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Angelerlebnisse 2005
Teil 3
Der Neckar – Ein Fluss voller Überraschungen (2)
Wärme ist ja ganz schön, aber musste der Sommer denn so übertreiben? Am Donnerstagmorgen hatten wir um 9 Uhr schon 25° C, eine Stunde später waren es 4 Grad mehr. Und es wehte nicht ein
bisschen Wind. Es war kaum auszuhalten! Bei einer Tasse Kaffee überlegte ich, ob wir bei dieser Hitze da Angeln nicht lieber einmal fallen lassen sollten. Vom Kraxeln tags zuvor auf der Burg Guttenberg taten mir
ein wenig die Waden weh. Also wäre es angebracht, mal eine Pause einzulegen. Aber wer nicht angelt, kann auch nichts fangen, überlegte ich. Außerdem liefen zurzeit die Aale ganz gut, auch tagsüber. Vielleicht würde
es mir gelingen, sogar am Tage auf Fischfetzen einen Zander zu fangen. Aber wie sollte ich an Köderfische bzw. Lauben kommen? Sie beißen ja bekanntlich an der Oberfläche, d.h. ich müsste mit der Pose und einer Made
mein Glück versuchen. Doch die Pose driftete immer wieder in die Steinschüttung ab. Während ich noch grübelte was ich machen sollte schaute ich sehnsüchtig vom Balkon zum Neckar und entschied mich, während Achim
noch den Schlaf der Gerechten schlief, doch schon meine Angelsachen im Garten aufzubauen. Ich weiß, ich bin ein verrücktes Huhn!
Ich steuerte gerade den Angelkeller an, als mich unser Vermieter sah und fragte: „Na, geht’s wieder ans Wasser?“
„Aber klar doch. Man muss jede Gelegenheit nutzen“, antwortete ich und dachte: Oh je, was sollte der bloß von mir denken? Der
muss ja glauben, ich hätte nicht alle Tassen im Schrank. Am Ufer angekommen überlegte ich, ob ich wirklich schon wieder angeln sollte. Aber da ich nun einmal meine Angelsachen da hatte, blieb ich auch. Während der Stunde, die ich unten im Garten angelte, hatte ich zwar ein paar Bisse auf Wurmbündel, aber kein Fisch hakte.
Enttäuscht legte ich meine Ruten zur Seite und ging in die Ferienwohnung. Achim kam gerade unter der Dusche hervor, als ich mir eine weitere Tasse Kaffee einschüttete. „Na, mein Schatz. Erfolg gehabt?“
„Leider nein. Wenn ich wenigstens für heute Abend ein paar Köderfische gefangen hätte. Aber nicht einmal das klappte“, antwortete ich.
Achim nahm mich in den Arm: „Das macht doch nichts, mein Schatz. Lass uns heute mal ein Pause machen. Bei der Hitze habe ich keine Lust zum Angeln und der Gedanke, in der Gegend herumzufahren, gefällt mir auch
nicht.“ „Rumfahren brauchen wir ja nicht unbedingt, aber vielleicht angel ich heute Abend doch. Ich würde mir gerne vom Schlachter Schweine- oder
Rinderleber holen und es damit einmal auf Waller oder Aal probieren. An der Altmühl hatte ich das auch schon mal gemacht. Das hat damals zwar nichts gebracht, aber vielleicht klappt es ja dieses Mal.“
Weil wir nun schon einmal in Eberbach waren um Leber zu kaufen, suchten wir dort ein Lokal auf und aßen zu Mittag. Anschliessend kaufte ich mir noch einen neuen Krimi, denn alle 6 Taschenbücher, die ich von
zuhause mitgenommen hatte, hatte ich inzwischen durchgelesen. Als wir zurück waren legte ich mich erst mal aufs Bett, um mich etwas zu
entspannen. Ich musste eingeschlafen sein, denn plötzlich wurde ich wach und schaute auf den Wecker: 17 Uhr! Ich erfrischte
mich kurz unter der Dusche und ging zu Achim, der auf dem Balkon saß und mit dem Fernglas die Wanderfalken beobachtete.
„Willst du heute wirklich nicht angeln?” fragte ich ihn. „Ich glaube, ich gehe gleich doch runter. Außerdem liegen meine Angelsachen noch unten.“
„Du kannst ja ruhig schon gehen. Ich bleibe noch ein bisschen und komme dann nach.“ Wenig später saß ich in meinem Angelstuhl und schaute gespannt auf die Rutenspitzen. Ich meinte gerade einen kleinen Zupfer
vernommen zu haben, als ein Schiff aus Richtung Eberbach kam. Normalerweise ärgerte es mich, wenn ich wegen der Schiffe
meine Montage reinholen musste, aber dieses Mal war es kein Frachtschiff sondern ein Kreuzfahrtschiff. Und zwar die Princess Sissi aus Strassburg.
Während ich dem Schiff sehnsüchtig hinterherschaute kam wieder das Schwanenpaar an meine Angelstelle. Sie besuchten uns
schon seit einer Woche und warteten jedes Mal darauf, etwas von dem Brot, welches eigentlich für die Lauben gedacht war, zu
ergattern. Doch dieses Mal hatte ich nichts dabei. Ich bemerkte einen Biss an der Feederrute und ging zum Ufer um anzuschlagen.
Das gefiel dem Schwanenmännchen nicht, denn es fauchte mich an. Respektvoll ging ich einen Schritt zurück. Wenig später
landete ich eine Barbe von 18 cm. „Verdammt! Dich wollte ich nicht. Die Maden waren für ein Rotauge oder eine Rotfeder
gedacht“, knurrte ich den Fisch an und setzte ihn wieder in sein nasses Element zurück. Es vergingen keine 10 Minuten, da hatte
ich wieder eine Barbe am Haken. Dieses Mal war sie schon etwas größer, nämlich 37 cm. Aber das Schonmaß für Barben betrug 40 cm, also musste ich auch sie wieder zurücksetzen.
Als Achim kam war es nicht mehr ganz so heiß. Er bestückte den Haken an seiner Feederrute ebenfalls mit Maden, für die sich
aber kein Fisch interessierte. Mit der 5 m langen Stellrute und einer kleinen Pose versuchte er wenigstens ein paar Lauben zu
erwischen, die uns später als Köder dienen sollten. Es dauerte eine Weile, dann hatte er die erste
Als die Sonne langsam unterging wechselte ich das Wurmbündel an meiner Rhino-Rute gegen ein Stückchen Fischfetzen aus.
Dann wartete ich wieder geduldig auf einen Biss. Nach einer Stunde sagte ich zu Achim: „Jetzt könnten sie aber beißen. Ich möchte so gerne noch einen Zander fangen.“
Kaum hatte ich die Worte ausgesprochen, piepste mein elektronischer Bissanzeiger und Schnur wurde von der Rolle gezogen.
„Ja, da ist er schon!“ rief ich freudig und schlug an. Aber der Anschlag ging ins Leere, denn der Fisch hatte schon wieder nicht
gehakt. Ärgerlich besah ich mir den Köder und stellte fest, dass der Haken im Fischfetzen nicht frei lag. So konnte natürlich kein
Fisch haken! Ich zog ein neues Stückchen Fischfilet auf den Haken und warf wieder aus. Vielleicht war der Räuber ja noch da.
Aber es tat sich nichts mehr. Wir konnten zwar Fische rauben sehen, aber für unsere Köder interessierten sie sich nicht.
Hinter der Bundesstrasse gab es eine Bahnstrecke, auf der halbstündlich eine S-Bahn vorbei fuhr. Den leuchtend roten Zug hatte
ich gleich am ersten Tag “Rote Lola” getauft. Als er wieder angesaust kam meinte ich zu Achim, daß ich sehr gerne einmal mit dem Zug fahren würde.
“Können wir ja irgendwann mal machen. Die Strecke, die er fährt, ist bestimmt sehr schön.”
Die Leberstückchen, die ich extra fürs Angeln gekauft hatte und die nun auf einen Drillingshaken steckten, kamen bei den Fischen
nicht an. Eine Stunde später tauschte ich sie gegen dicke fette Tauwürmern aus, doch auch das war vergebliche Mühe. Die Fische waren einfach nicht in Beißlaune.
Gegen 23.30 Uhr brachten wir unsere Angelsachen zurück in den Keller. Na ja, nicht so schlimm, tröstete ich mich. Morgen ist auch noch ein Tag.
Am nächsten Morgen (Freitag, 24.6.) war es Gott sei Dank nicht mehr so heiß, sondern „nur“ noch 20° C. Der Himmel war leicht
bewölkt und eine Viertelstunde später nieselte es ein wenig. Doch kurz darauf schien wieder die Sonne und es wurde sofort wieder wärmer.
