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Achim Kluck

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Angelerlebnisse 2006

Teil 2

Wallerträume im Wonnemonat Mai

Was für ein Prachtkerl!

Jeder kennt wohl das Volkslied „Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus“. Doch in diesem Jahr ließ der Frühling auf sich warten. Da war noch nichts mit Ausschlagen. Jedenfalls nicht hier bei uns in Westfalen-Lippe. Nachtfröste, Regen, Hagel und auch ab und zu ein paar Schneeschauer waren an der Tagesordnung. Als unser Urlaub in Rockenau (vom 8. – 18. Mai) immer näher rückte und es ans Packen ging, war ich etwas ratlos. Was sollte ich einpacken? Würde es kalt und verregnet werden? Oder würde es plötzlich Sommer und entsprechend heiß werden? Vorsichtshalber packte ich mehr Winter- als Sommersachen ein und zusätzlich zu meiner Thermohose und –jacke bestellte ich mir übers Internet bei Tchibo noch eine Angler-Regenjacke und –hose.
Dieses Mal wollten wir auch noch unser Bananaboot auf dem Autodach mitnehmen. Außerdem mussten das Echolot, die Sitzbretter, der Anker, der Elektromotor, die Batterie und das Ladegerät im Wagen Platz finden.
Früher hätte ich Achim mit den Worten genervt: „Das bekommen wir doch alles gar nicht ins Auto!“ Doch dieses Mal hielt ich mich zurück. Geschickt verstaute Achim unsere Angelsachen, das Bootszubehör und unsere Reisetaschen plus Kühlbox im Auto. Am Tag unserer Abreise brauchten nur noch unsere Rucksäcke und ein paar Kleinigkeiten untergebracht werden.
Normalerweise freute ich mich immer aufs Angeln, doch in diesem Jahr war alles anders. Das ging soweit, dass ich gar nicht in Urlaub fahren wollte. Der Grund war folgender: Seit März quälte meine Schwester eine Bronchitis, die trotz Asthmaspray und Antibiotika einfach nicht weichen wollte. Als sie Anfang April erneut unseren Hausarzt aufsuchen wollte, weil sie Nachts kaum noch Schlaf fand, war dieser leider in Urlaub. Deshalb ging Margit, meine Schwester, zu einer Ärztin in Bielefeld. Diese hörte sich ihre Geschichte an und schickte sie „vorsichtshalber“ zum Röntgen. Nach dem Lungeröntgen sagte der Arzt sagte ihr, dass auf ihrer Lunge ein Schatten zu sehen sei, „der dort nicht hingehört“. Voller Angst ging sie mit den Röntgenbildern wieder zu der Ärztin. Diese sah sich die Röntgenaufnahmen an und meinte dann, dass bei Margit noch zusätzlich eine CT gemacht werden sollte. Da Margit große Angst vor der Diagnose hatte bat sie mich mit ihr zu fahren, was ich auch tat. Eine Viertelstunde später kam sie weinend ins Wartezimmer. Dort stammelte sie unter Tränen die Worte: „Ich habe Lungenkrebs! Ich soll morgen früh zu meiner Ärztin und die soll einen Termin im Krankenhaus für eine Bronchoskopie ausmachen.“ Ich war ebenfalls geschockt. Das konnte und durfte doch nicht wahr sein! Meine Schwester hat Krebs!
Ich entschied, dass sie nicht bis zum nächsten Tag warten sollte, sondern dass wir beide sofort zu ihrer Ärztin fahren. Während wir an der Anmeldung warteten rief der Arzt, bei dem Margit gerade gewesen war, schon bei der Ärztin an.
Im Sprechzimmer zeigte die Ärztin uns die Aufnahmen und meinte: „Was sie haben ist ein bösartiges Karzinom. Das kann man schon an der Aufnahme erkennen. Ich spreche ganz offen zu Ihnen. Ihre Erkrankung in diesem Stadium ist nicht mehr heilbar. An Lungenkrebs sterben 95 Prozent aller Patienten.“
Diese Aussage riss uns den Boden unter den Füßen weg. Ein Gefühl der Ohnmacht stellte sich ein. Musste die Ärztin sich so äußern? Sah sie denn nicht, in welcher Verfassung meine Schwester und auch ich waren? Konnte sie ihr denn nicht wenigstens ein kleines bisschen Hoffnung machen? Völlig verängstigt und tränennass verließen wir das Sprechzimmer.
Zwei Tage später kam Margit ins Krankenhaus. Die Tage, bis sie mitgeteilt bekam, dass sie es sich um ein kleinzelliges Bronchialkarzinom handelt, waren für uns alle eine Qual.
Dann folgten weitere Untersuchungen. Ein paar Tage später stand auch noch fest, dass der Krebs gestreut und sie an beiden Eierstöcken und an der Bauchspeicheldrüse Metastasen (Tochtergeschwüre) hat. Da das Karzinom im Bronchialstamm liegt und nicht zu operieren war, käme nur eine Chemotherapie in Frage, meinten die Krankenhausärzte. 
Insgeheim stellte ich mir die Frage, wozu überhaupt noch eine Chemotherapie, wenn der Krebs nicht zu heilen ist? Außerdem wurde Margit gesagt, dass, selbst wenn das Karzinom verschwinden würde, es wieder erneut auftreten würde.
Ich frage mich: Woher wollen die Ärzte so etwas wissen?
Gott sei Dank hat ihr keiner gesagt, dass sie laut Statistik nur noch so und solange zu leben hätte.
Während Margit im Krankenhaus lag surfte ich durch’s Internet, um alles über diese teuflische Krankheit und die Chancen auf Heilung zu erfahren. Die Aussichten waren jedoch alles andere als hoffnungsvoll!
Es tut immer weh zu hören, wenn andere an Krebs erkranken und daran auch noch sterben. Aber so etwas betraf doch nicht uns! So etwas geschah doch immer nur anderen! Und nun sollte es meine 3 Jahre jüngere Schwester getroffen haben? Das konnte und wollte ich nicht glauben. Schließlich leben unsere 84 bzw. 86 Jahre alten Eltern noch und sind gesund.
Nur langsam löste sich der Schock in mir und ich begriff, dass alles kein böser Traum war. Seither ist nichts mehr wie zuvor. Alles ist jetzt anders. Auch für mich hat das Leben einen anderen Stellenwert bekommen.
Meine Schwester und ich sind wir uns durch ihre Erkrankung so nahe gekommen, wie niemals zuvor. Inzwischen sehe ich es auch nicht mehr als Zufall an, dass ich vor 8 Jahren eine Eigentumswohnung im gleichen Haus und auf der gleichen Etage, wo auch meine Schwester mit ihrem Mann wohnte, zum Verkauf stand und ich sie erwarb. Dadurch habe ich nun die Möglichkeit, jederzeit sofort bei ihr zu sein, wenn sie mich braucht. Nach der Diagnose wollte ich sogar unseren Urlaub in Rockenau fallen lassen. Aber Achim, meine Schwager, meine Kolleginnen und sogar meine Schwester meinten, dass ich den Urlaub nicht abblasen sollte sondern ihn dringend bräuchte. Nur ungern ließ ich meine Schwester zurück. Vor unserer Abreise besorgte ich ihr noch ein paar Bücher über Krebskranke, die ihre Krankheit überstanden hatten. Vielleicht machte ihr das ja Mut.
Sonntagmorgen (7. Mai) fuhren wir erst einmal nach Stuttgart, wo wir uns mit Annika in Tobi's Wohnung trafen. Auf der Hinfahrt hatte ich ein komisches Gefühl im Magen, weil ich meine Schwester alleine ließ, aber je näher wir unserem Ziel kamen, umso mehr freute ich mich auf den Urlaub und konnte den Gedanken an Krebs vorübergehend loslassen.
Stuttgart empfing uns mit herrlichem Sonnenschein. Wir gingen mit Annika auf die Karlshöhe und setzten uns dort in den Biergarten.

