte, denn wir hatten sommerliches Wetter. Und auch die nächsten Tage war Sonne pur vorausgesagt worden. Zum Angeln zwar nicht gerade ideal, aber zum Faulenzen.
Freitag machten wir um 13 Uhr Feierabend. Im Radio hatte es schon morgens geheißen, dass die Autobahnen Richtung Norden voll sein würden. Hinzu kam noch, dass gerade von heute bis Montag in Hamburg der Hafengeburtstag gefeiert wurde, zu dem viele Tausende Besucher erwartet wurden.
Und so war es dann auch. Kurz vor Herford kamen wir in den ersten Stau. Nachdem wir ihn hinter uns gelassen hatten folgte bei Bad Eilsen der nächste. Im Normalfall wären wir schon bis hinter Hannover gewesen, aber es ging nur schleppend voran. Als wir hinter Veltheim waren kamen wir zügig weiter. Wir waren kurz vor Hamburg, als uns Thomas anrief. Sie waren vor gut 1 ½ Stunden (es war inzwischen 18 Uhr) in Dahme angekommen. Da die anderen glaubten wir würden noch mehrere Stunden brauchen bis auch wir in Dahme seien, rieten sie uns Hamburg zu umfahren. Doch als wir im Radio hörten, dass auf der Strecke zwischen Hamburg… und Hamburg… 7 km Stopp and Go war, blieben wir auf der Autobahn. Wir kamen auch ganz gut durch und waren dann um ca. 19.15 Uhr in Dahme.
Mit Hilfe der anderen war unser Wagen schnell ausgeladen und alles in der Ferienwohnung verstaut. Wir wechselten unsere Kleidung und dann gingen wir zusammen auf die Strandpromenade, wo wir wie schon zuvor beschlossen in den „Goldenen Anker“ zum Essen einkehrten. Nach einem leckeren Essen machten wir noch einen Spaziergang auf die Seebrücke. Der Angler, den wir dort trafen, war nicht gerade gesprächig, als wir ihn nach seinem Fang fragten. Schon nach kurzer Zeit machten wir kehrt und begaben uns in unsere Wohnungen. Dort tranken wir noch ein Bier und einen Schnaps, dann ging es in die „Falle“.
Am anderen Morgen klingelte um 5 Uhr der Wecker. Bei strahlendem Sonnenschein kamen wir um 6.45 Uhr in Neustadt an. Wir waren gerade ausgestiegen, als auch schon Michael auf uns zukam. Er zeigte uns den Kutter mit dem wir rausfahren würden. Wir packten unsere Angelsachen aufs Schiff und dann ging es los.

Der Kutter wird zur Ausfahrt fertig gemacht

Die Kleinboote warten auf ihre Kapitäne

Thomas montiert schon einmal seine Ruten, bevor es auf die See hinaus geht

Alles einsteigen! Gleich geht es los.

Der Kutter verlässt den Hafen

Was machen denn die da?

Auch der andere Kutter fährt hinaus

Die See war glatt wie ein Kinderpopo, sozusagen ein „Ententeich“. Wir fuhren zuerst einmal eine ganze Strecke hinaus bevor wir unsere Schleppruten ausgebrachen. An einer interessanten Stelle hielt Michael den Kutter an, stellte den Motor aus und ließ das Boot treiben. Kurz nach 9 Uhr bemerkte Achim einen ersten Zupfer an seiner Rute. Immer wieder zupfte einer am Wattwurm-Köder. Achim beobachtete das Spiel mehrere Minuten, dann holte er die Montage rein und wechselte den Haken an seinem Buttlöffel. Kaum war der Köder auf Grund, bemerkte er schon wieder einen Zupfer. Dieses Mal zögerte er nicht lange, sondern schlug an und kurz darauf hatte er den Dieb am Haken.

Achim ist der erste, der einen Fisch am Haken hat

Klein, aber mein!

Es war eine kleine Kliesche, die sich den Wattwurm geschnappt hatte. Nur 7 Minuten später fing Michael ebenfalls einen Plattfisch. Während ich konzentriert auf meine Rutenspitze schaute um ja keinen Zupfer zu verpassen, hatte Achim nur 10 Minuten nach seinem ersten Fang schon wieder einen Plattfisch am Haken.

Dieser Plattfisch ging als 2. an den Haken

Und schon wieder hat Achim eine Platte gefangen.

Wir anderen waren schon leicht frustriert, weil sich bei uns absolut nichts tat. Ich überlegte schon ein anderes Vorfach zu nehmen, als ich einen Biss verspürte. Ich schlug kurz an und drillte den Räuber nach oben. Zuerst dachte ich ich hätte einen Dorsch am Haken, aber so stark zog der Fisch. Aber wie sich wenig sspäter herausstellte, war es ebenfalls ein Plattfisch, der sich meinen Köder geschnappt hatte. Dieser war jedoch größer als die drei, die Achim und Michael gefangenen hatten.

Na, Jungs. Was sagt ihr dazu?

So kann es einem ergehen, wenn man Wattwürmern nicht widerstehen kann

Es dauerte keine 10 Minuten bis ich den nächsten Plattfisch am Haken hatte. Bevor wir weiterfuhren gelang es auch Thorsten eine Platte zu fangen.

Uschi freut sich über ihren Fang

Endlich hat auch bei Thorsten einer angebissen.

Nur Christian und Thomas waren noch ohne Fisch.
Erst kurz nach 11 Uhr, nachdem wir an eine andere Stelle gefahren waren, gelang es auch Christian einen Fisch – natürlich ebenfalls eine Platte – zu fangen.

Alle warten gespannt auf den nächsten Biss

Christian hat endlich auch Erfolg gehabt.