Als ich morgens aufwachte hatte ich absolut keinen Bock aufs Angeln. Die letzten Tage waren einfach frustrierend gewesen, weil
uns kein Waller, kein Aal, kein Zander an den Haken gingen. Ausserdem fühlte ich mich durch die vielen Stunden, die wir bisher
am Wasser gesessen hatten, schon etwas gestresst. Eigentlich sollte man sich im Urlaub ja auch erholen und nicht bis in die Puppen angeln, dachte ich.
Doch kaum hatte ich das gedacht, schob ich diese „dummen Gedanken“ auch schon zur Seite. Ich holte mir eine Tasse frisch
gebrühten Kaffee und las etwas gelangweilt in meinem Krimi. Eine Viertelstunde später legte ich das Buch zur Seite und überlegte:
Achim würde bestimmt noch 2 Stunden oder länger schlafen, da könnte ich doch schon mal ein paar Rotaugen fangen. Was tue
ich aber, wenn ich plötzlich einen kapitalen Fisch oder gar einen Aal am Haken habe? Weil am Ufer dicke Steine lagen hatte ich
so meine Schwierigkeiten mit dem Keschern. Keschern war sowieso eine Sache die ich noch nicht so gut konnte. Ich nahm mir vor, es nach dem Urlaub zuhause endlich einmal zu lernen.
Gut, dass ich nicht in Rockenau wohne, dachte ich. Ich wäre bestimmt jede freie Minute am Wasser. Schon jetzt beklagten sich
unsere Verwandten, Freunde und Bekannten das sie uns kaum antreffen, weil wir so oft zum Angeln waren. Aber vielleicht würde sich mein Angelfieber ja ein wenig legen, wenn ich jederzeit Gelegenheit zum Fischen hätte?
Schon immer reizte es mich am frühen Morgen am Wasser sitzen zu können. Und die Fangaussichten im Neckar waren einfach
super, auch wenn ich nicht jeden Tag einen Fisch landen konnte. Aber musste ich deshalb wirklich so übertreiben? „Wieso übertreiben? In einer Woche ist doch alles vorbei“, meldete sich meine innere Stimme.
Die Zeit flog nur so dahin und plötzlich war es schon 10 Uhr. Langsam zog sich der Himmel wieder zu. Teilweise waren auch
schon dunkle Wolken am Himmel. Der Wetterbericht hatte 34° C und gegen Abend heftige Gewitter vorausgesagt. Aber es war
ja erst früh am Tag und ausserdem musste das ja nicht unbedingt für Rockenau gelten. Doch was war das? Donner? Das konnte
doch gar nicht sein. Plötzlich sah ich, wie es zu regnen anfing. Halt! So war das nicht vorausgesagt!
„Petrus, was soll das? Ich möchte heute gerne mal wieder unterhalb der Schleuse angeln. Hör sofort mit dem Regen auf!“ schimpfte ich.
Doch Petrus saß wohl gerade beim Frühstück und hörte mich nicht. Also würde daraus nichts werden. Na gut, dachte ich, dann
müssen wir eben noch einmal im Garten fischen. Wenn es dann wirklich ein Gewitter gäbe, könnten wir uns schnell ins Trockene
retten. Aber angeln will ich auf jeden Fall noch einmal, denn für den nächsten Tag hatten sich Annika und Tobi bei uns zu Besuch
angemeldet. Annika, die in Illmenau (Thüringen) studiert, war gerade in Stuttgart bei Tobi und das Treffen in Rockenau hatten wir schon lange geplant. Da konnte ich auf keinen Fall angeln!
Petrus muss mich wohl doch gehört haben, denn fünf Minuten später war der Regen vorbei und die Sonne kam wieder durch.
Gegen Mittag wurde es sogar wieder richtig heiß: 33° C im Schatten und kein Wölkchen mehr am Himmel. Zum Angeln war es
also wieder viel zu heiss. Und obwohl uns der Schweiß vom Kopf lief, saßen wir kurz nach 17.30 Uhr wieder am Neckarufer.
Der Köder lag vielleicht gerade mal 15 Minuten im Wasser, da hatte ich einen Run auf Maden. Doch beim Drillen merkte ich
gleich, dass auch dieses Mal kein Fisch am Haken hing. 10 Minuten später wiederholte sich das Spiel: Die Bremse jaulte, es wurde Schnur genommen, aber der Fisch hatte nicht gehakt. Es war zum Heulen!
Achim probierte wieder geduldig mit der Stellrute und Pose Köderfische zu fangen. Es war schon 20 Uhr durch und die Beißzeit
der Raubfische begann, als er endlich ein Rotauge fing. Gott sei Dank, dachte ich. Jetzt hatten wir wenigstens jeder ein
Fischstückchen um auf Zander oder Aal zu angeln. 20 Minuten später landete er eine noch eine grosse Rotfeder, die dem Madenbündel an seiner Feederrute nicht widerstehen konnte.
Vor unserer Urlaubsreise hatte Achim für jeden von uns einen Handventilator gekauft, den wir hier wirklich gut gebrauchen
konnten, denn es war absolut windstill und der Schweiß rann uns in Strömen vom Kopf. Doch was nimmt man nicht alles in Kauf, wenn man Fische fangen will!
Um 22.30 war es so dunkel, dass Achim beschloss die Posenmontage reinzuholen. Dabei verhakte sich die Montage mal wieder
zwischen den grossen Steinen am Ufer. Kurz vorher hatte er den kleineren Haken gegen einen grösseren ausgetauscht, weil das
Vorfach vom Haken losgegangen war. Nun riss natürlich die Hauptschnur und die Pose war weg. Angeln konnte ganz schön ins Geld gehen!
Achim war gerade dabei die restliche Hauptschnur auf die Rolle spulen, als sich der elektronische Bissanzeiger meldete. „Achim! Du hast einen Biss“, rief ich. „Ich komme ja schon.“
Bevor Achim anschlagen konnte war schon reichlich Schnur von der Rolle gegangen. Ob das wohl ein Zander war? Gespannt
schaute ich Achim beim Drillen zu. Plötzlich fluchte er: „Scheiße! Immer wieder das Gleiche. Kein Fisch dran. Soll ich etwa einen
Drilling nehmen? Aber dann beißt doch keiner. Oder sind wir etwa zu blöd, dass wir die Fische nicht an den Haken kriegen?“
So ärgerlich und auch verzweifelt hatte ich Achim schon lange nicht mehr erlebt. Aber er hatte ja Recht. Was sollten wir machen? Mit einem Einzelhaken kriegten wir die Zander nicht. Und auf einen Zwillings- oder
Drillingshaken reagierten sie sehr skeptisch. Es war kurz vor 23 Uhr und wir wollten schon Schluss machen, da hatte ich noch eine Meldung. Als die Schnur von der Rolle gezogen wurde
schlug ich nicht sofort an, sondern ließ ich den Fisch noch ein wenig wegschwimmen. Aber einen Moment später überlegte ich: „Was, wenn es
ein Aal ist, der sich in der Schüttung festsetzt? Ich schlage jetzt doch lieber an. Ausserdem kommt links wieder ein grosser Fracht, da muss ich sowieso die Rute reinholen.”
Ich nahm die Rute hoch, schaltete den Freilauf aus und schlug an. Doch der Anschlag ging ins Leere. Nun war ich am Fluchen: „Mist! Hätte ich doch noch ein bisschen gewartet. Sicher hat er den Köder wieder
ausgespuckt. Aber du siehst, dass sie beißen. Lass es uns noch ein bisschen probieren. Vielleicht kriegen wir ja doch noch einen.“
Achim war damit einverstanden. Er holte seine Feederrute rein, montierte einen neuen Fischfetzen an den Haken und warf wieder aus.
Ich dagegen war zu faul den alten Fischfetzen zu wechseln und ließ ihn einfach dran. Entweder nahmen sie ihn oder sie ließen es
bleiben, dachte ich bei mir. Der Fetzen an meiner Feederrute lag nun schon fast 2 ½ Stunden im Wasser und ich war mir sicher,
dass sich dafür kein Räuber interessieren würde. Aber das war ein Irrtum! Es war kurz nach 23.30 und ich hatte gerade meine
Rhino-Rute mit dem Tauwurm am Haken eingeholt, weil ich einpacken wollte, da sagte Achim: „Lass uns noch eine Zigarette rauchen, dann packen wir ein“.