Uschi und Annika

Achim und Uschi erfrischen sich mit einem Hefebier auf der Karlshöhe

Blick auf Stuttgart

Von hier oben hatten wir eine herrliche Aussicht auf Stuttgart. Da es jedoch sehr windig war blieben wir nicht lange dort. Wir stiegen wieder herunter und besichtigten das Freilichtmuseum Städtisches Lapidarium. Es ist eine historische Parkanlage, die einen reizvollen Zugang zur Bau- und Kulturgeschichte von Stuttgart bietet. Hier waren über 200 Plastiken und Überreste zerstörter oder abgerissener Bauten der Stadt zu sehen. Anschließend gingen wir in die Innenstadt, aßen ein Eis beim Italiener und schlenderten weiter zum Schlossplatz.

Spaziergang im Freilichtmuseum

Annika bestaunt die alten Funde

Figur im Freilichtmuseum

Schloßpark in Stuttgart

Von dort gingen wir weiter zum Stadtgarten, wo wir uns im Biergarten ein wenig ausruhten, bevor wir mit der S-Bahn zurück fuhren. Als Tobi gegen 19.30 Uhr nach Hause kam, aßen wir noch eine Pizza beim Italiener um die Ecke. Da wir morgens um 4 Uhr aufgestanden waren, legten wir uns früh schlafen.
Am nächsten Morgen (8. Mai) fuhren wir nach Rockenau. Gegen 10.30 Uhr waren wir in Zwingenberg. Wir gingen ins Angelgeschäft Zöller, um uns unsere Jahreskarte für den Neckarabschnitt II zu holen. Außerdem deckten wir uns mit Tauwürmern und Maden ein. Dendrobenas hatten wir – wie immer – vorher über’s Internet bestellt und mitgenommen. Gegen Mittag kamen wir in Rockenau an. Frau Weis und ihr Mann begrüßten uns sehr herzlich.
Nachdem wir alles ausgepackt hatten gingen wir erst einmal zum Neckaraufer, um „unsere“ Angelstelle zu besichtigen. Das Frühjahrshochwasser hatte sich nicht schadhaft ausgewirkt. Alles war so, wie wir es in Erinnerung hatten.
Dann fuhren wir nach Eberbach um uns mit Vorräten einzudecken. Kaum waren wir zurück in der Ferienwohnung schleppte ich schon meine Angelsachen zum Ufer.
„Kannst du es wieder einmal nicht erwarten?“ fragte Achim schmunzelnd.
„Nein. Bis vorhin hatte ich absolut keine Lust zum Angeln. Du weißt ja, dass ich am liebsten gar nicht hierher gefahren wäre. Aber jetzt, wo ich da bin, befällt mich wieder das Angelfieber“ erwiderte ich.
„Na, Gott sei Dank! Ich dachte schon, du würdest dich nichts mehr für’s Angeln interessieren.“
Pünktlich um 14.30 Uhr hatte ich meine beiden Ruten ausgeworfen. An der Feederrute steckten auf einem 16er Haken 2 Maden, denn ich wollte zuerst ein paar Köderfische fangen. Für die Rhino-Big-Fish-Rute hatte ich einen 12er Wurmhaken ausgewählt und 4 dicke Dendrobenas gesteckt. Vielleicht, so überlegte ich, gelang es mir ja einen Aal zu fangen. Bei sonnigem und windstillem Wetter müsste das doch möglich sein.
Die Schonzeit für Hechte war zwar beendet, aber noch nicht für Zander und Barben. Also blieben eigentlich nur Aale und Welse oder auch Karpfen übrig, auf die es sich zu angeln lohnte.
Als Achim wenig später zu mir kam, hatte er nur seine beiden Feederruten dabei, weil er ebenfalls Köderfische fangen wollte. Die Maden am 14er Haken baumelten nur wenige Minuten im Wasser, als eine große Laube danach schnappte. Im Angelgeschäft Zöller hatte man uns erzählt, dass es zur Zeit sehr schwer sei Weißfische zu fangen. Sicher hatten sie nach dem langen Winter gerade erst mit dem Laichen begonnen.
Gespannt beobachtete ich auf die Spitze meiner Feederrute. Ab und zu dachte ich, dass sich ein Fisch an den Maden zu schaffen machte, aber dem war nicht so. Wenn sich die Spitze bog, dann lag es an der starken Strömung.
Ich holte meinen Krimi aus dem Rucksack und las ein wenig darin. Als ich wieder nach meiner Rutenspitze schaute sah ich, wie sich die Spitze wieder zum Wasser neigte. Ich wollte schon aufstehen und anschlagen, doch dann sah ich von links ein Frachtschiff kommen. Immer wieder hieß es die Ruten rein- und rausholen, um keinen Hänger zu riskieren. Im letzten Jahr hatte ich sehr viele Bleie verloren, was natürlich ganz schön ins Geld ging.
Eine Stunde später bimmelte an meiner Rhino-Rute das Glöckchen. Gespannt schaute ich hin und beobachtete die Spitze. Tatsächlich, sie bog sich. Ob da eben ein Fisch am Köder gezogen hatte? Während ich noch überlegte, ob ich anschlagen sollte, stand sie wieder aufrecht wie ein Zinnsoldat. Also war es wohl doch kein Fisch gewesen, der das Bimmeln ausgelöst hatte.
Ich fragte Achim: „Kommt da schon wieder ein Schiff oder warum hat meine Glocke eben gebimmelt?“
„Ich sehe kein Schiff. Das könnte ein Biss gewesen sein“ antwortete er.
Irritiert schaute ich wieder zur Rutenspitze. Tatsächlich begann in diesem Moment die Glocke erneut zu bimmeln. Dieses Mal war es sogar ein wenig intensiver als zuerst. Ich spürte, wie mein Puls in die Höhe schnellte. Einen kurzen Augenblick wartete ich noch, dann erhob ich mich aus meinem Stuhl, ging zur Rute, nahm sie hoch und schlug an. Sofort spürte ich, dass Klopfen am anderen Ende. 
„Ja!“ jubelte ich. „Ich habe einen dran! Das ist bestimmt ein Aal, der die Dendrobenas genommen hat.“
Langsam und gefühlvoll drillte ich den Fisch zum Ufer, immer darauf achtend, die Rute schön hoch zu halten, damit sich der Aal nicht in der Schüttung verstecken konnte. Während ich drillte sagte ich zu Achim: „Du, Schatz, das muss ein großer Aal sein, der zieht nämlich ganz kräftig.“ Als der Fisch am Ufer war erkannten wir, dass es ein Wels war. Und zwar ein relativ großer – jedenfalls in meinen Augen. Ich war vor Freude total aus dem Häuschen.
„Das gibt’s doch nicht! Um diese Uhrzeit hat ein Waller gebissen! Und das auf einen 12er Wurmhaken!“
Als der Waller im Kescher lag konnte ich mein Glück noch gar nicht fassen. Bisher hatte ich immer nur kleine gefangen, aber dieser war immerhin 60 cm lang!

