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Angelerlebnisse 2006
Teil 1
Winterzeit
Jedes Jahr, wenn der Winter da ist, verfluche ich ihn. Entweder ist es saukalt oder aber es schüttet wie aus Eimern, so dass ans Angeln
nicht zu denken ist - jedenfalls was mich betrifft. Achim ist nicht so ein Frostköttel wie ich. Dabei bin ich keineswegs ein „Schönwetterangler“, aber Kälte ist mir einfach zuwider.
Und wenn es dann endlich Februar und etwas wärmer ist sind hier bei uns die Zander und Hechte geschont. Meistens sind auch noch
unsere Gewässer zugefroren, so dass man nicht einmal auf Weißfische oder Karpfen angeln kann.
Lediglich an einigen „Forellenpuffs“ bietet sich die Möglichkeit dazu. Und die, das gebe ich zu, nutze ich dann auch ab und zu einmal,
damit dieser fürchterliche Angelentzug nicht zu schlimm für mich wird. Je weiter die Temperaturen absinken, desto höher steigt jedoch
mein Angelflieber. Und bekanntlich gibt es bisher gegen diese Krankheit keine Medizin. Was also tun, welche Ersatzhandlungen schaffen?
Die Ausrüstung kontrollieren wäre eine. Aber das tue ich sowieso jedes Mal bevor wir unseren Angelurlaub antreten und auch danach.
Wenn dann die Ruten gesäubert, die Rollen gefettet und neu bespulen und die Gerätekiste ausgemistet ist, kribbelt es noch stärker in
meinen Händen, denn dann möchte ich am liebsten sofort wieder ans Wasser. Doch ein Blick auf den Kalender zeigt mir, dass es bis zum Saisonbeginn im Frühjahr noch lange hin ist.
Ein kleiner Lichtblick in diesem Winter war unsere Fahrt Ende Januar zur Bootsmesse nach Düsseldorf. Normalerweise wären wir dort
nicht hingefahren, denn schon seit Jahren fahren wir Anfang Februar zur Jagd & Hund in Dortmund.
Aber dieses Mal fuhren wir zur Boot nach Düsseldorf. Der Grund war, dass wir uns im Herbst ein gebrauchtes Bananaboot zugelegt
hatten. Wir hatten es von einem Angler gekauft, der früher einige Kilometer hinter Berlin wohnte und nun nach Süddeutschland gezogen
war und sich seitdem mehr fürs Fliegenfischen interessierte. Ein Boot benötigte er dafür natürlich nicht. Als wir Anfang Dezember das
Klappboot aus Berlin abholten konnten wir es nicht ausprobieren. Es lag zusammengeklappt und reichlich verdreckt auf einem
Campingplatz. So richtig begeistert war ich von dem Anblick des Bootes nicht. Aber Achim hatte sich vorher ausgiebig über
Bananaboote informiert und erfahren, dass sie praktisch unverwüstlich waren. Zu dem Boot bekamen wir außerdem einen Elektromotor
(Mincota Endura 40) mit einem Ladegerät, zwei Akkus, zwei Anker und zwei Paddel. Der Preis für diesen Umfang schien okay. Auf der
Rückfahrt von Berlin müssen wir mit dem Boot auf dem Dach wohl etwas aufgefallen sein, denn einige Wochen später bekamen wir ein Foto zugeschickt.
Schon auf der Heimfahrt meinte Achim, dass er sich eine neue Kielleiste besorgen wollte, denn die vorhandene war schon reichlich in Mitleidenschaft gezogen.
Da wir den Motor und die Akkus nicht an Ort und Stelle ausprobieren konnten nahmen wir sie mit in unsere Wohnung. Nach zwei Tagen
stand jedoch fest, dass die Akkus in Ordnung waren. Aber ob das auch mit dem Motor so war? Um ihn zu testen ließ Achim die halbe
Badewanne voller Wasser laufen und startete dann vorsichtig den Motor. Er lief tatsächlich! Die Original-Sitzbretter vorne und hinten hatte der ehemalige Besitzer nicht mehr. Er hatte sie gegen dickere, inkl. Schirm- und
Rutenhalter, ausgetauscht. Diese waren jedoch so sperrig und nahmen im Kofferraum unseres Wagens so viel Platz weg, dass Achim sich
vornahm noch ein paar dünnere zu bauen. Schließlich wollen wir das Bananaboot auch zum Köderausbringen benutzen und dafür
benötigen wir nicht so starke Sitzbretter. Lediglich wenn wir mal auf einem See schleppen wollen sind sie okay.
Leider war es nicht so einfach an die Maße der Bretter zu kommen. Aber da half uns der Zufall. Nachdem wir das Boot hatten, telefonierte Achim mit dem Hersteller, Herrn Poul Larsen, um zu fragen, was eine neue Kielleiste kosten würde. Bananaboote gibt es
schon seit 30 Jahren und Ersatzteile sind jederzeit zu bekommen. Der Preis für das Ersatzteil war okay, aber es hätte sehr viel Geld
gekostet ein 3,25 m langes Plastikstück zu verschicken. Also entschlossen wir uns es persönlich zu holen und zwar von der Boot in
Düsseldorf. Dort war auch Herr Larsen. Wir sagten ihm, dass wir am Donnerstag, den 26.1. zur Messe kommen und das Ersatzteil abholen würden.
Jetzt besaßen wir also unser eigenes Boot und konnten damit auch einmal auf einem See fischen oder unsere Köder damit ausbringen.
Aber ein wichtiges Teil fehlte uns noch: ein Echolot. Ohne ein Echolot kommt man beim Angeln nicht weit. Also informierte sich Achim im Internet über Echolote. In der Angler Oase wurde er schließlich fündig. Hier bekam er fachkundige Beratung und entschied sich
schließlich für ein Lowrance X 125 Portable mit einer Echolottasche. Einen Tag vor unserer Fahrt zur Messe bestellte er es.
Als wir auf der Boot ankamen gingen wir sofort zu ihm hin. Er hatte das Teil auch tatsächlich mitgebracht – leider aber nicht in der
richtigen Größe! Es war ganze 10 cm zu kurz. Herrn Larsen war die Sache sichtlich peinlich. Gemeinsam überlegten wir, wie wir nun
endlich zu unserer neuen Kielleiste kommen könnten. Schließlich kamen wir überein, dass Herr Larsen es bei seiner Fahrt im Februar nach Fulda bei uns vorbei bringen würde.
Während Achim sich noch mit Herrn Larsen unterhielt kam seine Frau dazu. Sie verkaufte Lose für die Deutsche Kinderhilfe. Der Gewinner würde ein nagelneues weißes Bananaboot mit Segel erhalten. Die Auslosung fand jedoch erst am Sonntag statt. Bei unserem
Gespräch fragte mich Frau Larsen, ob wir nicht Interesse hätten einmal an der Schlei zu angeln. Ich war sofort Feuer und Flamme und
sagte ihr, dass ich mir das schon im letzten Jahr gewünscht hätte, wir aber leider noch keine Gelegenheit dazu hatten. Als sie berichtete,
dass sie in Kappeln wohnen würde, meinte ich, dass ich genau dort gerne einmal hin wollte. Letztes Jahr schon hatte ich mir ein Unterkunftsverzeichnis von Kappeln schicken lassen.
Frau Larsen sagte, wir sollten doch telefonisch in Kontakt bleiben und wenn wir dann einmal nach Kappeln kämen würden wir zusammen
unsere Boote zu Wasser lassen. Ihr Mann wäre ebenfalls ein Angler, nur käme er leider viel zu selten dazu.