Kaum hatte er das gesagt, kreischte sein elektronischer Bissanzeiger los. Doch ein paar Sekunden später war er wieder still. Es
ging zwar auch ein bisschen Schnur von der Rolle, aber weiter tat sich nichts. War vielleicht ein Stock in die Schnur geschwommen?
Achim dachte laut: „Vielleicht sollte man wirklich eine Zigarettenlänge warten bis man anschlägt!“
Die Worte waren kaum verhallt, da meldete sich mein elektronischer Bissanzeiger und die Bremse ging. Während ich zusah wie
immer mehr Schnur von der Rolle gezogen wurde dachte ich: „Oh Gott, hoffentlich habe ich jetzt keinen Waller dran. Ich verstehe
sowieso nicht, wer sich um diese Zeit noch für den ausgelaugten Fischfetzen interessiert. Der liegt jetzt immerhin 3 Stunden im Wasser!“ Achim riss mich aus meinen Gedanken: „Was ist? Willst du nicht anschlagen?“
„Nein. Mach du das bitte für mich. Ich habe Angst, dass ich den Anschlag versaue.“ Achim stand ohne Kommentar auf, wartete noch ein wenig bis der Fisch kurz Pause machte um dann erneut abzuhauen, dann
schlug er an. „Ich hab ihn!“ rief er stolz. Voller Spannung schaute ich Achim zu, wie er den Fisch zum Ufer drillte. Ein Aal? Ein Zander? Ein Wels?
Endlich war er so nahe am Ufer, dass wir erkennen konnten was da wirklich am Haken hing: Es war ein Zander!
„Das gibt’s doch nicht! Und dann noch um diese Uhrzeit. Und der hat auf den alten Fetzen gebissen“ stammelte ich aufgeregt.“ „Ich glaube, die nehmen hier alles.“
Nun, besonders groß war der Zander zwar nicht, aber immerhin etwas über 50 cm und fast 3 Pfund schwer.
Endlich hatte es mal wieder geklappt! An diesem Abend war ich mehr als zufrieden, auch wenn Achim mir leid tat, weil er seine Fische nicht landen konnte.
Zufrieden gingen wir in unsere Ferienwohnung zurück und stießen auf den schönen Fang an. In den Morgenstunden des 25. Juni hatte es noch vor Sonnenaufgang ein schweres Gewitter gegeben. Im Radio hörten wir, dass
in Stuttgart (ca. 100 km von Rockenau entfernt) sogar die Keller voll gelaufen waren, so viel Wasser war vom Himmel gekommen
. Aber die Kühle, es waren gerade mal 21° C, tat gut. Ausser einigen Wolken am Himmel war von dem Gewitter nichts mehr zu
merken. Doch schon um 9.30 Uhr kletterte das Thermometer auf 26 ° C. Es wurde also wieder ein heisser Tag. Und eine
Abkühlung war noch nicht in Sicht, meldete der Wetterbericht. Im Gegenteil: Es sollte die kommenden Tage sogar noch heisser werden. Schöne Aussichten!
Da wir Annika und Tobi erst gegen 11 Uhr erwarteten, ging ich in den Garten, um mir den Wasserstand des Neckars anzusehen.
Er war durch den Gewitterregen tatsächlich um gute 40 cm gestiegen und es herrschte eine starke Strömung, so dass man nur mit schweren Bleien fischen konnte. Außerdem schwamm sehr viel Unrat auf und in dem Fluss.
Weil wir Annika und Tobi zu Besuch kamen, war an Angeln sowieso nicht zu denken. Tagsüber wollten wir mit ihnen ein wenig rumfahren und abends dann ein Bierchen auf dem Rockenauer Wiesenfest trinken.
Als die Beiden ankamen war es schon 11.30 Uhr. Nach einer kurzen Begrüßung fuhren wir nach Eberbach, bummelten ein wenig
durch die Stadt. Wir zeigten ihnen die Stadtmauer und die verschiedenen Stadttürme (Pulverturm, Haspelturm, blauer Hut,
Rosentrum) und gingen dann zum Kurpfalzbrunnen auf dem Thonon-Platz Der kurpfälzische Löwe auf dem Brunnenstock erinnert
an die Zeit, als die alte Stauferstadt noch zur Kurpfalz gehörte. Gleich dahinter, im Innenhof am Pulverturm (er stammt aus dem 13
. Jh. und gehört zur historischen Stadtbefestigung), befindet sich der Fischerbrunnen, zur Erinnerung an eine alte Zunft. Das
Thalheimsche Haus war einst Sitz des kurpfälzischen Amtskellers, dann fürstliches Jagdpalais und später Rathaus der Stadt
Eberbach. Heute beherbergt das Gebäude die Touristinformation. Wir gingen weiter und kamen zum Wahrzeichen der Stadt, den
Ebern und von dort zum Blauen Hut. Der niedere Eckturm ist der jüngste, kleinste und eleganteste der vier Stadttürme. Er stammt
aus dem 14. Jh. und hat seinen Namen von der mit blauschwarzem Schiefer gedeckten Dachhaube. Im Stockwerk darunter lag
die “Betzenkammer”, das städtische Arrestlokal. Weiter ging es zum Lindenplatz, wo der massige Bad- oder Haspelturm aus dem
14. Jh. steht. In seinem Fuß befindet sich ein lichtloses Untergeschoss, in das Gefangene mit einer Haspel hinabgelassen werden
konnten. Besonders schön fanden wir den Rosenturm. Er ist der einzige Rundturm der Stadtbefestigung mit über 6,50 m
Durchmesser und 2 Meter dicken Sandsteinmauern. Er ist der älteste der vier Ecktürme. Ursprünglich hieß er “Rossenbrunner Turm”, nach einer nahen Pferdetränke.
Als wir genug gesehen hatten gingen dann in die Gaststätte „Zur Sonne“ zum Essen. Die Schnitzel-Portionen waren wieder so
gross, dass es uns schwer fiel aufzustehen und ins Auto zu steigen. Am liebsten hätten wir uns alle auf die faule Haut gelegt, aber
es half nichts. Schliesslich hatten wir geplant anschliessend nach Hirschhorn zu fahren, um oben auf der Burgterrasse ein Eis zu essen.
Also setzten wir uns wieder ins Auto und fuhren los. Dank der Klimaanlage war es im Wagen angenehm kühl. In Hirschhorn
parkte Tobi seinen Wagen direkt am Neckarufer. Bei schwülen 30° C machten wir erst einmal einen Spaziergang durch die
wunderschöne Altstadt. Ich hatte angenommen, dass wir auch dieses Mal mit dem Auto zur Burg hochfahren würden, aber Annika wollte zu Fuß den Burgweg hoch.
Ich protestierte: „Das könnt ihr doch mit mir nicht machen. Ich bin eine ganze Ecke älter als ihr und meine Knochen und mein Kreislauf machen da nicht mit.“
„Komm, das schaffst du schon. Wir gehen auch ganz langsam“ erwiderte Annika lachend. Unterwegs kamen wir an der Klosterkirche vorbei. Ich ging hinein und zündete eine Kerze für Achim und mich an. Vielleicht half
das ja, endlich einen Waller zu fangen.
Oben auf der Burg angekommen war ich total erschöpft. Aber das legte sich bald wieder, denn auf der Burgterrasse war es gut
auszuhalten, zumal auch ein leichter Wind wehte. Achim rann der Schweiß nur so vom Kopf, deshalb brauchte er unbedingt
Abkühlung und bestellte sich ein Hefebier. Obwohl wir vom Mittagessen noch gesättigt waren bestellten Annika und ich uns einen großen Becher Eis.
Der Abstieg von der Burg zum Neckarufer war Gott sei Dank nicht so anstrengend. In der Altstadt gab es einen Brunnen, in dem Annika erst einmal ihre Füße abkühlte. Sie sah aus wie eine badende Jungfrau.
Als wir gerade wieder ins Auto steigen wollten, beobachteten wir ein Schwanenpaar, dass über das Wehr fliegen wollte. Einer der
beiden schaffte es auch, indem er über das Geländer der Strasse flog. Der andere Schwan jedoch streifte mit den Flügeln das
Geländer und fiel auf die Strasse. Da Schwäne einen langen Anflugweg benötigen konnte er nicht mehr starten. Wir beobachteten,
wie sich die Autos dem Schwan im Schritttempo näherten, um dann vor ihm anzuhalten. Einige Leute auf der Brücke versuchten
sogar dem Schwan zu helfen, aber sobald sie sich ihm näherten rannte er weg. Der andere Schwan schwamm unten und wartete
auf seinen Partner. Wir schauten dem Schauspiel noch einige Minuten zu und fuhren nach zurück nach Eberbach. Kurz vor dem
Ortsausgangsschild kam uns die Feuerwehr entgegen. Wir vermuteten, dass sie jemand gerufen hatte, um den Schwan zu retten.