Gleich am ersten Tag fing Uschi  einen schönen Waller

Wieviel er wohl auf die Waage bringt?

Ein Wels von 60 cm

„Du Schatz, das liegt bestimmt an meinem knallroten T-Shirt. Normalerweise ziehe ich ja dunkle Sachen an, aber ich hatte vorhin keine Lust mich umzuziehen. Rot geht also auch“, meinte ich grinsend.
So konnte der Urlaub weitergehen! Kaum eine Stunde geangelt und schon einen Wels gefangen! Das musste ich gleich per SMS meiner Tochter Heike mitteilen. Kurz darauf schrieb sie zurück: „Willkommen im Club.“ Letztes Jahr im März hatten Achim und Heike beide einen Wels von 60 bzw. 75 cm gefangen und ich war leer ausgegangen. Auch bei unseren weiteren Besuchen in Rockenau hatte ich immer nur kleinere Waller gefangen. Natürlich war mein Ziel auch mal einen Wels von über 1 Meter an den Haken zu bekommen. Vielleicht klappte es ja auch. Schließlich waren wir ja gerade erst angekommen.
Etwa 1 Stunde später nach dem Wels schnappte sich eine kleine Barbe den Madenköder an meiner Feederrute. Aber mehr passierte an diesem Tag nicht.

Nach dem Wels folgte eine Barbe

Achim hatte bis zum Abend zwei heftige Meldungen auf seiner Wallerrute, auf deren Haken ein Wurmbündel steckte. Aber die Fische (Wels oder Aal?) hatten die Würmer nur runter gezogen, jedoch nicht gehakt.
Um 20.45 Uhr packten wir unsere Sachen und gingen in die Ferienwohnung.
Für Dienstag (9. Mai) hatte der Wetterbericht zwar Regen und Gewitter angesagt, aber um 8 Uhr schien die Sonne vom blauen Himmel. Das Thermometer zeigte 20° C an und es war windstill.
Während Achim noch schlief ging ich schon wieder zu unserer Angelstelle und baute meine Angelsachen auf. Ich dachte, wenn die Fische schon nicht auf Grund bissen, dass sie den Köder vielleicht von der Oberfläche nehmen würden. Deshalb versuchte ich mit einer Forellenrute und Wasserkugel ein paar Köderfische zu fangen. Es war bei der Strömung ein schwieriges Unterfangen. Alle 2 oder 3 Minuten musste ich erneut auswerfen, weil die Wasserkugel schnell abtrieb. Nach einer Stunde gab ich es auf. Es war einfach zu anstrengend. Und gebissen hatte auch keiner. Also tauschte ich sie gegen meine Feederrute aus. Aber auch hier ging kein Weißfisch an den Madenköder.
Gegen 11.30 Uhr kam auch Achim ebenfalls mit seinen Angelsachen. Dieses Mal wollte er nicht nur Köderfische fangen. Am 2er Haken einer seiner Feederruten hing ein dickes Bündel Dendrobenas.
„Willst du etwa mit der Feederrute einen Waller fangen?“, fragte ich ihn ungläubig.
„Klar doch. Das wird schon klappen. Außerdem habe ich nur die Wallerrute.“
„Und warum nimmst du nicht die nicht?“ fragte ich weiter.
„Die ist mir zu stark, die nehme ich dann heute Abend. Jetzt könnte ja auch ein Aal beißen. Und für einen kleinen Waller reicht sie ebenfalls.“
Gegen 13 Uhr bog sich tatsächlich die Spitze an seiner Feederrute. Sofort ging er zur Rute und schlug an. Aufgeregt fragte ich ihn: „Hast du ihn dran?“
„Ja. Und es könnte ein Aal sein.“
Gespannt schaute ich ihm beim Drillen zu. Als er den Fisch am Ufer hatte, sahen wir, dass es kein Aal sondern tatsächlich ein kleiner Waller von 40 cm war!

Achim freut sich über den kleinen Waller

In so ein großes Wallermäulchen passt allerhand hinein

Wo bleiben wohl die Großen?

„Ist doch komisch, dass die kleineren Waller hier tagsüber beißen“, wunderte ich mich.
Leider tat sich an meinen Ruten den ganzen Tag nichts. Achim fing außerdem noch eine kleine Barbe und ein Rotauge.
Am späten Nachmittag wollten wir keine Köderfische mehr fangen, deshalb steckten wir auf alle Haken Dendrobenas. Wir hatten auch beide mehrmals eine Meldung, leider hakten die Fische nicht. Überhaupt hatte ich den Eindruck, dass sie sehr vorsichtig waren, wenn sie die Würmer vom Haken zogen. Achim hatte Herrn Weis erzählt, dass ich gleich am ersten Tag einen Waller gefangen hatte und so kamen Herr und Frau Weis zu uns an unseren Angelplatz und wir tranken zusammen einen Williams.
An diesem Tag war kaum Schiffsverkehr, was das Angeln doch ganz schön erschwert. Um nicht immer wieder die ganze Montage durch Hänger zu verlieren hatten wir die Bleie mit einem kurzen Stückchen monofiler Schnur in den Wirbel gehängt. So riss bei einem Hänger lediglich das Blei ab und bei einem Biss konnte der Fisch nicht verloren gehen.
Gegen 20 Uhr wurde es sehr windig, fast stürmisch. Der Wind kam aus Osten. Als wir in der Ferne den Donner grollen hörten packten wir unsere Sachen ein, denn wir wollten nicht riskieren nass zu werden.
Nach dem Abendessen telefonierte ich mit meiner Schwester. Sie war sehr traurig, weil ihr nach der ersten Chemobehandlung, die sie vor unserem Urlaub bekam, nun die Haare ausfielen. Ich tröstete sie, so gut ich konnte.
Am Mittwochmorgen (10. Mai) war es sehr kühl. Das Thermometer zeigte nur um 7 Uhr nur 10° an. Am Abend zuvor hatten wir im Wetterbericht gehört, dass es 23° werden sollte, aber nur ganz langsam lösten sich die Nebelschwaden auf und das Thermometer stieg.
Auf dem Balkon sitzend betrachtete ich wie der Nebel aus den Bäumen stieg. Es musste also in der Nacht stark geregnet haben. In der roten Felswand gegenüber schrie das Küken der Wanderfalken nach Futter. Ich beobachtete, wie ein Elternvogel zu ihm flog und danach wieder in den Himmel stieg.
Als ich mir eine weitere Tasse Kaffee eingießen wollte überlegte ich, ob ich gleich wieder angeln sollte. So richtige Lust dazu hatte ich nicht. Ich dachte viel über die Krebserkrankung meiner Schwester nach. Ich verfiel ins Grübeln. Keiner von uns weiß, was das Schicksal für ihn bereithält. Es kann jeden von uns treffen. Ich nahm mir vor, ab sofort in der Gegenwart leben und das Jetzt, den Augenblick viel intensiver zu genießen. Auch überdachte ich mein bisheriges Leben und was ich alles ändern, ablegen und noch dazulernen wollte. Mir wurde klar, wie kostbar der Augenblick ist und wie wenig wir ihn achten. Der Augenblick ist das Einzige, was wir Menschen wirklich haben. Viel zu oft war ich mit meinen Gedanken in einer anderen, unwirklichen Zeit, entweder in der Vergangenheit oder in der Zukunft gewesen. Ich nahm mir vor auch die kleinen Dinge zu sehen und diese zu genießen. Die Diagnose Krebs bei meiner Schwester hatte mich anfangs in einen schockähnlichen Zustand versetzt. Aber nun sah ich es auch als Chance an über mein bisheriges Leben nachzudenken.
Gegen 9.30 Uhr hatte sich die Sonne ihren Weg durch die Wolken gebahnt und es waren schon 15° C. Dieses Mal zog ich meine Angelsachen ganz bewusst an und ging zum Ufer. „Sollte ich schon angeln oder warten bis Achim wach war?“ überlegte ich, als ich am Wasser stand. Und weiter: „Na ja, die Sachen kann ich ja schon mal zum Ufer bringen.“ Dann setzte ich mich in meinen Angelstuhl und schaute mir die ganz bewusst die Landschaft an. Doch dann kam das Angelfieber wieder. Ich überlegte, dass ich, wenn ich hier schon saß, auch ruhig die Ruten auswerfen konnte.
Ich angelte fast 2 Stunden ohne einen Biss zu bemerken. Also holte ich meine Ruten wieder rein und ging zu Achim, der inzwischen aufgestanden war und auf dem Balkon saß.
Wir tranken zusammen eine Tasse Kaffee, packten danach unser Bananaboot aufs Autodach und fuhren Richtung Zwingenberg. Kurz hinter Lindau, am Leinpfad, hielten wir an und luden das Boot vom Dach. Dann bauten wir es zusammen und ließen es ins Wasser. Wir fuhren zuerst erst einmal den Neckar runter nach Zwingenberg. Kaum waren wir in der Mitte des Flusses angekommen, steuerte ein Schwan auf das Boot zu.

