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Angelerlebnisse 2005
Teil 1
Messe Jagd & Hund in Dortmund
Seit einigen Jahren fahren Achim und ich im Januar nach Dortmund zur Messe Jagd & Hund. Auch in diesem Jahr führte kein Weg
daran vorbei. Dieses Mal fuhren auch meine Tochter Heike und Thomas, der 1. Vorsitzende vom ASV Dalbke e.V. mit.
Eigentlich wollten wir uns schon gegen 10.15 Uhr den ersten Vortrag „Angeln auf Barsch – der kleine ‚große’ Räuber“ von Uwe
Pinnau anhören. Aber da es auf der Fahrt nach Dortmund zu schneien anfing, kamen wir nur sehr langsam vorwärts. Erst gegen 10.40 Uhr waren wir dann endlich in der Messehalle.
Gleich beim ersten Stand blieb ich stehen um mir die ausgestellte Ware anzuschauen. Die beiden Jahre zuvor hatte ich mir dort
jedes Mal eine neue Rute gekauft (Bavaria Blue + Ugli Stick). Auch dieses Mal stand eine auf meinem Wunschzettel. Ich wollte
gerne die Balzer Magna Special Feederrute mit dem Bissanzeiger-System von Lutz Hülsse haben! Und tatsächlich gab es sie dort.
Nachdem ich einen guten Preis ausgehandelt hatte, suchte ich mir noch eine neue Wallerrute aus (den Ugli Stick hatte ich letztes
Jahr Achim überlassen), denn wir fahren im Juni an den Neckar, genauer: nach Eberbach. Für das Welsangeln brauchten wir außerdem noch eine passende Rolle. Achim hatte sich schon zuhause für die Shimano Baitrunner 6500 B entschieden. Nachdem
wir diese 4 Artikel bezahlt hatten, ließen wir sie erst einmal am Stand zurück, denn schließlich waren wir gerade erst angekommen und wollten uns natürlich noch weiter umsehen.
Kurz darauf fing auch schon der nächste Vortrag „Spinnfischen auf Wels“ an.
An diesem Thema waren wir natürlich besonders interessiert, denn – wie schon gesagt -, wollen wir in dieses Jahr im Neckar auf
Wels angeln. Die Ferienwohnung, die wir gebucht hatten, liegt zwar etwas außerhalb, nämlich in Rockenau, dafür aber direkt am
Neckar. Und unser Vermieter angelt seit fast 40 Jahren selbst und kennt sich an seinem Heimatgewässer natürlich sehr gut aus.
Schon am Telefon gab er uns interessante Tipps. Auch erzählte er uns, dass sich sein Sohn vor einigen Monaten eine neue
Zanderrute gekauft und diese auch gleich ausprobiert hätte. Kurz darauf hätte er einen Wels am Haken gehabt. Da er nur ein
dünnes Vorfach und eine dünne Hauptschnur zum Fischen auf Zander gewählt hatte, brauchte er ganze 4 Stunden, bis er den
Waller von 2,08 m (!) endlich am Ufer hatte. Das gelang auch nur mit Hilfe eines Karpfenanglers, der ihm gegenüber saß und mit
seinem Boot zur Hilfe eilte. Nun ja, sooooo groß muss der Wels ja nun nicht unbedingt sein, aber ich hoffe sehr, dass uns dieses Jahr ein ordentliches Exemplar an den Haken geht – anders als im letzten Jahr am Regen!
Nach dem Vortrag stillten wir erst einmal unseren Durst, bevor wir uns weiter umsahen. Heike wollte sich gerne eine Thermohose
mit der entsprechenden Jacke kaufen. Sie probierte an einem Stand auch eine an, aber leider war sie ihr doch reichlich zu groß. In
einer kleineren Ausführung war sie aber nicht zu bekommen. Also schlürten wir weiter zu Angel Usaat, wo wir erneut nach Hose
und Jacke schauten. Die Männer hatten sich inzwischen am Stand des Fischereiverbandes NRW niedergelassen.
Die Angelfischerei ist auch in Nordrhein-Westfalen sehr populär. Über 250.000 Fischereischeininhaber gehen dieser
Freizeitbeschäftigung an Bächen, Flüssen, Kanälen, Seen und Talsperren nach. Der Fischereiverband NRW widmete sich in
seiner Ausstellung vielen interessanten Themen. In ihren Schauaquarien zeigten sie einige ausgewählte Fischarten, wie Karpfen,
Hechte, Forellen, Schleien und einen kleinen Wels. So konnte man sich über die speziellen Ernährungsgewohnten von Raub- und
Friedfischen informieren. Wer sie kennt, kann seinen Fangerfolg beträchtlich steigern. Besonders interessant fand ich die
Nachbildung eines Stillgewässers. Ebenso wurde der Gewässertyp „Baggersee“ vorgestellt. Er hält aus fischereilicher Perspektive
so manche Überraschung bereit. Für den Aal, einer der bekanntesten und beliebtesten Fischarten, so hörten wir erneut, sieht die Zukunft leider sehr trübe aus.
Besonders hatte es mir der kleine Wels, der zusammen mit einigen Hechten und Barschen im Aquarium zu sehen war, angetan. Er
saß ganz rechts in der Ecke und rührte sich schon seit einigen Tagen nicht, wie wir erfuhren. Unter seinem Bauch hatten sich ein
paar kleine Barsche versteckt. Nachdem wir die 2. Tasse Kaffee getrunken hatten ging ich erneut zu ihm. Plötzlich bewegte er
sich und schwamm im Becken herum. Bevor er es sich wieder in seiner alten Ecke bequem machte, schnappte er nach einem
kleinen Barsch. Mir blieb vor Schreck fast der Atem weg! Wie ein Raubfisch einen anderen frisst hatte ich noch nie „live“ erlebt.
Die Profis der FFF-Europe brachten den Besuchern das Fliegenfischer näher. Die als führende Fliegenfischer-Instruktoren
Europas bekannten Spezialisten hatten sowohl für den Einsteiger als auch für den Fortgeschrittenen viele Tipps dazu parat. Sie
führten vor, wie die Angler mit dem jeweiligen Gerät und der richtigen Technik ihren Zielfisch fangen können.
Aber auch Grundtechniken, wie der Doppelzug, verschiedene Trickwürfe, das Werfen mit der Zweihand-Fliegenrute und die
richtige Wahl des Geräts, ganz egal ob man auf Forelle, Äsche, Hecht oder Huchen fischen möchte, wurden erklärt und vorgestellt
. Anschaulich demonstrierten sie, wie man aus einem Stück Aluminium mit Hilfe einer kleinen Mechanikerdrehbank und
selbstgefertigten Schrauben eine wunderbare Fliegenrolle herstellen kann. Für Tipps, die einem beim Geldsparen helfen, sind alle dankbar – und wir auch.
