|
Angelerlebnisse 2005
Teil 2
Der Neckar – ein Fluss voller Überraschungen (1)
Endlich war er da: Der heißersehnte Urlaub! Aber nicht nur, dass wir Urlaub hatten ließ unseren Herzschlag beschleunigen, wir wollten auch dieses
Mal unsere freie Zeit nutzen und viel angeln. Deshalb hatten wir uns für den Neckar entschieden. Natürlich interessierte uns auch der schöne Odenwald mit seinen hübschen Städtchen und Burgen, die wir uns
ebenfalls ansehen wollten.. Ostern hatten wir schon das Odenwaldstädtchen Michelstadt (Hessen) und natürlich Eberbach besichtigt, aber es gab noch viele andere schöne Orte, die wir uns dieses Mal anschauen
wollten. Mittwochnachmittag packten wir schon einmal die Angelsachen, unsere Koffer und die Reisetaschen ins Auto. Als die Federung unseres Wagens laut und deutlich zu verstehen gab, dass es nun genug sei, hatten
wir gerade mal zwei Drittel unseres Gepäcks eingeladen. Wie immer, wenn wir für längere Zeit in Urlaub fuhren, jammerte ich: „Das passt doch gar nicht alles ins Auto! Wo sollen wir denn morgen früh noch die
Kühlboxen hinstellen? Und dann müssen auch noch die Schuhe und der viele andere Krimskrams rein“. „Bisher haben wir immer alles mitbekommen. Das wird schon klappen. Lass das mich mal machen“, meinte Achim. Und
weiter: „Am besten gehst du in die Wohnung und giesst uns schon einmal ein Bierchen ein. Ich komme dann gleich nach.“ Was sollte ich in der Wohnung? Ich musste doch darauf achten, dass Achim auch alle meine
Ruten, die ich für den Fall der Fälle dabei haben wollte, ins Auto lud. Wenn es nach ihm gegangen wäre, dann hätten die Wels-, Zander- und Feederrute ausgereicht. „Hast du an den Köderfischeimer gedacht? Brauchen
wir dort auch einen Setzkescher? Sind die Rutenständer schon im Auto? Ich glaube, wir sollten vorsichtshalber auch unsere Thermosachen mitnehmen“ nervte ich ihn. „Ja! Ja! Ja! Ich habe an alles gedacht. Und nun
geh endlich hoch. Mein Durst wird immer schlimmer“, antwortete er jetzt schon etwas gereizt. Ich warf einen letzten Blick auf unser Auto und trottete los. Oh Gott, wenn das mal gut ging! Ich war – wie immer
angesichts des bevorstehenden Angelurlaubs – sehr nervös. Aber ich vertraute Achim und seiner Packtechnik, dass wir letztendlich doch alles mitbekommen würden. Am Donnerstagmorgen (09.06.) klingelte um 4 Uhr der
Wecker. Normalerweise bleibt Achim noch einige Minuten liegen, bevor er seine Beine aus dem Bett hebt, aber dieses Mal war auch er sofort wach. Um 5 Uhr starteten wir. Nach einer ruhigen Fahrt mit einigen Pausen
erreichten wir um 10 Uhr bei strahlendem Sonnenschein Rockenau, einen Stadtteil von Eberbach. Es war zwar immer noch relativ kalt (als wir losfuhren hatten wir gerade mal 4° C!), aber wenigstens trocken. Hoffentlich
würde es auch so bleiben, d.h. ein wenig wärmer dürfte es doch schon werden. Regen und Kälte wollte ich im Urlaub auch nicht haben.. Als wir Ostern in Eberbach waren, hatten wir uns bei dem Ehepaar Weis,
schon vorgestellt. Die Ferienwohnung selber konnten wir uns damals zwar nicht ansehen, da sie gerade belegt war, aber aus dem Internet wussten wir schon in etwa wie die Wohnung eingerichtet war. Unsere
Ferienwohnung im 1. Stock lag genau gegenüber dem ehemaligen Schul- und heutigem Rathaus, einem alten Backsteingebäude.
Nachdem die Koffer ausgeladen waren, fuhren wir erst einmal nach Eberbach um ein paar Getränkevorräte und Lebensmittel
einzukaufen. Schliesslich würde es beim Angeln oft sehr spät werden, so dass ein Gaststättenbesuch nicht immer möglich war.
In Rockenau hielten wir bei der Gaststätte „Zum Schiff“, wo wir uns beide ein Schnitzel bestellten. Während wir auf unser Essen
warteten überlegten wir, wie wir den ersten Tag gestalten sollten. Ich hätte am liebsten sofort geangelt, aber Achim meinte, wir sollten uns erst einmal umschauen.
Ein bzw. zwei Angelstellen kannten wir ja schon von unserem Osterurlaub, aber Achim wollte sich trotzdem nach weiteren Plätzen
umschauen. Als wir alles ausgeladen hatten fuhren wir die Rockenauer Strasse runter in Richtung Töpferei. Ab und zu hielten wir an,
gingen zum Neckarufer und überlegten, ob dort wohl eine gute Angelstelle wäre. Vor allen Dingen musste sie für zwei Personen
Platz bieten. Endlich fanden wir eine, wo wir beide gut sitzen konnten. Hier wollten wir später fischen.
Es war zwar immer noch nicht richtig warm (maximal 16°C), aber immerhin blieb es trocken. Lediglich ein paar Wölkchen waren am blauen Himmel zu sehen.
Als wir wenig später mit unseren Sachen an der Angelstelle waren, sahen wir rechts und links im Fluss einige Döbel rauben. Sie
waren hinter den Lauben her. Eine Stunde lang versuchte ich mit der Stipprute und einer Made am Haken ein paar Lauben zu fangen
, aber es gelang mir einfach nicht. Achim probierte es ebenfalls vergeblich. Die Biester waren einfach nicht zu kriegen.
Aber ohne Köderfische waren die Aussichten einen Wels oder Zander zu fangen nicht besonders gut. Ich hatte erfahren, dass die
Einheimischen überwiegend mit Köderfischen auf Waller fischten. Manche probierten es auch mit einem Tauwurmbündel, aber ein
Köderfisch sollte der beste Tipp sein. Die „Profis“ angelten sogar mit Döbeln, Karpfen oder Schleien um die 3 Pfund auf Wels. Da
die Schleien noch bis Ende des Monats Schonzeit hatten und Karpfen zu fangen zu lange dauerte, standen uns nur Döbel oder große Rotaugen zur Auswahl.
„Wenn wir wenigstens ein paar Rotaugen fangen würden. Aber auch auf Dendrobena tut sich bei mir nichts!“ jammerte ich.
Komm Schatz, das wird schon. Wir sind doch gerade erst angekommen. Morgen fahren wir erst mal nach Zwingenberg zu Sabine
und fragen, ob es sich überhaupt lohnt auf Waller zu angeln. Die sind bestimmt gerade am Laichen.“
Warum sollte es nicht möglich sein? Schliesslich laichten ja nicht alle Waller. Welse werden erst ab dem 4. Lebensjahr
geschlechtsreif und haben dann eine Grösse von ca. 1,20 m erreicht. Wenn ich einen Waller um einen Meter fangen würde, wäre ich schon überglücklich. Wer dachte denn gleich an 2-Meter-Fische?
Aber ich wollte es jetzt schon wissen und entschied mich für einen Drilling an meiner Welsrute, auf den ich 10 Tauwürmern steckte.
Wollen doch mal sehen, was passiert!, dachte ich. Kaum hatte ich ausgeworfen, kam von links ein Schiff angerauscht, dass in die
Schleuse wollte. Mist! Nun musste ich die Rute wieder reinholen, damit ich keinen Hänger bekam. Doch es gelang mir nicht. Ich
liess die Schnur etwas locker und hoffte, dass ich so das Blei zwischen den Steinen frei bekäme, während das Schiff immer näher kam. In Panik rief ich nach Achim.
„Achim, hilf mir mal. Ich habe einen Hänger!“ Bis er jedoch bei mir war probierte ich es alleine weiter. Plötzlich spürte ich keinen Widerstand mehr. Kein Wunder, denn es war alles abgerissen!
„Verdammt! Alles ist ab. Jetzt bin ich nicht nur das Seaboom und den grossen Wirbel los, auch mein 150-Gramm-Blei ist weg!“ schimpfte ich
„Was willst du denn mit so einem dicken Blei? Hier ist keine starke Strömung, da reichen 60 - 80 g allemal aus!“ antwortete Achim.
„Schön, aber ich habe keine 60er oder 80er Bleie! Nur welche bis 40 g und dann wieder über 150 g“, antwortete ich etwas ungehalten. „Ich muss mir erst andere besorgen.”
Es war zwar noch früh am Abend, erst 20.45 Uhr, aber wir waren ja schon Stunden auf den Beinen und von der Fahrt doch ganz
schön geschafft. Also packten wir rasch unsere Angelsachen zusammen. Bei unserer Ferienwohnung angekommen brachten wir sie
in den Angelkeller, wo es auch einen „Schlachtplatz” gab. Im schönen großen Angelkeller standen auch 2 Gefrierschränke und ein Kühlschrank, wo wir unsere Köder reinpacken konnten.
Dann schauten wir uns noch kurz im Garten um. Dort gab es eine Angelstelle. Eine schmale Treppe führte zum steinigen Ufer. Hier
war es auch nur für einen von uns möglich zu angeln. Achim ging ein paar Schritte weiter nach rechts und rief mir zu: „Komm mal
hier hin. Hier ist noch eine schöne Angelstelle. Und hier können wir auch zu zweit sitzen.“
Ich ging zu ihm und schaute sie mir an. Sie war tatsächlich so breit, dass zwei Angelstühle problemlos nebeneinander passten. „Du kannst ja morgen früh schon einmal ein paar Köderfische fangen“, sagte Achim.
„Ne, das mache ich nicht. Wenn mich die Leute morgen früh am Wasser sehen denken die, ich hätte nicht alle Tassen im Schrank“ entgegnete ich.