Nachdem wir uns von dem Ehepaar Larsen verabschiedet hatten, gingen wir durch die anderen Messehallen um uns die Yachten und Segelboote anzusehen.
Irgendwann kamen wir in Halle 2 an, wo es alles gab, was das Anglerherz erfreut. Zuerst gingen wir zu den Ständen, wo Echolote
vorgeführt wurden. Auch unseres war dabei. Wir verglichen es mit einigen anderen, teureren Modellen, waren uns aber dann einig, dass das, welches Achim ausgesucht hatte, für unsere Verhältnisse genügte.
Auch unser Hand-GPS (Lowrance IFinder Go), welches wir uns vor einem Monat zugelegt hatten, sahen wir auf der Messe. Das Hand
-GPS hilft einem bestimmte Stellen leicht wieder zu finden. Es ist auch für Angeln sehr praktisch.
Dann schlenderten wir weiter. Als ich den Stand von Balzer erblickte steuerte ich sofort auf diesen zu. Letztes Jahr hatten Achim und ich
uns verschiedene Balzer-Ruten zugelegt. Besonders von der BALZER Magna Speci Heavy Feeder-Rute in 3,90 m Länge waren bzw.
sind wir sehr begeistert, so dass wir uns davon sogar jeder eine zweite kauften. Fürs Zanderangeln hatte ich seit einiger Zeit an die Magna Matrix Zander-Rute gedacht.
Diese Profi-Zanderrute ist zum Kunstköder und Grundangeln gleichermaßen geeignet. Als ich sie in der Hand hatte kam ein Mitarbeiter
der Fa. Balzer zu mir und erklärte mir die Vorteile dieser Rute. Wir sagten ihm, dass wir schon einige Balzer-Ruten hätten (Kanalrute,
Feederruten, Spinrute etc.) und nicht nur von dem Bissanzeigersystem der Feederruten sehr begeistert wären. Es wären überhaupt nach
unserer Erfahrung sehr gute Ruten. Dann zeigte uns der Mitarbeiter der Fa. Balzer sein „Sahnestückchen“. Mitte Februar kommt eine
neue Rolle auf den Markt: Die Matrix Blue 900 Feeder Runner. Das besondere an dieser Rolle ist der Blitz-Freilauf-Stopp, welcher ebenfalls eine Erfindung von Lutz Hülße ist.
Während unseres Gesprächs sagte er uns, dass Lutz Hülße und auch Willy Frosch persönlich auf der Messe wären. Nachdem er uns gesagt hatte, wo wir die beiden finden würden, gingen wir zu ihnen. Ich ging sofort auf Lutz Hülße zu und gratulierte ihm zu seinem tollen Seiten-Bissanzeigersystem.
Er fragte mich, in welcher Länge ich die Feederrute hätte. Ich antwortete, dass es die 3,90 m lange sei. Lutz Hülße meinte, dass
besonders Frauen lieber mit einer kürzen Rute angeln würden, was ich bestätigen konnte. Dann ging er zu seinem Rutensack und holte
eine 2,75 m lange Rute heraus. Es war eine Match Multi Feederrute mit einem Wurfgewicht von 120 g. Diese kurze Rute sei nicht nur an
kleineren Gewässern besser einzusetzen, sie käme auch sehr gut beim Wettfischen zum Einsatz. Außerdem könnte man damit auch sehr
gut vom Boot aus angeln. Zu dieser Rute gehörten nicht nur vier Wechselspitzen und vier Seitenbissanzeiger sondern auch eine Inliner
-Schwingspitze. Am liebsten hätte ich mir diese Rute sofort gekauft, aber leider hatte keiner der anwesenden Händler sie vorrätig.
Während Achim und ich noch von der neuen Balzer-Rolle und der Match-Feederrute sprachen gingen wir in Halle 6, wo die größte
Yacht der Welt lag. Sie war 47 m lang und kostete 11 Millionen (!) Euro. Aber auch von den anderen „kleineren“ Yachten waren wir
begeistert. Leider hatten wir nicht genügend „Kleingeld“ dabei, sonst hätten wir uns wenigstens die günstigste, die „nur“ 780.000 Euro kostete, gekauft.
Auf der Heimfahrt sprachen wir noch einmal über die neue, kürzere Feederrute. Sie wäre auch ideal fürs Feeder-Angeln von unserem
Banana Boot, überlegten wir. Von Lutz Hüßle erfuhr ich außerdem, daß die Feederruten ab einer Länge von 3,90 m, wie wir sie ja schon
besitzen, auch zum Beachfeedern gut geeignet seien. Beachfeedern habe ich noch nie versucht, aber demnächst ergibt sich dazu die
Gelegenheit. Ich habe nämlich nicht nur eine einwöchige Reise nach Schweden an den Åsnen gewonnen, wo wir wieder in einem der Ferienhäuser von Ulli und Mona wohnen werden. Nein, ich habe auch noch einen Kurzurlaub in Eutin gewonnen. Schon seit vielen
Monaten schicke ich, wie viele andere auch, Berichte ans Anglermagazin. Ende des Jahres wurden unter den Autoren die Gewinner der Preise ermittelt.
Ich gewann den zweiten Preis: Zwei Übernachtungen für 2 Personen im Doppelzimmer incl. Frühstücksbüffet und Schwimmbadbenutzung
und 1 x Sauna für 2 Personen im Hotel Wiesenhof in Eutin. Eutin liegt nur wenige Kilometer von der Ostseeküste entfernt, so dass wir,
wenn wir dort sind die Gelegenheit zum Hornhecht angeln nutzen wollen. Die beste Zeit dafür sind die Monate Mai und Juni. Da wir vom
8. bis 18. Mai wieder nach Rockenau an den Neckar fahren um den Welsen nachzustellen, blieb als einzige Möglichkeit das
Pfingstwochenende. Wir nahmen Kontakt mit dem Hotel Wiesenhof auf und fragten, ob wir zu diesem Termin kommen könnten. Wir
würden auch gerne 2 Tage länger bleiben, damit sich das Angeln lohnt. Nachdem wir eine positive Bestätigung bekamen steht fest: Wir
fahren vom 2. bis 5. Juni nach Eutin! Aufs Hornhechtangeln freue ich mich schon riesig. Vielleicht ergibt sich ja sogar die Möglichkeit mit einem Kutter rauszufahren und auf Dorsch zu gehen.
Ach wenn doch endlich der lange Winter vorbei wäre und ich wieder angeln könnte!!! Ich kann es kaum erwarten, dass der Frühling kommt.
Oerlinghausen, den 29.01.2006
Unser neues Echolot
Wir hatten uns nach ausgiebiger Beratung für das Lowrance X 125 entschieden. Für den Einsatz im Süßwasser schien es uns ausreichend
zu sein, denn ein Echolot mit größerer Leistung hat doch wohl auch einer stärkeren Scheuchwirkung auf die Fische. Außerdem sollte es portabel sein, und alles komplett in einer Echolottasche verstaut werden.
Als das Paket von der Angler Oase nach sehr kurzer Lieferzeit bei uns eintraf, hatten wir erst einmal reichlich auszupacken. Nun lagen
dort doch eine ganze Menge Einzelteile, wie das Echolot, Geber, Akku, Ladegerät, Sicherungshalter und natürlich die tolle Echolottasche.
Achim machte sich sofort an die Arbeit und schmiedete Pläne, wie wir all diese Einzelteile zu einem Komplettpaket verarbeiten konnten.