So werden Wattwürmer aufgezogen

Inzwischen war etwas Wind aufgekommen. Da er von der See kam und wir das Schiff driften ließen, mussten wir stärkeres Geschirr verwenden. Statt des relativ leichten Buttlöffels kam nun ein 150 g Blei zum Einsatz. Aber so sehr wir uns auch Mühe gaben, es gelang uns nicht einen einzigen Dorsch zu fangen. Gott sei Dank fing Thomas auch noch eine „Platte“ sonst wäre er Schneider geblieben.

Unser "Kapitän" Michael steuert die nächste aussichtsreiche Stelle an

Uschi fühlt sich wohl auf dem Wasser

Auf dem Echolot ist die Bodenstruktur gut zu erkennen

Ohne Worte!

Überhaupt war die Ausbeute in den letzten Wochen sehr schlecht gewesen, wie uns erzählt wurde und wir auch schon im Anglerboard gelesen hatten. Während unserer Kuttertour beobachtete ich auch die anderen Angler in unserer Nähe. Doch keinem gelang ein interessanter Fang. Der andere Kutter, der mit uns zusammen rausgefahren war, hatte wenigstens einen kleinen Dorsch an Bord mit zurückbringen können.
Trotz des mageren Fangs waren wir alle zufrieden, als wir wieder im Hafen anlegten. Bevor wir zurück nach Dahme fuhren setzten wir uns noch ins Brauhaus und tranken ein Bier.

Nach der langen Seefahrt gibt es eine Erfrischung

Alle sehen reichlich erschöpft aus...

Michael, so hörten wir am anderen Tag, hatte einen leichten Sonnenstich bekommen und war im Angelladen umgekippt.
Abends gingen wir nicht in ein Restaurant sondern bleiben in unseren Ferienwohnungen. Unsere Angelkollegen hatten Kartoffel- und Nudelsalat, Würstchen, Fleisch und einen Grill von zuhause mitgebracht. Wir machten es uns auf der Terrasse gemütlich, wo wir gemeinsam aßen.
Am Pfingstsonntag stand ich gegen 7 Uhr auf. Wieder hatten wir einen strahlend blauen Himmel. Am liebsten wäre ich sofort an den Strand zum Hornhechtangeln gegangen, aber da Achim noch schlief musste ich mich gedulden.
Als wir am Strand ankamen und ich die vielen Badegäste sah hatte ich keine Lust mit der Wathose ins Wasser zu gehen. Ich mag es nämlich überhaupt nicht wenn Zuschauer in der Nähe sind. Also blieb ich am Strand sitzen und beobachtete Achim wie er im Wasser stand und den Hornhechten hinterher jagte. Es dauerte auch nur wenige Minuten bis ihm der erste an den Haken ging. Leider verlor er ihn kurz darauf wieder. Doch ein wenig später hatte er einen und 10 Minuten später landete er den nächsten. Dann beobachtete ich, wie seine Rute immer wieder krumm wurde um kurz danach steil in den Himmel zu ragen. Nach einer Stunde kam Achim mit 2 Fischen zurück an den Strand.

Achim watet vorsichtig bis an die Kante

Nach mehreren Fehlbissen wechselt Achim den Haken

„Hast du keine Lust mehr?“ fragte ich ihn.
„Doch schon. Aber ich wechsel jetzt den Wurmhaken gegen einen Butthaken aus, denn die Hornis beißen diesmal sehr vorsichtig. Wenn ich alle rausbekommen hätte, die nach dem Fischfetzen schnappten, dann wären es jetzt bestimmt 12 Hornhechte. Komm doch mit ins Wasser. Da ist es ganz angenehm.“
Achim ruhte sich ein wenig auf einem Stein aus, als ein Angler zu uns kam: „Ich habe gesehen, dass sie schon 2 Hornhechte gefangen haben. Ich habe es den ganzen Morgen versucht, aber keinen dran bekommen. Mit was haben Sie die gefangen?“
Der Angler meinte daraufhin, dass er keine Fischfetzen hätte.
Achim antwortete grinsend: „Sie können auch ein Stück vom Hornhecht nehmen.“
Etwas irritiert schaute der Andere Achim an und meinte: „Wie soll ich das denn machen? Ich fange ja keinen.“
Als er auf Achims Frage antwortete, dass er mit einem Drilling am Wobbler geangelt hatte, riet Achim ihm den Drilling gegen einen Einzelhaken auszutauschen.
Nachdem der Angler wieder gegangen war wollte Achim mich erneut überreden mit ins Wasser zu kommen, aber ich wollte nicht. Ich blieb am Strand sitzen und beobachtete Achim wie er kurz nachdem er auf der Sandbank stand den nächsten Hornhecht drillte.
Inzwischen waren zwei weitere Watangler gekommen. Sie hatten beide eine Raubfischpose an der Rute und als Köder ebenfalls Fischfetzen . Nachdem Achim weitere 5 Hornhechte gefangen hatte kam der Angler, der ihn mittags ausgefragt hatte und inzwischen wieder im Wasser stand, auf ihn zu. Ich beobachtete, wie Achim ihm ein paar Heringsfetzen überreichte. Gleich darauf kam Achim an den Strand zurück.