Pünktlich zu Beginn des Fußballspiels Deutschland gegen Brasilien waren wir wieder in Rockenau. Es wurde ein spannendes Spiel
. In der Halbzeit stand es noch 2:2 und wir hofften sehr, dass Deutschland gewinnen würde. Doch Brasilien siegte mit 3:2
Nach dem Fußballspiel gingen wir, wie geplant, auf das Rockenauer Wiesenfest, dass gerade an diesem Wochenende stattfand. Es gab schönes, kühles Hefebier vom Fass. Genau das Richtige für unsere durstigen Mäuler.
Am Sonntagmorgen warf ich sofort einen Blick auf den Neckar. Der Wasserstand war wieder gesunken. Trotzdem floss noch immer sehr viel Wasser über die Walzen am Wehr.
Da die anderen noch schliefen, schlich ich mich um 9 Uhr aus der Wohnung und baute meine Angelsachen am Ufer auf. Obwohl
am Sonntag nicht geschleust wurde, kamen doch immer wieder Schiffe vorbei. Auch der Ausflugsdampfer “Burg Eberbach” ließ
sich wieder sehen. Mit ihm wollten wir auch einmal eine Fahrt machen, aber bislang fehlte uns dafür die Zeit.
Der Himmel war leicht bewölkt und es wehte ein angenehmer kühler Wind aus südöstlicher Richtung. Ich saß vielleicht 2 Stunden am Wasser, als Annika zu mir kam. „Na, tut sich was?“ fragte sie.
„Leider nein“, antwortete ich. „Sind Achim und Tobi schon aufgestanden?“ „Ja. Du hast eben etwas verpasst“, sagte sie. „So? Was denn?“ fragte ich zurück.
„Wir saßen auf dem Balkon und tranken unseren Kaffee, als Tobi plötzlich sagte: >Bei mir regt sich was in der Hose!> Ich schaute ihn verwirrt an und
frage zurück: >Wie bitte? Was hast du gesagt?< Tobi grinste und öffnete den Reißverschluss seiner Hose. Plötzlich flog eine Motte aus seiner Hose.
Tobi grinste mich weiter an und frage: >Ja was hast du gedacht?< Wir mussten alle herzlich lachen.“ „Schade, dass ich nicht dabei war. Das hätte ich gerne miterlebt“ sagte ich.
Nachdem wir alle unseren Kaffee getrunken hatten, beschlossen wir nach Gammelsbach (Hessen) ins Restaurant „Zur Krone“ zu
fahren, dass für seine Wildgerichte bekannt ist. Gammelsbach liegt an der “Deutschen Ferienstrasse Alpen Ostsee” inmitten
ausgedehnter und wildreicher Wälder. Das Wahrzeichen Gammelsbach ist die im 12. Jh. erbaute und heutige Burgruine
“Freienstein”. Als wir Ostern in Eberbach waren hatten wir dort keinen Tisch bekommen und hofften nun sehr, dass es dieses
Mal klappten würde. Das Restaurant war gut besucht. Wir bekamen einen Tisch draußen auf der Terrasse und bestellten uns
jeder ein Wildgericht. Ich aß ein leckeres Rehgulasch mit Rosenkohl, Tobi entschied sich für Rehbraten mit Knödeln. Das Essen war einfach köstlich und wir waren uns sicher, dass wir dort noch einmal hinfahren würden.
Gegen 15 Uhr waren wir wieder in Rockenau. Während Achim, Annika und Tobi sich in den Garten unter die Bäume legten, ging ich ans Ufer und baute meine Ruten auf. Annika und Tobi wollten sich gerade verabschieden, als ich ein Rotauge am Haken hatte. Beim Lösen des Hakens stieß ich mir voller Wucht den Wurmhaken in den Zeigefinger, was sehr weh tat. Als ich ihn nicht raus bekam brüllte ich zu Achim rüber:
„Achim komm schnell! Ich habe einen Haken im Finger. Ich krieg ihn nicht alleine raus.“ Als Achim sich nicht rührte rief ich noch einmal nach ihm. Endlich kam er, doch das hatte ich den Haken schon alleine raus
bekommen. Nachdem Annika und Tobi gefahren waren holte auch Achim seine Angelsachen und setzte sich zu mir.
Während wir unsere Ruten beobachteten sagte ich: „Hoffentlich kriegen wir heute Abend noch jeder einen Zander dran. Und vor allen Dingen gelandet!“
„Ja, das hoffe ich auch. Doch für Raubfische ist es noch zu früh. Es ist ja gerade mal erst 18 Uhr.“
Ich schaute auf die Spitze meiner Feederrute und sah, wie sie sich plötzlich nach unten bog. Biss! Bevor der elektronische
Bissanzeiger los schreien konnte war ich an der Rute, nahm sie hoch und schlug an. Kurz darauf landete ich eine Barbe von 49 cm!
Achim hatte nur eine Grundrute draußen und versuchte mit der Stellrute ein paar Lauben zu fangen, was ihm auch wieder gelang
.Als es nach 20 Uhr war holte ich die Montage der Feederrute rein und wechselte den Haken aus. Ich wählte einen 4er Zanderhaken, auf den ich ein Stück Fischfetzen steckte.
Achim hatte ebenfalls Fischfetzen drauf. Eine halbe Stunde später neigt sich die Spitze seiner Feederrute, aber es ging keine
Schnur von der Rolle. Dieses Spielchen wiederholte sich einige Male, dann wurde es Achim zuviel und er schlug an. Nichts!
Achim warf den noch intakten Köder erneut aus. Zehn Minuten später wiederholte sich das Spiel: Heftiges Zucken der Rutenspitze, aber es ging keine Schnur von der Rolle.
Achim schüttelte den Kopf und beobachtete weiter die Rutenspitze: „Was ist das bloß? Jetzt müsste man eine Unterwasserkamera haben.“
Nach 15 Minuten vergeblichen Wartens holte er die Montage rein und stellte fest, dass der Köder zwar noch dran, aber etwas zerbissen war.
„Wie kann das sein? Beißen die so vorsichtig oder gibt es hier vielleicht Krebse?“ frage ich ihn. „Keine Ahnung, ob es hier Krebse gibt. Aber warum sollen hier keine sein!“
Während wir noch überlegten was das alles zu bedeuten hatte, piepste mein elektronischer Bissanzeiger. In aller Ruhe
beobachtete ich, wie Schnur von der Rolle gezogen wurde. Dann war die Bremse still. Kurz darauf geht wieder Schnur von der
Rolle. Dann war es wieder ruhig. Nach 15 Minuten holte ich den Köder rein und kontrollierte ihn. Es war alles okay! Der Köder war noch topp in Ordnung.
„Verdammt“, sagte ich. „Was ist denn heute Abend los? Wollen uns die Fische verarschen?“ Achim antwortete: „Ich glaube eher, dass die misstrauisch geworden sind und nur ganz vorsichtig beißen.“
Dass die Räuber in der Nähe waren hatten wir schon durch ihr lautes Platschen gehört. Einmal vernahmen wir einen lauten
dumpfen Knall, der sich von den anderen unterschied. Es hörte sich an, als wenn ein schwerer Sack aufs Wasser geworfen würde. Konnte das Geräusch von einem Waller stammen?
Um Mitternacht packen wir, ohne das uns ein Raubfisch an den Haken gegangen war, unsere Sachen zusammen. Auf dem Weg
zur Wohnung sagte ich ärgerlich zu Achim: „Da versuchen wir erst stundenlang Köderfische zu fangen, haben dann auch endlich welche und dann verarschen uns die Räuber!“
Achim antwortete: „Ich glaube, wir sollten die Angelstelle einmal wechseln. Vielleicht sind die Fische hier im Moment verangelt.
Morgen fahren wir zum Wehr und probieren es dort. Vielleicht haben wir dann ja mehr Glück.“
Auch der nächste Tag (Montag, 27.06.) war wieder drückend heiß. Um 11 Uhr hatten wir schon 30° C im Schatten. Es war einfach nicht auszuhalten! Da unser Getränkevorrat zur Neige gegangen war und bei der Hitze viel Flüssigkeit durch unsere Kehlen
floss, fuhren wir nach Eberbach und holten uns neues Bier und Sprudel. Ich konnte nicht richtig laufen, denn am Tag vorher hatte mich ein Insekt in die Kniekehle des linken Beines gestochen und nun
war es tellergroß angeschwollen. „Ich habe gestern gar nicht gemerkt, dass ich gestochen worden bin. Schau dir mal mein Bein an“, sagte ich zu Achim.