Als erstes musste ein wasserdichter Behälter für den Akku und das Echolot gefunden werden. Wir dachten an einen kleinen
Werkzeugkoffer aus Kunststoff, aber unsere Suche in den Baumärkten blieb leider erfolglos. Da fiel mir plötzlich ein, dass wir noch einen
alten Kfz-Verbandskasten aus Kunststoff hatten. Ich holte ihn aus dem Badezimmer und tatsächlich passte er haargenau in die Echolottasche. Achim war begeistert! Am folgenden Tag begann er sofort mit der Arbeit.
Der Deckel wurde mit einer 1,5 mm starken Aluminiumplatte verstärkt. Darauf wurde der Halter für das Echolot mit V2A Schrauben und
Flügelmuttern befestigt. Außerdem wurde ein wasserdichter Schalter und eine Ladebuchse in den Deckel eingebaut. Zur
Kabeldurchführung der Stromversorgung dient eine PG11-Verschraubung. In den Boden des Verbandskastens klebte Achim eine 2 mm
starke PVC Platte, worauf der Akku mit Hilfe eines Alubügels und einer Schaumstofffolie befestigt wurde. Alles wurde mit Silikon
abgedichtet, damit keine Feuchtigkeit eindringen kann. Anschließend verdrahtete Achim die Bauteile miteinander. So ist es jetzt möglich
den Akku zu laden, ohne ihn auszubauen. Das Ladegerät und der Geber finden auch noch Platz in der gut gepolsterten Tasche. Auf dem
Boot ist jetzt keine aufwendige Montage mehr nötig - nur noch den Geber anschließen und los geht’s....
Nun muss nur noch eine Geberbefestigung für unser Bananaboot und eine Geberstange für Leihboote gefunden oder konstruiert werden. Aber das wird Achim sicher auch noch gelingen.
Wir können es nun kaum noch erwarten das Echolot zu testen, aber dazu müssen unsere Gewässer erst einmal wieder auftauen…..!!!!
Oerlinghausen, den 04.02.2006
Spaß bei Eis und Schnee am Forellensee
Bei den eisigen Temperaturen, die nun schon so lange herrschen, vergeht einem schon fast die Lust am Angeln. Und auf was konnte man
jetzt überhaupt angeln? Zander und Hechte haben Schonzeit und Karpfen und Schleien fange ich lieber in der wärmeren Jahreszeit.
Überhaupt macht mir die Kälte trotz entsprechend warmer Kleidung ganz schön zu schaffen. Aber das senkte trotzdem nicht mein
Angelfieber. Ich wollte endlich wieder meine Ruten auswerfen. Plötzlich tauchte ein Gedanke auf: Wie wär’s mit Angeln an einem professionellen Forellensee? Der dürfte doch nicht zugefroren sein.
Klar kenne ich die tollen Sprüche: „Am Forellensee angeln? Wie langweilig. Dort kann doch jeder Fische fangen!“ Oder: „Für einen echten, leidenschaftlichen Angler ist ein Forellenpuff nichts.“
Also ließ ich den Gedanken erst einmal wieder fallen und nutzte die Gelegenheit meine Angelgeräte zu überprüfen. Doch als alles
„startbereit“ vor mir lag, stieg wieder das Angelfieber. Verdammt, ich wollte trotz der widrigen Wetterbedingungen unbedingt wieder
einmal angeln! Vielleicht, so überlegte ich, würden sich ja einige Angelkollegen aus unserem Verein finden, die mit zum Forellensee führen.
Aus unserem geplanten gemeinsamen Angeln auf Zander am Mittellandkanal am 12. Februar war leider nichts geworden. Aufgrund der
langen frostigen Nächte war der Kanal zugefroren. Und selbst als der Eisbrecher ihn für die Schifffahrt wieder frei machte war ein Angeln bei den 20 cm dicken Schollen nicht möglich.
Bis zum Anangeln Anfang April dauerte es mir jedoch zu lange. Auf unserer Jahreshauptversammlung vom ASV Dalbke sprach ich einen Angelkollegen an: „Sag mal, hättest du nicht Lust mit an die
Emsquellauen zu kommen? Vielleicht finden sich ja sogar noch ein paar andere Leute die mitkommen würden?“
Seine Antwort kam prompt: „Klar hätte ich Lust. Und wie! Ich will auch endlich wieder angeln! Ich kümmere mich um einen Termin und
stelle die Frage wer mit möchte am Wochenende ins Forum. Mal schauen, ob sich welche melden.“ Noch am anderen Tag mietete er einen Teich für den 12. März, an dem wir ganz alleine angeln konnten. Als das Thema im Forum stand meldeten sich innerhalb von 2 Tagen gleich 15 Personen an! Wahnsinn! Ich hätte nicht gedacht, dass es so viele Verrückte wie mich gab.
Schon Tage vorher machte ich mir Gedanken, welche Ruten und welche Montage ich einsetzen wollte. „Normalerweise“ hätte ich dort
mit 2 Ruten gefischt, aber bei der großen Personenzahl war nur eine Rute angesagt. Mir stellte sich die große Frage: Welche Rute sollte
ich mitnehmen? Eines war klar: Zuerst einmal würde ich meine neue Match-Multi-Feeder-120-Rute von Balzer einpacken. Sie hatte ich
erst einmal am Südstadtteich ausprobiert. An die Spitze würde ich die mitgelieferte Inliner-Schwingspitze montieren und die Montage auf Grund legen.
Als zweite Rute, so überlegte ich, würde ich meine Spro Spezialist Base Trout, eine 3,90 m lange Teleskoprute, mitnehmen. Diese hatte
ich mir letzten Sommer im Angelgeschäft Zöller in Zwingenberg gekauft. Mit ihr hatte ich bislang auch noch keinen Fisch, geschweige
denn eine Forelle, gefangen. Auf die Hauptschnur würde ich eine Wasserkugel ziehen, einer meiner Lieblingsbissanzeiger. Oder, so
überlegte ich, sollte ich statt der Wasserkugel lieber einen Sbirolino nehmen? Ein Sbirolino ist eine transparente Schlepppose mit einem
Schnurführungsrohr, welches überwiegend zum Angeln an der Oberfläche und im Mittelwasser eingesetzt wird. Es gibt sie in
schwimmender und langsam sinkender Ausführung oder aber als Vario Pose. Letztere lässt sich mit Wasser füllen, so dass man damit
unterschiedliche Gewichte erzielen kann. Man kann also mit nur einer Pose den Köder in verschiedenen Entfernungen und Tiefen anbieten
. Zuletzt käme noch eine Ghost-Pose in Frage. Sie wählt man bei ganz besonders empfindlichen Fischen und für sehr kleine und flache
Gewässer, da sie den beißenden Fischen kaum Widerstand entgegensetzt. Außerdem wird bei einer Ghost-Pose mit wesentlich kürzeren
Vorfächern (und zwar zwischen 50 cm und 1 Meter) geangelt, während man bei den Sbirolinos Vorfächer in Längen zwischen 1,50 und 2,50 Metern einsetzt.
Gab es noch eine Alternative, falls ich mit den gewählten Montagen keine Fische fangen würde? Es sollte zwar kein Wettangeln zwischen uns stattfinden, aber leer ausgehen wollte ich nun auch nicht.