„Ach Quatsch! Aber wenn du nicht willst, dann schlafen wir morgen erst einmal aus.“
Vor dem Haus war eine Bushaltestelle und die Kinder, die dort warteten, unterhielten so laut, dass ich davon am anderen Morgen
um 7.30 Uhr geweckt wurde. Noch etwas müde stand ich auf, schloss das Schlafzimmerfenster, damit Achim wenigstens in Ruhe
weiterschlafen konnte und schlich mich in die Küche. Ich kochte mir erst einmal einen Kaffee und ging auf den Balkon. Ein strahlend
blauer Himmel mit Sonnenschein begrüsste mich. Trotzdem war mir kalt. Ein Blick auf das Thermometer zeigte mir warum: Es
waren nur 13° C. Nun ja, vielleicht würde es ja im Laufe des Tages besser werden, schliesslich war es ja noch früh am Morgen.
Eine Stunde später hatten wir auch schon 16° C. Doch nach einer weiteren Stunde zogen dunkle Wolken auf und das Thermometer sank wieder auf 13° C. Mittags fuhren wir nach Zwingenberg und gingen ins Angelfachgeschäft Zöller. Sabine erkannte uns sofort wieder und begrüsste uns herzlich.
„Schön euch zu sehen. Aber mit dem Wallerangeln steht es im Moment sehr schlecht. Die haben sich schon alle auf ihre Laichplätze
verzogen. Peter hat zwar gestern noch einen von 1,50 m gefangen, aber das war mehr Zufall“, meinte sie. „Wenn es morgen wärmer
würde und auch bliebe, dann könntet ihr noch Glück haben. Dann wäre das Laichgeschäft in 14 Tagen erledigt.“
„Dass es wärmer wird, danach sieht es leider im Moment nicht aus. Aber es müssten doch wenigstens Welse um einen Meter dran zu kriegen sein“, antwortete ich. „Sie laichen doch erst ab dem 4. Lebensjahr.“
Sabine antwortete: „Ja schon, aber auch die Kleineren halten sich meistens bei den Alten in der Nähe der Laichgruben auf. Ich
wünsche euch ja, dass ihr welche fangt, aber die Prognose sieht nicht gut aus. Ihr hättet entweder eher oder später kommen müssen.“
Nun denn, tröstete ich mich, wir waren ja nicht nur auf Waller fixiert. Schliesslich sollte es im Neckar noch viele andere Fischarten ,
wie Zander, Barbe, Barsche, Aale geben. Sogar Forellen wurden ab und zu gefangen, hiess es.
Zwei Tage vor unserer Reise hatten wir uns bei einem Angelhändler in Gütersloh jeder noch eine zweite Shimano-Rolle (Baitrunner
6500 B) gekauft. Diese liessen wir nun bei Sabine mit einer Fireline bespulen. Ausserdem kaufte ich mir Grundbleie in verschiedenen Gewichten und einen neuen Angelschirm.
Als wir aus dem Angelladen kamen schien die Sonne und es war angenehm warm. Das Thermometer im Auto zeigte 25° C an. Vielleicht bekamen wir ja doch noch einen schönen Sommer. Auf dem Rückweg hielten wir am Restaurant „Zur Wolfsschlucht“.
Sabine hatte uns gesagt, dass man dort gut zu Mittag essen könnte. Es gab Mittagsgerichte für 5 Euro und wir liessen uns jeder ein
Schnitzel mit Pommes munden. Bevor wir weiterfuhren überquerten wir die Strasse und sahen uns das Ufer des Neckars an. Wir
fanden hier zwei schöne Angelstellen und beschlossen es dort auch einmal zu probieren. Kurz vor Zwingenberg macht der Fluss eine
Kurve und die Aussichten hier einen Waller zu fangen standen gut – wenn welche da waren! An der Schleuse Rockenau hielten wir
ebenfalls kurz an und besahen uns unsere „alte“ Angelstelle, d.h. die Stelle, wo wir schon im März erfolgreich geangelt hatten.
Inzwischen gab es dort viele Seerosenfelder, aber mit unseren Kanal- und Feederruten, die beide 4m lang waren, sollte das kein Problem darstellen.
Zurück in der Wohnung überlegten wir, wo wir denn nun tatsächlich angeln wollten. Ich wäre ja gern zur Schleuse gefahren, aber
Achim meinte, wir sollten es einmal beim Restaurant „Zur Wolfsschlucht“ probieren. Also fuhren wir um 14.30 Uhr erneute Richtung
Zwingenberg. Unseren Wagen parkten wir auf dem Parkplatz des Restaurants. Schnell waren Rutentasche, Angelstuhl, Angelkiste etc. über die Strasse zu den Angelplätzen getragen.
Die Angelstellen lagen ca. 30 m auseinander, so dass jeder von uns genügend Platz hatte seine Ruten auszuwerfen. Achim hatte
schon nach kurzer Zeit einige Rotaugen und Lauben gefangen, die wir später als Köderfische nehmen wollten.
Links von meiner Angelstelle hatte ich die Rhino Base X Big Fisch – Rute mit einem toten Köderfisch ausgeworfen. Am Seaboom
hing ein 100g-Blei, was aber nicht nötig war, denn auch hier war nur wenig Strömung. An meiner Feederrute, die rechts von mir
stand, hatte ich ein Madenbündel auf einen kleinen Haken gesteckt. Da sich auf Maden nichts tat, tauschte ich diese nach einer
Stunde gegen ein paar Dendrobena aus, in der Hoffnung, dass sich dann vielleicht doch etwas tun würde. Aber auch das half nichts.
Die Fische wollten einfach nicht beißen. Achim hatte ebenfalls keine Bisse. Wo verdammt waren bloß die Fische? Und wo vor allen
Dingen, wo waren die Waller unter 1,5 m? Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass sie wirklich alle in den Laichgruben wären. Es gab doch immer wieder Ausnahmen von der Regel. Auch bei Welsen, meinte ich.
Etwas enttäuscht packten wir kurz nach 22 Uhr unsere Angelsachen ein und fuhren zurück
Am nächsten Morgen (Sa., 11.06.) war es etwas bewölkt und die Temperatur lag wieder bei 13° C. Gegen 10.45 fing es sogar zu
nieseln an. Das waren keine schönen Aussichten! Wir beschlossen nach Neckarzimmern zu fahren und uns die Burg Hornberg
anzuschauen. Sie ist die grösste und bedeutendste Neckarburg und blickt auf eine mehr als 1500jährige Geschichte zurück. Die
Grafen von Laufen waren früher Eigentümer der Burg. Als sie ausstarben ging die Burg in das Eigentum der Herren von Dürn über, die aber auf ihre Rechte verzichteten und sie an den Bischof von Speyer abgaben.
Am 13. April 1517 kaufte Götz von Berlichingen das Lehen der Burg und verbrachte dann 45 Jahre seines Lebens in diesem
Gemäuer, bis er 1562 starb. Sein Enkel verkaufte die Burg 1612 an die Freiherren von Gemmingen, in deren Besitz sie sich bis
heute – in der 12. Generation – befindet. Seine Lebensgeschichte, die Götz von Berlichingen auf der Burg verfasste, diente J.W. von Goethe als Vorlage für seinen „Götz von Berlichingen“.
1689 wurde die Burg von französischen Truppen besetzt und teilweise zerstört. Seit 1825, nach über 100-jährigem Verfall, baute
die Familie von Gemmingen die ältere Unterburg wieder auf und sicherte die jüngere Oberburg vor dem Verfall.
1953 wurde der ehemalige Pferdestall in ein Hotel-Restaurant umgebaut. Von der Terrasse des Restaurants soll man einen
herrlichen Blick auf den Neckar haben. Leider war an diesem Tag das Restaurant wegen einer Hochzeitsfeier geschlossen. Ein
Rundgang um die Burg war nur mit einer Eintrittskarte möglich und daher verzichteten wir darauf. Auf der Rückfahrt nach Rockenau
hielten wir erneut an dem Restaurant „Zur Wolfsschlucht“ um dort wieder zu Mittag zu essen.
„Ich möchte gerne an unsere alte Angelstelle an der Schleuse“, sagte ich während des Essens zu Achim. Dort hast du doch im März
einen Waller gefangen. Und Heike auch. Nur ich habe noch keinen dran gehabt. Vielleicht klappt es ja dort besser als hier“, sagte ich.
„Das können wir machen. Aber du weisst ja, dort sind viele Seerosenfelder“, antwortete Achim.
„Dann nehme ich eben die 4,05 m Kanalrute und die Feederrute. Mit der Kanalrute müsste ich auch einen Wels von einem Meter raus kriegen.“ „Wenn die Bremse richtig eingestellt ist!“ bemerkte Achim.
Was sollte das schon wieder heissen? Darauf würde ich schon achten. Kaum waren wir in der Ferienwohnung, drängelte ich zum
Aufbruch. Aber Achim trank erst in aller Ruhe ein Hefebier. Gegen 15 Uhr (der Himmel war etwas bedeckt, aber es regnete nicht mehr), waren wir an der Schleuse.
Ich saß, wie schon Ostern, ca. 80 m von Achim entfernt. Einen Tag vor unserer Reise hatten wir uns im Aldi Walkie Talkie’s
gekauft, damit wir nicht mit dem Handy telefonieren mussten, wenn ich einmal Achims Hilfe brauchen würde
Ich hatte meine beiden Ruten ausgeworfen und wollte mich gerade gemütlich in meinem Stuhl zurücklehnen, als das Walkie Talkie
sich meldete: „Komm mal rüber. Ich habe einen interessanten Fisch gefangen. Der hat unten einen ganz gelben Bauch.“
Ich kontrollierte noch einmal, ob auch wirklich bei beiden Ruten der Freilauf eingeschaltet war und ging zu Achim.
„Was ist denn das? So einen Fisch habe ich noch nie gesehen. Sieht aus, als wenn den einer ausgesetzt hätte“, sagte ich, als ich den interessanten Fisch sah.
„Keine Ahnung. Es scheint ein Barsch zu sein. Oder vielleicht ein Piranha? Schau mal, was der für scharfe Zähne hat“, antwortete
Achim. „Aber das kriegen wir schon raus. Du hast doch das Angelbuch mitgenommen. Wenn wir zurück sind, schauen wir mal nach, ob wir etwas darüber finden.“
Abends lasen wir dann, dass es sich wohl um einen Sonnenbarsch gehandelte hatte. Das Schöne an der Angelstelle (wir sassen genau gegenüber der Schleuseneinfahrt) war, dass wir hier nicht die Ruten immer wieder
wegen eines Schiffes reinholen mussten. Andererseits waren die Fische hier nicht gerade beissfreudig, wie wir feststellten. Damit es
mir nicht ganz so langweilig wurde, hatte ich einen Krimi eingepackt. Ich fing zu lesen an, wobei ich ab und zu schaute auf meine
Rutenspitzen schaute, damit ich bloß keinen Biss verpasste. Aber keine der Spitzen bog sich auch nur einen Millimeter! Also las ich in Ruhe weiter.