„Oh, mein Schatz, das tut mir leid. Du hast aber auch jedes Jahr Pech. Normalerweise stechen die Viecher mich. Jetzt habe ich also Konkurrenz bekommen“ antwortete er.
Als wir gegen 17 Uhr wieder am Neckarufer saßen (bei der Hitze hatte Achim absolut keine Lust die Angelsachen ins Auto zu
packen und zum Wehr zu fahren, also blieben wir bei der Ferienwohnung), beobachteten wir an der gegenüberliegenden
Buntsandsteinwand einen Wanderfalken, der sein Küken fütterte. Als das Elterntier weg geflogen war, spazierte das kleine weiße Knäuel auf dem Vorsprung herum.
Während wir vergeblich darauf warteten, dass ein Fisch unsere Köder nahm, wurde ich etwas ungehalten und maulte: „Ich wäre ja lieber zur Schleuse gefahren. Hier tut sich ja absolut nichts.“
„Ich glaube kaum, dass es dort anders wäre“, antwortete er. Gegen 19 Uhr piepste Achims Bissanzeiger los. Sofort wurden mehrere Meter Schnur von der Rolle gezogen. Bevor er überhaupt
anschlagen konnte spürte Achim, dass kein Fisch am Haken hing. Als er dann die Montage kontrollierte fiel ihm auf, dass der Knoten vom Haken aufgegangen war.
„Das ist jetzt das 3. Mal. Und immer sind es die Haken, die uns Sabine für den Fang von Barben empfohlen hat (CGS Cormoran Wurm/Aal Haken, Gr. 12, Vorfach 27 mm)“ schimpfte Achim.
Um 21.10 Uhr hatte Achim erneut einen Biss. Wieder ging viel Schnur von der Rolle, aber der Anschlag saß. Gott sei Dank hatte
Achim vorher den Haken gegen einen anderen ausgewechselt und schon bald konnte er eine Barbe von 51 cm landen.
„Petri, mein Schatz. Ich hätte nicht gedacht, dass jetzt noch Barben beißen. Aber mich wundert hier bald gar nichts mehr“, sagte ich. Einen Raubfisch bekamen wir an diesem Abend jedoch nicht mehr an den Haken.
Der Dienstag (28.06.) war mit 36° C der heißeste Tag des Jahres. Im Radio wurde für den Nachmittag in den Bergen schwere Gewitter mit Hagel und Unwetter gemeldet.
Um 8.30 Uhr zeigte das Thermometer schon 25° C an und bis Mittags waren es 32° C. Da es auf dem Balkon kaum auszuhalten war schlug Achim vor nach Zwingenberg zu fahren und in der Wolfsschlucht spazieren zu gehen.
Das war eine tolle Idee, denn dort war es schön kühl. Der Trampelpfad (Weg konnte man dazu nicht sagen) führte direkt neben
einem Bach entlang. Wir gingen ein ganzes Stück, doch plötzlich lagen mehrere Bäume über dem Weg und ich weigerte mich,
darüber zu klettern. Auch wollte ich nicht die kaputte Brücke überqueren, wie Achim vorschlug.
“Hier ist es ja wildromantisch, aber bei Gewitter möchte ich hier nicht sein. Da wird noch mancher Baum umstürzen”, meinte Achim.
Wir kehrten um und gingen erst mal zur Burg hoch, um sie uns einmal aus der Nähe anzuschauen. Die Zwingenburg wurde im 13. Jh. von Wilhelm von Wimpfen erbaut. Sein Neffe Wilhelm nannte sich später von Zwingenberg.
Den Zwingenbergern sagte man Raubrittertum nach. Außerdem galten sie als streitsüchtig und wurden 1363 von der Burg
vertrieben. Die Kurpfalz und das Erzstift Mainz kauften die Burg gemeinsamen auf und erhielten vom Kaiser die Erlaubnis, sie
wieder aufzubauen. Da keiner der beiden Parteien an einem Wiederaufbau interessiert war, dauerte es bis ins 15 Jh. bis endlich
mit der Wiederherstellung begonnen wurde. Über 200 Jahr blieb die Zwingenburg im Besitz der Ritter von Hirschhorn. Als deren
Geschlecht 1632 erlosch, kam es zu Erbstreitigkeiten. Nach mehreren Besitzerwechseln kam die Zwingenburg an die Kurpfalz,
bis sie 1808 der Großherzog Karl Friedrich von Baden sie zu einem Jagdschloss ausbaute. Einer seiner Nachfahren ist heutiger
Schlossherr. Ihm gehört auch der angrenzende Wald. Eine Besichtigung der Burg Zwingenberg blieb uns daher verwert. Jedes
Jahr im August, so lasen wir auf Plakaten, wird dort die Oper „Der Freischütz“ von Carl Maria von Weber aufgeführt.
Nachdem wir uns die Burg angeschaut hatten gingen wir noch einmal in die Wolfsschlucht, dieses Mal jedoch auf einem Weg der
etwas höher lag. Dieser Weg ging bis zur Bachquelle, aber da wir sogar im kühlen Schatten der Bäume schwitzten, gingen wir
nicht die ganze Strecke. Nach einigen Metern ging der Weg wieder runter zum Bach, wo es eine Stelle gab, die wie ein urtümliches Badebecken aussah.
„Hier haben früher bestimmt die Burgfräuleins gebadet“, meinte Achim scherzhaft. „Willst du nicht auch ein kühles Bad nehmen?“
„Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich ein Handtuch mitgenommen. Aber so muss ich leider darauf verzichten“ antwortete ich.
Nach einer kleinen Pause kehrten wir um und gingen zum Restaurant „Zur Wolfsschlucht“ zurück, wo wir einen großen Salatteller aßen.
Bevor wir nach Rockenau zurückfuhren schauten wir noch einmal kurz bei Sabine rein, aber sie war nicht in ihrem Laden. Auf
dem Rückweg entschlossen wir uns gegen Abend in Zwingenberg bei der Wolfsschlucht zu angeln. In der Ferienwohnung
angekommen legten wir uns erst einmal aufs Ohr, denn die Hitze schlauchte uns ganz schön. Kurz nach 18 Uhr packten wir unsere
Angelsachen ins Auto und fuhren nach Zwingenberg. Wir parkten unseren Wagen am Restaurant „Zur Wolfsschlucht“ und
brachten unsere Angelsachen zu den beiden Angelstellen, in der stillen Hoffnung, hier dass die Fische hier besser beißen würden, vor allen Dingen die Räuber.
Selbst nach Sonnenuntergang war es noch so warm, so dass sogar die Insekten verrückt spielten. Während ich in meinem Stuhl
saß und auf einen Biss wartete, musste ich mich gegen Mücken, Blinden Fliegen und Wespen wehren. Während ich um mich
schlug um sie zu vertreiben, ertönte plötzlich das Aalglöckchen an der Rhino-Rute. Damit der Wurm nicht im Kraut versank, hatte
ich ein Stückchen Kork auf dem Haken gesteckt. Gespannt wartete ich darauf, dass Schnur von der Rolle ging. Aber es tat sich
nichts. Fünf Minuten später hatte ich an der anderen Rute, der Feederrute, eine Meldung. Auf dem Wurmhaken steckten 4 oder 5
Dendrobena. Scheinbar waren die Fische nun aktiv geworden, dachte ich und wartete gespannt, dass der Fisch den Köder nahm. Aber er knabberte nur daran rum.
Gegen 22 Uhr, mit Schiffen war nun kaum mehr zu rechnen, wechselte ich die Würmer gegen Fischfetzen aus und warf die
Montagen an die Kante des Schifffahrtsweges. Dort, so hoffte ich, könnten sich jetzt die Räuber aufhalten. Aber wenn sie da
gewesen sein sollten, interessierten sie sich nicht für die angebotenen Köder auf Grund. Vielleicht hatte sie ja die Hitze der letzten Tage beißfaul und träge gemacht. Enttäuscht packten wir um Mitternacht ein.
Von den Lauben, die Achim gefangen hatte, waren noch 2 übrig geblieben. Sie schwammen noch putzmunter im Köderfischeimer. Achim wollte sie wieder reinsetzen, aber ich war dagegen.