Bevor es wieder ins Wasser geht genehmigt Achim sich einen Schluck

Der eine kommt, der andere geht

Wir beobachteten noch eine ganze Weile die anderen Angler (inzwischen war ein weiterer dazu gekommen), wie sie vergeblich versuchten einen Hornhecht zu fangen. Lediglich einer von den beiden, die nach Achim im Wasser standen, fing einer einen Hornhecht.
Als wir uns zum Auto begaben meinte Achim, dass es wohl an den Bielefelder-Heringsfetzen liegen müsste, dass er so gut gefangen hatte. „Erinnerst du dich. Letztes Jahr hatten wir auch Heringe mitgebracht und besser gefangen als die anderen.“
Wieder in der Ferienwohnung versorgten wir erst einmal die Fische und packten sie in die Kühltruhe. Dann duschten wir, zogen uns um und gingen in den „Goldenen Anker“. Es war gerade mal 18.30 Uhr und wie wir vermutet hatten schon ganz schön voll. Wir setzten uns an einen Tisch im Freien und bestellten uns ein Gericht. Ich hatte den ganzen Tag noch nichts gegessen und dementsprechend großen Hunger. Ich bestellte mir einen Ostseeteller und Achim aß Matjeshering.

Die vielen bunten Stiefmütterchen verschönern die Promenade von Dahme

Nur wenige Strandkörbe sind heute besetzt

Strandpormenade von Dahme

Uschi lässt sich das Fischgericht schmecken

Wir waren gerade wieder in unserer Ferienwohnung als Thomas anrief: „Wie sieht’s aus? Kommt ihr noch nach Fehmarn?“
Achim antwortete ihm, dass wir keinen Bock hätten jetzt noch bis nach Fehmarn zu fahren. Außerdem wäre die Ostsee glatt wie ein Kinderpopo und die Fische würden sicher nicht beißen. Genau wie hier in Dahme.
Am anderen Morgen, als unsere Angelkollegen aufgestanden waren, fragte ich wie es gelaufen sei. Thomas antwortete: „Nichts. Thorsten und ich habe jeder nur eine kleine Platte gefangen, die wir aber wieder reingesetzt haben. Pucky hat am späten Nachmittag 5 Hornhechte gefangen. Aber ansonsten tote Hose!“
Gegen Mittag fuhren die Drei zurück nach Hause. Achim und ich beschlossen bis zum Nachmittag zu warten um dann Hornhechte zu fangen . Wir fuhren zuerst einmal nach Cismar und kauften dort ein paar Lebensmittel ein. Dann aßen wir zu Mittag und legten uns schlafen. Die Sonne schien immer noch vom strahlend blauen Himmel und es war sehr warm.
Gegen 16.30 Uhr setzten wir uns ins Auto und fuhren zum Parkplatz wo die Taucher ins Wasser gehen. Dieses Mal waren dort nicht mehr so viele Leute, so dass auch ich meine Wathose anzog und ins Wasser ging. Inzwischen war etwas Wind aufgekommen und das Wasser gestiegen. Ich hatte etwas Mühe ohne dass Wasser in meine Hose eindrang auf die Sandbank zu kommen. Als ich meine Wasserkugel auswarf tauchte rechts neben mir gerade ein Taucher aus dem Wasser auf. Ich dachte noch, dass ich sicher keine Fische fangen würde, wenn sich dort unten Taucher tummelten, als meine Wasserkugel abtauchte. Ich wartete einen kleinen Moment, dann schlug ich an und spürte auch gleich, dass ein Fisch am Haken hing. Vorsichtig drillte ich den sich heftig wehrenden Fisch zu mir heran. Kurz bevor ich ihn zu packen bekam schoss er noch ein paar Mal wie ein Pfeil aus dem Wasser. Dann packte ich zu. Er wandte sich in meiner Hand und kämpfte um seine Freiheit. Aber es nutzte ihm nichts. Nach einigen Minuten hing er an meinem Galgen, den ich an meiner Wathose befestigt hatte. Da mir die Stelle nicht so richtig gefiel ging ich ein paar Schritte nach links und warf dort erneut aus. Noch während die Wasserkugel durch die Luft flog rief mir Achim zu, dass er auch einen Hornhecht am Haken hätte. Ich schaute der Wasserkugel zu wie sie auf den Wellen schaukelte. Nach ca. 5 Minuten holte ich sie wieder rein und warf erneut aus. Kaum war sie im Wasser schnappte ein Hornhecht den Fischfetzen. „Schatz. Ich habe noch einen“, rief ich Achim zu. „Ich auch“, kam als Antwort.
Nachdem ich den zweiten Hornhecht am Galgen befestigt hatte schaute ich mir den Fischfetzen an. Er war zwar etwas zerkaut, aber ich benutzte ihn trotzdem noch einmal. Außerdem ließ ich den Kiemen, der beim Abmachen des Fisches am Haken hängen geblieben war, am Haken. Kaum landete die Wasserkugel auf dem Wasser spürte ich, wie sich ein Fisch über den Köder hermachte. Aber er hakte nicht. Ich holte die Wasserkugel wieder rein und stellte fest, dass der Kiemen weg war. Sie bissen also wirklich auf Fetzen von ihren Artgenossen!
Der Wind wurde etwas stärker und mir kalt. Nach knapp einer Stunde ging ich zurück an den Strand, während Achim noch im Wasser blieb. Doch schon bald kam Achim nach. Ingesamt hatten wir in dieser relativ kurzen Zeit 6 Hornhechte gefangen.

Vorsichtig watet Achim ans Ufer zurück

Achim hat schwer zu tragen...