Vielleicht, so überlegte ich weiter, sollte ich noch meine Balzer-Magna-Spezial, eine Feederrute, mitnehmen. Mit ihren 3,90 m ist sie zwar
etwas lang, aber das lässt sich nun mal nicht ändern. Statt eines Bleies würde ich einen geschlossenen Futterkorb, gefüllt mit
Forellenpellets, in den Wirbel einhängen. Das müsste doch die Forellen anlocken. Schließlich war es ja „ihr“ tägliches Futter. An den
Haken kämen jedoch keine Pellets, sondern ein Forellenteig. Ich hatte vor einigen Tagen in unserem Angelladen einen passenden
gefunden, nämlich den Trout Attac von More Trout in den Geschmackrichtungen Forelli und Fegefeuer. Beide sind sehr dunkle
Forellenteige mit Glimmer. Außerdem hatte ich mich noch für einen weißen, ebenfalls mit Glimmer, entschieden. Und dann würde ich
natürlich noch all die anderen farbigen Teige vom letzten Jahr mitnehmen. Am besten, so ist meine Erfahrung, hatten die Forellen bisher
auf Teige von Sensa gebissen. Leider habe ich in unserer Gegen noch kein Geschäft gefunden, welches sie führt. Alle bieten nur den Teig
von Berkley an, der jedoch nach einiger Zeit hart wird und auch sehr oft beim Auswerfen vom Haken fällt.
Die Rutenfrage war also soweit geklärt. Jetzt hieß es nur noch hoffen, dass das Wetter auch noch mitspielte. Seit Anfang Januar war es
fast täglich frostig und es schneite auch immer wieder. Der Winter wollte einfach nicht dem Frühling weichen. Die Teiche waren
inzwischen zwar am Ufer stellenweise wieder aufgetaut, aber das Wasser war noch sehr kalt, so dass sich die Fische in der Tiefe
aufhielten. Als Achim und ich an einem Sonntagmittag, es war schon Ende Februar, ein paar Stunden am Südstadtteich, angelten tat sich
absolut nichts. Normalerweise war es dort eine Leichtigkeit innerhalb weniger Minuten ein paar Köderfische zu fangen. Auch die anderen
Kollegen, die dort seit 6 Uhr morgens saßen, hatten bis zum Mittag nichts gefangen. Umso mehr ärgerte ich mich, als meine Inliner
-Schwinge gegen 14.30 Uhr einen Biss anzeigte und ich vor lauter Aufregung den Anhieb so stark setzte, so dass das Vorfach riss. Ich
hatte nicht daran gedacht, dass der Anhieb bei einer Schwingspitze sehr gefühlvoll erfolgen muss, da die in Wurfrichtung abgelegte Rute den harten Schlag nicht abfedern kann.
Die Quittung bekam ich prompt. Da ich Forellenteig auf dem Haken hatte, war es wahrscheinlich eine Forelle gewesen, die den Köder
schluckte. Aber das würde ich, wie schon so etliche Male vorher, wieder nicht erfahren. Den Kommentar von Achim möchte ich lieber nicht wiederholen.
Zuhause grübelte ich noch lange über mein Missgeschick nach. Hatte ich vielleicht wieder einmal den Knoten nicht richtig gebunden? In
einer ruhigen Minute holte ich meine Knotenfibel hervor und probierte die verschiedensten Knoten aus. In Zukunft, so weiß ich, werde ich bei einer monofilen Schnur nur noch den verbesserten Clinch-Knoten anwenden.
Zu Denken gab mir der Kommentar von Achim: „Was nützen die besten und stärksten Ruten und die tollsten Rollen, wenn du den
Knoten nicht richtig machst. Vielleicht solltest du in Zukunft lieber zuhause auf dem Sofa bleiben und einen Roman lesen.“ Oh je, das saß!
Aber im Grund genommen hat er ja Recht. Es war schließlich nicht das erste Mal, dass mir der Knoten am Vorfach aufging, weil ich ihn
schlampig gebunden hatte. Dabei, so lernt man schon im Vorbereitungsunterricht, ist der Knoten die Schwachstelle beim Angeln!
Je näher der Angeltermin rückte, desto ungeduldiger wurde ich. 5 Tage vorher stiegen die Tagestemperaturen und es setzte Regen ein.
Bei Schnee würde ich auf keinen Fall angeln, aber die ganze Zeit Regen mochte ich auch nicht. Freitag, den 10. März war es wieder
kälter geworden, nachts gab es sogar erneut Frost, aber den ganzen Tag schien die Sonne. Hoffentlich bleibt es so, betete ich innerlich.
Doch als ich Samstagmorgen aus dem Fenster schaute glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen: es war schon wieder am Schneien! Im
Laufe des Tages kam es noch schlimmer, denn es wurde spürbar kälter und der Schnee blieb liegen. Als wir am späten Nachmittag zur
Garage gingen um unsere Angelsachen ins Auto zu packen wehte uns ein eisiger Nordwind entgegen. Den ganzen Abend schaute ich
immer wieder zum Fenster hinaus in der Hoffnung, dass der Schneefall endlich nachlassen würde. Als ich gegen 22.30 Uhr den Wecker
für den nächsten Tag stellte war ich mir gar nicht so sicher, ob ich am nächsten Morgen aufstehen und zum Angeln fahren würde.
Doch am nächsten Morgen war ich schon wach, als der Wecker um 5.30 klingelte. Ein Blick aus dem Fenster zeigte eine weiße Fahrbahndecke.
„Das kann doch nicht wahr sein! Die haben noch nicht einmal die Straße gestreut“, sagte ich zu Achim. „Du vergisst, dass wir Wochenende haben“, antwortete er.
Als wenn das ein Grund wäre! Im Radio wurde sogar vor glatten Straßen gewarnt. Meine Freude aufs Angeln sank auf Null. Außerdem
machte ich mir Sorgen um meine Tochter, die aus Bielefeld kam und mit der wir uns gegen 6.45 Uhr auf dem Parkplatz vor unserem Haus
verabredet hatten. Als wir zur Garage gingen saß sie schon wartend im Auto. Wir fuhren gemeinsam los und waren kurz nach 7 Uhr am
Forellenteich. Auf der Fahrt dorthin meinte ich zu Achim: „Ich könnte mir vorstellen, dass bei diesem kalten Wetter einige abgesagt haben.“
Doch das war ein Irrtum. Pünktlich um 7.30 Uhr waren alle, die sich für Forellenangeln angemeldet hatten zur Stelle. Es gab also noch andere Idioten, dachte ich still bei mir.
Wir verteilten uns um den gemieteten Forellenteich und bauten unsere Angelsachen auf. Thomas hatte schon vorher gemeint, dass es wohl
besser wäre einen Eisbohrer mitzubringen. Aber das war nun doch nicht nötig, denn der Teich war offen. Als die Forellen eingesetzt
wurden kam ich mir vor, als wenn ich beim Heringsangeln wäre. Wie auf Kommando wurden die Ruten ins Wasser geworfen. Die
meisten entschieden sich für eine Pose, ich dagegen angelte zuerst mit meiner Forellenrute und einer Wasserkugel. Als die anderen schon
einige Fische gefangen hatten und ich immer noch ohne eine Meldung da saß wechselte ich sie gegen meine Rute mit der Inlinder-Schwingspitze aus.
Am Haken bot ich den „Forelli“-Forellenteig an. Immer wieder kontrollierte ich den Köder, der nach einiger Zeit vom Haken war. Hatten
ihn die Forellen abgefressen oder hielt er nicht so gut? Nach 2 Stunden wurde ich schon richtig ärgerlich. Warum bekam ich keine Forelle
an den Haken? Die anderen fingen doch welche. Vielleicht sollte ich doch lieber mit einer Pose angeln, dachte ich. Während ich noch
grübelte sah ich plötzlich, dass die Schwinge nach vorne schnellte. Kurz danach ging Schnur von der Rolle runter. Ein Fisch! Vorsichtig
nahm ich die Rute hoch und schlug an. Jetzt bloß keinen Fehler machen, schoss es mir durch den Kopf. Gefühlvoll drillte ich den Fisch
ans Ufer. Als er den Kescher bemerkte flüchtete er erst nach links, dann wieder nach rechts und wieder nach links. Aber es half nichts. Kurze Zeit später lag eine schöne große Lachsforelle im Kescher.