„Du weißt doch wie schwer es ist Köderfische, und besonders Lauben, zu fangen. Lass sie uns mitnehmen für morgen“, sagte ich zu Achim. „Fische hältern ist aber am Neckar verboten.“
„Wenn wir sie jetzt töten und in den Kühlschrank legen, sind sie morgen nicht mehr so frisch. Lass sie doch im Eimer“ bettelte ich. Nur widerwillig stimmte Achim zu. Wir stellten den Eimer mit Wasser auf die Angelsachen und fuhren los. Die ganze Strecke fuhr ich sehr vorsichtig, damit bloß der Eimer nicht umkippte. Als ich die Neckarbrücke überquert hatte und nach Rockenau abbiegen
wollte, kippte der Eimer plötzlich um. Ich hielt sofort an, um mir den Schaden anzusehen. Das ganze Wasser war ausgelaufen! Teilweise floss es schon unter der Tür her und hinterließ auf der Straße eine Spur.
„So eine Scheiße! Kurz vor zuhause muss der blöde Eimer umkippen!“ schimpfte ich. „Warum musstest du auch so scharf abbiegen! Du bist doch vorhin so vorsichtig gefahren“ antwortete Achim.
Notdürftig beseitigten wir den Schaden. Bis zur Wohnung waren es Gott sei Dank nur noch 500 Meter. Als ich wieder losfuhr
(dieses Mal noch vorsichtiger als die ganze Zeit) hinterließ ich auf der Straße eine Wasserspur. Auf dem Abstellplatz hieß es erst einmal alle Angelsachen auspacken und das Wasser aus dem Auto schöpfen.
„Jetzt haben wir unseren Wagen mit Neckarwasser getauft. Nun müssen wir ihm nur noch einen Namen geben. Was hältst du von Tinca?“ fragte ich Achim. „Klingt gut“, meinte er.
So kam unser Peugeot 307 SW zu seinem Namen! Am anderen Morgen schlief ich bis 11 Uhr. Als ich aufwachte sah ich, dass es in der Nacht geregnet hatte. Der Luftdruck war ein
wenig gefallen und das Thermometer zeigte nur noch 22° C an. Endlich konnte man etwas durchatmen. Am Himmel waren ein
paar Quellwolken zu sehen, die aber schon bald verschwanden. Gegen Mittag kletterte die Temperatur auf 26° C und die Sonne ließ sich wieder sehen.
Um 14 Uhr fuhren wir nach Dilsberg und besichtigten dort die Feste. Die Feste Dilsberg liegt hoch über dem Neckar, östlich von
Heidelberg. Die Befestigungen auf dem Dilsberg gehen auf vorchristliche Zeit zurück. Die eroberte Anlage (Ursprünglich um 1200
) und ehemalige Stadt möit einem einzigen Eingangstor war im 19. Jahrhundert Verbannungsort und Staatsgefängnis.
Von dem ehemaligen dreistöckigen Palas steht nur noch der schlanke Treppenturm, von dem man über eine Holzbrüche zur 16 m
hohen Schildmauer gelangt. Obwohl man von dort einen schönen weiten Blick ins Neckartal und das nördliche Kraichgau hat
verzichteten wir auf einen Aufstieg. In der Mitte des Burghofes befindet sich ein 47 m tiefer Brunnen. 1926 wurde ein 80 m langer
Gang im unteren Teil des Brunnens frei geräumt, welcher im 17. Jh. mühevoll aus dem Fels gehauen wurde und im Wald am
Erdhang endet. Der Gang soll als Wartungs- und Belüftungsgang für den „Brunnenputzer“ angelegt worden sein und ist auch heute noch, allerdings nur in gebückter Haltung, zu begehen.
Von Dilsberg aus fuhren wir weiter nach Neckargemünd, mit ihren drei Ortsteilen Dilsberg, Mückenloch und Waldhilsbach, das
auch die „schöne Nachbarin Heidelbergs“ genannt wird. Die rund 1000 Jahre alte einstige Freie Reichsstadt liegt auf drei
Höhenzügen verteilt an der Mündung des Flüsschens Elsenz in den Neckar. Wir besichtigten die Altstadt mit ihren
Fachwerkhäusern, spazierten durch mittelalterliche Gassen und Winkel und gelangten zum alten Stadttor. Die frühklassizistische
Toranlage mit Amphoren und Wappenschmuck wurde zu Ehren des Kurfürsten von den Bürgern der Stadt Neckargemünd
errichtet. Die lateinische Inschrift lautet: „Nicht zur Sicherheit der Stadt, sondern zum Ruhe des Kurfürsten Karl-Theodor von der
Pfalz wurde das Tor erbaut; dem Pfälzer wie dem Fremden heilig; wird es die Jahre überdauern.“
Die griechische Weinstube „Zur Stadt Athen“ in der Neckarstraße war ursprünglich ein zweigeschossiges Traufenhaus aus dem 17
./18. Jh. und wurde 1886/90 aufgestockt. In dem Gebäude richtete Julius Menzer die erste griechische Weinstube des Landes ein.
Sie war auch eines der ältesten Studentenlokale der Heidelberger Umgebung. Wir vermuteten, dass sie einem Feuer zum Opfer geworden war, denn die Weinstube war geschlossen und wurde renoviert.
Im alten Rathaus, das 1771 ursprünglich als Kirche errichtet wurde, ist heute das stadtgeschichtliche Museum untergebracht. Für
einen Besuch im Alten Rathaus, wo man alles über die Neckarschifffahrt erfährt, reichte unsere Zeit nicht. Auch die Burg
Reichenstein bzw. die Mauerreste der Burg, die im 12. Jh. am Nordende des Hollmuthrückes erbaut wurde, besichtigten wir dieses Mal nicht.
Vom Marktplatz gelangten wir über die Pfarr- oder Jakobsgasse zur Kleppergasse, was wahrscheinlich „Kleine Gasse“ bedeutet.
Nachdem im 18. H. die Stadttore und weitestgehend auch die Stadtmauer abgebrochen worden waren, wurden die schmalen Fachwerktraufenhäuser auf die Rückseite der Stadtmauer aufgesetzt.
Wir fuhren weiter nach Neckarsteinach. Die Stadt liegt im schönsten Teil des unteren Neckartales, nur 15 km östlich von
Heidelberg, am Zusammenfluss von Steinach und Neckar, wodurch sie auch ihren Namen erhielt.. Das auffälligstes Merkmal sind
die vier mittelalterlichen Burgen, die sich wie ein Kranz rund um die Neckarschleife erheben.
Das in Deutschland einmalige Vierburgenensemble entstand in der Zeit zwischen 1100 und 1230. Erbauer aller vier Burgen war das Rittergeschlecht der Edelfreien von Steinach.
Sie und der damals nach Steinach genannte Ort werden erstmals in einer Urkunde aus dem Jahre 1142 erwähnt.
Neben der Fischerei, der Waldwirtschaft, der Flößerei auf der Steinach und ab dem 16. Jh. auch die Gerberei, war das wichtigste
Gewerbe der Stadt die Schifffahrt. Ihre Entwicklung verlief von der Treidelschifffahrt durch Personen und später durch Pferde,
über die Kettenschifffahrt bis hin zur heutigen Motorschifffahrt mit ständigen Höhe und Tiefen. Noch heute gibt es in
Neckarsteinach zwei große Reedereien, eine Schiffs- und eine Bootswerft. Der frühere Treidelpfad ist heute einer der schönsten Promenadenwege im Neckartal.
Seit 1935 ist der Neckar ein durch 11 Staustufen und Schleusen geregelter Großschifffahrtsweg. Die Schleuse in Neckarsteinach wurde 1931 fertig gestellt.
Die vier Burgen liegen auf der Nordseite des Neckars oberhalb und westlich von Neckarsteinach und können als Wahrzeichen der Stadt gelten. Als Baumaterial wurde der hier anstehende
Rotsandstein gewählt. Von Ost nach West folgen die Vorderburg, die Mittelburg, die Hinterburg und die Burg Schadeck, auch „Schwalbennest“ genannt wegen ihrer Lage am Felshang über dem Neckar. Die Vorderburg
wurde als dritte der vier Neckarsteinacher Burgen um 1200 erbaut. Der Zugang erfolgte damals direkt von der Kirche den Burgberg zwischen zwei mächtigen Flügelmauern
hinauf, die auch heute noch vorhanden sind. Der mächtige Bergfried und das unmittelbar angebaute dreistöckige Palasgebäude sind noch weitgehend original erhalten. Der Eingang
zum Burghof in Form eines spitzbogigen Tores befindet sich in der heute nur noch in Resten vorhandenen Ringmauer und trägt das Wappen der Landschaden von wahrscheinlich 1370/80.