Plötzlich, es war gegen 17.45 Uhr, kreischte meine Bremse los und ich sah, wie Schnur von der Rolle gezogen wurde. Das gab’s
doch nicht! Ich hatte tatsächlich einen Biss. Und was für einen! Mit einem Satz war ich vom Stuhl und hielt die Rhino-Rute in der
Hand. Ich setzte den Anschlag und fing an zu drillen. Es gelang mir den Fisch bis kurz vor das Seerosenfeld zu bekommen, dann gab
es einen Ruck – und der Fisch war ab. Achim hatte mitbekommen, dass ich einen Fisch drillte und war zu mir gekommen.
„Mist! Er ist wieder abgegangen“, meinte ich enttäuscht und auch wütend. „Der hat sich in das Seerosenfeld geflüchtet und da habe ich ihn dann verloren.“ „Was glaubst du denn, was es war? Ein Waller?“
„Kann ich nicht so genau sagen. Er hat aber mächtig gezogen. Ich hatte ihn ja auch schon fast am Ufer. Doch plötzlich war er ab.“
„Das wird schon wieder“, tröstete mich Achim. „Den nächsten kriegst du bestimmt. Du musst ihn nur so lenken, dass er nicht in die Seerosen kann.“
Keine 2 Stunden später kreischte die Bremse an der Feederrute . Dieses Mal hatte sich ein Fisch auf das Tauwurmbündel gestürzt.
„Dich kriege ich! Du gehst mir nicht ins Seerosenfeld!“ dachte ich bei mir. Doch während ich drillte spürte ich plötzlich wieder einen
Ruck – und auch dieser Fisch war ab! Ärgerlich stampfte ich mit den Füßen. Verdammte Scheisse! Was hatte ich denn jetzt wieder falsch gemacht? Während ich noch überlegte, war Achim bei mir.
„Ich habe gesehen, wie du ihn mit aller Macht ans Ufer haben wolltest. Du musst ihn ziehen lassen, wenn er Schnur nimmt. Aber das
habe ich dir ja schon hundertmal gesagt. Doch du meinst immer, dass er dir abhauen würde. Lass ihn doch! Schliesslich hast du über 200 m Schnur auf der Rolle. Da kann doch gar nichts passieren!“
Etwas kleinlaut meinte ich: „Ja, du hast ja Recht. Ich glaube, ich hatte die Bremse auch wieder viel zu festgestellt. Wenn ich bedenke
, wie viele Fische ich schon wegen diesen blöden Fehler verloren habe! Aber aus Fehlern lernt man. „Na, hoffentlich lernst du es auch irgendwann mal!“
Noch lange, nachdem Achim wieder an seinem Angelplatz war, ärgerte ich mich über meine Dusseligkeit. Nun würde ich nie erfahren, was für einen Fisch ich dran hatte. Vielleicht war es sogar ein Wels gewesen?
„Bloss nicht weiter darüber nachdenken. Lieber das nächste Mal besser machen!“, redete ich mir zu. An diesem Tag hatte ich jedoch keine Gelegenheit mehr dazu.
Am nächsten Tag, es war Sonntag, der 12. Juni, schien die Sonne und das Thermometer zeigte 17° C an. Mittags machten wir erst
einen kleinen Bummel durch Eberbach und beendeten ihn im Gasthaus „Zur Sonne“. Als wir wieder auf der Straße waren, war es
kuschelig warm: 23° C. So gefiel mir das Wetter. So konnte es meinetwegen die ganzen 3 Wochen weitergehen.
Um 15 Uhr hielt mich nichts mehr in der Ferienwohnung. Ich wollte unbedingt angeln. Aber so richtig traute ich mich nicht, Achim
den Vorschlag zu machen. Ich wartete ein Weilchen, dann fasste ich mir ein Herz und sagte zu Achim, dass ich schon mal runter in
den Garten ginge und die Angelsachen am Ufer aufbauen würde. „Gute Idee. Ich komme gleich nach“ antwortete er.
Es dauerte auch nicht lange und Achim hatte das erste große Rotauge am Haken. Kurz lagen das 2., dann das 3. im Kescher. Als
Achim die erste Barbe von gut 50 cm fing jubelte ich. Sie musste er leider wieder reinsetzen, dann sie hatte bis zum 15. Juni Schonzeit.
Aber jetzt wussten wir wenigstens, dass es an dieser Stelle auch Barben gab. Etwas später fing auch ich zwei Rotaugen und eine
Brasse und auch Achim ging noch eine Brasse an den Köder. Gegen Abend erwischte Achim noch einen Aal von 75 cm auf Madenbündel.
Zwei Rotaugen behielten wir als Köder, die anderen setzten wir wieder rein. Nach 20.30 Uhr steckten wir an die Haken unserer
Feederruten jeder ein Stück Fischfetzen und warteten gespannt, was noch alles passieren würde. Der Köder lag ca. 10 Minuten im
Wasser, als ich die erste Meldung bekam. Ich schlug an und war sehr gespannt, was für ein Fisch wohl am Haken hing. Noch im
Wasser schwimmend konnte ich erkennen, dass es ein kleiner Zander war. Dieser Fang spornte uns natürlich an. Sofort steckte ich
einen neuen Fischfetzen auf den Haken und warf wieder aus, in der Hoffnung einen größeren zu fangen. Auf einmal piepste Achims elektronischer Bissanzeiger. „Was hast du als Köder drauf?“ fragte ich ihn.
„Hast du doch gesehen, auch einen Fischfetzen. Ist bestimmt auch ein Zander.“ Wenig später landete der zweite Zander im Kescher. Auch er hatte nicht das Schonmaß und wurde wieder in sein Element zurückgesetzt.
Als sich mein Bissanzeiger erneut meldete betete ich im Stillen, dass ein größerer Fisch dran sei. Doch dem war nicht so. Der
Zander, dem der Köder so gut geschmeckt hatte, war gerade mal 38 cm gross. Auch ihn musste ich wieder zurücksetzen. Aber es sah jedenfalls, was die Fänge im Garten am Neckarufer betraf, schon sehr gut aus!
Auch der Montagmorgen (13.6.) weckte uns mit Sonnenschein und blauem Himmel. Um 11 Uhr zeigte die Temperatur schon 21°
an. Da unser Getränkevorrat zur Neige gegangen war fuhren wir erst einmal nach Eberbach. In der Gaststätte „Grüner Baum“, die direkt am Neckarufer liegt, aßen wir eine Kleinigkeit.
Während der Rückfahrt zur Wohnung entschlossen wir uns, es an diesem Nachmittag einmal mit Spinnfischen zu probieren. Dazu
fuhren wir wieder in Richtung Töpferei, wo wir Stefan trafen, den wir Ostern kennen gelernt hatten. Wir plauderten ein bisschen und
fuhren dann ein Stück weiter. Da wir nur eine Wallerspinnrute hatten, überließ ich sie Achim. Er blinkerte ca. 1 ½ Stunden, während ich meine Feederrute mit einem Bündel Dendrobena am Wurmhaken auswarf.
Nachdem Achim mit dem Blinkern aufgehört hatte, warf auch er seine Feederrute aus. Als wir bis 20 Uhr keinen einzigen Zupfer bemerken konnten packten wir etwas enttäuscht wieder ein. Auf dem Rückweg hielten
wir noch einmal bei Stefan an und schauten ihm ein wenig beim Zanderangeln zu. Er angelte mit zwei 8-Meter-Ruten auf Zander. Als Köder bot er kleine Lauben an. Während wir uns unterhielten ging ihm jedoch kein
Zander an den Haken. Na ja, vielleicht war es für die Räuber auch noch zu früh. Stefan gab uns den Tipp, ein paar Kilometer weiter zu fahren. Gegenüber der Gaststätte „Zur Wolfsschlucht“ gäbe es eine gute
Wallerstelle. Dort hätte er auch Sabine Zöller und Peter Merkel öfter angetroffen. Wir bedankten uns für den Tipp und fuhren heim. „Ist ja schön, dass er uns gesagt hat, wo Sabine und Peter angeln. Aber was
nutzt die beste Stelle, wenn die Waller sich zum Laichen zurückgezogen haben?“, sagte ich zu Achim.
„Wir probieren es morgen trotzdem einmal dort. Vielleicht beisst ja einer von denen, die noch nicht laichen“, tröstete er mich. Dein Wort in Gottes Ohr, dachte ich.
Dienstagmorgen (14.6.) war ich um 7 Uhr wach und wäre am liebsten ich sofort wieder in den Garten zum Angeln gegangen. Doch
ich traute mich nicht so recht. Also las ich in meinem Krimi weiter bis Achim aufstand. Gegen 11 Uhr fuhren wir erneut nach
Zwingenberg ins Angelgeschäft Zöller. Auf der Fahrt dorthin fing es sogar zu regnen an, aber schon bald kam wieder die Sonne
durch. Sabine meinte, dass es sich nun gar nicht mehr lohnen würde auf Waller zu angeln. Auch die kleineren wären nicht zu fangen,
denn sie hielten sich in der Nähe der Grossen auf, die jetzt mit dem Laichen angefangen hätten. Dann erzählte sie, dass Peter tags
zuvor zwar wieder einen „Kleinen“ von 1,50 m gefangen hätte, aber das sei Zufall gewesen. Das verstand ich nun gar nicht. Warum
probierte es Peter dann überhaupt auf Waller, wenn es sich nicht lohnte? Irgendwie war ich durch die Nachricht von Sabine irritiert. Oder wollte sie nicht, dass Fremde „ihre“ Waller fingen?
Auch egal, dachte ich, dann versuchen wir es eben auf Barbe, Zander und Aal. Es war zwar erst 13 Uhr, aber ich ging schon einmal in den Garten und machte meine Ruten fertig. Viel tat sich um diese Tageszeit
natürlich nicht. Aber das war egal. Hauptsache ich konnte angeln. Ich fing ein grosses Rotauge (davon gab es im Neckar genügend)
und einen Kaulbarsch. Drei Stunden später kam Achim ebenfalls. Auch er fing eine Stunde später ein großes Rotauge.
„Müssen das denn immer solche Klopper sein? Gibt’s hier denn keine kleineren? Als Köderfische sind die viel zu groß“, meinte er.