Der kleine Schwan vom letzten Jahr hat sich prächtig entwickelt

„Schau mal, Achim, der Schwan. Das ist bestimmt der Kleine vom letzten Jahr, den wir gefüttert hatten“ sagte ich. Tatsächlich kam der Schwan dicht an unser Boot heran. Mit aufgestellten Flügeln und erhobenem Kopf schwamm er neben uns her. Erst nach fast einem Kilometer drehte er ab und schwamm wieder zum Ufer.
Als wir sahen, dass kein Schiff kam, drehten wir um und fuhren die Strecke zurück. Kurz vor Lindau drehten wir wieder um.
Auf dem Echolot sahen wir an mehreren Stellen Fischschwärme. Zwischendurch gab es Abschnitte wo wir keine Fische zu sehen waren. Zeitweise zeigte das Echolot Stellen bis zu 7,50 m an.
Wir waren ungefähr an Kilometer 20,6 als wir auf dem Echolot eine riesige Sichel auf dem Grund liegen sahen. Bei diesen Fisch konnte es nur um einen Waller hnadeln. Wir schätzten ihn auf gute 2 Meter. Leider war diese Stelle vom Ufer aus nicht zu beangeln.

Majestätisch schwimmt er in seinem Revier herum

Unser erster Bootsausflug auf dem Neckar

Das Echolot zeigt einen großen Waller am Grund an

Schwaneskorte auf dem Neckar

Burg Zwingenberg

Unser Bananaboot mit Namen "Frosch"

Nachdem wir unser Boot wieder aus dem Wasser gezogen und wieder auf dem Autodach verstaut hatten, fuhren wir zum Restaurant „Wolfsschlucht“ um dort zu essen. 
Kaum waren wir zurück in Rockenau gingen wir wieder runter zu unserem Angelplatz.
Bis ca. 21 Uhr tat sich an unseren Ruten absolut nichts. Die einzige Abwechselung war, dass wir sie wegen des ständigen Schiffsverkehrs und der Hängergefahr ab und zu wieder reinholen mussten.
Manche Schiffskapitäne fuhren vorsichtig und langsam, wenn sie am Ufer Angler sahen. Andere wiederum erhöhten ihre Geschwindigkeit, so dass die Gefahr bestand, dass die Ruten vom Sog mitgerissen wurden. Besonders die Schiffe der Gebrüder Krieger nahmen keinerlei Rücksicht auf Angler. Manchmal schien es uns sogar so, als wenn sie Angler nicht mochten. Es war schon eine Wohltat, wenn einmal für 30 Minuten kein Schiff vorbei kam und Ruhe herrschte.
Achim telefonierte gerade, da bekam er eine Meldung. Sofort beendete er das Gespräch, nahm die Rute hoch und schlug an. Er konnte den Fisch – wir vermuteten wieder einmal einen Aal - ca. 3 m drillen, dann ging nichts mehr. Der Fisch (Aal?) hatte sich in der Schüttung verkrochen. Fast 30 Minuten lang versuchte Achim die Montage frei zu bekommen, aber es gelang ihm einfach nicht. Auch die in der Zwischenzeit vorbeifahrenden Schiffe lösten das Blei nicht vom Grund. Es blieb also nur ein Abriss übrig.
Gegen 22 Uhr beschlossen wir mit dem Angeln aufzuhören. Ich war gerade dabei die Feederrute reinzuholen, als plötzlich die Glocke an meiner Rhino-Rute bimmelte. Zuerst vermutete ich, dass eine Fledermaus in die Schnur geflogen sei und das Läuten ausgelöst hatte. Aber als das Bimmeln nicht aufhörte und ich sah, wie sich die Rutenspitze dem Wasser zuneigte, wusste ich das tatsächlich ein Fisch gehakt hatte. Sofort war ich bei meiner Rute, nahm sie aus dem Rutenständer, schlug an und drillte den Fisch vorsichtig zum Ufer. Ein kleiner Wels von ca. 40 cm hatte sich das Wurmbündel, bestehend aus Tauwürmern und Dendrobenas, schmecken lassen.

Ein Wels von 40 cm ließ sich die Würmer schmecken

„Ich verstehe nicht warum immer nur die kleineren beißen. Hier müssen doch auch große sein!“ meinte ich zu Achim.
„Sicher gibt’s hier auch große. Aber die beißen vielleicht erst gegen Mitternacht oder im Morgengrauen“ antwortete er.
Bis zum Mitternacht angeln ging ja noch, aber in aller Herrgottsfrühe aufstehen, wollte ich nun doch nicht.
Am Donnerstag, den 11. Mai, waren die Eisheiligen. Sie machten ihrem Namen alle Ehre, denn es war bitterkalt. Lediglich 8° C zeigte das Thermometer trotz blauen Himmels und Sonnenschein, morgens um 7 Uhr an.
Als es nach zwei Stunden ein wenig wärmer wurde nutzte ich die Morgenstunden um mich ans Neckarufer zu setzen – natürlich wieder mit Angelruten! Während ich aufmerksam die Rutenspitze der Feederrute beobachtete, sah ich plötzlich vor mir über die Steine ein braunes Eichhörnchen laufen. Als es mich entdeckte blieb es einige Sekunden stehen, sah mich kurz an und verschwand im nächsten Gebüsch.
Als Achim an meinen Angelplatz kam beobachtete ich gerade drei Graureiher, die lautlos am Himmel kreisten. Einer von ihnen ließ sich am gegenüberliegenden Ufer nieder. Dann marschierte er, einen Fuß vor dem anderen setzend, über die Steine um nach Nahrung bzw. Fische Ausschau zu halten.
Achim schlug vor, dass wir erst einmal nach Eberbach zum Einkaufen fahren sollten. Danach, so hatte er es geplant, sollten wir mit unserem Boot unsere „Hausstrecke“ abfahren, um uns den Untergrund anzuschauen.
Skeptisch fragte ich ihn, wo wir das Boot zu Wasser lassen sollten.
„Wir tragen es die Steintreppe neben unserer Angelstelle runter. Ich habe sie mir gestern angesehen. Das müsste klappen.“
„Oh je! Diese steile Treppe sollen wir das lange Boot runter tragen? Wenn das mal gut geht!“ antworte ich.
Aber es ging besser, als ich dachte. Als wir aus Eberbach zurück waren und unsere Einkäufe verstaut hatten bauten wir das Boot auf dem Rasen zusammen und trugen es die Treppe herunter zum Neckarufer.