Wegen Verarmung des Rittergeschlechts wurde die Burg schon 100 Jahre nach ihrem Bau an die Bistümer Worms und Speyer
verkauft. Erst ab 1474 gehörte die ganze Burg wieder den Neckarsteinacher Rittern. Nach dem Aussterben der Landschaden
1653 erbten die Metternichs die Burg, jedoch 1803 fiel sie – wie fast alle Burgen – an das Land Hessen. 1825 kaufte sie Freiherr
von Dorth, der die Burg wieder bewohnbar machte. Heute ist die Burg im Privatbesitz der Freiherren von Warsberg.
Die Mittelburg ist nur ein wenig älter. Sie hat ihren ursprünglich wehrhaften Charakter völlig verloren. Bauherr soll um 1170
Konrad I gewesen sein. Die zunächst aus einem Bergfried und einer kleinen Kernburg bestehende Anlage wurde ständig
ausgebaut und um 1550 nach dem Vorbild des Heidelberger Schlosses in ein Renaissance-Schloss mit Säulegalerie und
Bogenhalle umgestaltet. Dabei verschwanden auch ein Großteil der alten Ringmauer und der Zugbrückenzugang an der Ostseite.
Ihr heutiges Aussehen entstand um 1820. Damals fand eine sogenannte Romantisierung der Burg statt. Dabei entstanden auch die
vielen dekorativen Zinnenkränze. Auch das zusätzliche Türmchen und das nach Norden vorspringende große Treppenhaus
stammen aus dieser Zeit. Etlichen Adelgeschlechtern aus der Umgebung gehörte einst die Burg. Zurzeit wird sie von Johannes Freiherr von Warsberg mit seiner Familie bewohnt.
Die Hinterburg ist die älteste der vier Burgen und die Stammburg der Edelfreien von Steinach. Mit ihrem Bau wurde nach 1100
begonnen. Der erste Burgherr soll Bligger I. gewesen sein. Sein Sohn Bligger II. baute sie zu einer monumentalen Stauferanlage
aus, die ein regelmäßiges Fünfeck bildet. Der 20 m hohe Bergfried mit bis zu 3 Meter dicken Mauern und dem einzigen Zugang in
ca. 12 m Höhe ist noch original aus der Bauzeit erhalten. Der heutige Treppenaufgang und die Aussichtsplattform entstanden erst
zu Beginn des 20. Jh. Der mittelalterliche, voll ausgemauerte Brunnen im Burghof wurde 1978 bis auf 23 m Tiefe ausgegraben und
dabei in 18 m Tiefe eine begehbare Abzweigung in Richtung Mittelburg festgestellt. Die Ruine ist ebenso wie die Burgruine Schadeck (auch Schwalbennest genannt) heute Eigentum des Landes Hessen. Das
Schwalbennest, die jüngste Neckarsteinacher Burg, entstand etwa um 1230 und wurde direkt auf einen Felssporn aufgesetzt
. Als Erbauer gilt Bligger V. Statt eines Bergfrieds gibt es hier eine ungewöhnlich mächtige, zweiflügelige Schildmauer, die mit ihrer
Spitze gegen das Bergmassiv zeigt. An dieser Stelle wurde auch ein schmaler Halsgraben aus dem Fels geschlagen, durch den
man heute die Burganlage erreicht. Ursprünglich war der Aufgang zur Burg nur durch einen Serpentinenweg von der Neckarseite her möglich.
Beim Aussterben des Rittergeschlechts 1653 muss die Burg noch in gutem Zustand gewesen sein. Erst im 18. Jh. verfiel sie und
diente u.a. dem Odenwälder Räuberhauptmann Lindenschmitt und seinen Gesellen als Unterschlupf. In Neckarsteinach parkten wir unseren Wagen und schlenderten auf der Promenade entlang. Dann durchquerten den kleinen
Nibelungengarten mit Skulpturen von Paul August Wagner und gingen weiter zum Restaurant „Zum Ambtman“. Das Gebäude
wurde 1587 erbaut und ist sehr gut erhalten. Es diente zuerst als Poststation deren von Thurn und Taxis und später als Rathaus.
Von dort überquerten wir die Straße und gingen, trotz der hohen Temperaturen, auf dem Burgweg zur Mittelburg, die wir jedoch
nur von außen besichtigen konnten. Im Schatten der hohen Bäume war es recht angenehm und wir genossen den Blick auf den Neckar und die Umgebung.
Wir waren gerade wieder in Rockenau, als das Fußballspiel Deutschland gegen Mexiko begann. Den ganzen Tag war es um die 30° C warm gewesen und die Luft stand nur so.
Nach dem Stand von 2: 3 hatte ich kein mehr Vertrauen in unsere Nationalelf und ging zum Ufer, wo ich meine Ruten aufbaute.
Auf den Haken an der Feederrute steckte ich wie immer zuerst 2 Maden. Dann entschloss ich mich noch 2 Maiskörner drauf zu stecken. Auf den Haken der Rhino-Rute zog ich eine der toten Lauben vom vorherigen Tag.
Nach dem Fußballspiel wollte Achim ebenfalls kommen, doch dann sprach er durch das Walkie Talkie, dass es unentschieden stände und er sich noch die Verlängerung ansehen würde.
Während ich auf einen Biss wartete hörte ich hinter mir Donnergrollen. Im selben Moment hörte ich auch das Glöckchen an der
Rhino-Rute. Gespannt wartete ich auf ein neues Bimmeln. Voller Konzentration schaute ich auf die Rutenspitze. Aber es tat sich
nichts weiter. Vielleicht war ja wieder mal etwas in die Schnur geschwommen oder ein Krebs sich an der toten Laube zu schaffen gemacht hatte.
Nachdem das Fußballspiel zu Ende war (Deutschland gewann 4: 3) wollte auch Achim angeln. Er hatte seinen Stuhl schon am
Ufer aufgestellt und war gerade dabei seine Ruten zusammen zu stecken, als das Donnern hinter uns immer lauter wurde. Ich schaute mich um und sah eine große dunkle Gewitterfront auf uns zukommen.
„Was meinst du, sollen wir wirklich angeln? Ist es bei Gewitter nicht gefährlich“, fragte ich Achim. „Angeln kannst du ruhig. Du darfst nur nicht die Blanks berühren“.
Kaum hatte er das gesagt, blitzte es direkt über uns. Nein, bei Gewitter wollte ich nicht angeln. Das war mir viel zu gefährlich. Schnell packten wir alle Sache zusammen. Noch bevor wir sie im
Angelkeller unterstellen konnten fielen die ersten großen Tropfen. Wir waren gerade wieder in unserer Ferienwohnung, als es wie aus Eimern schüttete. Durch die Gewitterfront war die Temperatur
auf 21° C gefallen. Nach 30 Minuten war der Spuk zwar vorbei, aber wir hatten keine Lust mehr unsere Angelsachen erneut aufzubauen. Stattdessen schauten wir uns das Endspiel zwischen Brasilien und
Argentinien an, dass mit 4: 1 endete. Nun standen uns nur noch 2 Tage zum Angeln zur Verfügung. Als ich schon morgens um 7 Uhr auf den Balkon trat war es recht kühl
. Ganze 18° C zeigte das Thermometer. Etwas später zogen die dunklen Wolken ab und die Sonne kam wieder durch. Bekanntlich sollen die Fische nach einem Gewitter ja besonders
gut beißen, vor allen Dingen die Aale. Ich überlegte, ob sich das Fischen um 7.30 Uhr schon lohnen würde. Doch ich ließ den
Gedanken wieder fallen. Durch den vielen Regen, der in der Nacht gefallen war, der Angelplatz auch noch feucht und ich hätte
meine Thermostiefel anziehen müssen. Da der Wetterbericht für den Tag 28° C mit Sonnenschein und keinen Regen gemeldet hatte, waren die Aussichten später noch zu Angeln ganz gut.
Nach einer Stunde und mehreren Tassen Kaffee hielt es mich doch nicht mehr auf dem Balkon und ich ging zum Ufer. Durch das
Gewitter war der Wasserstand des Neckars etwas erhöht und es schwamm viel Unrat auf und in dem Wasser. Sollte ich es
wirklich probieren, fragte ich mich? „Du hast eine Macke, bei dieser Gegebenheiten zu angeln“, meldete sich meine innere Stimme. „Da tut sich sowieso nichts!“
Aber meine Devise lautete: Wer nicht angelt, kann auch nichts fangen. Während ich am Ufer stand, wehte mir ein kräftiger Wind ins Gesicht. Mal kann er aus Südosten, dann wieder aus nördlicher
Richtung. Ich zögerte noch eine Weile, dann baute ich meine Angelsachen auf. Bis zum Mittag war tote Hose. Kein Fisch interessierte sich für die Köder.