Meine Hände waren inzwischen durch die Kälte blau angelaufen. Und meine Finger spürte ich kaum noch. Ich goss mir einen Kaffee ein
um die Hände ein wenig an der Tasse zu wärmen. Doch nach einigen Minuten war der Kaffee eiskalt, was kein Wunder bei einer
Temperatur von -8° C war. Auch als die Sonne hervor kam wurde es nicht bedeutend wärmer, denn es wehte ein eisiger Nord-Ost-Wind.
Um 11 Uhr, als die meisten eingesetzten Fische rausgeholt waren, entschlossen wir uns eine Brotzeit einzulegen. Ich hatte Bockwürstchen
und Brötchen mitgebracht. Andreas hatte einen Kocher und einen Kochtopf mitgebracht. Leider war der Topf etwas klein, so dass die
Würstchen hinein gequetscht werden mussten. Da er keinen Deckel dabei hatte stellte er den Wasserkessel auf den Topf. Not macht erfinderisch!
Nach einigen Minuten waren die Würstchen warm und die ersten stillten ihren Hunger. Nur einige der Anwesenden wollten nichts essen,
denn sie befürchteten, dass die anderen ihnen „ihre“ Forellen wegangeln würden. Gegen Mittag bezahlten wir noch einmal jeder 5 Euro, damit weitere Forellen eingesetzt würden.
„Verdammt, ich möchte auch ein paar Forellen fangen! Ich habe erst eine“ knurrte ich laut vor mich hin.
„Das wird schon. Versuch es doch mal mit einer Schlepppose. Wir haben uns doch letztens bei Dirk welche gekauft“, meinte Achim.
Ich ging zu meiner Rutentasche und holte eine weitere Rute raus, die ich schon vorher zuhause mit einer Schlepppose bestückt hatte. Auf
den Haken steckte ich eine Bienen- und eine Fleischmade. Kaum schwamm die Pose im Wasser tauchte sie auch schon leicht unter um
sofort wieder aufzutauchen. Das Spiel sah ich mir eine Zeitlang an, dann schlug ich vorsichtshalber an. Doch es hing keine Forelle am
Haken. Ich holte die Montage rein um den Köder zu kontrollieren. Ich staunte nicht schlecht, als ich einen Stichling am Haken hatte. Das
war also der Übeltäter, der dauernd an der Pose war. Ich warf den Köder wieder aus und beobachtete erneut, wie die Stichlinge sich an
der Made zu schaffen machten. Wie soll man denn da einen Biss erkennen können? Mißmutig stand ich auf und ging zu den anderen am
„Würstchenstand“. Dann nahm ich mir eine Flasche Bier und ging wieder an meinen Platz zurück. Wo war meine Pose? Ich konnte sie
zwischen den vielen anderen, die auf dem Wasser schwammen, einfach nicht ausmachen. Ich schaute zur Rolle und sah, dass die Bremse
leicht ging. Sofort nahm ich die Rute in die Hand und schlug an. Tatsächlich hatte sich eine Forelle den Köder geschnappt. „Hurra. Ich
habe eine zweite am Haken!“ rief zu Achim zu. „Kannst du mir keschern helfen? Meine Finger sind total abgefroren.“
„Geht nicht! Ich habe auch gerade eine dran. Das musst du schon alleine tun“, bekam ich zur Antwort.
Nebeneinander drillten und kescherten wir unsere Forellen. Dieses Mal war sie nicht so groß, aber ich war glücklich endlich eine weitere gefangen zu haben.
„Wie viele hast du denn schon“, fragte ich Achim. „Das weiß ich nicht so genau. Vielleicht 6 oder 7.“ „Mensch! Wie machst du das? Und wie machen das die anderen? Bin ich zu blöd dazu?“ fragte ich zurück.
„Quatsch. Die meisten haben auch erst 2 oder 3 gefangen“, tröstete mich Achim. „Nur Thomas, unser Vorsitzender, kriegt den Hals nicht voll. Der hat schon mehr als 10.“
Gerade Thomas, der ja eigentlich vom Forellenangeln nicht hielt und zuerst gar nicht mit wollte!
Gegen 13 Uhr machten sich die ersten auf den Heimweg. Vielleicht klappt es ja jetzt besser, wenn einige weniger am Teich waren. Ich
bestückte den Haken erneut mit einer Bienen- und Fleischmade und warf aus. Plötzlich flog etwas vor mir her. Ich dachte die Bienenmade
wäre vom Haken gegangen und wollte die Montage wieder einholen. Dabei stellte ich fest, dass die Kurbel an der Rolle ab war!
„Das kann doch gar nicht sein! Achim, meine Kurbel ist ab.“ „Na toll!“ antwortete er. „Du hast bestimmt die Schraube losgedreht.“
Ich schaute mir die Rolle an und antwortete: „Das geht gar nicht, weil da keine Schraube ist. Die Kurbel wird per Knopfdruck umgelegt.“
Ich schaute mich am Ufer um und sah die Kurbel vor mir im Wasser liegen. Ich holte sie raus und gab beide Teile Achim. Er konnte sie
zwar wieder drauf stecken, aber er riet mir lieber doch eine andere Rute zu nehmen. „Welche denn? Auf Schwinge tut sich nichts mehr und an der Wasserkugel hatte ich auch keine Meldung. Ich möchte weiter mit der
Schlepppose angeln.“ Gesagt, getan – und schon lag die Kurbel wieder im Wasser! Dieses Mal verlor ich auch noch die Belegscheibe. „Verdammt noch mal,
das ist mal wieder typisch für Zebco! Alles von denen geht nach kurzer Zeit kaputt“ schimpfte ich.
Da ich unbedingt noch eine Forelle fangen wollte holte und mit meinen eingefrorenen Fingern keine neue Montage knüpfen konnte und
wollte, holte ich erneut meine Forellen-Teleskop-Rute mit der dicken Wasserkugel raus. Unser Angelhändler keine kleinen Pilotkugeln auf
Lager, so dass ich nun eine reichlich große auf der Hauptschnur hatte. Wie erwartet ignorierten die noch verbliebenen Forellen meinen Köder.
Kurz vor 16 Uhr packten auch wir unsere Sachen. Zuhause angekommen merkte ich erst wie durchgefroren und kaputt ich war. Schnell
ließ ich mir ein heißes Bad ein um mich aufzuwärmen. Während ich im mollig warmen Wasser lag dachte ich darüber nach, welchen
Stress ich mir wieder selber angetan hatte, weil ich unbedingt im Winter angeln wollte! Aber unser Fangergebnis ließ sich sehen:
Insgesamt hatten wir 12 Forellen gefangen, die ausgenommen 6 kg wogen, darunter waren 3 Lachsforellen.
Oerlinghausen, den 14.03.2006
Die erste Ausfahrt mit unserem Bananaboot
Unser Neckarurlaub rückte immer näher und wir hatten unser neues Bananaboot bisher noch nicht texten können. Schließlich wollten wir
es mit an den Neckar nehmen, um mit dem Echolot die Löcher ausfindig zu machen, in denen sich die Waller tummeln. Des Weiteren
wollten wir damit unsere Köder ausbringen. Aber ohne vorher damit einmal auf dem Wasser gewesen zu sein, würde ich jedenfalls nicht
in das Boot steigen. Außerdem war es mir nicht so ganz geheuer. Es sah zwar aus wie ein Boot, aber so ganz glaubte ich der Sache nicht.