Unser Bananaboot liegt auf der Steintreppe und wartet darauf zu Wasser gelassen zu werden

Der Kapitän des Bananabootes

Achim dreht noch alleine eine Runde

Schleuse Rockenau

Ein herrlich warmer Tag

Rockenau

Dann fuhren wir zuerst einmal an die Stelle, wo wir immer angelten und die Köder auswarfen. Durch die vielen Schwebstoffe im Wasser konnten wir auf dem Echolot keine Fische erkennen.
Die tiefste Stelle an unserem Angelplatz betrug 4,5 m. Wir fuhren ein Stückchen in Richtung Eberbach und dann zurück in Richtung Schleuse. Die Zeit verging wie im Flug. Insgesamt waren wir 2 Stunden mit unserem Bananaboot auf dem Neckarabschnitt unterwegs. Die Sonne brannte ohne Unterlass, so dass wir es vor Hitze kaum aushalten konnten. Natürlich hatte ich wieder einmal vergessen mich vorher mit Sonnenmilch einzucremen und so durfte ich nicht jammern, als abends meine Haut brannte.

Unsere Ferienwohnung vom Wasser aus gesehen

Uschi telefoniert mit Heike

Achim, der Kapitän des Bananabootes

Hier zeigte das Echolot eine Tiefe von 4,5 m an

Achim fährt über die Sandbank, wo sich die Barben aufhalten

Nun liegt das Boot wieder auf dem Rasen

Die Pusteblumenwiese im Garten am Neckar

Nachdem das Boot wieder zusammengeklappt im Garten lag tranken wir ein kühles Bier und gingen anschließend an unsere Angelstelle.
Achim hatte dieses Mal statt eines Bleis einen Futterkorb in seiner Feederrute gehängt. Das Futter lockte die Fische an, denn er fing 4 Lauben und 1 Brasse.
Ich wollte nicht mit Futterkorb angeln, deshalb ging mir lediglich ein kleiner Kaulbarsch an den Wurmhaken.
Als es zu dämmen begann holten wir unsere Madenköder rein und angelten nun gezielt auf Aal oder Wels. Achim steckte die Brasse auf einen 2er Haken und warf aus. Es vergingen keine 10 Minuten, als die Glocke an seiner Wallerrute heftig läutete. Wir beobachteten, wie sich die Spitze bog. Als Achim aufstand, war es jedoch plötzlich wieder still. Er wartete einen Moment, ging zu seinem Stuhl und wollte sich gerade wieder setzen, als die Glocke erneut bimmelte. Wieder ging er zu seiner Rute um sie bei der nächsten Meldung hochzunehmen und anzuschlagen. Doch es passierte nichts mehr. Verwundert schauten wir uns an? Was konnte das gewesen sein? Hing der Fisch vielleicht noch am Haken und verhielt sich nur ruhig? Achim wartete noch ganze 20 Minuten, dann nahm er die Rute hoch und schlug an. Neugierig fragte ich ihn, ob ein Fisch am Haken sei.
„Nein. Da ist nichts“, antwortete er.
Er holte die Rute rein und wir staunten beide nicht schlecht, als wir sahen, dass der Köderfisch weg war. Ein Wels hatte sich geschickt den Fisch vom Haken gezogen. So ein Mist!
Es war schon nach 22 Uhr, als die Glocke an meiner Rhino-Rute laut bimmelte. Ich schlug an und drille einen Moment, dann ging es nicht weiter.
„Ich glaube, ich habe einen Hänger. Aber ich habe genau gespürt, dass ein Fisch am Haken ist“ sagte ich zu Achim.
Ich probierte noch ein Weilchen die Schnur frei zu bekommen und bat Achim um Hilfe. Er nahm die Rute und sagte: „Ja, du hast einen Hänger. Hast du das Blei an einer Abrissschnur angebracht?“ fragt er mich.
„Ja sicher“ antwortete ich.
Daraufhin zog Achim so stark an der Schnur, dass das Blei abriss. Der Fisch war Gott sei Dank noch am Haken und Achim konnte ihm zum Ufer drillen. Es war ein kleiner Aal von 50 cm, der die 3 Tauwürmer und 4 Dendrobenas geschluckt hatte.
Nachdem der Aal versorgt war beköderte ich den Haken erneut und warf den Köder an die gleiche Stelle aus, an der der Aal gebissen hatte. Es dauert nur eine halbe Stunde, dann meldete sich erneut die Glocke an meiner Rhino-Rute. Dieses Mal konnte ich den Fisch ohne Probleme ans Ufer drillen. Als ich sah, dass es sich um einen großen Aal handelte, bat ich Achim ihn zu keschern.
Er antwortete: „Nein. Der wird nicht gekeschert. Der kommt sofort in den Eimer. Halt die Rute ganz hoch und sieh zu, dass der Aal nicht zwischen den Steinen verschwindet.“
„Mach du das bitte für mich. Ich hole inzwischen den Köderfischeimer“ antwortete ich und übergab ihm meine Rute.
Kurz darauf lag ein Aal von 75 cm und 800 g Gewicht im Eimer.

Ein Aal von 75 cm und 800 g

Als wir eine Stunde später unsere Sachen einpackten meinte ich verwundert: „Ich hätte nicht gedacht, dass überhaupt etwas beißt. Schließlich haben wir heute Vollmond. Und bekanntlich beißen doch keine Fische bei Vollmond.“
Am nächsten Morgen (Freitag, 12. Mai) nahmen wir erst einmal den Aal aus, dann fuhren wir ins Angelfachgeschäft Zöller um uns mit neuen Ködern einzudecken. Auf der Rückfahrt hielten wir in Eberbach, um im Gasthof „Zur Sonne“ eines der leckeren Schnitzel zu essen. Der Besuch im Gasthof „Zur Sonne“ ist für uns sozusagen schon zur Tradition geworden. Jedes Mal, wenn wir in Rockenau sind, essen wir dort ein Schnitzel und trinken ein Hefebier vom Fass.
Als wir gegen 15 Uhr wieder in Rockenau waren zogen wir uns um und gingen zu unserem Angelplatz. Inzwischen war es noch heißer geworden. Sogar im Schatten erreichte das Thermometer 25° C. Hinzu kam, dass es total windstill war.
An diesem Tag fuhren nur sehr wenige Schiffe, so dass wir lange Zeit ohne Störung angeln konnten. Eine Stunde später bemerkte ich einen Biss an meiner Feederrute. Ich schlug an und drillte eine Barbe von ca. 30 cm zum Ufer. Eine halbe Stunde später hatte Achim einen Meldung auf seiner Feederrute. Auch er fing eine Barbe. Sie war jedoch fast doppelt so groß wie meine, nämlich 54 cm.