Ich antwortete: „Was willst du denn? Zuhause wären wir froh, wenn wir welche in dieser Größe fangen würden.“
„Ja, Zuhause! Antwortete Achim. „Aber hier brauchen wir Köderfische. Und die Lauben sind nur mit Pose und Stipprute zu fangen.
Aber die Pose driftet immer in die Steinschüttung ab. Ist nicht einfach, sie zu kriegen.“ Trotzdem probierte Achim es mit der Posenrute. An seiner Feederrute hatte er mal einen Tauwurm oder ein Bündel Dendrobena,
was den Fischen wohl auch gefiel, denn er konnte immer wieder Bisse verzeichnen. Aber er konnte keinen haken. Sie ließen vorher immer wieder los.
Um 20.30 Uhr wurde es Zeit auf Raubfisch zu angeln. Wir tauschten die Würmer gegen Fischfetzen. Einige Male piepsten unsere
elektronischen Bissanzeiger und es ging sogar etwas Schnur von der Rolle runter, aber wir kriegten keinen Fisch an den Haken.
Auch Achim ärgerte sich darüber: „Was sind denn das bloß für Fische hier? Ständig nuckeln sie am Fischfetzen rum, aber ich kriege sie nicht gehakt. Das nächste Mal werde ich den Fetzen aufziehen.“
Ich antwortete: „Mir geht es genauso. Ich glaube, ich nehme gleich mal einen Zwillingshaken.“ „Dann kriegst du keinen ran. Wenn die den Haken merken lassen sie gleich wieder los“, antwortete Achim.
„Und wie wäre es, wenn ich einen Drillingshaken in einen ganzen Köderfisch stecke?“ „Kannst du ja ausprobieren, aber ich glaube nicht, dass du damit einen Zander fängst“, antwortete er mir.
Immer wieder nuckelten die Räuber an unseren Köder, doch sobald sie den Haken bemerkten spuckten sie ihn wieder aus.
Langsam wurde ich wütend. Machten wir etwas falsch? Waren wir plötzlich zu doof zum Angeln? Oder verhielten sich die Fische hier anders als zuhause? Fragen über Fragen gingen mir durch den Kopf.
Am Mittwoch, dem 15.6., hatten wir schon unsere erste Urlaubswoche hinter uns und immer noch keinen kapitalen Wels gefangen.
Sicher wusste ich, dass man die nicht während des Tages fing, aber es könnten doch andere Fische beißen. Deshalb wollte ich gerne
schon mittags wieder ans Ufer. Doch Achim meinte, es wäre zu heiß. Dabei hatten wir um 11.30 Uhr gerade mal 23° C! Da konnte man doch wohl noch nicht von Hitze sprechen!
Ich erklärte ihm, dass Frauen sich auf ihren Bauch verlassen würden und meiner mir sagte, dass ich mittags gute Chancen hätte einen
schönen Aal oder vielleicht sogar einen Zander zu fangen. Aber ich wollte nicht wieder alleine angeln.
Nachdem ich einige Zeit gequengelt hatte, meinte Achim, dass wir nach der Stelle suchen sollten, die Stefan uns beschrieben hatte.
Also fuhren wir zur Töpferei runter und noch einige Kilometer weiter. Der Weg bzw. die Strasse endete bei der Töpferei und führte
dann durch den Wald. Als wir glaubten die Stelle gefunden zu haben, stellten wir das Auto ab und kletterten den Abhang hinunter.
Wir fanden die Angelstelle, wo Sabine und Peter fischten, aber sie war relativ schwer zu erreichen. Da es im Odenwald viele
Wildscheine gibt gefiel mir der Gedanke, dort im Dunkeln zu sitzen und die Eber im Rücken zu haben absolut nicht. Also liessen wir
den Gedanken, dort zu angeln fallen und entschlossen uns es noch einmal gegenüber des Drahtplatzes in der Nähe der Schleuse zu versuchen.
Also setzten wir uns wieder ins Auto und fuhren ein Stück zurück. Auch hier mussten wir etwas kraxeln um an die Angelstelle zu kommen, aber sie war auf jeden Fall leichter zu erreichen.
Kaum hatte ich meine Kanalrute mit 2 Tauwürmern am Haken ausgeworfen, schnurrte auch schon die Rolle los. Der Fisch hatte ca.
20 m genommen, als ich mich entschloss anzuschlagen. Einen Moment lang konnte ich ihn auch drillen, dann ging nichts mehr. Was
war denn jetzt passiert? Das konnte doch kein Hänger sein! Ich ließ die Schnur etwas locker und wartete, denn ich vermutete, dass
sich ein Aal in der Schüttung versteckt hatte. Vielleicht würde ich ihn ja los bekommen. Aber als sich nach 10 Minuten immer noch
nichts rührte gab ich auf. Natürlich riskierte ich einen Abriss des Vorfaches. Und so kam es dann auch. Aber nicht nur das Vorfach war ab, auch das Seaboom, das Blei und der Wirbel fehlten.
„Das musste doch jetzt nicht sein. Es reicht mir schon, wenn ich ab und zu einen Hänger durch die blöden Schiffe bekomme.
Morgen kann ich mir bei Sabine wieder neue Seabooms holen. Das war mein letzter“, schimpfte ich.
„Wenn du merkst, dass du einen Aal dran hast, dann musst du sofort die Rute so hoch wie möglich halten, damit er erst gar keine Gelegenheit hat sich in der Schüttung zu verstecken“, antwortete Achim.
„Ich weiss ja nicht ob das wirklich ein Aal war. Aber was sonst hätte um diese Mittagszeit soviel Schnur von der Rolle ziehen sollen.
Ist jetzt auch egal, ob das ein Aal oder ein anderer Fisch war. Ich ärgere mich trotzdem“ maulte ich.
Eine Dreiviertelstunde später hatte ich erneut einen Run auf Tauwurm. Dieses Mal gelang es mir den Fisch bis kurz vors Ufer zu
drillen – dann war plötzlich wieder Ende. Verdammt! Was war das denn bloss? Voller Frust besah ich mir den leeren Haken. Langsam hatte ich die Nase voll.
Während ich noch schmollte beobachtete ich den Bauern, der gegenüber von unserer Angelstelle seine Wiese mähte. Plötzlich sah
ich ein Reh aufgeregt hin und her rennen. Immer, wenn es sich in dem hohen Gras versteckt hatte, kam der Mähdrescher und
verjagte es wieder. Das Reh tat mir unheimlich leid. Es dauerte eine Weile, bis es in den Wald flüchtete.
Da Achim mit der Posenrute ein paar Lauben gestippt hatte, steckte er die tote Laube auf einen Einzelhaken und warf aus. Als er
seine Rute nach einiger Zeit reinholte um den Köder zu kontrollieren sah er, dass der Fisch total zerfressen war. Von einem Biss hatte er jedoch nichts bemerkt!
„Vielleicht sollten wir morgen mal wieder im Garten angeln. Da tut sich wenigstens etwas. Wollen wir nicht einpacken?“ fragte ich Achim. „Eine halbe Stunde noch, dann fahren wir“ bekam ich zur Antwort.
Um 23 Uhr packten wir unsere Angelsachen und fuhren zurück in unsere Ferienwohnung. Am nächsten Morgen (16.06.) war es um 8 Uhr schon 20° warm. Bis zum Mittag kletterte das Thermometer auf 25° C, so dass es
einfach zu heiß war, um im Garten zu angeln. Aber auch auf dem Balkon war es nicht viel kühler, so dass ich mich um 16 Uhr entschloss doch zum Angeln in den Garten zu gehen.
Achim wollte erst nicht, kam dann aber eine Stunde später nach. Bis er kam hatte ich lediglich 2 Barben von 10 cm auf
Madenbündel an der Feederrute gefangen. An meiner anderen, der Kanalrute, hatte ich zweimal einen Run auf Tauwurm, aber beide Male hatte der Fisch wieder nicht gehakt.
Einige Tage vorher hatten wir im Aldi einen leckeren, aber stinkenden Bergkäse gekauft. Diesen wollte Achim nun an den Haken machen und damit eine Barbe fangen.
„Hast du etwa schon wieder Hunger? Wir haben doch gerade erst etwas gegessen“, fragte ich ihn, als er mich bat den Käse aus dem Kühlschrank zu holen.
„Nein. Ich möchte einmal ausprobieren, ob die Barben tatsächlich auf Käse abfahren.“
Nachdem ich den Käse geholt hatte, schnitt Achim einen Würfel ab, befestigte ihn am Haarvorfach und warf den Köder direkt in die
Strömung. Es dauerte nur ein paar Minuten und er konnte eine schöne Barbe von 46 cm landen. „Das ist das erste Mal, dass ich einen Fisch auf Käse gefangen habe. Es geht also. Möchtest du es auch mal probieren?“
Ich schüttelte den Kopf: „Nein, ich bleibe bei Maden und Dendrobena.“ In aller Ruhe beobachtete ich einen Fischreiher, der am anderen Ufer wie ein Indianer schlich, und nach Fischen Ausschau hielt.
An seiner Feederrute hatte Achim ebenfalls Maden als Köder angeboten. 30 Minuten nachdem er die Barbe gelandet hatte, schnappte sich ein Aal von ca. 80 cm das Madenbündel.
Achim hatte ihn schon am Ufer, als ich ihm den Kescher reichen wollte. Als er das bemerkte, sagte er: „Ich brauche keinen Kescher. Den lande ich so. „Warum willst du denn den Kescher nicht nehmen?“
„Der ist immer so schlecht sauber zu kriegen von dem Schleim“, beantwortete er meine Frage.
Achim drehte sich mit dem Aal am Haken vom Ufer weg und bat mich ihm ein Handtuch zu reichen. Ich wollte mich gerade nach
dem Handtuch bücken, als ich plötzlich etwas Glitschiges an meinen nackten Beinen spürte. Ich kreischte los. Was dann passiert ist,
weiss ich nicht mehr so genau. Jedenfalls war der Aal plötzlich zwischen den Steinen verschwunden und Achim hatte das Nachsehen.
„Was sollte das denn eben? Warum hast du so geschrieen?“ fragte mich Achim und schaute ärgerlich drein. „Meinst du das ist ein angenehmes Gefühl, so ein glitschiges Ding am Bein zu spüren?“ verteidigte ich mich.