Die bekanntesten Kunstköderspezialisten Europas, Bertus Rozemeijer und Uli Beyer, führten in einem Hochbecken vor, wie man
Raubfische erfolgreich „überlistet“. Nachdem jedoch tags zuvor ein Hecht den Kunstköder schnappte und am Haken hing, hatte man vorsichtshalber auf die Haken am Köder verzichtet.
Auch dem Vortrag „Spinnfischen gezielt auf kapitale Räuber“, den Uli Beyer hielt, hörten wir gespannt zu. Er entlockte bei manchem Zuhörer ein erstauntes „Aha“.
Kurz bevor wir uns wieder auf den Heimweg machten, kaufte auch Thomas sich noch die Balzer Magna Spezial Feederrute. Und
da wir für die neuen Rollen auch noch Schnur benötigten, kaufte Achim je 2 Rollen einer 0,55er Geflochtenen.
Oerlinghausen, den 01.02.2005
Welsfieber
Nachdem es ja nun im letzten Jahr am Regen nichts aus dem Wallerfang geworden ist (außer dem „Baby“ von 40 cm, welches mir
am ersten Tag auf die Würmer biss), wollten wir es in diesem Jahr einmal am Neckar versuchen.
Zu diesem Zweck hatten wir unsere Angelausrüstung auch noch für das Welsfischen „aufgestockt“. Auf der Messe Jagd und Hund
in Dortmund hatte ich mir ja schon eine neue Wallerrute, und zwar die Sänger Walle Kalle Dream Fish gekauft, denn im Sommer
sollte es an den Neckar zum Welsangeln gehen. Die Rute ist 3 m lang und hat ein Wurfgewicht von 100 bis 400 g. Die Sänger
Ugly Stick, die ich mir 2 Jahre vorher gekauft hatte, hatte ich im letzten Jahr Achim überlassen, weil ich damit einfach nicht
zurechtkam, d.h. ich konnte damit nicht weit genug werfen. Ob mir das mit der neuen Rute gelingen würde, wagte ich zwar zu bezweifeln, aber ich musste sie unbedingt haben.
Doch damit nicht genug. Als unser Angelhändler vor Ort (Dirk Pentalski) sein 10jähriges Geschäftsjubiläum feierte, bot er Ruten
zum Sonderpreis an. Außerdem gab es auf alle anderen Artikel 20 % Rabatt. Zuerst wollte ich für meine Tochter Heike eine
Welsrute kaufen, die sie zum Geburtstag bekommen sollte. Dabei dachte ich an die Spro Triple XXX in 3,20 m Länge. Für diese Rute wollte Dirk 75 Euro haben, was mir ein wenig zu teuer war. Als ich im Wallerforum (www.wallerforum.com) fragte, ob diese Rute etwas taugen würde und ihren Preis wert sei, bekam ich nicht gerade viele positive Rückmeldungen. Also ließ ich den
Gedanken an diese Rute fallen. Zwei Tage vor Dirks Geschäftsjubiläum fiel mir im Laden eine andere Rute ins Auge: die Zebco Rhino Base X Big Fisch. Sie gab
es u.a. in 3,00 m Länge und einem WG bis 300 g. Diese Rute, so erzählte mir der Zebco-Vertreter am Samstag, sei sehr gut zum
Fischen in Norwegen im Fjord geeignet, aber man könne sie ebenfalls zum Welsangeln nehmen. Ich überlegte nicht lange und ließ
sie mir von Dirk zurücklegen, denn nun wollte ich Heike diese Rute zum Geburtstag schenken und sie mir später einmal, wenn wir
tatsächlich zum Fischen nach Norwegen fahren sollten, von ihr ausleihen. Aber es kam anders als gedacht, denn plötzlich sagte
Heike zu mir: „Du hast gesagt, dass ich mir zu dem Urlaub über Ostern am Neckar noch eine Kleinigkeit zum Geburtstag
wünschen dürfte. Ich möchte gerne die Zanderrute von Zebco haben. Sie ist auch nicht sehr teuer.“
Damit hatte ich nun gar nicht gerechnet. Ich schaute sie verblüfft an und überlegte, was ich tun sollte. Ich wollte ihr nicht sagen,
dass ich schon eine Rute für sie hatte. Schnell dachte ich um und entschloss mich, die Rhino Rute selber zu behalten und sie Heike
dann im Urlaub zum Welfischen zu überlassen. Eine zweite Welsrute zu besitzen war ja auch nicht übel.
Wochenlang surfte ich im Internet, um etwas über Wallerangeln zu erfahren. In einem Bericht las ich, dass ein Angler, der am
Rhein auf Wels mit einer Bojenmontage gefischt hatte, einen Wels an der Oberfläche rauben sah und sich ärgerte, dass er in
diesem Moment keine Spinnrute dabei hatte. So etwas würde mich natürlich auch ärgern. Im Frühjahr, so las ich, sollten am
Neckar die größeren Waller sehr gut mit Blinker und Wobbler zu fangen sein. Ich brauchte nicht lange zu überlegen und kaufte mir
auch noch eine Spinnrute, und zwar die Quantum Hypercast Cat Fish Spin3000 in 3 Meter Länge und mit einem WG von 100 –
200 g. Für diese Rute brauchte ich natürlich noch eine vernünftige große Stationärrolle. Freilaufrollen hatte ich zwar, aber zum
Spinnfischen waren die doch etwas zu schwer. Ich schaute mich noch einmal intensiver in Dirks Laden um und „entdeckte“ eine
nach meinem Dafürhalten sehr gute Rolle, die Spro Rock Tuff Body S/W 660. Diese Rolle ist auch salzwassergeeignet, d.h. ich konnte sie auch gut für die Zebco Rhino Base X Big Fish nehmen.
Achim war dieses Mal etwas mehr vom Welsfieber gepackt als ich. Er kaufte bei Dirk und übers Internet alles andere, was man
zum Welsangeln brauchte. Dazu gehörten z.B. Seabooms, Bleie von 150, 200 und 300 g, Posen fürs Welsangeln, Unterwasserposen mit Geräuschkugeln, Haken, Ösen, dicke Gummiperlen usw.
Als Thomas von unseren Reiseplänen hörte, packte auch ihm plötzlich das Welsfieber und er kaufte sich an Dirks
Geschäftsjubiläum ebenfalls eine Welsrute. Wie heiß er aufs Welsangeln war merkten wir, als er zu Achim sagte: „Bevor ihr
Ostern an den Neckar fahrt, gebt mir einige Informationen wie man auf Wels angelt. Ich habe doch keine Ahnung was ich dazu brauche und wie die Montagen sein sollen.“
Achim grinste ihn an und sagte: „Ich habe dir schon alles ausgedruckt, damit du darüber nachlesen kannst. Die meisten Sachen habe ich im www.welsshop.de bestellt. Du musst dir mal die Seite anschauen. Da stehen auch einige Tipps drin.“
Jeden 3. Tag kam ein neues Päckchen mit Wallerzubehör an. Jetzt stellte sich die Frage wohin mit den ganzen Sachen? Wenn wir
an den Kanal fahren, brauchen wir sie nicht und auch wenn wir am Südstadtteich auf Karpfen, Schleien und Hechte angeln, brauchen wir auch kein Wallerzubehör.