Barben sind starke Kämpfer

Neckarbarbe

Woher sie wohl den Namen "Bartelträger" hat?

Mehrere Stunden passierte nichts. Nicht einmal einen Zupfer konnten wir bemerken. Erst gegen 22 Uhr meldete sich meine Rhino-Rute. Schon wieder fing ich einen Aal. Er war 63 cm groß.
„Ist schon urig, dass hier die Aale trotz Vollmond beißen. Ich beködere meinen Haken schnell wieder. Vielleicht beißt ja noch einer“ sagte ich zu Achim.
„Auf was hat der Aal denn gebissen?“ fragte er zurück.
„Na, auf was wohl? Auf Dendrobenas natürlich. Die schmecken nicht nur den Wallern“, antwortete ich.
Als ich meine Rute erneut ausgeworfen hatte, bat ich Achim einen Moment darauf aufzupassen, weil ich auf die Toilette musste. Ich war gerade an der Treppe unserer Ferienwohnung angekommen, als Achim mir zurief, ich solle zurückkommen, da ich schon wieder einen Biss an der Rhino-Rute hätte. Sofort machte ich kehrt und rannte zum Angelplatz zurück. Das Aalglöckchen bimmelte noch immer. Sofort nahm ich die Rute hoch und schlug an. Als ich wieder einen kleinen Wels kescherte, war ich darüber gar nicht erfreut. Während ich den Haken aus dem Welsmaul löste schimpfte ich: „Ich will nicht immer diese kleinen Scheißer fangen! Ich möchte endlich einmal einen Großen.“

Schon wieder konnte ein kleiner Wels dem Wurmbündel nicht widerstehen

Achim erwiderte: „Sei doch froh, dass du Fische fängst. Ich habe den ganzen Tag nur Fehlbisse gehabt. Ich wäre schon glücklich, wenn ich so einen kleinen Waller gefangen hätte.“
Natürlich hatte er Recht. Besser einen kleinen als gar keinen Fisch. Aber ein Waller von mindestens einem Meter wäre mir viel lieber gewesen.
Am nächsten Tag war es noch etwas heißer und wieder ging kein Wind. Erst gegen Abend zogen ein paar Wolken auf und es setzte ein leichter Wind ein.
Als wir an unserem Angelplatz saßen schaute ich zum gegenüberliegenden Ufer. Dort schwammen mehrere kleine, dunkelbraune Dinge. Erst dachte ich es seien irgendwelche Gegenstände, aber dann sah ich, dass sie gegen die Strömung schwammen. Was konnte das sein. Ich schaute genauer und erkannte plötzlich, dass es Entenküken waren.
Aufgeregt sagte ich zu Achim: „Schatz, schau doch mal da drüben. Da sind Entenküken. Aber es ist weit und breit keine Entenmutter zu sehen.“ Achim nahm unsere Videokamera zur Hand und zoomte die Küken heran.

Die fünf kleinen Entenküken haben keine Mutter mehr

„Tatsächlich. Du hast Recht, das sind Entenküken. Eine Mutter kann ich auch nicht sehen.“
Die Kleinen taten mir sehr leid, so ganz ohne Eltern auskommen zu müssen. Als ein Frachtschiff kam schwamm der kleine Trupp aufgeregt und mit lautem Piepsen ans nächste Ufer.
An diesem Tag blieben wir Schneider. Dreimal glaubte ich einen Biss zu haben, aber immer wenn ich die Rute reinholte, hing statt eines Fisches ein dicker Ast am Haken!
Samstagmorgen (13. Mai) war die Luft schön klar. In der Nacht hatte es stark geregnet und es flog nicht mehr so viel Blütenstaub durch die Luft. Obwohl es um 9.30 Uhr nur 15 ° C waren, kam es mir relativ warm vor. Am Himmel waren viele Wolken zu sehen. Der Wind kam aus südwestlicher Richtung.
Nachdem Achim den Aal, den ich tags zuvor gefangen hatte, ausgenommen hatte, stiegen wir ins Auto um nach Zwingenberg zu fahren.

Achim am Schlachtplatz unserer Ferienwohnung

Inzwischen schien wieder die Sonne und um 15 Uhr war das Thermometer auf 20° C geklettert. Wir hielten zuerst vor der Schleuse Rockenau an, wo Achim mit der Wallerspinnrute blinkerte. Angeblich sollten dort um diese Jahreszeit die größten Chancen auf einen kapitalen Waller bestehen.

Spinnfischen an der Schleuse Rockenau

Spinnfischen

Später probierte auch ich es. Ich wählte jedoch statt eines Blinkers einen weiß-roten Wobbler. Wie wir uns schon dachten, ging uns natürlich kein Waller an den Haken. Vielleicht hätten wir es länger probieren sollen. Aber als sich nach einer guten Stunde nichts tat beschlossen wir, mit dem Auto weiterzufahren um nach einer Angelstelle zu suchen, wo wir auch unser Boot zu Wasser lassen und eine Bojenmontage rausbringen konnten. In der großen Kurve hinter Zwingenberg hielten wir auf einem Parkplatz an. Auf einem Holzschild stand, dass man sich im Frühjahr dort die Graureiher zur Balz träfen und auch ihre Jungen großziehen würden. Jetzt, Mitte Mai, waren aber natürlich keine mehr anzutreffen.
Als wir uns die Angelstelle anschauen riefen wir Manuel, den wir im letzten Jahr kennen gelernt hatten, an, und fragten ihn, ob dort, wo wir gerade waren, wohl eine gute Stelle sei um auf Waller zu angeln. Manuel verneint es und riet uns 600 m hinter den Ortsausgangsschild von Zwingenberg zu angeln. Die Stelle hatten wir uns im letzten Herbst schon einmal angesehen. Bei unserer Bootsfahrt tags zuvor sahen wir auf dem Echolot, dass es dort eine sehr tiefe Stelle gab.
Auf der Rückfahrt hielten wir kurz an, und tranken im Restaurant „Wolfsschlucht“ ein Hefebier. Nachdem wir wieder in Rockenau waren fing es zu gewittern an. Wir beschlossen an diesem Tag einmal nicht zu angeln und uns einen gemütlichen Fernsehabend zu machen.
Am Sonntag, es war Muttertag, fuhren wir gegen Mittag zu der Angelstelle in Zwingenberg. Wir hatten schon befürchtet, dass dort andere Angler säßen, aber es waren weit und breit keine anderen Menschen zu sehen. Wir freuten uns sehr, an dieser schönen Stelle angeln zu können.
Gemeinsam trugen wir das Boot vom Autodach und stellten es an einen dicken Baum. Dann holten wir unsere Angelsachen und bauten alles auf. Wir angelten beide mit einer Feeder- und einer Wallerrute. Als ich nach links auf Achims Rute sah, bemerkte ich, dass sich ein Fisch an dem Madenköder zu schaffen machte. Suchend schaute ich mich nach Achim um, aber er war nicht zu sehen. Also ging ich zu seiner Rute und schlug an. Während ich drillte kam Achim. „Wo warst du? Willst du deinen Fisch nicht drillen?“ fragte ich ihn.
„Ich war am Auto und habe mir Stiefel angezogen“, sagte er. Er nahm mir die Rute ab und drillte den Fisch ans Ufer. Als wir sahen, dass eine ca. 1 kg schwere Brasse am Haken hing, freuten wir uns sehr.