Als wir es letztes Jahr jemanden abkauften waren die Original-Sitzbretter (Duchten) nicht mehr vorhanden. Der vorherige Besitzer, der selber Angler war, hatte sie gegen dreimal so dicke ausgetauscht.
Als wir sie in unseren Wagen packten nahmen sie so viel Platz im Kofferraum ein, dass ich befürchtete, dass unsere Angelsachen kaum
noch hineinpassen würden. Achim meinte auch, dass wir solche Monsterbretter nicht benötigen würden, wenn wir mit dem Boot unsere
Köder rausbringen bzw. die Bodenbeschaffenheit auskundschaften wollten. Also beschloss Achim, dass wir uns neue, 18 mm dicke wasserfeste Sperrholz Bretter beschaffen und diese statt der vorhandenen nehmen sollten.
Wir waren einige Male in verschiedenen Baumärkten, aber wir fanden keine passenden Bretter. Vor einigen Tagen gab uns ein
Angelkollege den Tipp, es doch einmal bei einem ganz in unserer Nähe gelegenen Holzhandel zu versuchen. Dort, so meinte er, hätten sie
bestimmt welche. Vor allen Dingen sollten es Bretter sein, die auch einigen Wassertropfen standhielten. Und tatsächlich erstanden wir am letzten Dienstag für wenige Euro die passenden Bretter (Anhängerplatten).
Im Oktober hatte Achim auf der Bootsmesse in Düsseldorf sich mit Erlaubnis von Herrn Poul Larsen, dem Hersteller der Bananaboote,
eine Schablone angefertigt, nach der er nun die Bretter zuschnitt. Karfreitag machten wir uns zu zweit daran, die neue Kielleiste am Boot
anzubringen, was nicht gerade einfach war. Aber nach 2 Stunden (!) war es endlich geschafft. Als Achim das Boot auseinander klappte
war ich erstaunt, wie groß es war. Ich hatte ein Bananaboot zwar schon auf der Bootsmesse gesehen, aber das unseres ebenfalls diese Ausmaße glaubte ich anfangs nicht so recht.
Nun hieß es die selbst angefertigten Sitzbretter einzupassen. Zuerst wurde das mittlere in die Halterung gesteckt, was ganz einfach war.
Doch als Achim das nächste Brett reinstecken wollte stellte er fest, dass die Bretter einen Millimeter zu dick waren. Was tun? Neue
besorgen wollte und konnte Achim nicht, denn es war erstens Feiertag und zweitens hatte er fest vor, das Boot am Ostersamstag auf dem
Gevattersee in Minden zu testen. Äußerlich machte es einen recht guten Eindruck, doch wir wussten nicht, ob es auch tatsächlich noch
wasserdicht war. Nach einigen Überlegungen packte Achim die Bretter wieder ins Auto und fuhr nach Bielefeld in die Uniwerkstatt, wo
er die Bretter an den unteren Stellen, wo sie in die Halterung mussten, etwas verjüngte. Nach 2 Stunden war Achim wieder zurück und
wir machten uns erneut an die Arbeit. Nun passten die Bretter wunderbar in die Halterungen. Jetzt mussten noch Löcher für die Spinte gebohrt werden, damit die Bretter nicht rausrutschen konnten.
Samstagmittag fuhren wir nach Minden. Am Gevattersee I saßen schon ein paar Angler. Wir hatten das zusammengeklappte Boot gerade
vom Autodach genommen und ans Ufer gelegt, als zwei junge Männer zu uns kamen. „Hallo“, begrüßten sie uns. „Wir haben auch ein
Bananaboot, aber nicht das Original. Es ist ein italienischer Nachbau. Wollt ihr auch auf Karpfen angeln? Hier haben andere Angler 4
Tage lang Karpfen angefüttert und jetzt sind sie weg ohne einen gefangen zu haben. Nun wollen wir es auf Karpfen versuchen.“ „Keine
Bange“, erwiderte Achim. „Wir wollen nur unser Boot ausprobieren. Vielleicht angeln wir später auch ein bisschen, aber bestimmt nicht
auf Karpfen, eher auf Barsch oder Weißfische.“ Erleichtert zogen die beiden wieder von dannen.
Als das Boot fertig zum Auslaufen war setzte sich erst einmal Achim alleine rein und ruderte ein Stückchen raus, um zu testen, ob auch
kein Wasser rein lief. Wieder am Ufer holte er das Echolot mit der Geberstange. Dann stieg auch ich, anfangs etwas ängstlich, ins Boot
und wir ruderten los. Schon nach 2 Minuten stellte ich fest, dass meine Angst vor diesem dünnen Boot völlig unbegründet war. Ich hatte
im Internet gelesen, dass der Boden eines Bananabootes sehr nachgiebig sei und man das Gefühl hätte, mit dem Beinen direkt im Wasser
zu stehen. Dieses Gefühl hatte ich absolut nicht. Im Gegenteil, es machte einen sehr stabilen Eindruck auf mich.
Als wir ein Stückchen rausgerudert waren schaltete Achim das Echolot ein. Zum ersten Mal konnten wir „echte“ Fische darauf erkennen.
Die Bodenstruktur des Gevattersees war sehr abwechselungsreich. Mal war es flach, dann ging es wieder steil herab. Auf dem Echolot
konnten wir erkennen, dass sich die Fische fast überwiegend in den Löchern aufhielten. Wir konnten zwar noch nicht unterscheiden, ob es
sich um einen Zander oder Hecht handelte, wenn auf dem Bildschirm eine große lange Sichel zu sehen war, aber wir sind sicher, dass es
sich bei den dicken, runden Sicheln um große Karpfen gehandelt hat.Nach unserer Testfahrt ruderten wir wieder ans Ufer, holten unsere
kurzen Feederruten und ruderten zurück zu der Stelle, wo wir im Loch viele Fische auf dem Echolot gesehen hatten. Dort ließen wir
unsere Wurmköder runter und warteten gespannt, ob einer der Fische auf den Köder aufmerksam werden würde. Doch es tat sich nichts.
Wir ruderten ein Stücken weiter und wenn wir auf dem Echolot erneut Fische sahen ankerten wir wieder und ließen unsere Köder runter.
Das Echolot zeigte eine Wassertemperatur von 9,4° C an und daher wunderte es uns nicht, dass die Fische noch nicht in Beißstimmung waren.
Der Wetterbericht hatte tags zuvor sonniges und relativ warmes Wetter für Ostersamstag angesagt. Bei Sonnenschein fuhren wir los, aber
als wir am Gevattersee ankamen war der Himmel bedeckt und es wehte ein leichter Wind. Im Laufe der Stunden nahm der Wind zu. Als
wir gegen 18 Uhr unser Boot wieder ans Ufer zogen blies der Wind so kräftig, dass es fast schon ein Sturm wurde.
Beim Einpacken kamen die beiden Angler erneut zu uns. „Na, wie war die erste Ausfahrt? Ist doch gar nicht schlimm. Das Boot ist sehr
sicher, da passiert schon nichts“, meinte einer der beiden. Dann fragte uns der andere was wir für das Boot bezahlt hätten. Als Achim ihm
den Preis nannte, meinte er: „Wenn ihr es verkaufen wollt, ich kaufe es euch sofort ab!“ Verkaufen? Kommt gar nicht in Frage. Ich bin stolz darauf, ein eigenes Boot zu haben!
Nachdem es seine erste Ausfahrt gut überstanden hat, steht noch die Taufe an.