Ein stolzer Angler mit seinem Fang

Die Hornhechte werden gleich an Ort und Stelle ausgenommen

Strandabschnitt am Taucherparkplatz von Dahme

Abends wurde es immer windiger und es zogen die ersten Wolken auf.
Am anderen Morgen war es noch windiger, teilweise blies der Wind recht kräftig. Der Himmel war bedeckt und die Temperatur bis auf 10 Grad gesunken. Welch ein Unterschied zu den vorherigen Tagen!
Achim bestellte morgens telefonisch in Neustadt für den kommenden Donnerstag ein Kleinboot. Er meinte, dass wir dann vielleicht bessere Aussichten hätten einen Dorsch zu fangen. Ich wäre am liebsten am Mittwoch und am Freitag mit dem Boot rausgefahren.
Wir überlegten bis zum späten Vormittag was wir machen sollten. Mit der Wathose ins Wasser gehen lag bei den hohen Wellen nicht drin. Achim blätterte im Buch „Ostholstein“ aus der Serie „Der Angelführer“ und meinte dann, dass wir es vielleicht einmal in Heiligenhafen vom Ufer aus probieren sollten.
„Das können wir machen. In Heiligenhafen war ich noch nie. Da wollte ich sowieso einmal hin“, antwortete ich.
Nachdem wir die Heringsfetzen und Watwürmer in unsere Kühltasche gepackt hatten setzten wir uns ins Auto und fuhren los. In Heiligenhafen parkten wir das Auto in Nähe des Hafens. Sofort fiel mir ein Angelgeschäft ins Auge, in das ich am liebsten sofort gegangen wäre. „Komm lass uns erst zum Hafen gehen. In den Laden kannst du nachher noch.“

Im Hafen von Heiligenhafen

Der Hafen von Heiligenhafen

Wir bummelten auf der Promenade entlang, dabei fiel mir der nächste Angelladen “Baltic Kölln Heiligenhafen” auf. Dieses Mal wartete ich nicht auf Achim sondern ging schnurstracks hinein. Ich suchte immer noch nach der salzwasserfesten Freilaufrolle von Cormoran. Doch auch dort bekam ich sie nicht. Stattdessen kaufte ich mir eine Spinrute von Balzer mit einem Wurfgewicht von 10 – 40 g. Sofort meldete sich Achim: „Hast du immer noch nicht genug Ruten? Die ganze Garage ist voll davon.“ „Ich habe zwar viele Ruten“, erwiderte ich, „aber keine leichte Spinnrute. Meine haben alle ein Wurfgewicht ab 30 g aufwärts.“
Wir kauften uns noch ein paar bunte Pilker und Butthaken und Achim ein Filetiermesser. „Schatz, ich habe langsam Hunger. Was hältst du davon wenn wir in der Fischhalle etwas essen?“ „Können wir machen“ kam als Antwort.
Wir bestellten uns den Mittagstisch der aus Seelachsfilet, Butterbohnen und Kartoffelplätzchen bestand. Da es um die Mittagszeit sehr voll war, dauerte es einige Zeit bis wir unser Essen bekamen. Aber das Warten hatte sich gelohnt. Es schmeckte hervorragend, vor allen Dingen für das kleine Geld (6,70 €). Gesättigt und zufrieden setzten wir uns wieder ins Auto und fuhren durch Heiligenhafen wo wir nach einigem geeigneten Angelplatz Ausschau hielten. Doch überall am Ufer lagen dicke Steine und es war viel Kraut im Wasser. So richtig gefiel uns beiden dieser Platz nicht. Wir beratschlagten was bzw. wo wir wohl angeln könnten. Ich schaute im Buch nach und schlug vor, dass wir nach Großenbrode fahren sollten. Die Seemole dort, so hieß es im Angelführer, wäre einer der unbestrittenen Top-Plätze in der Lübbecker Bucht. Dort wären durch das 6 m tiefe Fahrwasser in Wurfweite ganzjährig Plattfische und Dorsche zu fangen. Wir parkten unseren Wagen auf der Strandstraße und gingen zur Mole. Schon beim Aussteigen aus dem Auto blies uns ein kräftiger Wind entgegen. Als ich auf der Mole stand dachte ich, ich würde weggepustet.

Uschi auf der Mohle von Großenbrode

Spaziergang auf der Mohle von Großenbrode

Bei Windstärke 6 lässt es sich hier auch nicht angeln

Nun wird es Uschi doch etwas zu windig.

Auch waren weit und breit keine Angler zu sehen, was ich als Zeichen deutete, dass man hier heute jedenfalls nicht angeln konnte.
Als wir wieder im Auto saßen kämpfte ich mit mir selber. Einerseits wollte ich gerne angeln, andererseits fand ich es bei den Wetterverhältnissen (Wind Stärke 6 aus Ost-Nordost und eine Temperatur von nur noch 12 Grad) nicht angebracht.
Wir beschlossen erst einmal den Rückweg anzutreten und bis zum Nachmittag zu warten. Vielleicht würde sich der Wind ja legen!

Im Hintergrund sieht man die Fehmarsundbrücke

Ein idyllisches Örtchen

Überall leuchten die Rapsfelder

Gegen 16 Uhr gingen wir auf die Strandpromenade und kehrten im Goldenen Anker ein, wo wir uns beide einen großen Eisbecher bestellten. Danach gingen wir noch auf die Seebrücke.

Auch am Abend hat der Wind immer noch nicht nachgelassen

Wir wollten eigentlich abends auf der Seebrücke angeln, aber bei dem Wellengang war das nicht möglich.

Die wenigen Badegäste saßen in den Strandkörben und schauten in Richtung Ortschaft. Ein paar Surfer nutzten den starken Wind aus und ließen sich über die hohen Wellen gleiten.

Lediglich die Surfer freuten sich über den Wind...