Achims Angelplatz

Was für eine dicke Brasse!

Achim bereitet die Bojenmontage vor

Eine Schnur wird an den dicken Stein gebunden

„Die nehme ich später als Wallerköder“, meinte Achim. „Sieh zu, dass du auch noch eine oder ein Rotauge fängst.“
Lachend antwortete ich: „Klar doch! Ich hänge zwei Maden an den Haken und schupps habe ich einen Fisch dran.“
Eine Stunde später bauten wir das Bananaboot auf. Achim suchte sich einen großen Stein, um den er eine dicke Schnur band. Dann stieg er mit dem Stein, der Pose und der Brasse ins Boot um die Bojenmontage rauszubringen. Ich stand derweilen am Ufer und gab Schnur von Achims Wallerrute. Er war gerade weit genug rausgepaddelt, als der Schwan angeflogen kam und direkt neben ihm landete.
Der Schwan muss das Boot wohl als Eindringling in seinem Revier angesehen haben, denn sofort stürzte er sich darauf und attackierte es. Abwechselnd biss er in die Bootswand, dann wieder in die Paddel. Immer wieder schwamm er um das Boot herum, so dass Achim Mühe hatte seine Montage ins Wasser zu lassen.

Der Schwan kurz vor der Landung

Der Schwan landet direkt neben dem Boot...

... und stürzt sich sofort auf den Feind

Achim lässt den Köderfisch ins Wasser

Mit einem Mal hatte der Schwan die geflochtene Schnur um den Hals.
Aufgeregt rief ich: „Achim! Der Schwan hat die Schnur um den Hals.“
Achim schaute sich nach dem Schwan um, der mit seinem Schnabel versuchte sich von der Schnur zu befreien. „Oh Gott!“ dachte ich. „Hoffentlich stranguliert er sich nicht.“ Achim muss wohl das gleiche gedacht haben, denn er rief mir zu, ich solle ein Messer nehmen und die Schnur durchschneiden. Ich entfernte mich von der Wallerrute und suchte nach einem Messer. Als ich es in der Hand hatte, hatte sich der Schwan jedoch schon wieder von selbst befreit. Mir fiel ein Stein vom Herzen.
Dem Schwan muss es wohl eine Lehre gewesen sein, denn von diesem Moment an schwamm er nicht mehr über die Schnur, sondern drehte, sobald er sie im Wasser sah, gleich wieder um. Das Boot ließ er jedoch weiterhin nicht aus den Augen. Im Gegenteil, er wurde immer aggressiver. Einmal wollte er sogar ins Boot hinein. Als Achim das sah, nahm er das Paddel in die Hand und legte es ins Boot. Der Schwan plumpste vom Paddel, wobei Achim eine ordentliche Portion Wasser abbekam.
Während Achim sich mit der Montage und dem Schwan abmühte stand ich am Ufer und filmte die – wie ich fand – lustig Szene.
Endlich war die Bojenmontage ausgebracht und Achim zurück am Ufer. Doch der Schwan ließ das Boot immer noch nicht in Ruhe.

Das ist mein Revier

Immer wieder schwamm er um es herum, biss in die Bootswand und in die Paddel. Plötzlich entfernte er sich vom Boot und schwamm auf die Bojenmontage zu. Achim befürchtete, dass der Schwan sich daran zu schaffen machen würde. Erst als Achim ein paar Steine nach ihm warf ließ er davon ab. Als er wieder beim Boot war und es erneut attackierte, schmiss ich Brot ins Wasser. Zuerst reagierte er gar nicht, doch dann kam er zu mir und fraß das Brot. Nachdem er alle Brotstückchen gefressen hatte, schwamm er endlich weiter und wir hatten Ruhe vor ihm.
Nach etwa einer Stunde, vom Schwan war weit und breit nichts zu sehen, fragte Achim mich: „Was meinst du? Willst du deine Würmer nicht an einer Unterwasserpose anbieten? Ich würde sie dann mit dem Boot rausbringen“ fragte Achim.
„Würde ich schon, aber meinst du nicht, dass dann der Schwan wieder auftaucht?“
„Der ist doch nicht mehr zu sehen. Wer weiß, wo der sich jetzt rum treibt“, antwortete Achim.
Ich holte meine Montage wieder rein, befestigte eine U-Pose auf der Schnur und steckte 15 bis 20 Tauwürmer auf den Haken.
Dann stieg Achim ins Boot und ruderte los. Als er fast in der Flussmitte war hörten wir ein lautes Flügelschlagen und sahen wie der Schwan erneut neben dem Boot landete. Wieder ging er sofort auf das Boot los, biss in die Paddel und in die Bootswand, so dass Achim Mühe hatte meine Montage auszubringen. Endlich lag sie im Wasser und Achim paddelte zurück ans Ufer, wobei ihm der Schwan folgte.
Nach einiger Zeit beschlossen wir das Boot aus dem Wasser zu nehmen, damit der Schwan und wir endlich Ruhe hatten. Es dauerte aber noch fast eine Stunde, bis er endlich weg schwamm.

Keine Minute ließ der Schwan das Boot aus den Augen

Ab und zu biss er in die Bootswand

Uschis Angelplatz - immer beobachtet von unserem Schwan

Die Bojenmontage ist gesetzt

Achims Wallerrute im Einsatz

Der letzte Kaffee an diesem Abend

Den ganzen Tag kam nicht ein einziges Schiff vorbei gefahren, was uns sehr gefiel. Trotz unserer großen Anstrengungen fingen wir jedoch keinen Waller. Außer der Brasse am Mittag ging uns auch kein weiterer Fisch an den Haken.
Als wir gegen 22.30 Uhr einpackten war der Schwan plötzlich wieder bei uns. Wir vermuteten, dass er dort an unserem Angelplatz vielleicht an Land ging und sich zum Schlafen legte. Wir vermuteten weiter, dass auch deshalb kein anderer Angler an der Stelle anzutreffen gewesen war, weil der Schwan ständig Ärger machte, denn es war eine wunderschöne gelegene und ruhige Angelstelle.
Am Montag (15. Mai) schien schon morgens die Sonne und das Thermometer zeigte 20° C an. Da unsere Angelsachen von Vortag noch im Auto lagen und ich wieder am Ufer angeln wollte, packte ich sie, während Achim noch schlief, schon einmal aus. Meine Sachen  schleppte ich gleich an den Angelplatz, Achims legte ich auf den Platz unter unserem Balkon bzw. brachte sie in den Angelkeller. Um 10 Uhr saß ich in meinem Angelstuhl am Neckar und war meine Ruten aus. Als Achim eine Stunde später zu mir kam, hatte ich mit der Feederrute und einem 14er Haken eine kleine Laube auf 3 Maden gefangen.
Später fing ich noch einen Kaulbarsch, eine kleine Nase und eine Güster. Achim gingen statt Brassen dieses Mal tatsächlich ein paar Rotaugen und noch 2 Barben an den Haken.