„Der tut doch nichts. Jetzt ist er weg! Und nur weil du dich so dumm angestellt hast.“
Ich konterte: „Hättest du den Kescher genommen, wäre er nicht weg. Es tut mir ja leid, dass du ihn verloren hast. Aber das nächste Mal nimm bitte den Kescher.“
Fast wäre es wegen dem Aal zu einem Streit zwischen uns gekommen. Aber Gott sei Dank war Achim nicht nachtragend und verzieh mir schnell.
Während er auf einen Biss wartete beobachtete Achim eine Nacktschnecke, die sich die Tabakkrümel schmecken lies. Hoffentlich wurde sie davon nicht nikontinsüchtig!
Ab 21 Uhr versuchten wir es mit Fischfetzen. Wir bemerkten auch mehrere Bisse, aber immer wenn wir anschlugen war kein Fisch dran. Es war zum Heulen!
Zwei Stunden lang tat sich absolut nichts, dann bemerkte Achim einen heftigen Biss an seiner Wallerrute. Er hatte eine Unterwasserpose mit einem Tauwurmbündel ausgeworfen und der Fisch nahm sehr viel Schnur. Achim
drillte ihn einige Zeit, dann schwamm er in die Steinschüttung, wo ihn Achim nicht mehr frei bekam. Eine halbe Stunde später kreischte ein Bissanzeiger.
„War das deiner oder meiner?“ fragte ich. Wir hatten beide unsere Feederruten im Rod Pod abgelegt. „Meiner!“ antwortete Achim. Einen Moment schaute Achim zu wie der Fisch Schnur von der Rolle zog,
dann stand er von seinem Stuhl auf und schlug er an. „Hast du ihn?“ fragte ich aufgeregt. „Ja! Und das ist ein Monster! Der zieht vielleicht!“ „Ob das wohl ein Wels ist?“ fragte ich aufgeregt.
„Keine Ahnung. Kann auch ein großer Zander sein, dem der Fischfetzen geschmeckt hat.“
Plötzlich fluchte Achim los: „So eine Scheisse! Das gibt’s doch nicht! Ich hatte ihn schon fast am Ufer, jetzt ist er ab. Ich habe die
Bremse doch richtig eingestellt, was soll ich denn sonst noch machen? Vielleicht hätte ich statt eines Einzelhakens einen Drilling
nehmen sollen. Aber damit kriegt man doch auch keinen Zander. Ich verstehe die Welt nicht mehr.“ „Komm, Schatz, beruhige dich. Wirf wieder aus. Der geht gleich sicher wieder dran“, tröstete ich ihn.
„Das glaube ich nicht. So eine Chance bekommt man nur einmal! Ausserdem ist die Beißzeit schon vorbei. Lass uns einpacken. Ich habe die Nase voll“ schimpfte Achim.
Dass es viele und auch große Räuber in diesem Neckarabschnitt gab, hatten wir schon feststellen an einer Rotfeder gesehen, die eine ca. 4 cm lange Bisswunde aufwies
Oben in der Wohnung angekommen unterhielten wir uns noch lange über diese Fehlbisse und wie wir dagegen vorgehen könnten
„Entweder sind hier Monster drin, für die man eine andere Montage braucht oder aber ich bin zu blöd zum Angeln“ äußerte sich Achim.
„Das bist du bestimmt nicht. Im Gegenteil: Du hast sehr viel Ahnung vom Angeln und auch schon viele grosse Fische gefangen“,
tröstete ich ihn. „Wir kennen den Neckar eben nicht und müssen erst unsere Erfahrungen sammeln. Komm lass uns einen Seelentröster (Obstler) trinken.“
Aus Eins mach Zwei, aus Drei mach Vier. An diesem Abend wurde es sehr spät, so dass ich am nächsten Morgen (Freitag, der 17
.6.) erst gegen 11 Uhr wach wurde. Es waren wohl doch einige Seelentröster zu viel gewesen? Aber nach dem Frust halfen sie, die Sache etwas lockerer zu sehen.
Der Himmel war zwar etwas bedeckt, aber wir hatten immerhin schon 21° C. Am liebsten wäre ich sofort wieder runter ans Neckarufer gegangen und hätte meine Ruten ausgeworfen.
Aber ich wollte es nicht übertreiben und entschlossen uns nach Hirschhorn, der Perle im Neckartal, zu fahren. Es liegt ca. 25 km
flussaufwärts von Heidelberg, dort wo der Neckar eine Doppelschleife macht. Hoch über der Stadt, auf einem Bergsporn, erheben sich eine Burg und ein Kloster.
Funde deuten darauf hin, dass in der Gegend um Hirschhorn schon in der Steinzeit Menschen gelebt haben. Auch die Römer und
fränkischen Merowinger siedelten hier. Der Ursprung des Ortes Hirschhorn geht auf den 773 in einer Urkunde des Klosters Lorsch
erwähnten Ortsteil Ersheim zurück. Schon zu Beginn des 13. Jh. wurde hier die erste Befestigung errichtet. Der damalige Burgherr
nannte sich „von Hirschhorn“. Heute beherbergt die Burg, die weitgehend aus Sandstein erbaut wurde, ein Hotel. Um 1350 entstand
die Kapelle im Palas. Den nördlichen Abschluss der Burg bildet der mittelalterliche Palas mit einem anschliessenden Turm. Auf der
Ostseite fügt sich ein weiterer Palas, auch Schloss genannt an. Laut Inschrift wurde er von 1582-86 erbaut und beherrscht die
Burganlage. Diese Kernburg wurde von einer noch bruchstückhaft erhaltenen inneren und äußeren Zwingeranlage mit mächtigen
Schildmauern umgeben und zu Beginn des 15. Jahrhunderts dann großräumig von der Oberen Vorburg mit ihren hohen Wehrmauern und Türmen umschlossen.
Im Süden, wo der Bergsporn besonders eng ist, entstand das Torhaus, das gegen 1600 seine heutige Gestalt erhielt. Auf einem
massiven Unterbau mit spitzbogiger Pforte sitzen zwei malerische Fachwerkhäuschen. Durch diesen Torbau gelangt man in die
Untere Vorburg, die im Laufe des 16. Jahrhunderts angelegt wurde. Hier stehen die Wirtschaftsgebäude, die jetzt teilweise zu Wohnzwecken genutzt werden.
Die Burg wurde in der Neuzeit niemals systematisch zerstört, und so sind die meisten Gebäude relativ gut erhalten. Man hat einen
weitgehend unverfälschten Eindruck von einer ausgedehnten und großzügig ausgebauten Ritterburg an der Wende zur Neuzeit.
Oben auf der Burg angekommen bot sich uns von der Terrasse des Hotelrestaurants ein herrlicher Blick über das kleine Städtchen und das Neckartal.
Nachdem wir unseren Durst mit einem Glas Hefebier gelöscht hatten fuhren wir zurück nach Eberbach Unterwegs fiel uns ein, dass
wir keine Tauwürmer mehr hatten. Also fuhren wir weiter nach Zwingenberg, zu Sabine, um uns auch noch mit Bleien, Haken und
Seaboom zu versorgen. Von Sabine hörten wir, dass die Waller nun tatsächlich mitten in ihrem Laichgeschäft seien. Als Achim ihr
von seinen vielen Abrissen und Fehlbissen erzählte meinte sie, dass er für den Barbenfang einen 12er Aalhaken nehmen sollte. Also deckten wir uns auch damit ein.
Um 16.30 Uhr sassen wir bei schwülen 28° C wieder im Garten und warfen unsere Ruten aus. Es dauerte fast 3 Stunden biss ich
den ersten Biss verzeichnen konnte. Am Haken hing eine Barbe von 8 cm! Eine halbe Stunde danach fing Achim einen Kaulbarsch, den wir als Köderfisch zur Seite legten. Dann war wieder Warten angesagt.
Es ging war schon fast 23 Uhr zu und mir fielen ab und zu die Augen zu, als Achims Bissanzeiger los piepste. Sofort packte er seine
Rute, schlug an und landete einen Aal von 64 cm. Er hatte dem Tauwurmbündel einfach nicht widerstehen können.
Nun wollte auch ich einen Aal fangen. Ich bestückte den Haken der Rhino-Rute mit 3 dicken Tauwürmern und bat Achim, für mich
die Rute auszuwerfen. Kaum hatte Achim die Rute abgelegt und sich gesetzt, meldete sich schon der Bissanzeiger. Da ich schon sehr müde war, bat ich Achim anzuschlagen, was er für mich auch tat.
„Was ist? Hast du ihn. Hängt einer dran“, fragte ich. „Klar. Aber ein Aal ist es nicht“, antwortete Achim. „Was dann?“ fragte ich weiter.
„Das weiß ich nicht. Der schlägt zwar ganz schön, aber das scheint kein Aal zu sein.“ Und so war es auch. Es war ein kleiner Waller von 47 cm, der ganz schön Rabatz machte.
„Petri, mein Schatz zu deinem ersten Waller“, sagte Achim. „Wieso meiner? Du hast ausgeworfen und angeschlagen. Das ist deiner!“ antwortete ich. Und weiter: „Jetzt müssten sie nur noch
größer werden. Dass welche da sind wissen wir ja nun. Aber es könnte ja ruhig mal einer von 1 m oder 1,50 m beißen.“
„Ich verstehe auch nicht, wo sich die grösseren befinden. Gut, einen 2-Meter-Waller werden wir jetzt nicht mehr fangen, aber einer über einen Meter könnte es schon sein“ antwortete er.
Wir angelten noch bis Mitternacht, bekamen aber keine Bisse mehr. Am Samstagmorgen (18.06.) war kein einziges Wölkchen am Himmel und um 10 Uhr hatten wir schon 21° C im Schatten.
Während Achim noch schlief trank ich eine Tasse Kaffee nach der anderen. Ab und zu las ich in meinem Krimi weiter, aber so
richtig konnte ich mich nicht auf den Inhalt konzentrieren. Ich wartete darauf, dass Achim endlich aufstand. Wieso können Männer
eigentlich so lange schlafen, fragte ich mich? Gerade der Morgen ist doch die schönste Tageszeit.
Ich bewunderte ja Achims Ruhe und Geduld, aber manchmal, d.h. besonders morgens, wenn ich gerne ans Wasser wollte, nervte es
mich schon mal, wenn er noch im Bett lag und süss und innig träumte. Und das, wo uns der Neckar praktisch zu Füssen lag!