Wieder kam uns das Wallerforum zur Hilfe. Dort schrieben einige Angler, dass sie ihre Sachen in einer „Welstasche“ untergebracht hatten. Also kauften wir uns auch so eine Welstasche.
Alles in Allem hat es eine schöne Stange Geld gekostet und ich bezweifelte, dass wir über Ostern, wo das Wasser noch relativ kalt und außerdem mit Hochwasser zu rechen war, schon einen Wels fangen würden.
Eigentlich hätte am 12. März das Anangeln am Gevattersee in Minden stattfinden sollen. Aber wegen der geschlossenen Eisfläche
auf dem Wasser konnten keine Forellen eingesetzt werden und so wurde das Anangeln um eine Woche verschoben. Am
folgenden Samstag wurden in der Früh die Forellen eingesetzt und um 17 Uhr begann das Anangeln. Da es sich nicht lohnte für 2
Stunden bis nach Minden zu fahren, entschlossen wir uns am nächsten Tag hinzufahren. Sonntagmorgen (20.3.) waren wir gegen 6
.30 Uhr am Gevattersee. Tagsüber, so berichtete der Wetterbericht, sollten es bis 11° C werden, aber als wir ankamen, hatten
wir gerade mal 0° C. Als etwas später die Sonne durchkam wurde es zwar auch ein bisschen wärmer, aber es blies ein kräftiger
und kalter Ostwind. Das muss auch den Fischen bzw. Forellen nicht gefallen haben, denn es ging uns keine an den Haken. Aber
nicht nur uns ging es so. Auch die anderen Angler fingen, bis auf 2, wie ich beobachten konnte, keine Forellen. Um 14 Uhr waren wir so durchgefroren, dass wir unsere Sachen einpackten und nach Hause fuhren.
Trotz des frostigen „Schneidertages“ war es schön endlich wieder einmal am Wasser gesessen zu haben. Und bis Karfreitag, unserem Abreisetag, war es ja nicht mehr lange!
Heike schlief am Donnerstag bei uns, denn wir wollten spätestens um 5 Uhr losfahren. Unserem Vermieter, Herrn Grundmann, in
Eberbach hatten wir gesagt, dass wir so gegen 10 Uhr ankommen würden. Damit wir gleich am ersten Tag, also Karfreitag,
angeln konnten, hatte uns Herr Grundmann freundlicherweise schon vorab die Angelkarten gesorgt. Er selber angelt auch schon
seit vielen Jahren und wollte uns gleich bei unserer Ankunft seine bevorzugten Stellen zeigen. Als wir ihm auch noch erzählten, dass
wir gleich Jahreskarten haben wollten, da wir im Juni in Rockenau bei der Familie Weis seien, antwortete er: „Das ist interessant, den Herrn Weiss kenne ich auch. Wir sind beide im ansässigen Angelverein.“
Als wir unsere Ferienwohnung in Rockenau buchten sagte uns Herr Weis, dass er schon seit fast 50 Jahren selber angelt. Er hatte
uns auch am Telefon erzählt, dass sein Sohn letztes Jahr im Herbst seine neue Zanderrute ausprobieren wollte und prompt einen Wels von – so meine ich mich zu erinnern – 180 cm gefangen hatte.
Donnerstag machten Achim und ich schon gegen 13 Uhr Feierabend und dann packten wir erst einmal unsere Angelsachen ins
Auto. Wenn Achim und ich alleine zum Angeln fahren, ist der Wagen ja schon ganz schön voll gepackt, aber nun waren wir sogar
zu Dritt! Das bedeuteten eine Rutentasche mehr, ein Angelstuhl mehr, ein Gerätekasten mehr und auch eine Reisetasche zusätzlich.
Als ich sah, wie sich der Kofferraum immer mehr füllte, krampfte sich mein Magen leicht zusammen.
„Wo sollen wir denn die Kühlbox und unsere Reisetaschen noch hinstellen? Da ist ja gar kein Platz mehr!“ meinte ich zu Achim. „Mach dir keine Gedanken, das kriegen wir schon hin“, antwortete er mir.
Und tatsächlich passte alles ins Auto, nachdem wir 2 Rücksitze raus genommen hatten. Voll bis zum Stehkragen ging es morgens
um 4.30 Uhr los Richtung Neckar. Gerade als wir losfuhren fing es zu regnen an und es hörte auch die ganze Fahrt nicht auf. Erst
als wir die hessische Landesgrenze hinter uns ließen, also kurz vor Eberbach, hörte der Regen auf. Um 9 Uhr waren wir an
unserem Ziel. Von unserer Ferienwohnung hatten wir einen direkten Blick auf den Neckar. Herrlich!
Die alte Staufer- und Reichsstadt Eberbach liegt im Herzen des Naturparks Neckartal-Odenwald. Beim Spaziergang entlang der
alten Stadtmauer, vorbei an zahlreichen erhaltenen Wehrtürmen und Fachwerkhäusern, fühlt man sich zurückversetzt ins Mittelalter
. Die Sehenswürdigkeiten, zu denen vier Stadttürme zählen (der Blaue Hut, der Rosenturm, der Haspelturm mit
Zinnenfigurenkabinett und der Mantel- oder Pulverturm mit seiner Uhrenstube), schauten wir uns dieses Mal nur aus der Ferne an. Eine ausgiebige Besichtigung hatten wir uns für den Sommer vorgenommen.
Vor dem Rathaus stehen vier Wildscheine aus Eisen, die das Wahrzeichen von Eberbach sind. Nachdem wir unsere Sachen ausgepackt und Herr Grundmann uns unsere Jahreskarten, die wir vorab schon telefonisch bestellt
hatten, ausgehändigt hatten, fuhren wir erst einmal ein Stückchen am Neckar entlang Richtung Zwingenberg, um nach guten
Angelstellen Ausschau zu halten. Dann ging es zurück nach Eberberg und über die Neckarbrücke nach Rockenau, ein Stadtteil, der zu Eberbach gehört. Im Juni wohnen wir bei der Familie Weis in Rockenau.
Dann kehrten wir im Gasthaus „Zum Schiff“ ein. Die Inhaberin, Nadine Maier, ist die jüngste Wirtin Deutschlands! Das „Schiff“
liegt direkt am Neckar und lädt nicht nur Angler zum Einkehren ein. Das Gasthaus hat eine eigene Schlachtung und
dementsprechend groß waren die Fleischportionen. Aber auch die Salatbar mit über 15 Variationen konnte sich sehen lassen.
Außerdem gab es eine regionale und internationale Küche und viele Wild- und Fischspezialitäten.
Nachdem wir uns gestärkt hatten fuhren wir in unsere Ferienwohnung zurück und zogen uns fürs Angeln um. Dann ging es endlich ans Wasser!