Achim drillt eine Barbe

Die Barbe wird gekeschert

Vorsichtig entfernt Achim den Haken

Die großen Augen schauen fragend, was wohl gleich passiert

Achim mit seiner Barbe

Den ganzen Tag war es drückend heiß, nur selten ging etwas Wind. Er kam dann überwiegend aus Norden. Gegen Abend zogen dunkle Wolken auf, die verdächtig aussahen, aber keinen Regen brachten. Am Montag herrschte wieder sehr viel Schiffsverkehr. Plötzlich kam das Kreuzfahrtschiff „Leonardo da Vinci“, welches wir schon im letzten Jahr gesehen hatten, wieder vorbei.
„Ich würde auch gerne mal mit so einem Schiff fahren, aber nur, wenn ich dabei auch angeln könnte“, sagte ich zu Achim. „Ansonsten wäre mir das zu langweilig.“

Kreuzfahrtschiff Leonardo da Vinci

An diesem Tag mussten wir alle 10 Minuten unsere Ruten reinholen, so dass ich abends total geschafft war. Unter solchen Gegebenheiten machte das Angeln natürlich keinen großen Spaß.
Im Laufe des Nachmittags kam Herr Weis zu uns und brachte uns ein paar dicke fette Engerlinge, die er beim Umgraben gefunden hatte. Er gab sie Achim mit den Worten: „Probieren Sie das Mal. Engerlinge sind ein Superköder!“
Achim holte die Montage rein und steckte statt Maden einen Engerling auf den Haken. Gespannt warteten wir auf den ersten Biss, aber es interessierte sich kein Fisch für diesen „Superköder“.

Engerlinge sollen Superköder sein

Engerling

Am späten Nachmittag bekam ich von meiner Schwester eine SMS. Sie schrieb, dass sie sehr traurig sei, da die Zahl ihrer Leukozyten rapide gesunken sei und sie wohl vorerst keine weitere Chemo bekäme. Ich rief sie umgehend an. Um genaueres zu erfahren. Margit erzählte mir, dass sie für die nächste Chemo wenigstens 4.000 Leukozyten haben müsste (Ein gesunder Mensch hat zwischen 9.000 und 10.000!). Bei ihr wären es aber nur 3.200. Unser Hausarzt war nicht sicher, ob sie am nächsten Tag ins Krankenhaus könnte. Sie wollte aber das es weiter ging. Ich tröstete sie so gut ich konnte und als wir das Gespräch beendeten heulte ich erst einmal eine Runde. Sie tat mir so leid und ich hätte ihr sehr gerne geholfen. Am anderen Morgen (Dienstag, 16. Mai) kam von Margit eine weitere SMS. Sie war nun doch im Krankenhaus. Als ich sie umgehend anrief, hing sie gerade am Tropf und ihr war sehr übel. Ich riet ihr, die Chemo nicht als Gift, sondern als Freund anzusehen, der ihr half das Krebsgeschwulst zu vernichten, damit sie gesund würde.
Um 9 Uhr morgens waren es wieder 20° C, aber für den Nachmittag waren zu 80 % Gewitter und Regen angesagt. Gegen 10.30 Uhr zogen die ersten dunklen Wolken auf. Der Wind wehte stark und drehte von Nord auf Ost.
Wir fuhren mittags zum Einkaufen nach Eberbach und aßen im Gasthaus „Zur Sonne“ Schnitzel mit Spargel und Holländischer Soße.
Obwohl es sehr schwül war, setzten wir uns anschließend wieder ans Wasser. Es dauerte auch nicht lange, da gab es in der Ferne ein Gewitter und es setzte starker Regen ein. Achim war schon etwas nass geworden, als er losrannte und seinen Angelschirm holte. So gut es ging nahmen wir zu weit darunter Platz. Um 20 Uhr, als der Regen aufgehört hatte, packten wir schnell unsere Sachen, denn das nächste Gewitter kündigte sich schon an. Außerdem hatten sowieso keine Fische gebissen.

Auch bei strömenden Regen steht Uschi am Wasser

Gewitterregen

Am anderen Morgen (Mittwoch, 17. Mai) schien wieder die Sonne. Ich wollte die letzte Gelegenheit zum Angeln im Neckar nutzen, denn am anderen Tag stand die Abreise bevor. Achim hätte gerne schon unseren Wagen für die Abreise gepackt, aber ich drängelte ihn, damit noch bis zum Nachmittag zu warten.
Ich verzichtete dieses Mal auf die Feederrute. Statt dessen nahm ich meine Wallerrute und die Rhino-Big-Fish-Rute und beköderte die Haken jeweils mit Tauwürmern und Dendrobenas. Ab und zu bemerkte ich, wie sich Fische an den Würmern zu schaffen machten, aber wenn ich anschlug hing keiner am Haken.
Nach einer guten Stunde kam Achim mit seinem Angelstuhl zu mir.
Verwundert fragte ich ihn: „Willst du nicht angeln?“
„Ach, das lohnt sich doch nicht“, erwiderte er.
„Das kann man nie wissen! Ich probiere es jedenfalls weiter. Ich verspreche dir, dass ich um 16 Uhr meine Sachen packe und dir beim Einladen ins Auto helfe.“
Während ich darauf wartete, dass ein Fisch den Köder nahm fotografierte Achim eine dunkelblaue Libelle, die vor seinen Füßen an einem Grashalm saß und die vielen Spinnen auf den Steinen.

Eine prachtvolle Libelle

Eine prachtvolle Libelle

Die Spinnen sonnen sich auf dem warmen Stein

Es war kurz vor 14.30 Uhr und ich wurde langsam ungeduldig, da noch kein Fisch gebissen hatte. Dabei war ich mir sicher, dass ich noch einen fangen würde! Plötzlich bimmelte das Glöckchen an meiner Rhino-Rute. Als das Bimmeln immer heftiger wurde und ich sah, dass Schnur von der Rolle gezogen wurde, ging ich hin. Einen kleinen Moment wartete ich und als es wieder bimmelte nahm ich die Rute hoch und schlug an. Sofort war Achim bei mir.
„Hast du ihn?“ fragte er.
„Ja. Und er zieht auch ganz schön heftig. Ist sicher wieder ein Aal“, meinte ich.
Erst als der Fisch in der Nähe des Ufers war sahen wir, dass es kein Aal, sondern ein Waller war.
„Das ist nicht wahr! Am letzten Tag, sozusagen in der letzten Minute, fange ich noch einen Waller!“ jubelte ich.

Uschi hält vorsichtshalber die Rute fest als ein Schiff vorbei kommt

Ein weiterer kleiner Wels mochte die Dendrobenas

Nur noch ein Wurm schaut aus dem Maul

Uschi freut sich über den Wels, den sie  am letzten Tag noch fing

Als ich ihn abgehakt hatte, nahm ich das Maßband. Er war zwar „nur“ 55 cm groß, aber immerhin hatte ich noch einen Wels gefangen! Einen schöneren Abschluss konnte ich mir nicht vorstellen!
Aufgrund dieses überraschenden Fanges holte nun auch Achim noch einmal seine Ruten. Er beköderte ebenfalls beide Haken mit Tauwürmern und Dendrobenas. Vielleicht, so hoffte er, würde er ja auch noch einen fangen. Aber dem war leider nicht so.

Ein schönes Abschiedsgeschenk

Um 16 Uhr packten wir unsere Angelsachen zusammen und sagten dem Neckar Good Bye. Auch dieses Mal war es, obwohl uns kein „Riese“ an den Haken gegangen war, ein schöner Urlaub gewesen. Vielleicht klappt es ja ein anderes Mal. Man soll die Hoffnung nicht aufgeben! Weil es uns dort so gut gefällt, haben wir die Ferienwohnung gleich fürs nächste Jahr gebucht. Dann werden wir um Pfingsten herum da sein und hoffentlich endlich einen großen Waller fangen!

Oerlinghausen, den 07.06.2006

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