Ich überlegte, ob ich wieder alleine angeln gehen sollte, liess den Gedanken jedoch wieder fallen. Was sollten unser Vermieter und
der andere Mitbewohner von mir denken, wenn sie mich schon wieder am Wasser sähen? Die müssten ja glauben, ich hätte nicht alle Tassen im Schrank Aber wenn das Wasser doch so nah ist…
Endlich schälte Achim sich aus dem Bett. „Guten Morgen, mein Schatz.“ „Guten Morgen, ist gut. Wir haben inzwischen Mittag“, brummte ich zurück und gab ihm einen Kuss.
„Was ist denn? Wir haben doch Urlaub und da kann man doch wohl mal ausschlafen? Wann warst du denn schon wieder auf?“ fragte Achim. „Ich bin heute extra später aufgestanden. Es war schon 10 Uhr!“ antwortete ich.
„Uih, da hast du aber lange geschlafen!“ „Ja, und ich würde gerne angeln“, gab ich ihm zur Antwort.
„Und warum tust du das nicht? Du kannst doch in den Garten gehen und angeln. Wenn du nicht alleine zu Recht kommst, dann piepst du mich an und ich bin sofort bei dir.“
„Das habe ich mich nicht getraut. Die anderen müssen ja denken, ich wäre nicht richtig im Kopf.“
„Seit wann machst du dir darüber Gedanken was die anderen von dir denken?“ fragte Achim. Und weiter: „Ich trinke erst einmal
einen Kaffee, dann dusche ich und dann fahren wir nach Eberbach zum Einkaufen. Unser Getränkevorrat ist alle.“
Nachdem wir eingekauft und gegessen hatten legte ich mich ein wenig aufs Bett, aber ich konnte nicht schlafen. Um 17.30 hielt mich
nichts mehr in der Wohnung. Ich musste einfach ans Wasser. Schnell hatte ich meine Angelsachen aus dem Angelkeller geholt und
ans Ufer geschleppt. Als mir dabei der Schweiss vom Gesicht lief schimpfte ich mit mir selber: „Du bist doch ganz schön blöd, bei
dieser Hitze zu angeln.“ Aber ich unterdrückte diese Gedanken, während ich meine Rutenständer zwischen den dicken Steinen
plazierte. Fast im Zeitlupentempo montierte ich meine Ruten, in der Hoffnung, dass Achim auch endlich kam. Eine halbe Stunde
später warf ich die Feederrute mit Mais und 2 Maden am Haken aus in der Hoffnung, dass bloss kein Aal nach dem Köder griff. Ich
montierte gerade die 2. Rute zusammen, als ich einen Biss an der Feederrute bemerkte und sah, wie Schnur von der Rolle gezogen
wurde. Sofort schaltete ich den Freilauf ab und schlug an. Zuerst dachte ich, dass ein Rotauge oder eine Rotfeder den Köder
geschnappt hätte, aber schon während des Drills merkte ich, dass es ein stärkerer Fisch war. „Bloss kein Aal!“, dachte ich und griff
nach dem Walkie Talkie: „Achim ich habe einen starken Fisch am Haken. Weiss nicht, ob es ein Aal ist. Komm doch bitte!“ „Ich komme gleich, bin schon auf dem Weg.“
Als Achim endlich bei mir war, hatte ich die Barbe von 52 cm schon gekeschert. Gegen Abend war es zwar noch sehr warm, aber es waren ein paar Wolken am Himmel zu sehen und etwas windig geworden.
Den Wunsch, dass uns ein großer Wels an den Haken gehen würde, hatten wir nun endgültig beiseite gelegt. Aber die Hoffnung,
einen kapitalen Zander zu fangen, hatten wir nicht aufgegeben. Darum stippte Achim mit einer Made nach Lauben, die sich links von
seiner Angelstelle tummelten. Tatsächlich gelang es ihm auch eine an den Haken zu bekommen. Der nächste Fisch, der nach der
Made schnappte, war ein Döbel. Ausserdem hatte sich an meinem Wurmbündel ein Kaulbarsch zu schaffen gemacht. Alle 3 Fische beendeten ihr Leben als Köder.
Nebenan sassen viele Leute im Garten und feierten Geburtstag. Wir hörten gar nicht, dass einige von ihnen zu uns ans Ufer kamen.
Plötzlich sprach uns eine Frau an: „Entschuldigung, ich habe das Auto mit dem Lipper Kennzeichen gesehen. Darf ich erfahren, woher Sie kommen?“
„Wir sind aus Oerlinghausen“, antwortete Achim. „Ach, das ist ja interessant. Ich habe bis vor kurzem in Bad Salzuflen gewohnt“, sagte sie. Der Mann, der neben ihr stand, fragte auf was wir angeln würden.
„Och“, antwortete Achim, „Auf alles Mögliche. Barben, Aale, Zander.“ „Zander?“, fragte der Mann erstaunt. „Ich angel ebenfalls seit Jahren, aber
einen Zander habe ich noch nie gefangen. Wenn ihr einen habt, dann sagt mir Bescheid.“ „Klar, machen wir“, sagte Achim. Aber keiner von uns beiden fing an diesem Abend einen Zander. Lediglich
einen Wels von 40 cm auf Tauwurm fing ich gegen 23 Uhr. Durch die Hitze des Tages waren wir ganz schön geschafft und beendeten das Angeln. Nachdem ich mich unter der Dusche erfrischt hatte, sagte ich zu Achim:
„Morgen machen wir mal Pause. Jeden Tag so lange Angeln ist doch ganz schön anstrengend.“ Achim lachte: „Von mir aus! Aber ich kann dir jetzt schon sagen, dass du das nicht durchhältst.“
Und so war es tatsächlich. Trotz 29° C im Schatten gehe ich kurz nach 13 Uhr wieder ans Neckarufer. Ob Angeln ein Virus ist? Da bin ich mir ganz sicher!!!
Während der 2 Stunden, die ich in brütender Hitze fischte, fing ich lediglich zwei grosse 2 Rotaugen. Ich liess meine Angelsachen
stehen und ging erst einmal unter die Dusche um mich ein wenig abzukühlen. Dann aßen wir eine Kleinigkeit und legten uns zum
Mittagsschlaf hin. Als ich um 18 Uhr wieder wach wurde schlief Achim immer noch tief und fest. Leise schlich ich mich aus der
Wohnung, nicht ohne vorher das Walkie Talkie eingeschaltet und neben Achims Bett gelegt zu haben. Man kann ja nie wissen! Aber bis Achim ebenfalls runter kam tat sich nichts.
Achim hatte seine Feederrute mit 3 Maden am Haken ausgeworfen und sagte zu mir, dass er noch einmal in den Angelkeller ginge
um ein paar weitere Sachen zu holen. Er war gerade weg, als ich sah, wie sich die Spitze bog. Oh je, jetzt hatte Achim einen Biss
und war nicht da. Ich drehte mich um und schaute, wo er bliebe. Da der Fisch immer mehr Schnur von der Rolle zog und von Achim nichts zu sehen war, nahm ich seine Rute und schlug an.
„Verdammt, geht der aber ab!“ dachte ich und wartete darauf, dass Achim endlich zurückkam. Als er wieder zurück war, sagte ich:.
„Du hattest einen Biss, kaum dass du weg warst. Ich habe erst gewartet, aber weil du nicht bekommen bist, habe ich schon mal angeschlagen .“ „Ist doch okay“, antwortete er. “Drill ihn ruhig ans Ufer.”
“Mach ich. Der zieht ganz schön. Aber du musst ihn gleich keschern ” Als Achim nach dem Kescher griff konnten wir im Wasser schon erkennen, dass es sich wieder um eine Barbe handelte, die am
Haken hing. Nachdem ich den Haken aus dem Mäulchen entfernt hatte setzten wir sie in ihr nasses Element zurück .
Ich hatte gerade meine Feederrute reingeholt und war dabei einen Fischfetzen auf den Haken zu ziehen, als Achim mir sagte, dass ich an der anderen Rute einen Biss hätte.
„Ich kann jetzt nicht. Schlag doch bitte für mich an.“ „Klar mache ich. Aber dann ist das mein Fisch, der dran hängt“, antwortete er und griff auch schon nach der Rute. Nachdem der
Wurm am Haken hing legte ich die Rute zur Seite und schaute Achim beim Drillen zu. Plötzlich sagte er: „Das ist ein Aal. Schatz, du hast einen Aal gefangen!“
„Ich doch nicht. Du hast angeschlagen und deshalb hast du ihn gefangen. Warte, das muss ich filmen.“
Ich ging zu Achims Rucksack, holte die Kamera aus und schaltete sie ein. Dann ging ich zum Ufer und wollte den Aal filmen, wie er gedrillt wurde.
„Ich kann nichts sehen. Es ist alles dunkel“, sagte ich nervös zu Achim. „Beeil dich. Du musst den Deckel von der Linse nehmen!“
Im selben Moment verschwand der Aal zwischen den Steinen und Achim hielt nur noch den leeren Haken und das verschleimte
Vorfach in den Händen! Vor lauter Aufregung hatte ich noch nicht einmal auf RECORD gedrückt, so dass ich den ganzen Vorgang nicht filmen konnte.
„Oh, mein Schatz. Das tut mir leid. Nicht nur das ich den Drill nicht filmen konnte, jetzt ist auch noch der Aal weg. Und dabei war das so ein schöner großer. Es tut mir wirklich sehr, sehr leid.“
Die Antwort, die Achim murmelte, konnte ich nicht verstehen. War vielleicht auch besser so! Es waren bestimmt keine netten Worte.
Eine Viertelstunde später kreischt der elektronische Bissanzeiger los. Von der Rolle der Feederrute geht viel Schnur runter. Sofort
greife ich nach der Rute und schlage an. „Ich hab ihn“ rufe ich voller Freude. Vorsichtig und mit viel Gefühl drille ich den Fisch ans
Ufer. Immer wieder wenn er abhauen wollte ließ ich ihn Schnur nehmen, um ihn dann wieder zum Ufer zu drillen. Nach einigen
Minuten voller Spannung erkenne ich, dass ich einen Zander am Haken habe. Während ich zum Kescher greife rufe ich zu den
Nachbarn, die uns tags zuvor besucht hatten und wieder zusammen im Garten saßen: „Ein Zander! Ich habe einen Zander!“ Alle 4
kamen angerannt und schauten mir beim Keschern zu. Stolz halte ich den Zander hoch und sage: „Ich wollte euch mal zeigen, wie man einen Zander fängt. Und es hat tatsächlich geklappt.“
Alle gratulierten mir zu dem schönen Exemplar und ich war mächtig stolz. “Den nächsten den ihr fangt möchten wir aber haben”, sagten sie, bevor sie wieder gingen. “Geht in Ordnung”, rief ich ihnen nach.