... und nutzten ihn aus

„Achim, lass uns zurück in die Wohnung gehen. Mir ist kalt. Vielleicht legt sich der Wind ja zum Abend hin. Dann können wir ja auf die Seebrücke gehen. Ich kann mir vorstellen, dass sich dort jetzt Dorsche einfinden werden.“
Wir bummelten durch Dahme zurück, gingen zwischendurch noch in einen Supermarkt und ein Fischgeschäft wo wir etwas zum Abendessen einkauften. Wieder in der Ferienwohnung angekommen drehten wir die Heizung auf, denn auch innen war es recht kalt geworden. Immer wieder schauten wir nach draußen in der Hoffnung, der Wind würde etwas nachlassen. Aber er tat uns nicht den Gefallen . Also machten wir es uns in der Ferienwohnung gemütlich. Wir schauten etwas fern und gingen gegen 23 Uhr zu Bett.
Am nächsten Morgen – ich war schon wieder um 7 Uhr wach – schien bei wolkenlosem Himmel die Sonne. Der Wind hatte jedoch nur ein klein wenig nachgelassen. Wie es schien wurde es wieder mal nichts mit Angeln, jedenfalls für uns Landratten. Wir könnten es höchstens von der Seebrücke probieren überlegte ich.
Als Achim 2 Stunden später aufstand meinte auch er, dass wir das Angeln hier in Dahme wieder einmal knicken könnten. So ein Mist, wir waren doch extra an die Ostsee gefahren um ein paar Hornhechte (die hatten wir ja nun auch gefangen) und Dorsche zu fangen. Die Watwürmer, welche wir von unserer Kuttertour mitgebracht und im Kühlschrank deponiert hatten, stanken auch schon ganz schön, so dass wir sie unbedingt entsorgen mussten.
Wir frühstückten erst einmal in aller Ruhe und überlegten dann, was wir an diesem sonnigen, aber windigen Tag machen sollten.
„Wir könnten ja auch einmal nach Fehmarn fahren. Wenn's mit dem Angeln auch da nichts wird, dann schauen wir uns ein bisschen die Insel an“, meinte ich. 
Dann ging ich ins Bad um zu duschen. Als ich mit der Morgentoilette fertig war fragte ich Achim noch einmal: „Was machen wir denn gleich?“
„Wir setzen uns ins Auto und fahren ein bisschen rum. Vielleicht finden wir ja unterwegs eine Stelle zum Angeln.“
Im Radio hörte ich, dass der Wind heute nur schwach aus Nord-Nordost wehen würde und die Temperaturen bei 14 bis 16 Grad lägen. Mir persönlich kam es aber immer noch recht windig vor. Nur die Temperaturvorhersage stimmte voll und ganz. Im Gegensatz zu den Tagen um Pfingsten herum war es „eisig“. Kein Wunder, hatten wir doch gerade die Eisheiligen. Sie machten ihrem Namen alle Ehre, jedenfalls hier an der Küste. Im Festland war es etwas wärmer, so um die 24 Grad.
Unser erster Weg führte uns in Dahme zum Taucherparkplatz, wo wir die Hornhechte gefangen hatten. Wir stiegen aus dem Wagen, schauten zum Ufer und beschlossen hier nicht zu angeln, weil die Wellen doch noch recht hoch waren. Wir setzten uns wieder ins Auto. Achim stellte im Navi die Strecke nach Fehmarnsund ein. Von dieser, wie es hieß, guten Stelle hatten wir im Ostseeangelführer gelesen. Als wir gegen 11 Uhr dort ankamen verfranzten wir uns zunächst ein wenig, denn wir fuhren den Weg zum AWO-Heim ab und landeten in einer Straße, die man nicht weiterfahren durfte. Wir drehten um und schauten noch einmal im Buch nach. „Wir müssen in einen Teerweg einbiegen. Und dann auf der Rückseite von der Aral-Tankstelle vorbei fahren bis um Parkplatz am Brückendamm.“
Statt rechts abzubiegen waren wir gerade aus gefahren. Da lag der Fehler! Wir bogen in die Teerstraße ein und fuhren parallel zur Autostraße bis zum Brückendamm. 
An der Böschung parkten wir den Wagen, stiegen aus und gingen zum Strand. Hier waren die Wellen nicht so hoch wie in Dahme. Wir beschlossen es hier einmal zu probieren. Wieder am Auto angekommen zogen wir unsere Wathosen an, nahmen die Ruten und den anderen Krempel unter den Arm und gingen erneut zum Strand.
„Wir müssen weiter nach links gehen. Im Buch steht, dass die beste Stelle zum Hornhecht- und Meerforellenangeln gut 1 km vom Parkplatz (d.h. die Stelle, wo wir unseren Wagen stehen hatten) entfernt ist.

Fehmarsundbrücke

Auf dem Wasser schwammen viele Schwäne. Wir gingen ca. 700 m am Strand lang bis Achim meinte, dass er hier ins Wasser gehen wollte.
„Komm mit, das ist hier ganz flach. Ich gehe schon mal vor, dann siehst du ja, wie tief es hier maximal ist“, meinte Achim zu mir.
„Ach nein. Ich möchte nicht ins Wasser. Ich bleibe hier sitzen und schaue dir zu. Außerdem möchte ich ein paar Fotos von dir beim Angeln machen.
„Na gut. Vielleicht kommst du ja doch noch wenn du siehst, dass man hier gut fängt.“
Achim lief ca. 100 m auf der Sandbank, bis er an eine Kante kam.

Achim watet auf der Sandbank...

... bis zur Kante, wo er den Hornhechten nachstellen wird

Bis zur Kante waren es gute 100 Meter!

Hier blieb er stehen und warf die Wasserkugel aus. Der Wind blies von rechts, die Strömung kam von links. Kaum hatte Achim die Wasserkugel ausgeworfen ging ihm der erste Hornhecht an den Haken. Es dauerte nur wenige Minuten und der nächste packte sich den Köder.

Der erste Hornhecht hat angebissen.

Noch wehrt sich der Fisch heftig...

... doch schon bald hat Achim ihn sicher im Griff

Ich überlegte, ob ich nicht auch auf die Sandbank gehen sollte. Aber wohin hätte ich mich stellen sollen, damit wir uns nicht ins Gehege kommen?
Ich hätte mindestens 100 m weiter nach links gehen müssen, was ich nicht wollte. Also blieb ich brav am Ufer sitzen und beobachtete Achim beim Fangen.
Nach einer guten Stunde hatte er 5 Stück gefangen hatte kam aus dem Wasser.