Zuerst entschieden wir uns für einen Platz an der Schleuse Rockenau, der flussaufwärts in Richtung Zwingenberg lag. Hier saßen
schon einige andere Angler. Kaum hatten wir unsere Ruten im Wasser erschien Herr Grundmann bei uns. Als wir beim Einholen
der Ruten sehr viel Kraut an der Schnur hatten, schlug Achim vor, dass wir es an einer anderen Stelle, nämlich näher an der
Schleuse, versuchen sollten. Also packten wir unsere Angelsachen wieder ein, setzten uns ins Auto und fuhren ein Stück zurück
Richtung Rockenau. Hier an diesem Platz, den wir uns aussuchten, waren weit und breit keine anderen Angler zu sehen. Wir
parkten unser Auto oben an der Straße auf einem Parkplatz und trugen unsere Angelsachen über die Straße zum Ufer runter. Bei den vielen Angelsachen, die wir mit hatten, war das eine schöne Packerei!
Achim setzte sich gleich an die erste Stelle, Heike und ich suchten uns einen Platz, der ca. 50 m weiter lag. Nachdem wir unsere
Ruten wieder ausgeworfen hatten, warteten wir gespannt ob und was passieren würde. Die Angelbedingungen waren im
Allgemeinen nicht besonders gut, denn obwohl der Wasserstand am Morgen gefallen war, hatte der Neckar immer noch 20 cm
über Normal. Die Strömung war zwar etwas ruhiger als an der ersten Stelle, aber auch ein 300 g-Blei wurde von ihr weggetrieben
. Außerdem war das Wasser recht trübe und es schwammen viele Äste und Baumstämme herum. Mit einem Thermometer stellte
Achim fest, dass der Neckar gerade mal 11°C hatte. Das lag sicher auch an dem Schmelzwasser, denn der Neckar entspringt im Schwarzwald. Alles in Allem waren das keine guten Angelbedigungen!
Als Heike wieder einmal ihre Köder kontrollieren wollte hatte sie einen Hänger. Sie bekam die Montage nicht frei und riss etwas
zu stark an ihrer Rute. Plötzlich krachte es und die Rute brach durch. Wütend und fluchtend stand sie am Ufer. Sie tat mir leid
und ich ging zu ihr und nahm sie in den Arm. „Mit was soll ich denn jetzt angeln? Meine Zanderrute bekomme ich erst morgen“,
sagte sie. Oh je, mit der Zanderrute wollte sie auf Waller angeln? Das konnte nicht gut gehen! Ich antwortete ihr, dass es mir sehr
leid täte, aber ihr Geburtstagsgeschenk hätte ich zu Hause vergessen, as jedoch nicht stimmte, denn die Rute lag schön verpackt
mit einer dicken roten Schleife in meiner Rutentasche! „Das habe ich mir schon gedacht!“ gab sie mir zur Antwort.
Nun war ihre Laune erst einmal hin. Doch dann holte sie eine andere Rute aus ihrer Rutentasche und warf wieder aus.
Nicht nur Heike, auch ich hatte Anfangs einige Hänger, die ich aber Gott sei Dank immer wieder frei bekam.
Wir saßen ca. 2 Stunden am Fluss, als ich an meiner Rute (Balzer Diabolo II Kanal) einen Biss bemerkte. Am 4er Haken hingen 5
Dendrobena. Ich schlug an und merkte sofort, dass am Ende ein dickerer Fisch hing. Er zog sehr kräftig und schüttelte immer
wieder so stark seinen Kopf, dass die ganze Rute bebte. Ich geriet etwas in Panik und rief Achim zur Hilfe. Doch als er endlich
bei mir war, war der Fisch vom Haken. Bis kurz vors Ufer hatte ich ihn drillen können, doch dann ging er mir ab. Wütend und enttäuscht schaute ich mir den blanken Haken an!
„Das war bestimmt ein Wels“, meinte Achim. „Das glaube ich auch. Und kein kleiner, so wie der gezogen hat!“ antwortete ich.
„Da habe ich endlich einen Biss und dann geht er mir vorm Ufer ab“, fluchte ich weiter. Als ich mich wieder etwas beruhigt hatte, überlegte ich, wie das passieren konnte.
„Du hast ihn auch gar nicht ziehen lassen“, meldete sich plötzlich Heike. „Du wolltest ihn unbedingt schnell in den Kescher kriegen
.“ „Du spinnst ja. Ich habe ihn richtig gedrillt! Ich habe nur nicht gleich mit einem Wels gerechnet. Dafür war der Haken viel zu klein und das Vorfach zu dünn. Morgen hole ich mir andere Haken“, antwortete ich ihr.
Als ich wieder in meinem Stuhl saß wurde mir bewusst, dass ich die Bremse doch wohl zu fest eingestellt hatte. Heike hatte ja
Recht, ich wollte mit aller Macht den Fisch ans Ufer bekommen, was mir natürlich – wieder einmal - nicht gelang. Wann werde ich endlich einmal aus meinen Fehlern lernen?
Etwas später ging ich, immer noch ärgerlich über mein Missgeschick, zu Achim und meinte noch einmal: „Ich konnte ja nicht damit
rechnen, dass ein Wels auf dieses kleine Wurmbündel beißen würde! Ich dachte ich könnte erst einmal eine Brasse oder einen anderen Weißfisch fangen, den ich dann als Köder nehmen wollte.“
Achim antwortete mir: „Du musst aber immer damit rechnen, dass dir hier ein Wels an den Haken geht! Du hast doch gehört, dass
es hier sehr viele gibt. Außerdem musst du es lernen, dich ganz auf den Drill einzustellen. Und du darfst nicht vergessen, dass du
mit einer geflochtenen Schnur angelst. Die hat fast keine Dehnung! Jeden Fehler, den du machst, überträgt sich direkt auf den Fisch.“
„Du hast ja Recht. Aber morgen werde ich mir im Zwingenberg bei Sabine Zöller erst einmal vernünftige Haken besorgen. Und
auch schwerere Bleie. Jetzt hatte ich ein 80 g Blei dran, aber das war viel zu leicht für diese Strömung!“
„Das Gewicht des Bleis hat aber mit dem Drill nichts zu tun“, bekam ich zur Antwort. „Du musst den Drill genießen! Lass den
Fisch doch ruhig ziehen, du hast genug Schnur auf der Rolle. Der haut dir schon nicht ab.“ Ja, hinterher ist man immer schlauer!
Achim hatte, während er auf den großen Wallerbiss wartete, eine kleine Eidechse in einem Mauseloch ausgemacht. Da sich an seinen Ruten nichts tat, hatte er genügend Zeit, um sie in Ruhe zu fotografieren.