Es war kurz nach 22.30 Uhr und langsam wurde ich müde. „Na gut“, dachte ich, „dann mache ich einen Tauwurm auf den Haken.
Vielleicht beisst ja doch mal ein Aal.“ Kaum war der Köder im Wasser, bog sich die Rutenspitze nach unten. Ein Biss! Ich musste den Köder dem Fisch direkt vor das Maul geworfen haben.
„Das ist sicher ein Aal. Oh ja, ein schöner Aal. Das ist dann deiner, weil du den anderen ja wegen meiner Dusseligkeit verloren hast“, sagte zu Achim.
Doch ich hatte mich getäuscht. Statt eines Aals hing ein kleiner Wels am Haken.
Das passte mir nun gar nicht und ich sagte: „Sch..., ich wollte keinen kleinen Wels. Ich möchte lieber mal einen Aal drillen.”
Schnell steckte ich einen neuen Tauwurm auf den Haken und warf den Köder an die gleiche Stelle, wo ich vorher den Wels
gefangen hatte. Sofort kam eine Meldung. „Wenn das jetzt kein Aal ist, höre ich auf zu Angeln“, sagte ich zu Achim, während ich
den Fisch drillte. Noch bevor ich den Fisch keschern konnte sah ich, dass es wieder ein kleiner Wels war.
„Verdammt! Jetzt reicht’s mir aber mit den kleinen Welsen. Wenn wenigstens einmal ein größerer an den Haken ginge. 80, 90 cm würden mir ja schon reichen. Aber was soll ich mit diesen kleinen anfangen?“ schimpfte ich.
„Sei doch froh, dass du überhaupt etwas fängst. Bei mir tut sich seit Stunden nichts“, gab Achim zur Antwort.
So gesehen hatte er ja Recht. Aber trotzdem war ich nicht zufrieden. Ein großer Wels oder ein schöner dicker Aal, ja, das wäre was. Aber gleich zwei kleine Welse hintereinander…
Am nächsten Tag (20.06.) fuhren wir gegen Mittag zur höchsten Erhebung im Odenwald, dem Katzenbuckel. Der 626 m hohe Katzenbuckel ist ein Vulkankegel auf der Buntsandsteinhochfläche. Das Hochplateau mit den Orten, die die Gemeinden Waldbrunn
bilden heisst wegen seines rauen Klimas „Winterhauch“. Seinen Namen hat der Katzenbuckel wahrscheinlich wegen der Form des
Berges, der dem Buckel einer Katze ähnelt, erhalten. Das vulkanische Gestein wird in einem Steinbruch auf der Ostseite des Berges
abgetragen. Der Katzenbuckel ist ein erloschener Vulkan mit einem Schlotdurchmesser von etwa 1000 Metern. Zur Zeit des
Ausbruchs vor 60 Millionen Jahren lagen über der heutigen Landoberfläche Gesteine mit einer Mächtigkeit von über 500 Metern zu
den Schichten des Jura. Diese Sedimentgesteine wurden im Laufe von Jahrmillionen abgetragen und haben das harte Basaltgestein
des Vulkans freigelegt. Nach einer Sprengung im Jahre 1970 trat Grundwasser zu Tage und füllte den Krater des Steinbruchs.
Dadurch entstand der Katzenbuckelsee, den wir uns anschauten. Im glasklaren Wasser konnten wir die Fische (überwiegend Döbel, Barsche und Rotaugen) beobachten.
Anschließend fuhren wir weiter nach Gaismühle, um in Unterhöllbach den Landgasthof „Zur Mühle“ aufzusuchen. Die einspurige
Strasse führte neben einem Bach durch den Wald, aber nachdem wir bis Oberhöllbach gefahren waren und den Gasthof nicht gefunden hatten, drehten wir wieder um und fuhren nach Rockenau zurück.
Als wir unserem Vermieter berichteten, dass wir den Gasthof „Zur Mühle“ nicht gefunden hätten, meinte er, wir hätten nur ein paar
Meter weiter fahren müssen, dann wären wir richtig gewesen. Frau Weis bemerkte noch, dass wir sowieso kein Glück gehabt hätten, denn montags wäre dort Ruhetag.
„Ich wäre ja noch weiter gefahren, aber du meintest, da ginge es nicht weiter. Na, ja, dann probieren wir es morgen noch einmal“, sagte Achim anschliessend zu mir. Ja, ja, immer sind die Frauen an allem schuld!
Um 17 Uhr zeigte das Thermometer immer noch 32° C im Schatten an und wir genehmigten uns erst einmal ein kühles Hefebier, bevor wir uns wieder in den Garten zum Angeln setzten.
Mit dem Fishfinder tastete Achim noch einmal die Bodenstruktur des Neckars ab. Die tiefste Stelle in dem Abschnitt, den wir beangelten, betrug 4,3 m.
Trotz der drückenden Hitze und obwohl wir kaum ein schattiges Plätzchen am Ufer fanden bauten wir unsere Angelsachen auf.
Anscheinend war es den Fischen ebenfalls viel zu warm, denn sie wollten nicht so richtig beissen. Lediglich eine Barbe (Milchner)
konnte dem Madenbündel nicht widerstehen. Da sie/er nicht das erforderliche Schonmaß aufwies haben wir ihn wieder in sein nasses Element gesetzt.
„Liegt es vielleicht daran, dass wir Vollmond haben, dass wir keinen ordentlichen Fisch an den Haken bekommen?“ fragte ich Achim. „Das glaube ich nicht. Die Aale beissen jedenfalls gut“, antwortete er.
„Wie kommst du denn darauf? Wir haben doch noch gar keinen gefangen!“ fragte ich. Siehst du nicht den Angler am anderen Ufer? Kaum hatte er seine Posenmontage ausgeworfen, da hing auch schon einer am Haken!
Und gerade hat er wieder einen Biss!“ Hm, komisch! Ich habe doch auch einen Tauwurm am Haken, warum wollte den denn kein Aal nehmen.
Als Achim meinen fragenden Blick sah, meinte er: „Der angelt natürlich auch ganz nahe an der Schüttung, wo sich die Aale aufhalten.“
Ach so! Ich überlegte, ob ich meine Montage auch etwas näher auswerfen sollte, liess es dann aber bleiben, denn ich wollte nicht wieder einen Hänger
riskieren. Und ausserdem hätte ich viel lieber einen Zander gefangen, tröstete ich mich selber. Gegen 22.10 kreischte Achims elektronischer Bissanzeiger auf. Die Schnur
sauste nur so von der Rolle. Schnell hatte Achim seine Rute in der Hand und schlug an. Aufgeregt fragte ich ihn: „Hast du ihn? Hängt er dran?“
Enttäuscht antwortete er mir: „Nein! Der ist wieder ab. Warum weiss ich auch nicht. Dabei hat er doch so viel Schnur genommen!“ Als er sich die Montage ansah meinte er: „Ich verstehe das nicht. Der Haken
ist ab! Einfach abgegangen. Ich glaube in Zukunft binde ich meine Vorfächer selbst, dann weiss ich wenigstens was ich habe.“ Erschöpft von der Hitze und enttäuscht von dem letzten Drill packten wir um
23 Uhr unsere Sachen. „Schatz, nicht traurig sein. Morgen ist auch noch ein Tag. Du fängst noch deinen grossen Fisch“, tröstete ich ihn.
„Morgen angeln wir, d.h. ich jedenfalls, nicht. Morgen spielt Deutschland gegen Argentinien und das Spiel werde ich mir ansehen.“
Am 21.06. war Sommeranfang! Um 8 Uhr morgens hatten wir schon 26° C, aber es wehte ein angenehmer kühler Wind. Während
Achim noch schlief schlich ich mich mit der Filmkamera in der Hand aus dem Haus und filmte einige Teile von Rockenau. Bei
meinem Spaziergang fielen mir die vielen Brunnen auf, die es in Rockenau gab. Hier holten sich die Leute kostenlos frisches kühles
Brunnenwasser. Manche kamen sogar mit dem Auto an und füllten viele Kanister mit dem kühlen Nass.
Als ich 2 Stunden später aufs Thermometer schaute zeigte es sogar schon 31° C an. Wir fuhren noch einmal nach Unterhöllbach.
Dieses Mal fanden wir das Landgasthaus „Zur Mühle“ sofort. Als wir aus unserem klimatisierten Auto ausstiegen schlug uns die
Hitze entgegen. Wir suchten uns auf der Terrasse einen schattigen Platz und löschten unseren Durst – wie konnte es anders sein –
mit einem kühlen Hefebier. Auch den Kühen war es zu heiss, sie hatten sich in den kühlen Schatten zurückgezogen.
Nachdem wir uns mit einem leckeren Essen gestärkt hatten fuhren wir weiter. Unterwegs hielten wir in Unterscheidental, wo wir uns die Reste eines römischen Kohortenkastells anschauten.
„Was hältst du davon, wenn wir noch nach Guttenbach fahren. Dort ist doch die Greifwarte“, fragte mich Achim. „Können wir machen“, antwortete ich.
Es gab zwar ein Hinweisschild zur Burgruine, aber von einer Greifwarte konnten wir nichts lesen. Enttäuscht fuhren wir zurück nach
Rockenau. Da wir sowieso durch Zwingenberg fahren mussten, hielten wir auf einen Sprung bei Sabine und holten uns frische Tauwürmer.
Um 19 Uhr war es immer noch 30° C warm, obwohl der Himmel sich etwas zugezogen hatte. Ich überlegte hin und her, ob ich
angeln oder mir das Fußballspiel anschauen sollte. „Wenn ich nicht gehe, dann verpasse ich vielleicht den Fang meines Lebens. Ausserdem wird sich die deutsche Fußballmannschaft bestimmt wieder blamieren.“ dachte ich.
Langsam wurde die Hitze auch unerträglich und wir wünschten uns ein bisschen Abkühlung. Doch vor Montag war damit nicht zu rechnen, verkündete der Wetterbericht.
Also noch 5 Tage schwitzen? Bloss nicht! So sehr ich Wärme liebe, diese Temperaturen waren doch etwas übertrieben. Und meinem Kreislauf gefiel es auch nicht.