Plötzlich bimmelt das Glöckchen an der Rhino-Rute, deren Haken mit einem Wurmbündel bestückt ist. Jetzt bloß die Ruhe
behalten, dachte ich. Wieder bimmelt es heftig. Ich ging zur Rute, schlug an und landete einen Moment später einen Döbel. „Na also, es tut sich ja doch etwas“, dachte ich. Auf ein Neues!
Kaum hatte ich neue Würmer auf den Haken gezogen und ausgeworfen, kam gleich wieder eine Meldung. Schnell nahm ich die
Rute in die Hand und schlug an. Sofort spürte ich den Fisch am anderen Ende. Langsam und voller Aufregung, ob es sich wohl um
einen Aal handeln würde, drillte ich ihn zum Ufer. Doch plötzlich, ca. 2 m vorm Ufer, ging der Fisch wieder ab. Verdammter Mist!
Das war bestimmt ein Aal. Hatte ich einen zu kleinen Haken genommen oder warum war er abgegangen? Ich schaute mir den
Köder an. Die Würmer waren noch okay, also warf ich erneut aus. Doch ich wartete vergeblich auf einen weiteren Biss. Enttäuscht legte ich die Ruten zur Seite und ging in die Wohnung.
Nach dem Mittagessen legte ich mich ein wenig auf’s Ohr, dann, es war so gegen 17.30 Uhr kam auch Achim mit ans Wasser.
Kaum hatte ich meine Feederrute (natürlich wieder mit einem Madenbündel) ausgeworfen, schnappte sich eine große Rotfeder
den Köder. Eine Stunde später, Achim hatte Dendrobena auf den Haken gesteckt und die Montage mitten in die Strömung
geworfen, in der Hoffnung, doch noch einen schönen großen Fisch zu fangen, hörten wir die Bremse an seiner Rolle quietschen. Bis Achim anschlug waren schon mehrere Meter Schnur von der Rolle.
„Ich hab ihn! Das ist aber ein schwerer Brocken. Der zieht ganz schön“, sagte er. „Schön langsam drillen. Ich hole die Kamera und filme“, antwortete ich.
„Mach aber dieses Mal die Kappe ab! Und beeil dich etwas.“ Ich holte die Kamera und filmte Achim beim Drillen. Er bremste die Flucht des Fisches und dabei straffte sich die Schnur
bedenklich. Nun sah ich in der Mitte des Flusses etwas Gewaltiges auftauchen. Was das wohl war? Sofort gab Achim wieder Schnur und ließ ihn ziehen. Dann drillte er ihn zum Ufer und rief nach dem Kescher.
Als der Fisch in der Nähe des Ufers war und begriffen hatte, dass es ihm jetzt wohl an die Schuppen gehen sollte legte er noch
einmal los. Meter um Meter nahm er Schnur, sprang, schlug Haken und versuchte alle Tricks seinem Schicksal zu entkommen.
Aber er hatte Pech, denn die kannte Achim schon alle. Nach geraumer Zeit war er ausgedrillt und lag etwas später im Kescher: ein schöner Wildkarpfen von 1,5 kg!
„Herzlichen Glückwunsch, mein Schatz. Das ist aber ein schöner Karpfen!“ gratulierte ich ihm.
„Das ist das erste Mal, dass ich hier mit Dendrobena angel. Und gleich einen Karpfen. Und das ganz ohne anzufüttern. Ich freue
mich auch“, antwortete er. „Noch lieber wäre mir ich würde noch einmal einen Zander fangen.“ „Das kommt vielleicht noch“, tröstete ich ihn.
Nach 20.30 Uhr packten wir die Würmer und Maden in die Kühlbox und steckten Fischfetzen auf unsere Haken. Fischfetzen wurden ja nicht nur von Zandern, sondern auch von großen Aalen und auch von Welsen genommen.
Da es unser letzter Angeltag war wollten wir es bis 1 Uhr nachts aushalten. Aber kurz vor Mitternacht – wir waren noch immer ohne Raubfischfang – fing es zu regnen an.
„So ein Mist! Muss das ausgerechnet jetzt sein. Kann der Regen denn nicht noch eine Stunde warten? Das ist doch unsere letzte Gelegenheit hier“, schimpfte ich.
Aber der Regen hörte nicht auf mich. Er wurde immer heftiger, so dass wir schnell unsere Sachen zusammenpackten und sie in den Angelkeller brachten.
Oben in der Wohnung sagte ich zu Achim: „Wenn es morgen noch einigermaßen geht, dann werde ich noch einmal angeln. Wenigstens bis 22 Uhr. Dann können wir die Angelsachen immer noch ins Auto packen.“
„Nein, mein Schatz. Morgen wird nicht mehr geangelt. Wir müssen ja nicht nur die Angelsachen packen. Außerdem dachte ich,
dass wir noch einmal nach Zwingenberg fahren um uns bei Sabine zu verabschieden“, antwortete mir Achim. Wir werden ja sehen, dachte ich.
Als ich am anderen Morgen aufwachte regnete es noch immer und das Thermometer zeigte nur noch 16° C an. Brrr, war das kalt! Wenn es wenigstens nicht regnen würde!
Der Himmel weinte sicher, weil wir am anderen Tag nach Hause fuhren. Doch keine Bange, wir sind bald wieder da! Spätestens Ende September.
Um 9.30 Uhr hatte der Regen aufgehört und die Sonne schien wieder. Trotzdem war es noch relativ kalt, nur 19° C zeigte das Thermometer an.
„Wir könnten doch heute noch ein bisschen an der Schleuse blinkern, wenn wir schon nicht im Garten angeln“, sagte ich zu Achim. „Wozu habe ich die Wallerspinnrute gekauft?“
„Wir können sie ja mitnehmen, wenn wir zu Sabine fahren. Aber das Wetter scheint nicht mitzuspielen“, antwortete er. „Lass uns erst mal in der Sonne zu Mittag essen. Anschließend fahren wir nach Zwingenberg.
Nicht nur der Himmel hatte alle Schleusen auf, auch die Wehre an der Schleuse Rockenau waren geöffnet. Immer wieder gab es heftige Schauer, so dass wir den Gedanken ans Spinnfischen leider aufgeben mussten.
Kaum hatte Sabine uns begrüßt, holte sie ein neues Foto hervor: „Diesen Waller haben wir gestern Abend gefangen. Sie beißen wieder“, sagte sie stolz.
Na klasse!, dachte ich, jetzt, wo unser Urlaub zu Ende ist beißen sie wieder. Am liebsten hätte ich losgeheult, so deprimiert und
gleichzeitig wütend war ich. Warum konnte das nicht eine Woche früher passiert sein? Dann hätten wir wenigstens noch eine
Chance auf einen großen Waller gehabt. Aber Petrus hatte mal wieder kein Einsehen mit uns. Man sollte ihn wohl doch absetzen!
Wir tranken gerade ein Glas Sekt zum Abschied, als Sabine einen Anruf von Peter erhielt. Er saß schon am Wasser und wartete
auf die Köderfische (Döbel), die Sabine mittags mit der Spinnrute gefangen hatte. Nachdem sie wieder zurück war, sagte sie, daß sie am Abend zu Peter fahren und mit ihm auf Waller angeln würde.
Als sie meinen traurigen Gesichtsausdruck sah, sagte sie: “Wenn ich heute Nacht einen Waller fange bringe ich ihn morgen früh
nach Weis und lege ihn in den Garten. Dann machen wir noch ein Foto mit euch. Uschi, du darfst dann auch den Schwanz halten“, meinte sie lachend. „Den Waller meine ich!“
Aber da wurde nichts draus. Am anderen Morgen war ich schon um 6 Uhr wach und schaute sofort in den Garten. Von Sabine
und einem Waller war nichts zu sehen. Entweder hatte sie keinen gefangen oder er war so groß, dass sie ihn nicht transportieren konnten.
Nachdem unsere Angelsachen und Koffer im Auto waren verblieben wir mit der Familie Weis so, dass wir vom 22.10. bis 1.11. wiederkommen würden, falls zu der Zeit kein Hochwasser ist.
Drei Tage nach unserer Heimkehr hatte Achim Geburtstag. Tagelang hatte ich überlegt, was ich ihm wohl schenken könnte.
Rechtzeitig kam mir eine Idee. Als er nach Feierabend aus dem Büro kam, sagte ich: „Schatz, jetzt weiß ich endlich was ich dir
schenke. Vom 30.September bis 3. Oktober fahren wir nach Zwingenberg in die Pension „Zur Wolfsschlucht“. Dann darfst du auch meine beiden Ruten benutzen und an jeder einen Waller fangen!“
Oerlinghausen, den 17.07.2005
hier gehts weiter zum 4.Teil Angelerlebnisse 2005..........
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