Am Samstagmorgen fuhren wir erst einmal nach Zwingenberg ins Angelfachgeschäft Zöller. Wir schauten uns ein wenig im Laden
um. Plötzlich schaute mich jemand an und sagte: „Hallo. Bist du die Uschi aus dem Wallerforum?“ „Ja!“ antwortete ich. Schnell
kamen wir ins Gespräch und nun gesellte sich auch Sabine zu uns. Sie begrüßte mich sehr herzlich. Dann stellte ich ihr Achim und
Heike vor. Ich erzählte ihr, dass Heike heute Geburtstag hatte und wir ihr eine Rute zum Wallerangeln schenken wollten. Sabine
empfahl uns die Shakespeare Specialist KS Big Fish mit einer Länge von 3,40 m. Dann führte sie Heike die Aktion der Rute vor.
Ich vertraute ihrem Urteil, denn Sabine angelt selber seit vielen Jahren auf Wels. Also kaufte ich die Rute und schenkte sie Heike
zum Geburtstag. Dann suchte ich mir noch einige Grundbleie von 100, 150 und 200 g aus und noch 2er und 4er Stahlhaken in
verschiedenen Vorfachlängen. Auch Achim fehlten noch einige Haken und Bleie und neue Tauwürmer. Nach einer halben Stunde war ich schon wieder viel Geld los. Angeln ist eben nicht gerade ein billiges Hobby!
Bevor wir uns zum Angeln umzogen kauften wir noch eine Kiste Weißbier ein, um bei unserer Rückkehr unseren Durst stillen zu können.
Da Heike tags zuvor sehr oft Hänger hatte, wechselten wir unsere Plätze. Natürlich wollte sie sofort ihre neue Rute testen. Da sie
aber keine entsprechend große Rolle hatte, gab ich ihr meine Sänger Ultra Tec Big Runner mit geflochtener Schnur, die ich auf
meiner Zebco Rhino Base Big Fish Rute hatte. Als „Ersatz“ montierte ich darauf eine Mitchell Full Runner, auf deren Spule ich eine Fireline war.
Es war gegen 13.30 Uhr und ich war gerade dabei meine 2. Rute fertig zu montieren, als ich hinter mir jemanden rufen hörte. Da
ich nicht verstand, was gerufen wurde, kümmerte ich mich nicht weiter drum. Als ich gerade auswerfen wollte, sah ich Achim wild
mit den Armen gestikulieren. Und nun konnte ich auch verstehen, was gerufen wurde. Achim schrie laut: „Kescher!“ Sofort legte
ich meine Rute hin, schnappte mir meinen großen Kescher und lief zu ihm. „Was ist? Hast du einen Biss?“ fragte ich ihn.
„Ja. Ich habe ihn gleich am Ufer, weiß aber nicht, ob der kleine Kescher dafür ausreicht. Als wir ihn erkennen konnten meinte
Achim, dass er den großen Kescher nicht bräuchte. Der Wels war kleiner als er sich erhofft hatte, aber auch mit 74 cm Länge konnte Achim auf seinen Fang stolz sein.
Am Ostersonntag schliefen wir ein bisschen länger. Dann fuhren wir erst einmal zur Schleuse Hirschhorn, um nach einer anderen Angelstelle Ausschau zu halten. Aber auch dort waren die Verhältnisse nicht besser.
Also fuhren wir erneut zu „unserer“ alten Angelstelle. Kaum hatten wir unsere Montagen im Wasser, gesellte sich auch unser
Vermieter wieder zu uns. Er selber wollte bei den schwierigen Verhältnissen noch nicht angeln, aber er gab uns gute Tipps. Wir blieben bis 21.30 Uhr, aber es gingen uns keine weiteren Fische an den Haken.
Ostermontag fuhren wir nach dem Frühstück nach Michelstadt. Der Marktplatz ist Ostern besonders schön geschmückt. Ein
unbekannter Baumeister errichtete im Jahre 1484 ein Fachwerkhaus mit einem trapeztürmigen Grundriss. Seine repräsentative
Front kehrt das Rathaus mit zwei spitzbehelmten Erkern und einem abgewalmten Giebel dem Marktplatz zu. Das nach drei Seiten
hin offene Untergeschoß wurde als Markt- und Gerichtshalle genutzt. In dem darüber gelegenen Ratssaal finden wie früher auch
heute noch festliche Veranstaltungen statt. Der hohe Dachraum mit zwei übereinander liegenden Dachböden diente als
Fruchtspeicher. Die am Giebel zum Marktplatz hin angebrachte Uhr stammt vom 1838 niedergelegten Unteren Tor der
Stadtbefestigung, in den mittleren Ständer der Nordtraufe ist das Erbauungsjahr 1484 eingeschnitten. Zwar befindet sich diese
Jahreszahl auch am Mittelständer der Marktplatzfront, sie wurde hier aber erst 1903 angebracht. Vor dem Fachwerkhaus stand eine „Osterhasenkapelle“. Der Brunnen auf dem Marktplatz war mit grünen Kränzen an denen
bunte Eier hingen geschmückt.
Ein paar Meter weiter steht das Schloß Fürstenau. Die Gesamtanlage des Schlosses ist aus einer mittelalterlichen Wasserburg an
der Mümling hervorgegangen. Der Eigentümer ist Graf zu Erbach-Fürstenau. Im Schlosshof ist für Ausstellungszwecke das
Erdgeschoß des Altbaues neben dem klassizistischen Neuen Palais geöffnet, das gegenüber dem grandiosen Schmuckbogen von
1588 liegt. Südlich und östlich der Altstadt steht der Diebsturm. Der Name lässt sich leicht deuten, wenn man weiß, dass er
jahrhunderte lang als Gefängnis diente. Die alte Dachhaube war 1798 abgenommen worden. Seit 1972 eine neue Haube mit
einem Turmzimmer geschaffen wurde, ist der Turm ein Wahrzeichen des Städtchens geworden. Als wir auf den Turm zugingen, sahen wir im Fenster einen Falken sitzen.
Im oberen Teil des Turmes ist in der nach der Stadt zugewandten Seite ein römisches Merkurrelief eingemauert, dessen Fundort
jedoch nicht bekannt ist. Das Original befindet sich im Odenwaldmuseum. Über zwei schmale Holzbrücken über den inneren
Wallgraben kommt man zum Zwinger, welcher der alten Stadtmauer vorgelagert war und der in Michelstadt nur noch an dieser
Stelle erhalten blieb. Die östliche Brücke führt direkt in den Kellereihof, die westliche Brücke am Diebsturm führt über die Häfnergasse zum Marktplatz oder durch den engen Storchenwinkel zurück zur Kellerei.