Nach einer guten Stunde hingen 5 Hornhechte am Galgen

Während Achim den Fischen nachjagte, saß Uschi am Ufer und schaute zu

Eine ganze Schwanenkollonie tummelte sich auf dem Wasser

„Na Schatz. Noch immer keine Lust? Du hast doch gesehen, es ist ganz flach hier. Und Fische sind genug da.“
„Ja ich weiß. Ich würde auch gerne diese quirligen Fische fangen. Aber ich packe sie nicht so gerne an. Und an den Fischgalgen mache ich sie erst recht nicht gerne. Beim letzten Mal hat der eine noch so einen Rabatz gemacht, obwohl ich ihn erst betäubt und dann abgestochen hatte. Nee, das will ich nicht. Jedenfalls nicht heute“, antwortete ich.
Nach einer Pause von ca. 20 Minuten ging Achim erneut ins Wasser. Nur wenige Minuten nach dem Auswerfen der Wasserkugel schnappte sich der nächste Hornhecht den Köder. Während Achim am Angeln war beobachtete ich rechts von ihm ein Boot im Wasser, das vorher nicht dort war.
Ich dachte es wäre ein Angler und rief Achim zu: „Guck mal Achim, da ist noch ein Angler.“ Doch dann sah ich, dass es kein Angler sondern ein Fischer war, der seine Reusen auslegte. Er fuhr fast bis an Achim heran, dann drehte er ab.
Ich regte mich ein wenig auf, dass der Fischer gerade dort, wo Achim angelte, seine Reusen ausbringen musste. Als wenn die Ostsee nicht groß genug wäre!
Nachdem Achim erneut 5 Hornhechte gefangen hatte rief ich zu ihm hinüber: „Komm Schatz. Mach Schluss. Wir haben genug Hornhechte.“ 
„Ich komme gleich“ rief er zurück. „Ich will nur noch den Großen drankriegen, der hier raubt.“

Ein Fischer legt seine Reusen aus

Der Hornhecht versucht sich mit einem Sprung aus dem Wasser vom Haken zu befreien

Ein letzter Fluchtversuch, der jedoch mißglückte.

Hoffentlich lässt der Schwan Achim in Ruhe

Und tatsächlich hatte er ihn kurz darauf am Haken. Ich beobachtete, wie Achim ihn zu sich hin drillte. Doch kurz bevor er ihn packen konnte haute der Fisch wieder ab. Einmal sauste er nach rechts, dann wieder nach links. Es dauerte eine ganze Weile bis er ihn endlich in den Händen hielt. Er war wirklich ein schöner großer und vor allen Dingen kampfstarker Fisch, den er noch gefangen hatte. 
Als Achim wieder am Ufer war schaute ich ihn glücklich an: „Herzlichen Glückwunsch, mein Schatz. 11 Hornhechte heute. Das ist einfach super!“

Auch dieses Mal gingen Achim viele Hornhechte an den Haken

Dieser Fang kann sich sehen lassen!

Achim freut sich über die 11 Hornhechte, die er gefangen hat

Obwohl ich selber nicht geangelt hatte war ich ganz schön geschafft, als wir wieder in unserer Ferienwohnung waren.
„Wollen wir nachher, wenn wir die Fische versorgt haben, in das Restaurant gehen, von dem uns Hardy erzählt hat?“ fragte mich Achim.
„Du meinst das Kum Luk, wo es die Riesenschnitzel geben soll. Können wir machen. Aber ich laufe nicht bis dort hin. Dazu bin ich einfach zu kaputt.“
„Dann musst du aber fahren. Ich möchte mir ein paar Bier trinken.“
Das Kum Luk lag noch ein ganzes Stück hinter den Campingplätzen und ich war froh, dass wir das Auto genommen hatten und nicht die weite Strecke gelaufen waren.
Wir setzten uns draußen auf die Terrasse und genasen die letzten Sonnenstrahlen. Als das Essen serviert wurde kam ich aus dem Staunen nicht heraus: „Mein Gott! Wer soll denn das essen? Und überhaupt, solche großen Schweine kann es doch gar nicht geben. Schau dir mein Schnitzel an. Das sind nicht zwei, das ist eins! Und das für 8,95 €.“
Achim antwortete: „Ja, sieht gut aus. Meins ist auch nicht gerade klein. Komm lass es dir schmecken.“
Obwohl ich den ganzen Tag außer drei Keksen noch nichts gegessen hatte schaffte ich die Portion nicht.
Als wir gerade in unsere Wohnung gehen wollten sahen wir Hardy. Er war morgens zurück nach Oerlinghausen gefahren und schon wieder da. Wir bedankten uns bei ihm für den guten Tipp mit dem Kum Luk. Da Hardy sagte, dass er selber dort noch nie gewesen sei beschlossen er und Achim dort am nächsten Abend gemeinsam einzukehren.
Abends hörten wir im Radio, dass in der Nacht Temperaturen von Minus 1 Grad erwartet wurden. „Ach du lieber Gott. Was ziehe dann morgen bloß an? Es soll zwischen 5 und 15 Grad werden. Thermosachen habe ich nicht mitgenommen. Es konnte doch keiner damit rechnen, dass es hier so kalt werden würde“, sagte ich zu Achim.
Am nächsten Morgen hatten wir zwar keinen Frost, aber es war bitterkalt. Ich zog mir eine lange Unterhose an, darüber eine Trainingshose und darüber noch meine Angelhose. „Willst du mit dem weißen Anorak aufs Boot?“ fragte mich Achim.
„Klar. Die rote Jacke ist zu dünne. Diese hat ein Innenfutter und hält warm. Wenn sie schmutzig wird… ist auch egal.“
Vorsichtshalber hatte ich unter dem Anorak noch eine Kaputzenjacke. Und im Rucksack lagen dicke Handschuhe und ein Stirnband. Zuhause hatte ich die Sachen erst auspacken wollen, aber meine innere Stimme riet mir die Dinge mitzunehmen. Man kann ja nie wissen…
Das Thermometer im Auto zeigte ganze 5 Grad an. In Neustadt angekommen waren es „schon“ 8 Grad. Der Inhaber vom Angeltreff hatte schon das Boot startklar gemacht. Er meinte, wenn wir Platten fangen wollten, dann müssten wir nach Scharbeutz fahren. Aber wir wollten ja erst mal keine Platten sondern Dorsche fangen. Daher fuhren wir nicht nach rechts, sondern erst einmal geradeaus. Achim steuerte auf ein 19 m-Loch zu, wo wir unsere Ruten rausbrachten.
„Wolltest du nicht mit Pilker angeln?“, fragte mich Achim erstaunt, als er sah, dass ich Wattwürmer auf den Haken zog. 
„Ja auch. Dafür habe ich mir ja in Heiligenhafen die 4 Pilker gekauft. Aber erst einmal probiere ich es mit Watwürmer und Buttlöffel. Wenn die Dorsche nicht beißen, beißt ja vielleicht ein Plattfisch. Oder es gehen Wittlinge an den Köder. So habe ich eine größere Chance etwas zu fangen.“
Als Achim den ersten Dorsch auf gelb-roten Twister gefangen hatte überlegte ich, ob ich nicht doch den Köder wechseln sollte.