Um 20 Uhr warf ich erneut einen Blick aufs Thermometer: jetzt waren es „nur“ noch 26° C, aber sehr schwül
Ich entschied mich für eine Angelpause und schaute mir das Fußballspiel an. Es war gegen 21.30 Uhr, Deutschland führte 2 : 1, als es zu regnen und in der Ferne zu Donnern anfing.
„Gut, dass du jetzt nicht draussen bist. Das gibt gleich bestimmt eine dicke Ladung und dann wärst du nass geworden“, meinte Achim.
„Hm. Na ja, das wäre auch nicht so schlimm. Ausserdem wäre ich ja schnell wieder im Trockenen“, antwortete ich etwas kleinlaut.
Über den Endstand 2 : 2 freute ich mich aber dann doch, denn unsere Mannschaft hatte besser gespielt, als ich es mir vorgestellt hatte.
Am anderen Morgen (22.06.) war es um 7 Uhr noch etwas bewölkt und erst 20° C warm. Diese „Kühle“ musste ich einfach ausnutzen. Ich schlich mich leise aus der Wohnung, baute meine Angelsachen am Ufer auf und wartete auf die Dinge, die (vielleicht)
geschehen würden. Wegen eines eventuellen dicken Fanges hatte ich vorsichtshalber wieder das Walkie Talkie eingeschaltet und neben Achims Bett gelegt. Man konnte ja nie wissen!
Zwei Stunden wartete ich vergeblich auf einen Biss. Dann endlich schluckte ein grosses Rotauge den Tauwurm an meiner Kanalrute.
Um 11 Uhr ging mein Walkie Talkie an: „Guten Morgen, mein Schatz. Konntest du es wieder nicht erwarten? Na, du hast ja auch gestern nicht geangelt. Hast du wenigstens etwas gefangen?“ begrüsste mich Achim.
„Ja. Eben habe ich eine grosse Rotfeder gefangen. Aber ansonsten tut sich hier nicht viel. Ich mache jetzt Schluss und komme hoch“, antwortete ich.
Ich holte die Ruten aus dem Wasser, legte sie oben auf den Rasen und klappte meinen Stuhl zusammen. Alles wieder in den Keller
schleppen wollte ich nicht, denn ich war mir sicher, dass ich abends dort wieder angeln würde. Als ich wieder in der Wohnung war fragte Achim, ob wir nicht nach Haßmersheim zur Burg Guttenberg fahren wollten.
„Was gibt es denn dort?“ fragte ich. „Ich habe nachgesehen. In Haßmersheim ist die Greifenwarte.“
Von Rockenau bis Haßmersheim waren es ca. 30 Minuten Fahrtweg. Wir konnten mit dem Auto bis hoch zur Burg fahren und den
Wagen unter schattigen Bäumen abstellen. Am Kassenhäuschen lösten wir eine Eintrittskarte für die Vogelschau und das
Burgmuseum. Doch vorher gingen wir in die Burgschenke, wo Spezialitäten aus baden-württembergischen Landen und anderen
Gefilden gereicht werden. Ritter und Burgfräulein sorgten für unser leibliches Wohl. Ich entschied mich für „Zartes vom Schwein“.
Nach dem köstlichen Essen besichtigten wir die Burg. Dabei kamen wir an einer mittelalterlichen „Heuherberge“ vorbei, wo man wie
einst die Landknechte schlafen konnte. Burg Guttenberg ist seit dem Mittelalter nie zerstört und immer bewohnt worden. Die
Ritterburg liegt auf einer Bergnase zwischen Neckartal und Mühlbachtal. Mit ihrem mächtigen Bergfried, den vielen Mauern und Wachtürmen und dem grossen Palas grüßt sie ins Tal hinab.
Im ältesten Teil der Burg befand sich ein sehenswertes Museum, das die Geschichte der Burg und ihrer Bewohner erzählt. Wir
erfuhren u.a., dass Burg Guttenberg in der Stauferzeit (um 1200) zur Sicherung der Kaiserpfalz in Bad Wimpfen gebaut wurde. Die
hohe Schildmauer und der Bergfried stammten noch aus dieser Zeit. Die Burgvögte der Staufer besaßen die Herrschaft Guttenberg
bis 1449, dann wurde sie von Hans von Gulden (wer immer das auch war) gekauft. Seit mehr als 550 Jahren ist die Burg im Besitz der Freiherren von Gemmingen geblieben, die sie heute in der 17. Generation (!) bewohnen.
Als wir den imposanten Burghof betraten klirrten hinter uns Schwerter und Kanonendonner schallte aus den historischen Mauern.
Zuerst ging es in den Rittersaal mit seinen Rüstingen, dann weiter in die Folterkammer Ich erschrak heftig, als ich während der
Besichtigung der Folterbank plötzlich markerschütternde Schreie vernahm. Sie kamen zwar von einem Tonband, aber der Überraschungseffekt war gelungen.
Wir gingen weiter und erreichten das Schulzimmer, in dem Wilhelm Hauff die Kinder des Burgherrn als Hauslehrer unterrichtete.
Da wir bis zum Beginn der Greifvogel-Vorführung noch etwas Zeit hatten, ließen wir es uns nicht entgehen auch noch auf den Turm zu steigen um den herrlichen Rundblick auf das Neckartal zu genießen.
Noch etwas erschöpft von der Kletterei wollten wir uns einen schattigen Platz auf der Tribüne, wo die Greifvogel-Vorführung
stattfand, suchen. Aber die ersten 5 Reihen waren für eine Reisegruppe reserviert und die anderen hatten zwei Schulklassen in Beschlag genommen. So blieb uns nichts anderes übrig als die volle Sonne zu genießen!
Die Greifenwarte (http://www.greifenwarte.de) ist das älteste private Forschungszentrum für Greifvögel in Europa und befindet sich
in den Wehr- und Zwingeranlagen der mittelalterlichen Burg. Die einzige Zucht- und Forschungsstation arbeitet im Sinne des
Artenschutzes. Sie züchtet Adler, Geier und Eulen für die Wiederansiedlung zur Erhaltung bedrohter Arten. Außerdem ist sie
Auffang- und Pflegestation für verletzte oder beschlagnahmte Greifvögel. Das Hauptinteresse gilt dabei den ganz besonders gefährdeten Seeadlern in ihren Lebensräumen.
In 40 Jahren wurden dort ca. 35.000 Brut- und Aufzuchtsdaten von Greifvögeln und Eulen erfasst.
Begrüsst wurden wir von der Ehefrau des Inhabers des Forschungszentrums. Auf ihren Arm sass eine possierliche Schnee-Eule.
Uhus und Eulen haben ein besonderes Gefieder, dass ihnen einen lautlosen Flug ermöglicht, erklärte sie uns.
Kurz: Es war ein unvergessliches Erlebnis im romantischen Neckartal! Staunend sahen wir den heran brausenden Stoßflügen der
Adler, dem schwerelosen Kreisen der Großgeier am Himmel und dem lautlosen Gleiten der Uhus dicht über unseren Köpfen nach.
Angelockt mit ausgenommenen Tagesküken flogen dann die Geier mit Spannweiten bis 2 Meter dicht über unsere Köpfe hinweg
.Wir wurden darauf hingewiesen unsere Köpfe unten zu behalten, denn ein Flügelschlag der Geier wäre mit einem dicken Baumstamm vergleichbar!
Nach dem imposanten Schauspiel der Könige der Lüfte schauten wir uns noch die anderen Flugkünstler an. Etwas gelangweilt
schauten uns die Bart- und Mönchsgeier, Uhus, Eulen, Kaiser- und deutscher Adler und die vielen anderen Greifvögel an, als wir an
ihnen vorbeizogen. Wahrscheinlich hätten sie lieber Futter gesehen als plappernde, ungefiederte und schwitzende Zweibeiner.
Um 16.30 Uhr waren wir wieder in unserer kühlen Ferienwohnung. Im Schatten zeigte das Thermometer 32° C an. Wie warm mag es wohl dann erst in der Sonne gewesen sein?
Nachdem eine Tasse Kaffee meinen Kreislauf etwas in Schwung gebracht hatte überlegte ich, was ich nun tun sollte? Um jetzt schon
angeln zu gehen war es noch viel zu heiss. Also stellte ich mich erst einmal unter die Dusche, ging dann leicht bekleidet auf den
Balkon und las ein wenig in einem Thriller. Aber so richtig konnte ich mich auf den Inhalt nicht konzentrieren. Dieses verdammte Angelfieber! Konnte es denn nicht einmal ein wenig Pause machen?
Um 19.15 hielt ich es nicht mehr aus und ging ans Ufer. Gott sei Dank! Meine Angelsachen standen noch da, es hatte sie also keiner
mitgenommen. Während Achim noch seine Angeln zusammensteckte hatte ich meine Köder schon im Wasser. „Auf was willst du heute angeln?“ fragte ich ihn.
„Zuerst einmal mit der einen Rute auf Barbe. Mit der anderen möchte ich ein paar Lauben fangen. Später dann vielleicht einen Zander“, antwortete er.
Sein Wunsch nach einer Barbe ging tatsächlich in Erfüllung, denn er fing auf 3 Maden eine von 55 cm.
Es war schon dunkel, als ich einen Biss auf Tauwurm hatte. Vielleicht endlich der ersehnte Aal? Ich schlug an, aber während des
Drillens spürte ich plötzlich, das die Montage abgegangen war. Mist! Wahrscheinlich hatte ich den Wirbel nicht fest genug geknotet. Nun war alles weg: Abstandshalter, Blei, Vorfach!
Achim konnte sich nicht verkneifen zu bemerken, dass man auch vorher Hauptschnur, Wirbel und Vorfach auf Festigkeit prüft.
Doch weiter tat sich an diesem Abend überhaupt nichts. Lag es vielleicht daran, dass wir 2 Tage vorher Vollmond hatten? Und
überhaupt, wo war der Mond? Tagelang schien er hinter uns am Abendhimmel, aber nun war er nicht mehr zu sehen.
Dafür wurden wir von vielen Glühwürmchen umschwärmt. Es sah aus, als wenn sie alle mit einer Kopflampe durch die Gegend fliegen würden.
Wie unser Urlaub weiter ging steht im 3. Teil der Angelerlebnisse 2005.
Oerlinghausen, den 17.07.2005
hier gehts weiter zum 3.Teil Angelerlebnisse 2005..........
|