Das Städtchen hat uns so gut gefallen, dass wir im Sommer noch einmal hinfahren werden. Auf dem Rückweg nach Eberbach wollten wir in Ottenbach im Restaurant „Zur Krone“ zu Mittag essen. Doch leider waren
schon alle Tische besetzt, so dass wir hungrig nach Eberstadt zurück fuhren, um uns dort in eine Gaststätte zu setzen. Achim wollte noch einmal in die Gaststätte „Zur Sonne“, aber ich wollte gerne andere Lokalitäten kennen lernen. Ich fragte ihn, was er vom Hotel „Zum Karpfen“ hielte. „Wenn du willst, können wir dort rein gehen“, sagte er, was wir dann auch taten. Das Haus sah von
außen mit seiner Malerei sehr schön aus, aber die Speisekarte enthielt vielleicht eine Handvoll Gerichte, die zudem noch sehr teuer
waren. Lediglich 3 preiswerte Schnitzelgerichte wurden angeboten. Vielleicht hätte ich mein Prospekt von zuhause mitnehmen
sollen, denn bei unserer Rückkehr las ich, dass es als „ein Geheimtipp für Gourmets und Weinliebhaber“ bezeichnet wird.
Bevor wir wieder an unsere „alte“ Angelstelle fuhren, hielten wir vor der Schleuse an um ein bisschen zu blinkern. Dafür hatte ich
ja auch extra die Quantum Hypercast Cat Fish Spin3000 und als Rolle die Spro Rock Tuff Body S/W 660 gekauft. Zuerst
probierte Achim die neue Spinnrute mit einem 90g-Blinker aus. Später probierte auch ich mein Glück, aber es ging uns kein Fisch,
geschweige denn ein Wels an den Haken. Von der Wurf- und Drilleigenschaft der Rute, aber auch von der Leichtigkeit der Rolle
waren wir jedoch beide begeistert. Während des Spinnfischens kam auch der Angler vom Vortag zu uns und schaute uns einige Zeit zu.
Nach einer halben Stunde packten wir die Spinnrute ein und setzten uns an unsere alte Angelstelle.
Irgendwie muss ich wohl gespürt haben, dass der Tag interessant werden würde, denn ich hatte „vorsichtshalber“ unsere
Videokamera eingepackt. Beim Spinnfischen hatte ich Achim und auch die Gegend an der Schleuse ein bisschen gefilmt, um den
Umgang mit der Kamera zu üben. Wir waren vielleicht eine Stunde am Wasser, als sich jemand zu uns gesellte. „Hallo“, sagte er.
Und noch einmal: „Hallo“ Ich drehte mich um und schaute nach, wer mich grüßte. Einen Tag vor unserer Abreise hatten wir unsere
T-Shirts und Sweatshirts aus dem Walles-Online-Shop bekommen und an diesem Tag hatte ich das Sweatshirt angezogen, auf
dem dick und breit „wallerforum.com“ stand. Als sein Blick darauf fiel meinte der Fremde: „Du bist doch die Uschi aus dem
Wallerforum! Hallo, ich bin der Peter.“ Peter stammte aus Rockenau und hat die Internetseite www.neckarwaller.de. Ich hatte
mit ihm vorher schon ein paar Mal gemailt. Ich freute mich unheimlich, ihn hier persönlich kennen zu lernen. Wir unterhielten uns
einige Zeit, dann ging Peter zu Achim rüber. Nach einer Stunde kam er wieder an unserem Angelplatz vorbei und stellte sich dann
zu dem anderen Angler, der uns beim Spinnfischen zugeschaut hatte und nun ca. 100 m von uns entfernt saß. Sie schienen sich gut zu kennen.
Ich saß in meinem Stuhl und schaute immer wieder auf meine Rutenspitzen, in der Hoffnung, dass sich endlich einmal etwas tat.
Aber sie rührten sich nicht. Dann schaute ich nach links zu Heikes Rute. Im selben Moment vernahm ich in der Spitze ein starkes Vibrieren.
„Heike. Schau mal zu deiner Rute rüber! Du hast einen Biss!“ meinte ich aufgeregt. Doch Heike kümmerte das nicht. Sie blieb in
ihrem Stuhl sitzen. Die Rutenspitze bebte immer heftiger. „Geh endlich hin und schlag an! Du hast einen Biss!“ knurrte ich. Endlich
stand sie auf, nahm die Rute aus dem Ständer und schlug an. Ruhig und besonnen drillte sie den Fisch ans Ufer. Einen Meter
vorher schaute uns ein Welsmäulchen an. Nun wurde auch Heike aufgeregt. „Das gibt’s doch nicht. Ich habe einen Wels dran!“
Während Heike drillte hatte ich Achim signalisiert, dass Heike einen Fisch am Haken hatte. Sofort kam er zu uns rüber. Als sie
den Wels im Kescher hatte holte ich die Filmkamera raus und filmte sie, während Achim ein paar Fotos schoss. Heike war völlig
aus dem Häuschen, was ich gut verstand. Immerhin war es ihr erster Wels. Und das bei den schlechten Bedingungen! Während
sie ihn maß (er war 65 cm lang), meinte sie: „Ich hatte gedacht, dass so ein Wels viel mehr Rabatz macht. Aber der verhielt sich
ganz ruhig.“ „Warte mal ab, bis du einen dran hast, der größer als ein Meter ist! Dann wirst du schon merken, dass der Drill nicht so einfach ist!“ antwortete Achim.
Der Angler, zu dem sich Peter gesellt hatte, war inzwischen auch bei uns um zu schauen, was Heike gefangen hatte. Er gratulierte ihr zu ihrem ersten Neckarwaller.
Etwa eine Stunde später kamen zwei junge Männer zu uns. „Na, hier tut sich wohl nicht viel“, meinte sie. „Doch!“ antwortete
Heike. „Ich habe vor einer Stunde einen Wels gefangen“, meinte sie ganz stolz. Und vorgestern hat mein Vater einen gefangen.
„Was? Mit was habt ihr die denn gefangen? Wo hast du hingeworfen? Welche Rute hast du?“ Fragen über Fragen prasselten auf
Heike nieder. Bereitwillig gab sie Auskunft. Bevor die beiden wieder gingen meinten sie, dass sie es am nächsten Tag auch einmal probieren wollten.
Heike und Achim brachten schon die Sachen in die Wohnung, während ich uns noch um die Ecke eine Pizza besorgte. Den ganzen Abend über sprachen wir nur über Heikes tollen Fang.
Die Tage vergingen wie im Flug und schon war es Dienstag, unser letzter Angeltag! Morgens fuhren wir noch einmal nach
Zwingenberg, um uns ein paar frische Tauwürmer zu besorgen. Danach fuhren wir noch nach Rockenau um uns bei der Familie
Weis schon einmal vorzustellen. Die Ferienwohnung konnten wir uns leider nicht anschauen, da sie gerade vermietet war, aber
Herr Weis zeigte uns schon einmal den Angelkeller, wo wir später unsere Ruten abstellen konnten. Außerdem zeigte er uns zwei
Gefrierschränke und einen Kühlschrank für die Maden und Würmer. Besonders über den großen Garten, der ganz bis ans
Neckarufer ging, war ich begeistert. Ich stellte mir schon bildlich vor, wie ich im Sommer im Garten sitzen und angeln würde, während Achim noch schlief.
Der Neckar war wieder etwas gestiegen und es schwammen noch mehr Baumstämme und Äste im Fluss. Trotz der widrigen
Umstände wollten wir es noch einmal probieren. Außerdem, so meinte ich, musste ich heute unbedingt auch einen Waller fangen.