Gleich beim ersten Halt gelang es Achim einen Dorsch zu fangen

Na, wer sagt's denn! Endlich beißen auch die Dorsche wieder.

Aber dann ließ ich es bleiben. Das war gut so, denn ein paar Minuten später ging mir ein großer Dorsch an den Haken.

Achim keschert Uschi's Dorsch.

So einen schönen Dorsch fängt man nicht alle Tage.

Das ist der größe Dorsch, den Uschi bisher gefangen hat.

Nach mir fing Achim den nächsten Dorsch auf Twister. Wieder überlegte ich, ob ich den Wattwurm gegen Twister auswechseln sollte. Als auch ich den nächsten Dorsch am Haken hatte waren meine Zweifel dahin. Nun wechselte sogar Achim das Vorfach aus. Er angelte fortan ebenfalls mit Wattwurm.
Neben uns sahen wir ein Boot mit einem Angler. Er schaute uns eine Zeitlang zu und kam dann zu uns gefahren.
„Habt ihr schon etwas gefangen?“ fragte er.
Achim antwortete: „Ja. Vier Dorsche.“
„Dann muss ich es hier auch einmal probieren.“ Er drehte sein Boot um und fuhr ein paar Meter weiter, wo er anhielt und seine Rute auswarf. Doch der Mann hatte keine Geduld. Als er nach einigen Minuten immer noch keinen Fisch gefangen hatte fuhr er eine andere Stelle an. Mehrmals an diesem Tag kam er in unsere Nähe, aber er blieb immer nur ein paar Minuten, wenn er nicht sofort einen Fisch am Haken hatte.
„So kann man auch nichts fangen“, meinte ich. „Der ist ja so was von ungeduldig. Was macht der denn, wenn er am See oder Fluss sitzt? Packt er dann auch nach 15 Minuten seine Sachen und sucht sich eine andere Stelle?“
Wir ließen uns von der Drift treiben und wenn es zu flach wurde fuhren wir an die tiefere Stelle zurück. Gegen Mittag hatten wir 8 Dorsche gefangen.

Die krumme Rute zeigt an, dass wieder einer am Haken hängt.

Dorsch Nr. 3 ist an Bord.

Lag es am Buttlöffel oder an den bunten Perlen...

... dass die Dorsche so gut bissen?

Mit dieser Montage wurden die Dorsche überlistet

Uschi wartet auf den nächsten Biss...

... während Achim schon wieder am Drillen ist

Der  nächste Dorsch wird gekeschert.

„Was meinst du? Wollen wir es jetzt mal auf Platte versuchen?“ fragte Achim.
„Können wir machen“ gab ich zur Antwort.
Wir holten die Ruten rein und Achim schmiss den Bootsmotor an. Dann fuhren wir in
Richtung Untiefentonne.

Achim fährt an eine Stelle, wo wir  Plattefische fangen wollen

Die Untiefentonne von Pelzerhaken

Ein Stückchen weiter zeigte das Echolot eine Tiefe von 10 m an. „Hier probieren wir es mal. Letzten Samstag haben wir hier auch die Platten gefangen.“
Zuerst bissen sie etwas zaghaft, doch schon bald hatten wir 9 Plattfische im Setzkescher.

Der erste Plattfisch hängt am Haken.

Auch Uschi hatte Erfolg und freut sich darüber.