Hier gibt es noch 2 kurze Videoclips von der ersten Ausfahrt mit unserem Bananaboot:
Oerlinghausen, den 17.04.2006
Schleppfischen auf dem Gevattersee
Letztes Wochenende hatte Achim auch die Halterung für den Bootsmotor an unserem Bananaboot anfertigt. Nun wollten wir auch einmal
unseren Elektromotor, den wir zusammen mit dem Boot gekauft hatten, ausprobieren. Dafür bot sich das lange Wochenende an. Leider
hatte der Wetterbericht für die letzten beiden Tage im April keine sonnigen und warmen Tage vorausgesagt. Aber am Montag, dem 1.
Mai, so hieß, sollte es trocken und relativ „warm“ werden. Leider ist auf dem Sennesee das Bootsfahren nicht erlaubt. Also entschlossen
wir uns noch einmal an den Gevattersee I zu fahren um dort auf Hecht und Barsch zu schleppen.
Tagelang überlegten wir welchen Namen wir unserem Boot geben sollten. Schließlich entschieden wir uns für „FROSCH“. Aber es sollte
nicht nur einen Namen haben. Neben dem Namenszug sollte, so hatten wir es uns vorgestellt, ein Frosch mit einem Fisch im Maul
abgebildet werden. Mein Schwager Wilfred, den wir bei unseren Überlegungen mit einbezogen hatten, kam eines Abends zu uns und
zeigte uns seinen Entwurf. Wir waren davon so begeistert, dass er es auf Klebefolie druckte und letzten Samstag persönlich an unserem
Boot anbrachte. Meine Schwester Margit kam mit einer Flasche Sekt zu uns und wir tauften unser Bananaboot auf den Namen FROSCH.
Montagmorgen fuhren wir gegen 9.15 Uhr nach Minden. Das Boot war innerhalb weniger Minuten aufgebaut. Als der Elektromotor und
das Echolot ebenfalls angebracht waren holte ich unsere Schleppruten und Kunstköder und los ging es. Nach einigen Metern fragte ich
Achim ob er den Motor schon angemacht hätte. „Natürlich. Warum fragst du?“ Der Motor war so leise bzw. überhaupt nicht zu hören, so dass es mir vorkam, als wenn das Boot vom Wind getrieben würde.
Auf dem Echolot konnten wir erneut erkennen, dass die Fische sich überwiegend in den Löchern aufhielten. Dieses Mal, so schien es mir,
waren es viel mehr Fische als vor 14 Tagen bei unserer ersten Ausfahrt auf dem Gevattersee I.
Als wir genügend Abstand vom Ufer hatten warfen wir unsere Schleppruten aus. Als Köder wählte ich erst einmal einen gelb-bunten
Wobbler. Nachdem wir eine halbe Stunde geschleppt hatten, ohne dass sich ein Fisch für den Köder interessierte, holte ich die Rute rein
und wechselte den Köder. Dieses Mal entschied ich mich für einen 8 cm langen schwimmenden Wobbler in weiß-rot.
Wir fuhren langsam ein Stück weiter, als ich plötzlich merkte wie an meiner Schnur gezogen wurde. Aber es war kein Fisch, das spürte
ich sofort. Doch Kraut konnte es auch nicht sein. Irgendetwas stimmte nicht! Ich schaute zu meiner Schnur und sah, dass sie in der Nähe des Motors war.
„Achim, halt an. Ich glaube ich bin mit meiner Schnur im Propeller!“ Sofort schaltete Achim den Motor aus und holte ihn aus dem Wasser. Tatsächlich hatte sich die Schnur um den Propeller gewickelt.
Darüber war Achim nun gar nicht begeistert. „Ich glaube, der Tag ist gelaufen“, sagte Achim zu mir. „Wenn wir die Schnur bzw. den Propeller nicht wieder freikriegen, dann müssen wir zurückrudern.“
„Ich würde ja die Schnur durchschneiden, aber ich möchte den Wobbler nicht verlieren“, jammerte ich.
Während Achim sich bemühte meinen Köder per Hand einzuholen antwortete er: „Das wäre wohl das kleinere Übel. Wichtiger ist, dass der Propeller nicht kaputt gegangen ist.“
Es dauerte ein paar Minuten, aber dann hatte Achim den Propeller von der Schnur befreit.
Alles war so glimpflich abgegangen, dass ich sogleich meine Montage wieder auswerfen konnte. Doch dieses Mal achtete ich darauf, dass die Schnur nicht noch einmal in die Nähe des Motors kam!
Wir hatten vielleicht eine Viertelstunde geschleppt, als ich sah, wie sich meine Rutenspitze leicht bog. Einen kurzen Augenblick wartete ich
, dann nahm ich die Rute hoch und schlug an. Dann sagte ich zu Achim: „Hol deine Rute rein. Ich habe einen Fisch dran.“ Er fragte mich, ob ich sicher sei, dass es kein Kraut sondern ein Fisch wäre.
„Natürlich bin ich sicher, dass ich einen Fisch habe! Ich spüre das Klopfen ganz deutlich in der Rute“ antwortete ich. Daraufhin meinte Achim: „Lass dir mit dem Drillen Zeit. Gib mir mal den Kescher rüber.“
Noch bevor Achim den Kescher im Wasser hatte, hatte ich den Fisch in die Nähe des Bootes gedrillt. Ich erkannte, dass es ein Barsch
war, der sich den Wobbler geschnappt hatte. Meine Freude war groß, denn ein paar Minuten vorher hatte ich noch zu Achim gesagt:
Wenn die Hechte schon nicht beißen wollen, könnte sich doch wenigstens ein Barsch für den Köder interessieren. Außerdem habe ich schon seit 2 Jahren keinen Barsch mehr gefangen.“
Noch im Wasser erkannten wir, dass es sich um keinen kleinen Barsch handelte. Als er im Kescher lag sah ich aber erst was für ein Pfundkerl ich am Haken hatte.
Achim schätzte ihn auf 45 cm. Zuhause stellte ich dann fest, dass er 44 cm groß war und 1225 g wog.
Das erste und bisher einzige Mal hatte ich vor 3 Jahren in Schweden auf dem Asnen geschleppt und ich war immer noch der Meinung, dass diese Art von Angeln nicht so mein Fall sei.
Kurz nachdem wir das Bananaboot gekauft hatten, sagte Achim zu mir, dass wir damit auch einmal zum Edersee fahren und dort
schleppangeln könnten. „Mal sehen“, antwortete ich ausweichend. Zu dieser Zeit traute ich mich noch nicht ins Boot und hielt vom Schleppangeln nichts.
Doch nach diesem ersten tollen Fang hatte ich meine Meinung etwas revidiert. Vielleicht bissen die Fische ja auch hier auf solche
komischen künstlichen Köder? Ich war erneut meine Rute aus und schaute weiterhin gespannt auf die Spitze. Plötzlich bog sie sich wieder
. Sollte ich vielleicht schon wieder einen Fisch am Haken haben? Vorsichtshalber schlug ich an, war mir aber sicher, dass es kein Biss
sondern Kraut war, das am Haken hing. Und so war es auch. Stellenweise war es nur 2 Meter tief und der Drilling verfing sich im Kraut.
Geduldig machte ich das Kraut von Haken und warf wieder aus. Kurz darauf bog sich erneut die Spitze. Erneut schlug ich an und auch
dieses Mal spürte ich das Klopfen des Fisches in der Rute. „Achim. Ich habe wieder einen dran!“ “Das gibt’s doch nicht. Okay. Gib mir den Kescher“, antwortete er.
Dieser Fisch machte mehr Radau als der erste. Kurz bevor ich ihn in der Nähe des Bootes hatte versuchte er sich vom Drilling zu befreien
, was ihm aber nicht gelang. Als er mit dem Kopf aus dem Wasser auftauchte sagte Achim zu mir, dass ich einen Hecht dran hätte.