Die Stunden verrannen, aber es tat sich absolut nichts. In der Ferne zogen dicke, dunkle Wolken vorbei und kurz darauf blitzte
und donnerte es auch. Aber das Gewitter verschonte uns. Als wir gegen 19 Uhr einpackten war ich sehr traurig, dass ich keinen
Wels gefangen hatte. Und ich ärgerte mich erneut über meinen misslungenen Drill am ersten Tag.
Als wir noch einmal in die Gaststätte „Zur Sonne“ zum Essen gingen, meinte ich zu Achim, dass ich über diesen Aufenthalt am Neckar keinen Bericht schreiben würde. „Warum denn das nicht?“ fragte er mich.
„Ich mag es nicht, immer nur über Fänge von dir oder Heike zu schreiben! Schließlich sollen es meine und nicht eure Angelberichte sein“, knurrte ich.
„Komm Schatz, du fängst schon noch deinen Waller. Und du wirst deinen Bericht schreiben. Da bin ich mir sicher!“
Oerlinghausen, den 01.04.2005
Anangeln vom ASV Dalbke und Angeln von der IG Bielefeld am Tallesee
Schon einige Tage vor dem Anangeln (10.04.) ging es mir körperlich nicht so gut. Ich hatte starke Schmerzen im Oberschenkel
und ab und zu tat mir auch der Rücken weh. Ich ging zu meinem Doktor, der mir diverse Pillen verschrieb und mir einen weißen
(früher gelben) Schein aushändigte. Aber deshalb nicht zu angeln, kam für mich überhaupt nicht in Frage! Außerdem war ich ja nicht bettlägerig.
Als der Tag des Anangelns gekommen war, zweifelte ich noch kurz vor der Abfahrt, ob ich tatsächlich daran teilnehmen sollte.
Nicht genug, dass ich weiterhin Schmerzen hatte, hinzu kam auch noch ein Durchfall. Das hatte mir gerade noch gefehlt! Sollte das
bedeuten, ich sollte lieber zu Hause im Bett bleiben? Als Achim schon fürs Angeln angezogen war, kämpfte ich immer noch mit
mir. Soll ich oder soll ich nicht? Ach was, der Durchfall wird gleich schon aufhören und die Schmerzen, nun ja, wo ich die habe spielt ja auch keine Rolle. Also entschloss ich mich doch fürs Angeln.
Um 6 Uhr in der Früh waren wir am Südstadtteich. Beginn des Anangelns war 7 Uhr. Als die Plätze per Los verteilt waren, stellte
ich fest, dass ich mal wieder die Arschkarte gezogen hatte. Ich musste an eine Angelstelle wo das Ufer nur aus Kieselsteinen
bestand. Es war kaum möglich einen Rutenhalter, geschweige denn den Schirmständer in diesen festen Grund zu bekommen. Fast
eine Stunde werkelte ich hin und schimpfte innerlich mit mir selber, dass ich nicht zu Hause geblieben war. Als ich dann endlich so
weit war, dass ich meine beiden Ruten auswerfen konnte, hatte ich mich schon etwas beruhigt. Meine Matchrute hatte ich mit
einem 16er Haken für Rotaugen bestückt und daran 2 Maden aufgespießt. Sie war kaum 5 Minuten im Wasser, als die Pose
untertauchte. Wie schön, dass ich die erste Rotfeder dran habe, dachte ich. Aber an dem Köder hatte sich keine Rotfeder
vergriffen, sondern eine Forelle! Und an der zweiten Rute, wo ich eine Wasserkugel als Bissanzeiger auf die Hauptschnur gezogen hatte, schnappte sich eine Rotfeder die drei Maden. Verkehrte Welt, dachte ich.
Als besonderen Reiz für das Anangeln hatte unser Verein wieder ein paar Forellen eingesetzt, aber beim Wiegen des Fanges
zählten sie nicht mit. Daher wollte ich unbedingt viele Weißfische fangen. Zuletzt hatte ich aber nur 500 Gramm Weißfische im
Setzkescher und 5 Forellen gefangen. Achim, der mir am anderen Ufer schräg gegenüber saß, kam kaum dazu einen Schluck zu
trinken oder eine Zigarette zu rauchen, wie ich beobachten konnte. Er ärgerte sich ein wenig, wenn er wieder einmal eine Forelle
statt ein Rotauge am Haken hatte. Trotzdem wurde er mit 3400 g Weißfisch Tagessieger! Außerdem fing er noch 9 Forellen!
Als wir gegen 14.30 Uhr nach Hause fuhren hatte ich nur einen Gedanken: Mit einer Wärmflasche aufs Sofa und ausruhen! Achim
war zwar auch ganz schön geschafft, trotzdem nahm er anschließend noch alle Forellen aus und machte sie fürs Abendessen bzw.
die anderen Forellen für die Truhe fertig, während ich auf dem Sofa lag und über schmerzende Knochen und Muskeln klagte.
Als der Termin für das Anangeln von der IG Bielefeld bekannt gegeben wurde ging es mir gesundheitlich nicht ganz so schlecht,
daher entschlossen Achim und ich uns beim Wettfischen mitzumachen. Thomas, unser 1. Vorsitzender vom ASV Dalbke war ebenfalls dafür.
Um als ein Team des Vereins aufzutreten, mussten es 5 Vereinsmitglieder sein. Aber es war auch möglich als Einzelteilnehmer
mitmachen. Beim Anangeln fragte Thomas noch weitere Mitglieder, ob sie Interesse hätten beim IG-Angeln mitzumachen. Sofort
meldeten sich noch Lukas, Christian und Thorsten. Nun waren wir 6 Personen, was bedeutete, dass einer von uns als Einzelteilnehmer gemeldet werden musste.
Da Achim mit seinem bisher tollen Fängen sicher gut ins Team passte, blieb ich als „Schlusslicht“ übrig. Als Einzelteilnehmer
mitzumachen gefiel mit überhaupt nicht. Und überhaupt. Sollte ich wirklich mitangeln? Meine Schmerzen waren nach wie vor
vorhanden und je näher der Termin rückte, umso mehr zweifelte ich, ob dass überhaupt eine gute Idee gewesen war. 2 Tage
vorher fragte Dieter, ob er nicht auch mitfahren könnte. Da sich insgesamt erst sehr wenige Angler gemeldet hatten, war das die späte Nachmeldung kein Problem.
Um 5.45 Uhr sollten wir am Tallesee in Schloß Neuhaus sein. Das bedeutete, dass wir spätestens um 3.45 Uhr aufstehen mussten
. Ich bin zwar ein Frühaufsteher, aber diese Uhrzeit passte mir nun überhaupt nicht. Das war mir nun doch viel zu früh. Noch
abends beim Zubettgehen dachte ich, dass ich wohl am nächsten Tag doch nicht mitfahren würde.