Gegen 14 Uhr meine Achim: „Wir fahren jetzt ein Stück zurück. Dann filetiere ich die Dorsche und wir tuckern gemütlich in den Hafen zurück.“
„Nein, noch nicht in den Hafen. Ich möchte noch ein paar Dorsche fangen!“ erwiderte ich.
„Schauen wir mal. Erst einmal müssen die Fische filetiert werden und in die Kühlbox kommen.“
Wir fuhren ca. 15 Minuten, dann machte Achim den Motor aus und holte die Fische aus dem Kescher. Mit dem Messer, das er sich in Heiligenhafen gekauft hatte, filetierte er die Fische.
Nachdem alle für die Kühltruhe fertig gemacht waren fuhren wir weiter. Wir probierten es noch einmal an einer tieferen Stelle, aber es wollte kein Dorsch mehr beißen.
„Lass uns Schluss machen. Nachmittags beißen hier die Fische nicht.“
Ich schaute Achim mit großen Augen an und meinte: „Woher willst du das wissen? Bisher haben wir immer um 14.30 Uhr mit dem Angeln aufgehört. Es kann doch sein, dass sie gleich wieder beißen.“
Wir müssen noch 4 km fahren bis wir im Hafen sind. Und dann das Boot ausladen. Bis wir in Dahme sind ist es bestimmt 18 Uhr.
Wir probierten es noch eine Weile, aber es tat sich tatsächlich nichts mehr.
Gegen 15 Uhr machten wir uns auf den Rückweg zum Hafen. Im Angelladen wurden wir gefragt, wie es gelaufen sei.
„Gut“, antwortete Achim. „Wir haben 8 Dorsche und 9 Platten gefangen.“
Ich kaufte ein weiteres Bootsvorfach von B.Richi, denn davon hatten wir nur 2 und sie waren sehr fängig. Dann setzten wir uns in den Wagen und fuhren zurück nach Dahme.
Als wir aus dem wagen stiegen lief Hardy gerade draußen herum. „Na, wie ist es gelaufen? Habt ihr etwas gefangen?“
Achim zeigte auf die Kühlbox: „Heb mal an. Dann weißt du was wir gefangen haben.“
Als ich mich umgezogen hatte merkte ich erst wie kaputt ich war. Und mein Gesicht brannte von der vielen Sonne.
Nachdem wir die Fische für die Kühltruhe fertig gemacht hatten sagte ich zu Achim, dass ich keine Lust hätte wieder ins Auto zu steigen um zum Campingplatz bzw. Kum Luk zu fahren.
„Lass uns in den Goldenen Anker gehen. Ich möchte heute Abend einmal ein Steak essen.“
„Das gibt es im Kum Luk auch.“
„Kann sein. Aber ich habe keine Lust heute Abend noch Auto zu fahren“ erwiderte ich.
„Brauchst du ja auch nicht. Ich frage Hardy ob er fährt. Bei uns kann er sowieso nicht mitfahren, weil wir ja die hinteren Sitze raus haben.“
Eine halbe Stunde später saßen wir im Kum Luk. Achim und Hardy aßen ein Schnitzel und ich ein Steak.
Als wir wieder bei unserer Ferienwohnung waren sagte ich zu Achim dass ich kaputt sei und keine Lust mehr hätte auf die Strandpromenade zu gehen.
„Geh du mit Hardy noch ein Bier trinken. Ich mache es mir hier gemütlich.“
„Komm Schatz. Ein oder zwei Bier kannst du doch noch trinken. Außerdem tut ein Spaziergang an frischer Luft gut.“
Ich schaute Achim ungläubig an: „Wieso brauche ich frische Luft? Ich habe heute, gestern, vorgestern, vorvorgestern… Ich war jeden Tag an der frischen Luft!“
Mein Protest half nichts. Wir gingen zur Strandpromenade, wo wir uns in Hardys „Stammlokal“ setzten. Im „Coconut“ tranken wir ein paar Biere und kamen mit den Leuten vom Nachbartisch ins Gespräch. Als wir in unserer Ferienwohnungen waren, war es schon Mitternacht. Hardy blieb noch eine halbe Stunde, dann gingen wir alle zu Bett.
Am anderen Morgen taten mir meine Muskeln weh. Angeln ist zwar sehr schön, kann aber auch recht anstrengend sein.
Ich hatte schon um 7 Uhr ausgeschlafen obwohl die Nacht sehr kurz war. Gegen Mittag fuhren wir nach Grube und brachten erst einmal unser Leergut zurück, dann schauten wir uns in Dahme die Deutsche Kitesurf Meisterschaft an, die an diesem Wochenende hier stattfand.

In Dahme fand die Deutsche Kitesurf Meisterschaft statt.

Alle warten darauf, dass der Wind zunimmt.

Die Jugendlichen führen schon einmal ihre Künste vor.

Trotz wenig Wind probierten es die Jugendlichen weiter.

Für leibliches Wohl und Getränke war auch gesorgt.

Deutsche Kitesurf Meisterschaft in Dahme

Einige wenige Teilnehmer waren zwar schon auf dem Wasser und probten, aber letztendlich gab es viel zu wenig Wind und daher wurde der Start verschoben. Man hoffte auf den späten Nachmittag. So lange wollten wir nicht warten. Außerdem mussten wir noch unsere Sachen packen, da es ja am nächsten Morgen zurück nach Oerlinghausen ging.
Mir persönlich genügte die vorhandene Windstärke 3. Überhaupt bin ich kein Freund von Wind. Da ich noch ein Eis essen wollte bevor wir zurück in unsere Ferienwohnung gingen setzten wir uns gegen 14.30 Uhr geschützt in ein Eiscafe. Nachdem wir den größten Teil unserer Sachen gepackt hatten beschlossen wir noch einmal im Goldenen Anker zu Abend zu essen. Auf dem Rückweg fühlte ich mich sehr müde, obwohl ich nachmittags zwei Stunden geschlafen hatte. Es war noch nicht einmal 22 Uhr als ich mir beim Fernsehen immer wieder die Augen zufielen.
Am Samstagmorgen standen wir um 6 Uhr auf und waren kurz nach 8 Uhr auf der Autobahn. Die Fahrt verlief Gott sei Dank ohne Stau. Lediglich der viele Regen unterwegs störte ein wenig. Aber wir kamen flott voran und waren kurz nach 11 Uhr zuhause.

Oerlinghausen, den 21.05.2008

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