Jetzt auch noch ein Hecht! Meine Freude war riesengroß. Übermütig sagte ich zu Achim: „Ich weiß schon, warum ich mich für diesen Wobbler entschieden habe. Der fängt super gut!“
Achim kescherte den 60 cm langen Hecht und wollte ihn mir für ein Foto rüberreichen. Aber ich meinte, dass er ihn halten sollte, während
ich fotografierte. Eine Zeitlang war der Räuber auch ruhig, doch dann wurde es ihm zu bunt und er versuchte aus den Händen zu
entwischen. Aber es glückte ihm nicht, doch beim Zupacken verletzte sich Achim einen Finger, der sofort zu bluten anfing, an den scharfen Kiemen.
Bevor Achim seine Rute wieder auswarf schlug ich ihm vor, meinen Wobbler zu nehmen, da er gut fängig war und wir keinen weiteren davon hatten. Aber Achim entschied sich für ein anderes Modell.
Obwohl wir auf dem Echolot viele Fische erkennen konnten wollten sie nicht mehr beißen. Gegen 14.30 legten wir wieder am Ufer an,
denn wir wussten nicht, wie lange die Batterie reichen würde. Außerdem wollten wir uns ein wenig die Füße vertreten, um dann erneut
raus zu fahren. Doch auf einmal wurde es sehr windig und es zogen dunkle Wolken auf. Inzwischen waren ein paar Surfer auf dem
Wasser, was das Bootsfahren etwas erschwert hätte. Also entschlossen wir uns einzupacken. Bevor wir uns auf den Nachhauseweg
machten fuhren wir kurz zum Gevattersee II. Es waren doch nicht so viele Angler dort, wie wir glaubten. Aber wir sahen 2 Bootsangler auf dem See, die ebenfalls schleppten.
Nächstes Wochenende fahren wir für 2 Wochen an den Neckar. Anschließend macht Achim mit seinen Freunden seine jährlich,
einwöchige Fahrradtour. Doch danach, da sind wir uns einig, werden wir erneut mit unserem Bananaboot nach Minden fahren und es
einmal auf dem Gevattersee II probieren. Sicher gibt es dort ebenso viele Fische wie im Gevattersee I.
Ich bedauere es sehr, dass der Mindener Fischereiverein für beide Seen den Pachtvertrag nicht verlängert. Besonders der Gevattersee II hat es mir angetan, denn hier wurde ich zum ersten Mal vom Angelfieber befallen!
Hier gibt es noch einen kurzen Videoclip von Uschis Monsterbarsch:
Als wir am letzten Donnerstag Besatzmaßnahmen am Sennesee unseres Angelvereins, des ASV Dalbke e.V. durchführten, sahen wir
beim Einsetzen der Fische ca. einen Meter vom Ufer entfernt einen Krebs im Wasser. Beim näheren Betrachten stellten wir fest, dass es
sich um einen Edelkrebs handelte. Schon im letzten Jahr haben wir dort einen Edelkrebs gesehen. Sie sind von uns nicht besetzt worden,
sondern haben sich den Sennesee als Lebensraum selbst erobert. Sein Auftreten zeigt uns, dass wir es am Sennesee mit einer sehr guten Wasserqualität zu tun haben.
Er war früher in nahezu allen Gewässern unseres Landes verbreitet. Heute ist der Edelkrebs in Nordrhein-Westfalen stark gefährdet. Bis
vor 200 Jahren zählte der Fluss- oder Edelkrebs (lat.: Astacus astacus) in unseren Breiten zu den häufigsten Bewohnern der Flüsse und
Bäche. Doch Ende des 19. Jahrhunderts war es mit einem Schlag vorbei. Durch die aus Nordamerika eingeschleppte Krebspest starben
Millionen von Edelkrebsen in europäischen Gewässern, bis schließlich kaum noch ein lebender Edelkrebs zu finden war.
Er war früher in nahezu allen Gewässern unseres Landes verbreitet. Heute ist der Edelkrebs in Nordrhein-Westfalen stark gefährdet. Die
Ursachen liegen in der immer noch latenten Gefahr der Einschleppung der Krebspest (Aphanomycews astaci), eine aus Amerika
eingeschleppte Pilzerkrankung. Der seuchenartige Verlauf der Krankheit und das massenhafte Sterben von Flusskrebsen brachte ihr den
Namen „Krebspest“ ein. Durch die Einführung der amerikanischen Flusskrebsarten, die gegenüber der Krankheit weitgehend immun sind,
diese aber übertragen, konnte sich die Krebspest in Europa dauerhaft etablieren. Die noch heute in unseren Gewässern weit verbreiteten
amerikanischen Flusskrebsarten bilden immer noch den Ausgangspunkt für weitere Ausbrüche.
Weiterhin haben auch die immense Gewässerverschmutzung, der Gewässerausbau und der stark überhöhte Bestand von Fressfeinden wie z.B. dem Aal zu seiner Gefährdung beigetragen.
Der Edelkrebs bewohnt die Uferregionen stehender und fließender Gewässer. Große Ströme und schnell fließende Bäche meidet er. Als
nachtaktives Tier ist er tagsüber auf Verstecke angewiesen: Wurzelwerk, hochaufliegende Steine und selbstgegrabene Höhlen in der Uferböschung.
Er ist ein ausgesprochener Allesfresser. Zu seiner Ernährung gehören Wasserpflanzen, Würmer, Schnecken, Insekten, aber auch kranke
Fische und Aas. Daher ist er auch als eine Art Gesundheitspolizei der Gewässer zu betrachten. Sein Nutzen für die gesamte Lebensgemeinschaft sollte unbedingt erhalten bleiben.
Die Paarung der Edelkrebse findet im Herbst (September/Oktober) statt, die Eiablage bis zu einem Monat später. Das Weibchen legt 50
– 400 Eier, die sie 26 Wochen unter dem eingeschlagenen Hinterleib trägt. Allerdings entwickeln sich höchstens 10 bis 20 % der Eier bis zum Jungkrebs. Diese bleiben dann bis zur ersten Häutung beim Muttertier.
Die Weibchen werden bis zu 12 cm, die Männchen ca. 18 bis 20 cm lang (gemessen wird von der „Nasenspitze“ bis zum Schwanzende, d.h. ohne Scheren!).
Das Männchen besitzt kräftigere Scheren, längere Antennen und einen schlankeren, weniger gewölbten Hinterleib als das Weibchen.
Zudem sind beim Männchen die beiden vordersten Beinpaare zu Hilfsorganen für die Begattung („Griffel“) umgebildet. Beim Weibchen ist das erste Beinpaar des Hinterleibs zurückgebildet.
Der Edelkrebs ist meist einheitlich braun gefärbt, wobei die Spanne von recht hellen bis hin zu annähernd schwarzen Tieren reicht. Es
finden sich aber auch Exemplare mit einem mehr oder weniger intensiven roten, gründen oder blauen Schimmer.
Diese Flusskrebsart kennzeichnet sich durch orangerote Scherenunterseiten in Verbindung mit leuchtend rot gefärbten Innenseiten der
Scherengelenke. Der Körperpanzer weist an der Oberseite hinter den Augen zwei Paar Augenleisten auf, an den Seiten direkt hinter der Nackenfurche befindet sich mindestens ein kleiner Dorn.
Weitere Informationen über den Edelkrebs gibt es hier: http://www.edelkrebsnrw.de
Oerlinghausen, den 03.05.2006
hier gehts weiter zum 2.Teil Angelerlebnisse 2006..........
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