Thomas hatte uns zwar schon vor längerer Zeit angemeldet und die 13 Euro Startgeld mussten gezahlt werden, ob ich nun dabei war oder nicht.
Als ich Sonntagmorgen aufstand hatte ich nur wieder dieses unangenehme Ziehen im Oberschenkel. Ansonsten ging es mir gut, also zog ich mich für Angeln an. Aber ehrlich gesagt, große Lust hatte ich überhaupt keine!
Wir hatten uns für 5.15 Uhr uns auf dem Parkplatz der Discothek an der B 68 verabredet. Mit 5 Wagen fuhren wir auf der A 33 nach Schloß Neuhaus zum Tallesee, wo wir pünktlich um 5.45 Uhr eintrafen.
Während der Fahrt sagte ich zu Achim: „Ich bin ja gespannt, wie das vor sich geht. Und als Einzelteilnehmer rechne ich mir keine Chance aus.“
Bis auf Achim hatte noch keiner von uns an einem Wettangeln der IG Bielefeld teilgenommen. Achim antwortete: „Du wirst dich wundern. Manche bringen fürs Angeln sogar eine Plattform mit.“
„Was wollen sie denn damit?“ fragte ich erstaunt. „Die stellen sie ins Wasser. Damit kommen sie näher zum Fisch.“
Kurz nach 6 Uhr waren dann endlich alle Teilnehmer eingetrudelt. Insgesamt waren wir 22 Teilnehmer. Zu den 4 Teams gehörten
17 Angler, die restlichen 5 traten als Einzelteilnehmer auf. Achim war etwas überrascht, als Thomas ihm sagte, dass auch er als Einzelteilnehmer gemeldet war.
Jeder Teamführer zog für sein Team eine Karte, wir, die Einzelteilnehmer, mussten einen Umschlag mit einem Zettel ziehen, auf
dem unser Angelplatz vermerkt war. Außerdem waren die Plätze in Sektoren von A bis E eingeteilt. Als ich meine Nummer las, wäre ich am liebsten gleich wieder ins Auto gestiegen und nach Hause gefahren.
Petrus hatte mich wieder einmal in Stich gelassen, denn mein Angelplatz lag am anderen Ufer des Sees! Aber auch Thomas und
Achim ging es nicht anders. Thomas erwischte die Nummer 15, ich die Nummer 18 und Achim war mit der Nummer 21 der Vorletzte.
Schon auf dem langen Weg zu unseren Angelstellen war ich innerlich am Kochen. Und als ich dann meinen Platz erreicht hatte und mir der kalte Ostwind ins Gesicht blies, war meine Stimmung total im Eimer.
Bis zum Beginn des Angelns (7.15 Uhr) blieb uns genügend Zeit um unsere Sachen auszupacken und aufzubauen. Die Angelstelle
selber gefiel mir ganz gut. Es blieb mir genügend Platz zum Auswerfen, aber ich hatte starke Zweifel, ob bei diesem kalten
Ostwind überhaupt ein Fisch beißen würde. Die anderen, die an der Nordseite des Sees ihren Platz hatten, hatten eindeutig die
besseren Karten gezogen. Sie merkten von dem Wind auch nicht viel. Außerdem wärmten sie ab und zu auch noch die Sonnenstrahlen.
Ein Setzkescher war Pflicht, denn die gefangenen Weißfische sollten anschließend wieder zurückgesetzt werden.
Erst zwei Tage vor dem Angeln waren Brassen eingesetzt worden, die sich hauptsächlich noch dort aufhielten, wo sie eingesetzt waren, nämlich an der Nordseite/Südseite des Sees.
Aber egal wo die Teilnehmer ihre Köder auswarfen, so richtig beißen wollten die Fische an diesem Tag nicht. Deshalb blieben auch die großen Fänge aus.
Als um 11.15 Uhr das Angeln vorbei war und ich die Nordseite des Sees erreichte, war es dort so warm, dass ich in meiner dicken Jacke und dem dicken Pullover zu schwitzen anfing!
Da ich mein Schild mit der Nummer vergessen hatte mitzunehmen, musste ich wohl oder übel noch einmal an meinen Angelplatz
um es zu holen. Kaum war ich um die Kurve des Sees, blies mir wieder dieser ekelige kalte Ostwind ins Gesicht. Wieder zurück bei den anderen spürte ich die wärmenden Sonnenstrahlen.
Als wir unsere Angelsachen wieder im Auto verstaut hatten gingen wir zu den anderen. Dabei hörte ich, wie erzählt wurde, dass ein Teilnehmer unverhofft eine Forelle von 2660 g gefangen hatte. Sie mußte wohl sehr
ausgehungert gewesen sein, denn sie probierte erst die Maden des einen Anglers, der sie aber nicht landen konnte, denn das
Vorfach riss ab. Dann schwamm die Forelle zum nächsten Angler, der sie aber ebenfalls nicht fangen konnte. Auch seinen Haken
behielt sie im Maul. Trotzdem machte sie sich über die Maden des dritten Anglers her, was ihr dann jedoch zum Verhängnis
wurde. Als er sie landete, staunte er nicht schlecht, dass die Forelle 3 statt eines Hakens im Maul hatte!
Bevor es an die Preisverteilung ging, gab es erst einmal etwas zu essen. Rainer Bleck von der IG grillte Bratwürstchen, dazu gab
es leckeren Kartoffelsalat. Alle aßen mit großen Appetit, es hatte noch keiner die Gelegenheit zum Frühstücken gehabt.
Nach dem die Mäuler gestopft waren, warteten wir gespannt auf die Preisverteilung. Insgesamt gab es 15 Pokale. Von unseren 7
Teilnehmern erhielten Dieter, Thorsten, Achim und ich einen Pokal. Dieter Brink für den 2. Platz im Sektor A und Sebastian
Brock für den 2. Platz. im Sektor C. Achim und ich waren im Sektor E. Achim bekam einen Pokal für den 3. Platz und ich - Ich
kann es immer noch nicht glauben! - erhielt einen Pokal für den 1. Platz im Sektor E. Mein erster Pokal in meinem kurzen Anglerleben!
Nach der Preisverteilung fuhren einige Teilnehmer sofort nach Hause, doch die meisten blieben noch ein Stündchen oder länger,
so auch unsere Gruppe. Übers Internet hatte ich schon ein wenig Kontakt mit Lars Hauptmann (http://www.morefish.de) gehabt
und nun freute ich mich, ihn persönlich kennen zu lernen. Auch er und seine Mitangler haben einen Pokal bekommen.
Um 13 Uhr machten auch wir uns glücklich, aber auch erschöpft, auf den Heimweg. Die Veranstaltung der IG hat uns allen sehr
gut gefallen und es war bestimmt nicht die letzte, an der wir teilnahmen. Hoffentlich das nächste Mal schmerzfrei!
Oerlinghausen, den 19.04.2005
hier gehts weiter zum 2.Teil Angelerlebnisse 2005..........
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